Die betörend schöne Gwendolyn Torrel und der Kapitän Jeff Boysen – stets dem Alkohol zugeneigt – sind die Hauptfiguren dieses ungewöhnlichen Seefahrer-Romans. Gwen ist die Eignerin einer wunderschönen Yacht und sie sucht händeringend einen tüchtigen Seemann und Kapitän. Trotz seiner etwas abgerissenen Erscheinung macht Jeff Boysen einen kompetenten Eindruck auf sie und sie stellt ihn ein. Das erste Ziel ist New York und neben der Mannschaft gibt es eine illustre Gästeschar auf dem Schiff. Den jungen Millionär Freddy Williams mit seiner Tante, Mr. Charles Brooks, die temperamentvolle Ungarin Ilona Jabonik, Graf Zech und den Hamburger Millionär Fahrendorf. Freddy Williams ist durch Glücksspiel verschuldet und hofft, dass ihn die angeblich schwerreiche Gwen heiratet. Auch die anderen Gäste verfolgen ehrgeizige Ziele. Der erste Eklat droht, als plötzlich der wertvolle Schmuck der Elisabeth Williams verschwunden zu sein scheint. Doch in New York kommt es zum großen Showdown. Der Kapitän wird gezwungen abzumustern, drei neue Matrosen mit Galgengesichtern kommen an Bord und kurz darauf taucht die Polizei auf und verhaftet den neuen Kapitän. Die bezaubernde Gwen ist völlig ratlos. Wie soll das alles weitergehen?

- 39 Seiten
- German
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Miß Gwen und der Kapitän
Über dieses Buch
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Information
Thema
Literatur„Ich muss in die Stadt, Jep.“
Gwen stand in einem einfachen weissen Sommerkleid vor Jep, der ihr mit seiner massiven Gestalt den Weg zum Fallreep zu versperren suchte. Es war bereits 4 Uhr nachmittags. Die Kabinen der „Eleanor“ waren leer. Mr. Brooks war mit Graf Zech bereits vor Stunden zu dem Passagierdampfer „Golden Emblem“ hinübergesetzt worden. Keiner der beiden war zurückgekehrt. Graf Zech hatte nur durch den Bootsmann sagen lassen, dass man auch für Mr. und Mrs. Williams auf der „Golden Emblem“ Plätze reserviert habe. Die beiden letzteren waren noch an Bord. Aber sie blieben unsichtbar. Mrs. Williams litt an heftiger Migräne, was nach den Aufregungen des Tages kein Wunder war, und Fred grübelte, während er in der Kabine seiner Tante Umschläge machte, über allerlei seltsame Dinge nach, Dinge, die er beim besten Willen nicht zusammenreimen konnte.
„Lassen Sie mich durch“, bat Gwen, als Jep keine Miene machte, den Platz zu räumen. „Sie wissen doch, ich muss in die Stadt! Zu Senor Soliz!“
„Warten Sie bis morgen, Gwen“, schlug Jep vor. „Es ist nämlich Revolution da drüben, falls Sie das noch nicht bemerkt haben sollten, und dass ein Revolutiönchen nichts für Damen ist, das . . .“ — Jeps Stimme wurde zu einem Knurren — „das hab ich damals in den unseligen Novembertagen in Hamburg gemerkt. Da! Hören Sie? Eben knallt es wieder da drüben beim Hotel ‚National‘!“
In Owens immer noch blassem Gesicht leuchteten die Augen auf. „Ich höre es! Die Freiheit marschiert!“
„Tja, die Freiheit.“ Jep schneuzte sich bedächtig die Nase und hielt seine Stellung. „Aber glauben Sie mir, Gwen, die Freiheit sieht nicht immer schön aus, wenn man sie mit nüchternen Augen aus der Nähe besieht.“
„Aber ich muss hin! Jetzt, wo die Juwelen . . .“ Gwen stockte. Ein vorwurfsvoller Blick traf Jep.
