Mutter Marie
eBook - ePub

Mutter Marie

  1. 124 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub

Mutter Marie

Über dieses Buch

Heinrich Manns erster Roman über Leben und Leiden in der Weimarer Republik.Berlin, Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist groß. Aus finanzieller Sorge setzt das junge Dienstmädchen Marie ihr Kind aus. Jahre später wendet sich das Blatt: Marie ist abenteuerliche Weise und durch Heirat zur reichen Baronin aufgestiegen. In dem jungen Valentin glaubt sie ihren Sohn wiederzuerkennen. Geplagt von Schuldgefühlen, versucht sie ihren Sohn zurückzugewinnen – und das Schicksal nimmt erneut seinen Lauf. -

Tools to learn more effectively

Saving Books

Saving Books

Keyword Search

Keyword Search

Annotating Text

Annotating Text

Listen to it instead

Listen to it instead

Information

Jahr
2021
eBook-ISBN:
9788726885682

Siebtes Kapitel

Als Marie zurückkehrte, litt sie nicht mehr. Sie hatte in jenem Hause nochmals eine vollständige Beichte abgelegt und war nun losgesprochen. Hinter ihr lag mit seiner Sündenpracht ein abgefertigter Lebensabschnitt, sie hatte nicht darauf zurückzukommen. Es gab nichts mehr zu bereuen aus jenen Zeiten. Auch die Wünsche von damals waren dort zurückgelassen. Sie waren es wirklich, Marie litt an ihnen nicht mehr, sie hoffte sogar – hoffte auf ihre höhere Erfüllung für später, wenn Gott selbst die Mutter mit ihrem Kinde vereinigt und ihr erlaubt, seine Mutter zu sein.
Sie litt nicht mehr, nur fürchtete sie sich, wie Genesene vor Rückfällen. Das Sakrament der Buße kann dich retten. Es kann dich aber auch der Verzweiflung näherbringen. Wie, wenn deine Natur ihm dennoch nicht gewachsen war? Nach Rückfällen stände es mit dir schlimmer als vorher, zur Zeit der Unwissenheit. Vor allem sei streng gegen neue Selbsttäuschungen! Wärest du von neuem wieder bereit, dir deine verbrecherischste Verirrung als heilig vorzuspiegeln? Bleibe klar, bleibe rein! Nur immer darauf bedacht, daß die Wohltat des empfangenen Sakramentes in dir fortwirke – in deiner armen, vom Leben schwankenden Natur, was schwer, ja, fast unmöglich ist. Aber du mußt Mut behalten. Der Kaplan von Sankt Hedwig glaubte nicht sehr fest an die Gnade, aber er forderte Willen.
Sicherer wäre gewesen, den Versuchungen keine Gelegenheit zu geben, dem Versucher nicht unter die Augen zu treten. Ihr zweiter Beichtvater war andrer Meinung. Er verlangte im Gegenteil, daß sie kein Ärgernis gebe, sondern zur Hochzeit ihres Sohnes gehe. Vergebens bat sie um Erlassung der Pflicht. Sie gehorchte, fuhr nach Heringsdorf, sie bezog ihr Zimmer in der Villa, die sie erwartete.
Zum Glück blieb er noch aus. Der Hochzeitstag sollte Sonntag sein, sie kam schon Mitte der Woche. Die Generalin sagte, nachdem sie beim Anblick Maries zuerst gestutzt hatte: »Der Präsident läßt Valentin nicht vor Sonnabend her. Valentin ist ihm unentbehrlich geworden. Wissen Sie, daß er jetzt beim Präsidenten Privatsekretär ist? Sie sehen übrigens glänzend erholt aus, meine Liebe.«
Da sie über ihre Herkunft schwieg, ward der Form wegen angenommen, daß sie irgendeine Kur gebraucht habe. Alle kamen mit, sie durch das Haus zu führen. Es hatte kahle Zimmer, die Möbel, noch siebziger Jahre, waren aus Mahagoni und Plüsch, aber in einem schräge geneigten Spiegel stieg eine dunstblaue Fläche auf und nieder, die See.
Als ihr Zimmer geöffnet wurde und der Seewind hindurchfuhr, sagte der General: »Baronin, ich bitte gehorsamst, Sie bei Ihrem Eintritt mit den Rosen des Gartens begrüßen zu dürfen«, und auch der Professor zog hinter dem Rücken seinen Strauß hervor. Die Generalin bemerkte: »Ihr Zimmer ist noch das beste. Gerümpel steht überall, und wenn Sie den sonderbaren Duft gerochen hätten, der darin war. Wir werden umbauen und neu einrichten, Valentin macht jetzt Karriere.«
