Anja lernt reiten
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Anja lernt reiten

  1. 343 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Anja lernt reiten

Über dieses Buch

Anja möchte unbedingt reiten lernen und zusammen mit ihrer Freundin Petra in die Reitstunde. Unglücklicherweise hat Anjas Mutter Angst, dass ihr beim Reiten etwas zustossen könnte und verbietet ihr deshalb die Reitere. Heimlich beginnt Anja trotzdem auf dem Reiterhof Eulengut Reitstunden zu nehmen. Erst als es Petra gelingt ihren kleinen Bruder vor einer grossen Gefahr zu schützen, sind die Eltern davon überzeugt, dass sie sich um Anja keine Sorgen machen müssen... - Eine humorvolle Geschichte, die in sanften Tönen über die Lieblichkeit des Lebens berichtet.Lise Gast (geboren 1908 als Elisabeth Gast, gestorben 1988) war eine deutsche Autorin von Kinder- und Jugendbüchern. Sie absolvierte eine Ausbildung zur landwirtschaftlichen Lehrerin. 1933 heiratete sie Georg Richter. Aus der Ehe gingen 8 Kinder hervor. 1936 erschien ihr erstes Buch "Tapfere junge Susanne". Darauf folgen unzählige weitere Geschichten, die alle unter dem Pseudonym Lise Gast veröffentlicht wurden. Nach Ende des zweiten Weltkriegs floh Gast mit ihren Kindern nach Württemberg, wo sie sich vollkommen der Schriftstellerei widmete. Nachdem sie erfuhr, dass ihr Mann in der Tschechoslowakei in einem Kriegsgefangenenlager gestorben war, gründete sie 1955 einen Ponyhof und verwendete das Alltagsgeschehen auf diesem Hof als Inspiration für ihre Geschichten. Insgesamt verfasste Gast etwa 120 Bücher und war neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin auch als Kolumnistin aktiv.-