„Tja, das ging nicht anders, Gwen. Aber wenn Sie wollen, nehm ich die Dinger der guten Tante doch noch ab, ehe sie zur ,Golden Emblem‘ hinübergondelt.“
„Nein!“ Gwen atmete heftig. „Vielleicht ist es nicht mehr notwendig. Vielleicht braucht Kuba keine Waffen mehr, um frei zu werden. Aber das Geld brauche ich! Lassen Sie mich durch, Jep!“
Jep rührte sich nicht. „Wenn ich mitgehen könnte“, überlegte er laut, „aber das hat auch wenig Zweck. Wenn man den braunen Burschen da drüben auf die Hühneraugen tritt, dann mobilisieren sie die Armee, und mit der wird man nicht fertig, wenn man nicht mindestens so fünf, sechs Hamburger Jungs bei der Hand hat. Ausserdem gehört der Kapitän an Bord, wenn’s mulmig wird. Man weiss nicht, was den heulenden Burschen da drüben am Hafen noch einfallen kann.“
„Jep!“ Gwen sah ihm bittend in die Augen. „Lassen Sie mich gehen. Sie wissen, dass ich zu Senor Soliz muss. Und mir geschieht nichts. Ich kenne Habana und kenne das Volk. Und vielleicht . . .“ — sie zögerte sekundenlang und sprach dann den innersten Gedanken ihres Herzens aus — „vielleicht finde ich da drüben unter den Freiheitskämpfern . . . Ramirez.“
„Ach sol“ Eine dunkle Röte zog über Jeps Gesicht und er trat unwillkürlich einen Schritt beiseite. „Sie haben Sehnsucht nach Senor Ramirez! Da kann ich allerdings nicht helfen. Aber fragen Sie sich erst noch mal genau, Gwen: müssen Sie wirklich da hinüber, weil vielleicht der Senor Ramirez im Hauptquartier der Revoluzzer begeisterte Reden schwingt?“
Die Blicke der beiden Menschen tauchten tief ineinander. Gwen wandte den Kopf zur Seite.
„Ja. Ich muss“, sagte sie leise.
Jep zog die Schultern hoch. „Wenn der Mensch muss, dann muss er eben“, sagte er philosophisch und gab den Weg frei.
Er sah ihr nach, wie sie geschmeidig vom Fallreep in das wartende Ruderboot setzte und brummte ärgerlich vor sich hin:
„Ist ausgewachsener Blödsinn, dass ich sie in die Stadt lasse, aber . . . He! Leute!“ schrie er plötzlich den beiden Matrosen nach, die die Riemen ins Wasser tauchten. „Ihr bleibt am Kai und wartet unter allen Umständen, bis Mrs. Torrel zurückkommt, verstanden! Dass ihr mir nicht ausreisst, wenn’s mal ’n bisschen knallt am Hafen! Sonst knallt’s nachher hier bei mir noch ganz anders.“
Senor Carlos Soliz war nicht zu Hause. Eine schlampige braune Dame in aufgelöstem Haar und offenherziger Seidenbluse fuchtelte mit erregten Händen vor Gwens Gesicht herum. Wie die Senorita nur denken könne, dass Senor Soliz in dieser Stunde daheim sei! Madre Dios! War er nicht Vorsitzender des ABC von Habana? Wo sollte er wohl sein! Heute! Natürlich da, wo alle wahren Freunde des Volkes hingehörten! Bei den revolutionären Truppen, die dabei waren, die blutigen Menschenschlächter zu fangen, die Offiziere die sich im Hotel „National“ verschanzt hatten und auf das Volk schossen.
Gwen eilte weiter durch die Strassen. Der Aufruhr schwoll und tobte um sie her. Sinnlos zerstörte Gartenanlagen, aufgerissene Strassenbahnschienen, umgeworfene Autos, geplünderte Geschäfte, verbogene Laternenpfeiler, Hufgeklapper, laufende, schreiende Menschen. Unversehens war Gwen mitten drin im Strom. Eine dichtgedrängte Menschenmenge schluckte sie und schob sie weiter, bis sie willenlos wie ein Schiff ohne Steuer mitten in der Brandung trieb.
Wie toll gebärdeten sich diese Tausende. Arbeiter aus den Vorstädten, Mulatten und Neger aus den umliegenden Plantagen, schweissglänzende Gesichter, verdrehte Augen, Kehlen, die sich längst heiser geschrien hatten. Mitten in der Menge ein paar Lastautos voller Menschentrauben, wilde Soldatengesichter, von Schweiss und Staub entstellt, denen die Menge grölend zujubelte.