»Ich wünsche es sehnlichst«, sagte Marie. Die junge Prinzessin, die sie nur immer betrachtet hatte – länger als je und als hätte sie Marie so nicht gekannt, küßte plötzlich ihre Hand. Hierauf sagte Marie, wie dankbar sie sei für dieses schöne Zimmer, gewiß wirklich das schönste, für die Rosen, den Balkon zur See hinaus.
»Er liegt über der Terrasse, wo wir Sie erwarten«, sagte der General, man verließ sie. Marie küßte die Generalin.
Sie blieb vor dem Fenster stehn, erleichtert, weil sie schweigen durfte. Sie hätte sogar lieber vermieden, umherzugehn, Schritte, die drunten vielleicht hörbar wurden. Auch wollte sie niemandem ihren veränderten Anblick vorhalten. Könnte doch alles, was hier geschehn sollte, wenigstens nur vor ihrer Larve geschehn, nicht aber vor ihrer Seele! Hier trieben sie es weiter, als gäbe es jene Welt nicht, aus der sie selbst zurückkam, die an ihr selbst noch haftete. Dafür freilich hatten sie nichts getan, was von der Ewigkeit her sie bedroht hätte. Auch die Generalin, was sonst über sie zu sagen wäre, von der Ewigkeit her war sie nicht bedroht. Als Marie dies bedachte, hatte sie sich gedemütigt und die Generalin geküßt.
Drunten fragte der General: »Wie findest du sie?« Da seine Frau die Achseln zuckte, erklärte er selbst: »Erschreckend verändert – wenn auch doch wieder vorteilhaft.«
»Warum sollte sie nicht schlank werden, sie hatte es nötig.« Die Generalin verbesserte sich. »Nun ist sie gleich stockmager, sieht geradezu gewachsen aus – und den Augen wünsche ich für täglich nicht zu begegnen«, schloß sie ungeduldig.
»Sie muß etwas erlebt haben.«
»Wir erleben selbst genug«, sagte sie.
»Immerhin«, sagte der General. Er fand mehr als nur die Spur von unser aller Leben in dem Gesicht der Veränderten. Es war schmaler geworden, auch weicher, auch mürber, ja, die Augen lagen eingesenkt in braune Schatten. Vor allem verbreitete die am Mund nun schon gefaltete Haut den Eindruck von Stille, dies war merkwürdig. Menschen werden doch höchstens unruhiger? Was einem zum Schluß bevorsteht, davon ist nicht viel Rühmen zu machen. Wer wird zuletzt noch wie ein Kind erweiterte Augen bekommen, die staunen, drängen und die auch andre auf fernliegende Gedanken bringen … Der General hatte einen ziemlich heftigen Gallensteinanfall kurz hinter sich, er fürchtete sich, zu essen, er hungerte lieber, das stimmte ihn empfänglich.
»Mir gefällt ihre Farbe nicht«, sagte die Generalin. »Überhaupt geht alles viel zu schnell bei ihr, es muß einen inneren Grund haben. Ich würde mich nicht wundern, wenn es Karzinom wäre.«
Der General hatte eine Ahnung, als habe noch eher seine Frau als ein Krebsgeschwür an jenen Veränderungen mitgewirkt. Er war mit ihr weniger einverstanden als je, desto höflicher nahm er Abschied, um mit dem Professor Schach zu spielen. Die Prinzessin ging baden.
Marie sah sie von oben. Die Haut des jungen Mädchens war blond gebräunt, viel Haut, das helle Kleid bedeckte nicht mehr als ein Schurz. Im Garten in der Sonne legte sie beide Hände auf den geschorenen Nacken und drehte sich um sich selbst, das erstemal langsam, dann schneller. Das angeklebte kurze Haar flog auf, es stand waagrecht hell um den Kopf. Das bunte Gesicht verschwamm, die langen Beine, die spitzen Arme wurden ganz Bewegung, nur noch ein Rad weißen Körpers schwang … Plötzlich stand es, das junge Mädchen sprang, von der Anstrengung nur munterer, hinab auf den Strand. Vor dem Haus über den Fußweg, schon watete sie im Sand. Auf halbem Weg zum Wasser verschwand sie in dem Badekarren.