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Information

Eine Reitstunde. Heiner erzählt

„Dagmar?“
„Nein!“
„Wo bist du?“
„Weg!“
„Kommst du?“
„Nein!“
Petra probierte an der Klinke der Wohnungstür. Verschlossen. Sie verstand die Welt nicht mehr.
Bis vor fünf Minuten hatten sie „Mensch, ärgere dich nicht“ in der Küche gespielt, alle vier, und schrecklich dabei gelacht, wenn einer herausflog. Dann hatte Dagmar auf die Uhr gesehen, war aufgestanden und nicht wiedergekommen. Sie hatten anfangs eine Weile gewartet, dann war Petra losgegangen, um sie zu suchen, und nun stand sie hier vor der verschlossenen Tür, und Dagmar antwortete derart idiotisch. Petra biß sich auf den Knöchel des Zeigefingers, während sie dastand und nachdachte. Dann ging sie langsam zur Küche zurück.
„Wir sollen weiterspielen, ohne sie“, sagte sie und setzte sich. Heiner ließ den Würfel fallen.
„Sechs“, schrie er. Anja hatte gesehen, daß es nur eine Vier war.
„Du mogelst!“ rief sie aufgebracht. „Du hast –“
Heiner riß den Würfel an sich.
„Es war aber eine Sechs!“
„Dann hättest du sie ja liegen lassen können. Petra, sag du mal –“
„Was recht ist, kommt wieder. Würfle noch mal, Heiner“, sagte Petra. Heiner würfelte. Eine Eins.
„Siehst du! Das ist die Strafe!“
„Wofür denn Strafe, möcht’ ich wissen –“
„Weil du geschwindelt hast –“
„Es war aber eine Sechs –“
„Das kann man jetzt nicht mehr beweisen –“
Gerade ging die Tür.
„Was ist denn hier los? Warum habt ihr euch denn in den Haaren?“ fragte Dagmar. „Ich finde überhaupt, wir sollten raus, nicht hier in der Stube hocken. Das ist doch Blödsinn. Keine Lust zum Reiten?“
„Dumme Frage!“
„Natürlich haben wir Lust!“
„Aber leider nur drei Rösser –“
Sie hatten vorhin beim Nachbarn angefragt, ob sie sich dort eins seiner Pferde leihen könnten. Er war sehr freundlich, Dagmar hatte das schon manchmal tun dürfen, aber heute wäre sein eigener Sohn mit Freunden unterwegs, morgen könnten sie eins haben. Sie sollten aber noch mal nachfragen.
„Dann reitet eben ihr drei. Auf dem Platz“, sagte Dagmar. „Wir haben doch Gott sei Dank seit zwei Jahren einen Reitplatz. Ich mach’ den Lehrer. Bist du schon mal geritten, Heiner?“
„Ja, öfter. Ich hab’ einen Freund mit zwei Ponys.“
„Reitverein?“
„Noch nicht, aber –“
„Na, wir werden ja sehen. Los, vorwärts, umgezogen, angezogen. Wer hat ein Paar Stiefel für Heiner?“
Petra schrie: „Ich!“ Sie besaß ein Paar richtige Reitstiefel, geerbt von ihrer größeren Schwester, und ein Paar aus Gummi, auch Reitstiefelform, wie man sie vielfach bei schlechtem Wetter trägt. Er quälte sich hinein, seine Jeans in die engen Röhren stopfend, und Petra hänselte ihn mit seinen dicken Beinen. Nun ging es darum, wer welches Pferd bekam.
„Heiner sollte Lotte nehmen, für den Anfang“, sagte Dagmar. „Lotte ist das problemloseste Pferd. Anja, wie ist es, traust du dich auf Ströppchen?“
Anja sah sie zweifelnd an.
„Wir versuchen es. Ihr könnt ja immer noch tauschen.“
„Eins jedenfalls weiß ich“, dachte Anja, während sie etwas langsamer als sonst durch die Stallgasse zu Ströppchens Stand hinübertrottete, „beim Reiten wird immer mehr von einem verlangt, als man kann.“
„So ist es“, sagte Dagmar zu ihrer Verblüffung halblaut neben ihr. Es war, als hätte sie Anjas Gedanken erraten, „man muß immer zwanzig Zentimeter höher als das Hindernis springen, in Wirklichkeit und im übertragenen Sinne. Das ist die allererste Erkenntnis, die einem beim Reiten aufgeht. Bei dir kommt sie zeitig.“
„Und was für Erkenntnisse kommen noch?“ fragte Anja schüchtern und sah zu Dagmar auf.
„Daß man auf dem Pferd sehr allein ist. Daß es da auf einen selbst ankommt“, sagte Dagmar in ihrer ruhigen Art. „Jedenfalls, sobald man dem Führzügel und der Longe entwachsen ist. Das sind Hilfsmittel, die nur ganz zu Anfang angewendet werden. Später – sehr bald also, du reitest ja auch schon ohne Führzügel – kommt es auf dich an und auf sonst gar nichts.“
„Und das dritte? Meistens sind es doch drei Weisheiten, jedenfalls in den Märchen“, fragte Anja und hob Ströppchen den Hinterhuf auf, um ihn zu säubern. „Steh, steh. Na?“
„Du bist ein kluges Kind. Die dritte Weisheit stammt von einem Berliner Wachtmeister, einem alten Pferdemann, den nichts außer Pferden interessierte. Dem sie alles waren, Lebensinhalt und Glück und Aufgabe, und der sie kannte wie kaum ein anderer. Von dem stammt der Spruch: ‚Reiten lernt man bloß von’s Reiten.‘ Grammatikalisch nicht einwandfrei, aber gut berlinerisch. Und wahr! Auf also, und wenn man mit einem Pferd klarkommt, sobald es geht, aufs nächste. Und wenn man achtzig wird, im Sattel lernt man doch immer was dazu.“
„Wirklich?“ fragte Anja leise.
„Wirklich. Es gibt natürlich auch Bücher, die einem weiterhelfen, gute Anleitungen, gewiß. Dadurch lernt man sicherlich was dazu, auch durch gute Lehrer, die einem die Fehler sagen, und durch das Beobachten von guten Reitern. Das alles aber bringt einen nur dazu, etwas besser zu reiten. Richtig reiten lernt man nur vom Reiten.“