Es war unmöglich, aus dem Gedränge herauszukommen. Gwen liess sich treiben, denn der Strom trug sie ohne ihr Zutun dahin, wohin sie wollte. Diese tausendköpfige, entfesselte, rasende Menge strömte zum Schauplatz der Kämpfe, zum Hotel „National“, in das die regierungstreuen Offiziere sich geflüchtet hatten und verzweifelt um ihr Leben kämpften.
Ein dumpfes Dröhnen — ein entsetztes Aufheulen. Die Menge geriet ins Stocken, presste sich ineinander wie zusammengefahrene Eisenbahnwaggons. „Sie schiessen mit Geschützen!“ Panik drohte. Fräuen schrien hysterisch. Gwen stemmte mit Gewalt beide Arme vor die Brust, um nicht zerdrückt zu werden. Ein Gewehr wuchs plötzlich über die strudelnde, stockende Masse empor, eine Männergestalt, von zwanzig Fäusten auf die Schultern gehoben, reckte sich.
„Es sind unsere Freunde, Kameraden! Die Artillerie von Santa Espirita hat sich zur Sache der Freiheit bekannt! Sie bombardieren das Hotel National mit Geschützen!“
Triumphgeheul brandete empor. Die Masse kam wieder in Bewegung, drängte noch stärker als vorher gegen die Avenida. Ein paarmal noch dröhnte der Bass der Kanonen. Dann wieder regellos wildes Gewehrfeuer. Über den Köpfen, blendend weiss gegen den Himmel, tauchte die glatte Fensterfront des Hotelriesen auf. Die weisse Wand warf schallend das Echo der knatternden Schüsse zurück.
„Platz! Platz für die Garden der Freiheit! Die Erretter! Die Braven!“
Eine Abteilung des zu den Aufrührern übergegangenen regulären Militärs versuchte, sich durch die Menschenmasse zu winden und blieb rettungslos stecken. Blumen überschütteten sie. Die Führer fluchten und schimpften. Die Reihen lösten sich, verschwanden in der vorwärtsstrudelnden Flut.
Plötzlich stieg ein Ohrenbetäubendes Brausen auf da vorne von den Massen, die die Ereignisse auf der Plaza übersehen konnten, pflanzte sich anschwellend fort zu einem Höllenkonzert von Triumphgeschrei.
„Sie kapitulieren! Die Bluthunde haben sich ergeben. Es lebe die Freiheit!“
Gwen schaute, halb ohnmächtig von Dunst und Geschrei, zu dem hohen weissen Hotelgebäude jenseits der Palmenanlagen empor. Aus einem der Fenster im fünften Stockwerk hing schlaff und müde eine weisse Fahne.
Endlich gab es ein wenig Luft. Die bisher von den umstürzlerischen Soldaten besetzt gehaltene Plaza wurde freigegeben. Wie das Ausatmen eines Riesen floss die dichtgekeilte Menge aus der schmalen Avenida über den sonnenhellen, weissen Platz.
Taumelnd erreichte Gwen ein halb zusammengedrücktes Eisengitter, das sonst die köstlichen Blumenbeete umfriedete, und hielt sich daran fest.
Dicht besetzte Lastautos mit roten Fahnenfetzen rollten vorüber. Zerbrochene Stöcke, Gewehre, Hüte bedeckten den Platz. Es roch nach Pulverdampf und Gasen. Mitten in der prallheissen Sonne lag ein Mensch, den Arm starr anklagend gegen den Himmel gestreckt.
Langsam fand Gwen den Atem wieder und begann sich vorwärtszutasten über den Platz. Dort drüben bei den Truppen, den Freiheitskämpfern, musste wohl auch Senor Soliz sein. Oder jedenfalls konnte sie von einem der Führer dort erfahren, wo er zu finden war.
