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- German
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Die Jagd nach Liebe
Über dieses Buch
Eine Liebe mit Hindernissen und tragischem Ausgang: Nach dem Tod seines Vaters, der als Bau-Spekulant in München Millionen gemacht hatte, bekommt der junge Claude einen Vormund. Der nun reiche Erbe liebt die schöne Schauspielschülerin Ute, die jedoch nichts von ihm wissen will und ihn wiederholt abblitzen lässt. Ausgerechnet Claudes bereits 63-jähriger Vormund spannt ihm gezielt Ute aus, indem er sie zunächst als Mäzen fördert. Claude wendet sich daraufhin anderen Frauen zu, kann Ute jedoch nicht vergessen...-
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Information
Thema
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ClásicosVII.
Der Herr Panier
Auf der Fahrt nach München sah Claude gelbe Blätter und Zugvögel.
»Mein Gott, das Sommertheater muß aus sein, und Ute muß wiederkommen!«
Und er bekam Herzklopfen.
Er suchte sich zu beruhigen: ›Ich hab nun soviel anderes erlebt ...‹ Aber er merkte wohl: ›Was ich je erleben werde, es wird mich immer nur lehren, wieviel ersehnenswerter Ute ist. Ich erlebe alles nur irrtümlich und nur, weil ich nicht sie erleben darf.‹
Zu Hause erhielt er ein Telegramm von ihr; sie bat um Reisegeld. Früher hatte sie es abgelehnt. Als er es eben wegschickte, depeschierte sie nochmals: es sei nicht mehr nötig.
Er stand wieder auf dem Bahnsteig, und es war ihm fast noch schlechter zumute als damals bei ihrer Abreise – nicht dumpf und traurig wie an dem hoffnungslosen Tage der Trennung, aber angstvoll und nach gefährlichen Geschicken, die sie mitbrachte. Er wußte nicht welche.
Der Zug fuhr ein; Claude verging der Atem. Er spähte wirr und tief erregt, aber ohne auch nur den Hals zu wenden, nach den Wagentüren, die man aufriß. Dort stieg sie heraus, er ging ihr entgegen, befangen, ohne Freude. Sie ergriff rasch seine Hand, legte, mit einem Versuch der Herzlichkeit, den Kopf auf die Seite und knickte mit Anstrengung zusammen, ganz so – er sah es wohl – wie vor ihrer Mutter, wenn sie gefürchtet hatte, die Arme als Dienstmädchen zu behandeln. Worte fanden sie beide nicht.
Claude bemerkte plötzlich den alten Panier, wie er mit den hohen Stufen des Wagens kämpfte.
»Woher kommt denn der?«
»Oh, der, der ist mitgefahren.«
Und Ute warf die Schultern in die Höh.
Claude begrüßte seinen Vormund.
»Famoses Reisewetter haben Sie gehabt, Herr Panier.«
»Das sollen wir woll haben, mein Jung'. Nöh, auf was anderes lassen wir uns gar nicht ein. Na, nu hast du dein Ideal ja wieder. Kinners, gebt ihr euch denn nicht mal 'n Kuß?«
Sie gaben sich nochmals die Hand, viel ungezwungener. Sie waren froh, den Alten zwischen sich zu haben.
»Wie kommen Sie denn zu Ute, Herr Panier?«
»Er fragt! Tjä, wenn du so knickrig bist und schickst ihr kein Geld, dann müssen wir woll das Billett bezahlen.«
»Aber ich habe doch –«
Claude entschuldigte sich ausführlich.
»Schweig man ganz still«, sagte Panier. »Du bist auch kein einziges Mal hingefahren und hast sie dir angesehen. Glauben Sie man bloß nicht, Fräulein Ute, daß der Ihnen treu gewesen ist. Der ist die ganze Zeit mit Gräfinnen in der Welt rumkarriolt. Da sind wir doch anders ...«
Er unterbrach sich, um Gepäckträger und Kutscher im Preise zu drücken. Ute und Claude standen stumm dabei; Claude dachte: ›Wenn sie doch nach den Gräfinnen fragte!‹
Als sie saßen, redete Panier weiter.