Der Strand war leer, vielleicht, weil viele seit dem Mittagessen noch schliefen, denn jedes Stück Sand und Meer wartete geduldig auf die Bewohner der Villa, die davor hingestellt war. Dies war die Villenreihe gegen Ahlbeck, bevor der Wald beginnt. Das Haus lag tief im Garten, Rosengebüsch unter seiner grauen Terrasse. Der Strand von oben gesehen erschien silbrig, er verdunkelte sich nach dem Wasser, das weißblau ruhte. Der Himmel stieg daraus auf wie durchleuchteter Nebel, nicht anders, als Möwen daraus aufstiegen. Es roch nach Weite, man glaubte sich allein.
Marie prüfte ihr Herz. Sie wartete, daß das junge Mädchen den Badekarren verlasse, damit sie genauer erfahre, was sie zu fühlen nahe war. Drohte ihr, Haß zu fühlen? Diese junge Prinzessin hatte sich hier wie ein Rad gedreht in der Sonne – die ganze Zeit, während Marie im Bußhause auf ihren Knien lag. Jenes Haus hatte Vortragssaal und Kapelle, von früh bis abends pilgerte man dazwischen hin und her. Kein Knicksen war erlaubt, es hieß, das Knie bis auf den Boden beugen. Es hieß arbeiten, in Betrachtungen verarbeiten, was dir gepredigt worden war, ja, deiner Sünden klar bewußt jede Stunde des Tages, noch als letztes vor dem Schlafen um die Gnade eines seligen Todes beten.
Alles in Gemeinschaft, aber stumm. Sie aßen um denselben Tisch, vernahmen die gleichen Mahnungen über den Zweck des Menschen, über den Tod – nur kein Wort war erlaubt zueinander. Namenlos und ohne Sprache vergehst du mit deiner armen Seele in der Schar, die herzlich und derb hier geweidet wird. Lerne Abhängigkeit, erkenne die Armut wieder, sorgengraue Gesichter, das grobe Essen, die getünchte Wand. Sei streng mit dir allein und doch wie alle Welt … Sie hatte sich empört, da war von den andern für ihre Unterwerfung gebetet worden. Das machte, daß auch sie mitbetete für sich. Nun ward sie ergeben, sogar Begeisterung kam. Aber endlich kam Liebe.
O getünchtes Zimmerchen, Fleck auf Erden, der noch mein ist, harter Boden, diese Knie drückst du. Ich habe über mir als einzigen Herrn das Kreuz, das blutrote Bild meiner Sünden. Der Gekreuzigte ruft mir zu: Sieh hier dein Werk! Ich schwöre ihm: keine Todsünde mehr in meinem Leben! – und ich liebe, mit meinen Augen, die in keine andern mehr blicken sollen, seinen verlöschenden nachzusehn. Ich fühle Gedanken, die seine und mir nur hier erlaubt sind. Dies Zimmer nimmt sie auf und verwahrt sie, es ist endlich durchtränkt, wie nie ein andres war, von den Arbeiten meines Gemütes. Nun ich es verlassen muß, fürchte ich, obwohl von meinen Sünden losgesprochen, zu viel von mir hier zu verlassen. Noch sehe ich um: hilf mir, zu bleiben, was ich hier war! …
Da traf Marie auf der blauen Fläche, die weithin vor ihr ruhte, einen helleren Punkt. Sie hatte noch Augen wie als Kind, sonst hätte sie nicht erkennen können: die Prinzessin – der helle Punkt dort hinten ist alles, worauf es jetzt ankommt, das große Ereignis. Sie hielt den Atem an, sie lauschte. Auf einmal war es entschieden, ganz einfach und still: sie liebte jenen hellen Punkt, liebte die junge, törichte Adele als ihr Kind, wie Valentin. Auch seinetwegen, erkannte sie, war nichts zu fürchten. Sie gönnte ihm Adele und seine Jugend. Dies war geordnet, sie konnte getrost hinuntergehn.
Drunten hatte der Professor seinen Freund schachmatt gesetzt. Er war guter Dinge, indes der General bedachte, daß hauptsächlich seelische Erregungen seine schrecklichen Anfälle auslösten und daß im Hause Stoff dazu sei.
Der Professor sagte: »Wie sich das trifft! Jetzt heiratet meine Prinzessin, dann trete ich mein neues Lehramt an. Es hätte vom Schicksal doch auch weniger gut abgepaßt werden können.«
»Sie sind der geborene Glückspilz, lieber Freund«, sagte der General aus Höflichkeit, denn die Unbefangenheit des Glücklichen fing an, ihm lästig zu fallen. »Eine Professur an einer so bedeutenden Hochschule!«