Das Gewehrfeuer schwieg. Nur noch Siegesgeschrei und heisere Gesänge heulten über den Platz und verschlangen das Durcheinander der Kommandorufe bei den Aufrührertruppen. Gwens Fuss stolperte über umherliegende, abgeschossene Granatenhülsen. Sie kam wieder ins Gedränge, sah sich plötzlich mit unwiderstehlicher Gewalt vorwärtsgedrückt bis an das grosse, von Kugelspuren zerbröckelte Portal des Hotels. Erhitzte Soldaten drängten und stiessen um sie herum. Ihre Gesichter hatten kaum noch etwas Menschliches. Hass, Blutrausch, eine Hölle entfesselter Leidenschaften sprang aus ihnen gegen Gwen an wie ein Rudel wilder Bestien. Die meisten der Burschen waren barfuss, ihre Uniformen buntscheckig und zerrissen. Aber in den Händen trugen sie tadellose, fabrikneue Gewehre, gute Waffen amerikanischen Ursprungs. Gwen schauderte unwillkürlich zusammen, als ihr Blick auf diese modernen Waffen fiel, die schmutzige Finger umkrallten. Waren das die Soldaten der Freiheit, die edlen, von heisser Vaterlandsliebe lodernden Caballeros, von denen Ramirez gesprochen? Gwen war nicht zum erstenmal in Habana. Sie kannte den Typ der Cubanos. Das da, das war Hefe, Mob, zusammengelaufenes Gesindel vom Hafen und aus den Vorstädten.
„Sie kommen! Die Bluthunde kommen!“
Aus dem Hoteleingang schritt stolz wie ein Triumphator ein brauner Bursche in der Uniform der Infanteriesoldaten, der lachend ein an einen Gewehrlauf gebundenes, weisses Bettlaken schwang. Und hinter ihm quoll aus dem kühlen Dunkel des Vestibüls ein langer Zug von Männergestalten, eskortiert von Soldaten und schnürenbehangenen Führern der revolutionären Armee; wohl über hundert Mann, die letzten Verteidiger des Hotels.
Einige von ihnen trugen blutdurchtränkte Verbände um Stirn und Arm, schleppten sich mühsam an den Schultern der Kameraden dahin. Von Pulverrauch geschwärzte Gesichter, starr, stolz, bronzenhaft. Hochaufgerichtet die einen, müde, mit verbitterten Gesichtern die anderen. Aber Männer! Männer, die ihre Uniform in Ehren getragen, die sich tapfer geschlagen hatten. Manch edel geformtes Gesicht darunter.
Sie waren waffenlos, aber in ihrer Haltung lag Würde und Stolz.
Wieder brandete ein wüstes Geschrei über den Platz.
Plötzlich fiel ein Schuss. Ein zweiter, ein dritter folgte sekundenschnell. Eine ganze Salve. Gwen schrie in wildem Entsetzen auf. Die weisse Fahne war plötzlich verschwunden, von Fäusten heruntergerissen. Zwischen die geordneten Reihen der Gefangenen drängten sich die wilden Gestalten der Revolutionäre, schossen aus nächster Nähe die Wehrlosen nieder wie Hunde, stiessen heulend vor Mordlust ihre Bajonette in die Leiber der Zusammengebrochenen, krallten Raubtierfinger um die Gurgeln der schon am Boden liegenden Opfer.
„Es lebe die Freiheit! Nieder mit den Bluthunden!“ Gwens wahnsinnige Schreckensschreie gingen völlig unter in dem Getobe, das sie umschloss. Einen Schritt nur vor ihr sah sie eine Sekunde lang ein mit einem blutigen Tuch umwundenes Männergesicht, ein verwundeter Offizier, der stumm, mit einem Ausdruck unsäglicher Verachtung die Kerle anblickte, die ihn mit Kolbenstössen gegen die Hauswand trieben. Einer setzte ihm einen Gewehrlauf an den Kopf. Der Knall verlor sich im allgemeinen Geschiesse und Geschrei. Blut und Gehirn spritzten gegen die Mauer. Zwei, drei Bajonette bohrten sich in den lautlos zusammensackenden Körper.
„Ich will nicht! Ich will nicht!“ Halb sinnlos vor Entsetzen stiess Gwen mit beiden Fäusten die Soldaten beiseite und bahnte sich einen Weg durch das Gemetzel. Ihr Fuss strauchelte über röchelnde, niedergemetzelte Körper. Wie eine Sinfonie der Hölle gellte ihr das Jubelgeschrei in den Ohren, mit dem die begeisterte Menge das Hinschlachten der wehrlosen Gefangenen begrüsste. Sie vergass sowohl ihr Englisch wie ihr Spanisch. „Mörder!“ schrie sie wie irrsinnig der sie umdrängenden Soldateska in die Gesichter. „Mörder! Feige Mörder!“ Ein rohes, von Mordlust entstelltes Gesicht starrte sie stumpf an, eine blutbeschmierte Hand griff plump nach ihrer Schulter. Sie riss sich los und rannte weiter. Immer wieder knallten Schüsse auf, schmetterten Kolben dumpf krachend auf unbedeckte, berstende Schädel. Wie im Traum sah Gwen auf einem Auto stehend einen der revolutionären Führer, einen jungen Burschen, der mit grausam dünnen Lippen auf das Gemetzel hinablächelte und sich dann mit einem Achselzucken zu seinem Adjutanten umwandte.