»Da hast du dir nämlich was entgehenlassen, mein Jung', da kannst du dir noch lang die Finger nach lecken. Fräulein Ute als Hannele, im Nachthemd – du ...«
Sein ganzes rotviolettes Gesicht schmunzelte. Mit heftigem Zwinkern seiner wilden schwarzen Augen sagte der Greis:
»Wenn wir bloß noch 'n paar Jahre jünger wären.«
Sie mußten ihn in der Stadt absetzen. Als sie allein geblieben waren, ward die Fahrt erst schwierig.
»Also du bist mit dem Erfolg zufrieden?« fragte Claude.
»Ich hab dir ja geschrieben«, sagte sie ungnädig. »Übrigens, warum bist du so merkwürdig?«
Er stotterte.
»Bin ich? Es ist wohl nur – wir haben uns halt so lange nicht gesehen.«
»Lange? Vier Monate.«
»Vier Monate ist lange«, sagte er, die Augen niedergeschlagen.
Und Ute biß sich auf die Lippen.
»Soll ich mit hinaufkommen?« bat er unsicher, vor ihrer Wohnung. Aber sie war müde, sagte sie.
Zu Hause schloß er sich ein, streckte sich auf die Ottomane, und hinter den Händen, die er aufs Gesicht drückte, stöhnte er.
Es war furchtbar, was nun aus ihnen beiden geworden war – aus den Geschwistern, die zum Sommer sich einen Abschiedskuß gegeben hatten! Fremd! Sie waren einander fremd. Welch eine Pein, neben dieser Ute zu sitzen, diese Ute begehren zu müssen!
»So hab ich sie noch nie begehrt, o nein. Sie war meine Freundin, sie war alles Gute, was ich vom Leben wollte, war das starke, gute Leben selbst. Ich liebte sie! Jetzt aber verlockt sie mich – beinahe wie jene Verbrecherinnen in Spa. Was ist mit ihr vorgegangen? Sie sieht schlecht aus. Ihr Gesicht ist fahl und seltsam gedunsen. Was für einen empörenden Reiz hat es jetzt! Seit ihre Lippen gefärbt sind und gesprungen wie von heftigen Liebkosungen, weiß ich nicht mehr, welche verderbten und zehrenden Küsse ich mir von ihnen wünsche. Ich verstehe nicht, welchen ungesunden Zauber sie um sich hat. Sie hat sich öffentlich gezeigt, das wird es sein, vier Monate lang; ist vier Monate lang von allen begehrt worden. Die begehrlich phosphoreszierenden Blicke sind auf ihr liegengeblieben, haben sie in einen bleichen und gefährlichen Glanz gehüllt ... Oh, ich leide!«
Er schluchzte. In seinen Tränen standen, so deutlich wie seit langem nicht mehr, alle ihre Gebärden auf, die geübten, erarbeiteten Künste aller ihrer Glieder, ihr Schritt und jede ihrer Mienen. Er sah alles wieder.
»Das gehört jetzt allen! Jeder hat für sein Eintrittsgeld ein Recht darauf. Und es sind nur vier Monate, da ging ich mit ihrem reinen Bild durch den Englischen Garten. Ich allein besaß es! Ich allein konnte es auf jeden Rasen zaubern! Es war rein. Wie ist es jetzt schwül!«
Er sprang auf, fassungslos.
»Ich will sie nie wiedersehen!«
Am Morgen darauf kam sie und wollte mit ihm ausgehen.
»Ach ja. Du brauchst natürlich Wintertoiletten.«
Sie musterte ihn.
»Ich brauche dich, zum Spazierengehn.«
Er sah weg, in Verzweiflung über das, was er gesagt hatte. Nun gab sie ihm Bitterkeit ein: Rachlust sogar!