»Man beruft mich«, erklärte der Professor. »Es ist wahr, man holt mich. Freilich hat man sich Zeit gelassen. Wenn man sich jetzt auf meine historischen Untersuchungen stützt, ist leider zu sagen, daß sie schon alt sind. Inzwischen hatte ich andre Sorgen.« Seine Heiterkeit bedeckte sich, sein Freund fand sie derart viel angenehmer.
»Ich mußte leben«, sagte der Professor, »denn die Prinzessin mußte leben. Da habe ich unverantwortliche Dinge getan. Vielmehr, unverantwortlich wären meine verfilmten Geschichtsfälschungen nur, wenn nicht die ganze zeitgenössische Gesellschaft sie verantwortete. Den herrschenden Interessen sind sie nützlich, daher meine Erfolge. Wer sollte Erfolge heute noch bezahlen außer den herrschenden Interessen, und sie bezahlen nur geleistete Dienste. Das ist nicht rühmlich für mich, gegen den Strom schwimmen verlangt mehr Kraft. Auch die Universität beruft mich im Grunde für meine Filme, es ist nicht rühmlich. Aber, lieber Freund, jedes Glück hat sein Gesicht. Man muß es zu empfangen wissen.«
Wehmut, viel Wehmut bei tiefinnerer Heiterkeit, sein Freund faßte um so mehr Vertrauen, er beschloß, ihm von den beunruhigenden Zeichen der eigenen Krankheit zu sprechen. Er nahm seinen Arm. Die Freunde wandelten auf der Terrasse.
Die Generalin inzwischen irrte durch das Haus. Sie war einmal sogar an der Tür der Fremden, ob sie noch nicht herauskäme. Gleich daraufkam sie wirklich, die Generalin konnte grade noch verschwinden. Sie ließ die andre die Treppe hinuntergehn, sie wartete droben – aus Unentschlossenheit, aus ratloser Erbitterung über ihr Geschick.
Sie hatte ihre Träume nicht wahr gemacht. Valentin war noch immer nicht reich, die Prinzessin hatte keine Mitgift, weder vom Präsidenten noch von Baronin Hartmann. Die Achtung der Generalin vor Baronin Hartmann war gestiegen, sie hielt sie für die Geschicktere. Bei dem Präsidenten kannte sie Druckmittel, kein Zweifel, es waren unwiderstehliche. Nur der Mut, sie anzuwenden! Man war nicht umsonst ein Leben lang die geschmackvolle Dame. Dennoch drängte die Tat, in drei Tagen wird nur noch schwer etwas zu ändern sein.
Die Generalin legte keinen Wert darauf, daß ihr vermögensloser Sohn die arme Prinzessin heirate. Offen dagegen aufzutreten hätte ein falsches Licht geworfen auf eine Frau wie sie. Was aber blieb einer Baronin Hartmann viel zu verlieren. Der Generalin hatte sie Enttäuschungen genug bereitet, mochte sie ihr in diesem äußersten Fall doch helfen. Die Generalin entschloß sich. Glänzenden Auges betrat sie den Salon.
»Allein, Baronin? Die Prinzessin badet noch immer? Sie ist im Wasser nicht mehr zu sehn. Wird auf der Promenade sein. Finden Sie nicht auch, daß sie kokett wird? Das arme Ding, ein Verehrer wie der Präsident könnte jede auf falsche Gedanken bringen.«
Baronin Hartmann war erschrocken, der Generalin entging es nicht. »Ganz recht«, sagte sie, »es ist schrecklich, der Präsident hört nicht auf, der Prinzessin nachzustellen. Seinen letzten Heiratsantrag wird er ihr noch in der Kirche machen, bevor sie mit Valentin zum Altar tritt – und reden wir nicht von dem, was der jungen Ehe dann sicherlich droht vom Präsidenten.«
Marie sagte: »Droht ihr denn mehr als andern Ehen? Der Präsident ist alt, er wird es endlich einsehn. Die beiden Kinder aber lieben sich.«
»Wenn es so einfach wäre«, sagte die Generalin höflich bedauernd. »Tatsache ist, daß bei Valentin das Ganze nur mit Mitleid begann. Ich stelle dahin, ob Mitleid so weit gehn muß, daß man heiratet. Eines Tages wird er bemerken, daß niemand ihm dankt. Mit Recht«, ergänzte sie schnell. »Man kettet an sich keine Prinzessin, die man nicht standesgemäß ernähren kann.«
»Ich erkenne Sie nicht wieder«, sagte Marie.
Die Generalin errötete – sie dachte: »Wie ein junges Mädchen! Wann werde ich es lernen, mich mit den Leuten auf die gleiche Stufe zu begeben.«