Fort, nur fort! Endlich war sie aus dem wilden, blutigen Knäuel heraus, rannte über den Platz hinein in die tobende, heulende Menschenmenge, die wie ein Wildwasser über die weite Plaza quirlte und strudelte.
Die Schüsse schwiegen. Nur das Geheul tobte weiter.
„Mein Mann! Mein Mann!“ Eine verzweifelte Frauenstimme war da plötzlich dicht vor Gwen, eine Stimme, die schrill anstieg in grauenvollem Leid. Eine schwarzhaarige, junge Frau wand sich unter den Griffen einiger mit roten Bändern geschmückter Burschen, biss, trat, spie nach allen Seiten.
„Sie morden ihn! Morden die Wehrlosen!“
Mit einem Ruck riss sie sich los, dass die Fetzen ihrer Bluse in den Händen der Männer blieben, taumelte gegen Gwen und sah ihr starr ins Gesicht.
„Helfen Sie mir, Senorita! Mein Mann! Er ist da drüben im Hotel! Offizier! Sie haben sich doch ergeben! Warum schreien und schiessen sie noch da drüben?“
„Kommen Sie! Schnell!“ Gwen schlang ihren Arm um die Schreiende und versuchte sie fortzuziehen. Sie tat es halb unbewusst, mehr um in dieser Schreckensstunde einen Menschen bei sich zu haben, den das gleiche Entsetzen schüttelte wie sie, als um zu helfen und zu retten. Die Menge um sie wurde rasch grösser, Leute liefen hinzu, Stimmen hetzten.
„Das ist auch eine von denen da drüben!“
„Tod den Bluthunden!“
,,Sie gehört zu den Schweinen im Hotel!“
Hände streckten sich drohend aus. Fäuste ballten sich.
„Rühren Sie mich nicht an!“ schrie Gwen auf Englisch. Ihr blondes Haar gleisste golden im scharfen Sonnenlicht, ihre Arme umschlangen schützend die Fremde, die wild mit den Füssen nach den sie Bedrängenden stiess. Einen Augenblick gab es ein Stutzen in der Menge. „Americanos!“ scholl warnend über die Köpfe die Stimme eines noch leidlich Besonnenen. Das Wort lockerte einen Augenblick den Kreis. Gwen wand sich hindurch und riss die fremde Frau mit sich fort, schleppte sie förmlich über den Platz hinweg der nahen Seitenstrasse zu. Hinter ihr schwoll das Geheul wieder an.
„Sie ist eine Amerikanerin! Lasst die Finger von den Amerikanern, sonst schiessen sie vom Hafen aus die Stadt zusammen!“
„Nieder mit den Americanos!“
„Aber die andere — das ist keine Amerikanerin. Das ist die Frau von einem Hunde da drüben!“
„Sie hat die Revolution beschimpft!“
„Holt sie zurück! Haut sie nieder!“
Ein Rudel von Menschen setzte in langen Sprüngen hinter den Flüchtenden her. Gwen lief wie gehetzt, aber es konnte nicht lange dauern, bis man sie eingeholt hatte. Die Fremde sträubte sich und schrie wie irrsinnig nach ihrem Mann.
Plötzlich aber hielten die Verfolger jäh inne. Vom Hotel her knatterte es wieder los. Panikartig stob die dichtgedrängte Masse auseinander.
„Die Kommunisten! Die ABC-Leute schiessen auf die Soldaten der Revolution! Rette sich, wer kann!“
Keuchend gewann Gwen die Seitenstrasse, rannte weiter bis zur nächsten Querstrasse, in der nur zertrümmerte Fensterscheiben und geplünderte Läden noch vom Wahnsinn der Masse sprachen. Erschöpft lehnte sie sich einen Augenblick gegen eine Mauer. Die Fremde starrte sie aus wilden Augen an.
„Was wollen Sie von mir? Warum schlepp...
Inhaltsverzeichnis
- decken
- Titel
- Kolophon
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- Über Miß Gwen und der Kapitän
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