»Komm!« sagte er und nahm ihren Arm. »Gehen wir gradaus, nach Schleißheim zu? Auf der Landstraße ist's leer um die Zeit, und ich muß dir die Geschichten erklären, auf die der Alte gestern angespielt hat. Du darfst sie nicht mißverstehn.«
»Ja, welche denn?«
»Du hast wohl nichts gehört. Er sagte was von Gräfinnen.«
»Ach so. War das so schlimm?«
»Du weißt, daß ich nur dich liebe.«
»Wir sind nicht verlobt. Und selbst dann –«
Er gab seinem Kopf einen kleinen Ruck nach hinten. Ob sie nun hören wollte oder nicht – er war entschlossen, diese Zwischenzeit und ihre herzlosen Abenteuer niederzureißen, in den Boden zu stampfen, indem er sie ihr beichtete.
Sie hörte gut zu. Sie lachte sehr über von Eisenmann, obwohl Claude sich bemühte, ihn tragisch zu deuten.
»Die Zank gefällt mir«, äußerte sie. »Sie ist sehr fein. Ich habe in der Geschichte mehr Verständnis für sie als für dich. Warum hast du sie denn plötzlich sitzenlassen?«
»Warum ich –«
»Nun ja. Jetzt wurde es doch pikant: du und der Jockei.«
Claude sah sie von der Seite an. Ihr metallischer Haarknoten auf dem blauen Glasfenster des Herbsthimmels!
»Ich liebe nämlich dich.«
»Na, die Gelegenheit, bei der du das behauptest, ist gerade nicht sehr passend.«
Und sie lachte hart.
»Du – glaubst mir nicht mehr? Ute!«
»Was soll ich glauben. Übrigens macht es mir ja nichts. Die Zank hat dich amüsiert, wie? Paß auf, dich amüsieren noch viele! Solang ich da bin – oh, da bin ich's.«
Er blieb stehen.
»Du willst mein Gefühl für dich mit diesen Nichtigkeiten vergleichen? Das könntest du? Mein Gefühl für dich, das mich zum Menschen gemacht hat, um dessentwillen ich – bloß da bin!«
»Wer beweist mir das. Du hast inzwischen eine andere gehabt.«
Er sah suchend umher, in die Ahornkronen, die einen goldroten Mantel Utes Schultern hinhielten. In wie ferner Herrlichkeit prangte sie! Er hob die Arme halb auf und ließ sie fallen.
»Ich kann es nicht«, rief er. »Ich kann dir nicht beweisen, daß ich dir gehöre. Ich bin ohnmächtig.«
Ihr Lachen dauerte noch immer, und es war nichts Echtes mehr darin.
»Reg dich doch nicht auf. Ich sag dir ja, es macht mir gar nichts.«
»Im Gegenteil, es scheint, du willst mir nicht glauben. Dir ist's recht, was ich getrieben habe.«
Plötzlich lachte sie nicht mehr. Sie kehrte um.
»Ich meine nur«, murmelte sie, »es ist gut, daß du dich inzwischen unterhalten hast. Und dein Vertrauen finde ich rührend.«
»Du hast gestern gemeint, ich sei merkwürdig. Ich hab dir nur sagen wollen, weshalb. Vier Monate lang haben wir jeder für sich gelebt. Natürlich müssen wir uns erst wieder zurechtfinden.«
Und da sie schwieg:
»Du, Ute, tust aber gar nichts dazu. Erzähl doch was!«
Er bekam einen Blick aus ihren Augenwinkeln.
» Meine Abenteuer?«
»Hast du welche gehabt?«
»Oh, nur leichte Sachen. Hier und da ein Greis, den ich abends unter meinem Bett hervorziehen mußte. Allein wäre er nie mehr herausgelangt. Und dann mußte ich ihm noch über die Treppe leuchten.«
Sie lachte sehr natürlich, und Claude lachte mit.
»Aber junge niemals?« fragte er.