»Machen wir uns nichts vor«, sagte sie ohne Höflichkeit. »Wir wissen, daß Valentin von keiner Seite –« Blick und Ton kennzeichneten die Seite, »wirklich entscheidende Hilfe zu erwarten hat. Im Gegenteil, infolge Gefälligkeiten, die ihm aufgedrängt wurden und denen er nicht entschieden genug widerstanden hat, befindet er sich heute in den Händen eines Geldmannes – der Mann steht nicht im Ruf, irgend jemand so bald fortzulassen.«
»Ich werde dafür sorgen. Ich spreche im Interesse Valentins mit Herrn Kappus wie auch mit dem Präsidenten.« Marie blieb vollkommen ruhig. Die Generalin fand sie farblos, trotz aller Geschicklichkeit mußte die Hartmann sich geschwächt haben an ihrem Abenteuer mit Valentin.
»Alte Leute sollten vorsichtiger sein«, äußerte sie. »Aber mit dem Präsidenten ist nicht zu reden, sprechen Sie lieber mit Valentin!«
»Damit er Prinzessin Adele nicht heiratet? Nein.« Die Silbe und ihr Ton brachten der Generalin die entschwindende Achtung wieder bei. Jetzt war sie im Bilde: die Hartmann verheiratete Valentin, damit er ihr um so sicherer erhalten bleibe. Seine Ehe mit der einfältigen Prinzessin sollte von ihr beherrscht werden. Sie war klüger als der Präsident, der nicht warten konnte.
Die Generalin murmelte: »Alles wäre noch gut und schön, wenn die Prinzessin nicht ihre Hintergründe hätte. Wir dürfen nicht glauben, daß wir sie kennen.«
Da sie die Gegnerin beunruhigt sah, spannte sie ihre Nerven noch lange. »Unbekannte Hintergründe hat wohl jeder, wenn ich für meine Person auch seit erst kurzem bei jedem ohne Ausnahme darauf gefaßt bin. Meine heutige Lage, glauben Sie mir, lehrt mich die Menschen kennen. Das Gute haben die Ereignisse.« Hierüber verbreitete sie sich.
Marie wollte endlich wissen: »Was tut die Prinzessin? Wovon sprechen Sie?«
Aber grade dies beabsichtigte die Generalin nicht preiszugeben, auch nicht, soweit sie es selbst wußte – was nicht viel war. Die Prinzessin hütete irgendein beschämendes Geheimnis, Valentin half ihr; dies aber erbitterte die Generalin am meisten. Sie mußte zurückstehn hinter der, die sie weder geistig noch sittlich für voll nahm. Die hielt sie zum besten, der kam sie nicht auf die Schliche. Es hätte genügt, Abneigung zu nähren bei der Generalin sogar gegen eine reiche Prinzessin. Angesichts der armen war sie nicht weit vom Haß.
Sie glaubte freilich, sie hasse nur die Hartmann. Um ihr zu schaden, sprach die Generalin – sprach unermüdlich, ward im Genuß des Sprechens sogar wieder höflich, erlesen höflich mit verstecktem Sinn in den Worten, freien Gesten und mit ihrem glänzenden Blick.
Dies sah der General. Seine Frau entfaltete sich allzu präch...

Inhaltsverzeichnis

  1. Titel
  2. Kolophon
  3. Erstes Kapitel
  4. Zweites Kapitel
  5. Drittes Kapitel
  6. Viertes Kapitel
  7. Fünftes Kapitel
  8. Sechstes Kapitel
  9. Siebtes Kapitel
  10. ÜberMutter Marie

Häufig gestellte Fragen

Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Erfahre, wie du Bücher herunterladen kannst, um sie offline zu lesen
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
  • Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
  • Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Beide Abopläne sind mit monatlichen, halbjährlichen oder jährlichen Abrechnungszyklen verfügbar.
Wir sind ein Online-Lehrbuch-Abo, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 990 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Erfahre mehr über unsere Mission
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Erfahre mehr über die Funktion „Vorlesen“
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Ja, du hast Zugang zu Mutter Marie von Heinrich Mann im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Literature & Classics. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.