»Einmal nur. Die sind weniger frech. Als ich ihn in meinem Zimmer fand, war er ganz bleich.«
»Er hat dich geliebt!«
»Kann sein. Wenigstens sagte er es mir täglich zum Mittagbäumen und zum Abendessen. Er aß nämlich mit den Schauspielern, er zahlte dem Direktor, glaub ich, dafür.«
Claude zögerte.
»Und wie bist du – ihn losgeworden?« fragte er leise.
»Ich? Aber ganz einfach. Ich hab ihn gefragt: ›Sie wissen doch, ich habe 'ne gute Stimme? Und wenn ich will, kann ich schreien? Nun also, dann verschwinden Sie.‹ – Er behauptete, das sei ja mein Schade, wenn ich Lärm schlüge. Aber ich belehrte ihn, der Skandal sei mir das wenigste; das Unangenehme sei für mich seine Gegenwart. Na, er sah wohl, daß bei mir schon gar nichts zu machen war. Ich mußte ihm auch wieder über die Treppe leuchten.«
Diesmal lachte sie herzhaft; sie sah Claude voll und aufrichtig in die Augen, sie forderte ihn auf, mitzulachen. Aber er blieb still. Er empörte sich gegen sie, für jenen Unbekannten, der um sie gelitten hatte!
»Als er bei der Haustür war, rief ich noch: ›Und sagen Sie dem Direktor, er soll Sie ja nicht wiederschicken!‹ ... Er war paff. Ich wußte das nämlich schon von einem der Alten, daß der Direktor mir die Leute auf die Bude schickte.«
Ihr Lachen verwundete ihn. Diese Farce hatten ihre Erlebnisse aus der Liebe gemacht. Das war's, was sie ihm entfremdet hatte. Diese Farce stand zwischen ihnen. Seit sie sich nicht gesehen hatten, war er immer sehnsüchtiger geworden und sie immer kälter.
Sie gingen schweigend heim. Ute lachte noch mehrmals bei der Erinnerung an ihre Geschichte. Und jedesmal grub dieses schöne, geliebte Geräusch, das ohne Seele war, in seiner Wunde.
Er schmollte einige Tage lang, verschwor sich, nicht zu ihr zu gehen, und fühlte sich traurig vernachlässigt, weil sie nicht kam. Aus Langeweile und Trotz ging er in die Vereinigten Werkstätten und kaufte einen Haufen Sachen, deren Nutzen er nicht einsah. Er beschloß, ihr zu zeigen, wie tätig er sei, und schrieb ihr. Aber sie antwortete auf seine Bitte, begleiten könne sie ihn jetzt nicht. Sie müsse mächtig arbeiten, denn sie habe für den Winter ein bedeutendes Engagement.
›Bedeutendes Engagement ist gut‹, dachte Claude. ›Sind wir so weit, daß sie mir nicht einmal sagt, wo?‹
Er suchte sie auf und verhehlte nicht seine Unzufriedenheit wegen der Fettflecken auf den Möbeln, der zerfressenen Vorhänge, des verkommenen Parketts.
»Die vierzehn Tage, die ich noch da bin –«, meinte sie.
»Aber deine Donna wischt ja den Salon feucht auf! Der Hausherr wird dich hinaussetzen!«
»Pah!« machte Ute.
Sie war an diesem noch warmen Tage in ihrem Kleid aus nachgemachtem Point de Venise. Den Rock bildet...
Inhaltsverzeichnis
- Titel
- Kolophon
- I. Ziele
- II. Das Loch im Frack
- III. Einer, der das könnte
- IV. Die andere Bude
- V. Der Bruder
- VI. Vorschriftsmäßig
- VII. Der Herr Panier
- VIII. Matthacker
- IX. Das ist sie!
- X. Der Kupferstecher
- XI. Ein Zusammenbruch
- XII. Manon
- XIII. Has juvenum lachrymis ...
- Über Die Jagd nach Liebe