Anja schwieg. Dann fragte sie: „Wie lange reitest du denn schon? Steh doch, Ströppchen. Ja, ist ja gut. Wann hast du angefangen?“
„Sehr zeitig. Weil wir schon immer Pferde hatten. Mein Vater hat mich mit zwei Jahren schon draufgesetzt. Ja, aber Reiten hab’ ich natürlich erst später gelernt, als ich es wollte, richtig wollte. Daß jemand als Reiter geboren wird, das gibt es nicht. Davon träumen so viele, vor allem kleine Mädchen, aber auch größere. Sie hängen sieh Pferdepostkarten übers Bett und lesen Pferdebücher und seufzen: Ich könnte reiten! Ich bin ein Pferdenarr. Mir fehlt nur das eigene Pferd, und mein Vater kauft mir keins. – Solche gibt’s massenhaft“, fuhr Dagmar nach einer kleinen Weile fort, „und wenn sie dann was tun sollen – ich meine, wir haben manchmal welche zu uns eingeladen, die sehr darum bettelten –, dann war ihnen schon beim zweitenmal der Eimer zu schwer und der Mist ekelhaft und die Karre zu groß. Das Pferd war ‚so gemein‘, wenn es sie absetzte – nein, solche Pferdenarren, vielen Dank.“
„So bin ich aber nicht!“ rief Anja sofort.
Dagmar lachte. „Nein, du nicht. Nun komm, bring Ströppchen raus, es geht gleich los. Wollen mal sehen, wie dieser Heiner sitzt.“
Der Reitplatz war ein ziemlich großes, von Stangen eingefriedetes Rechteck, mit Sand gefüllt, den man jetzt nicht sah, weil alles verschneit war.
„Sand gefriert nicht, da kann man auch bei Frost reiten“, erklärte Dagmar, „und im Sommer auch bei Regen. Er wird nicht glatt und rutschig wie Grasnarbe. Nun los, ihr drei Hübschen, führt eure Rösser hinein, und stellt euch mit ihnen auf, ihr wißt ja vom Reitverein her, wie.“
„Was bedeuten denn die Schilder?“ fragte Anja. In der Mitte der langen und kurzen Seiten des Rechtecks hingen weiße Schilder mit roten Buchstaben, an den langen Seiten auch noch an anderen Stellen.
„Das sind Abwendepunkte, die erklär’ ich euch später“, sagte Dagmar. „Jetzt ist die Hauptsache, daß ihr ‚ganze Bahn‘ reitet, also ringsherum, oder ‚auf dem Zirkel‘, das ist ein Kreis an einem Ende der ganzen Bahn. Petra nimmt die Tete, die kennt die Huf Schlagfiguren ja hoffentlich!“
Sie stellten sich nebeneinander auf, die Pferde an ihrer rechten Seite, Petra mit Pußta, Heiner mit Lotte, Anja mit Ströppchen.
„So. Ehe ihr aufsitzt, kontrolliert noch einmal die Gurte“, sagte Dagmar. „Später wird vom Sattel aus noch mal nachgegurtet, die Pferde blasen sich ja auf, das wißt ihr. Und bei den ersten Schritten lassen sie dann die Luft ab. Nun – Abteilung aufgesessen!“
Für Anja war es das erstemal, daß sie aufsitzen sollte, ohne daß jemand ihr das Pferd hielt. Sie angelte mit dem linken Fuß nach dem Bügel, der ihr himmelhoch hängend vorkam, bekam aber den Fuß nicht hinein. Petra saß schon oben, aber Heiner wollte es mit Lotte auch nicht recht gelingen. Dagmar trat zu ihm und gab ihm ein paar Anweisungen. In der Zeit hatte Anja endlich den Fuß im Bügel, zog sich am Sattel hoch – und war oben. Gottlob! Und Ströppchen hatte stillgehalten, der Gute!
„Im Schritt anreiten, auf die linke Hand gehen.“ Petra machte es vor, und die anderen folgten. Dagmar korrigierte einiges am Sitz des einen und anderen, und Anja hielt sich an den kleinen Trick, den Petra ihr einmal verraten hatte: Wenn der Lehrer an einem anderen Schüler etwas aussetzt, etwa ‚Hacken tiefer!‘ oder ‚Hände aufrecht!‘ sagt, dann denk, er meint dich, und richte dich danach aus. Daran hielt sie sich auch jetzt. Sie trabten dann an, alles ging glatt. Ströppchen, hinter Pußta, war etwas faul, und Dagmar rief ein paarmal: „Anja, treiben! Von selbst läuft er nicht!“ Und sie hatte Angst gehabt, er würde ihr unter der Hand weggehen!
Heiner hielt sich wacker. Lotte machte ihm keine Schwierigkeiten, aber neu war sie für ihn doch. Dagmar lobte ihn ein paarmal, und da wurde er rot vor Verlegenheit. Einmal, als sie auf dem Zirkel ritten, machte Ströppchen in der Ecke Terror, stemmte erst die Vorderbeine ein und fing dann an zu bockeln, und Anja hatte ihre liebe Not, oben zu bleiben. Aber sie schaffte es. Und dann ließ Dagmar noch kurz angaloppieren, „eine Runde ganze Bahn!“, und siehe da, alle drei Pferde taten es willig, sie kannten ja das Kommando, und alle drei Reiter blieben oben.
„Noch einmal – durch die ganze Bahn wechseln“, befahl Dagmar, als sie wieder im Schritt ritten, und dann durften sie noch mal auf der rechten Hand galoppieren. Auch das ging gut.
„So, und nun: Zügel lang, Pferde loben und im Schritt durcheinanderreiten, damit die Pferde abdampfen“, sagte Dagmar abschließend. Sie war selbst froh und erleichtert, daß alles gutgegangen war.
Als sie später in der Küche saßen und Zitronentee tranken – Reiten macht durstig –, lobte Dagmar noch einmal alle drei. „Manchmal geht es besser, als man vorher denkt. Du bist schon sicher oft geritten, Heiner, oder?“
„Ziemlich!“ Heiner strahlte. Sein Gesicht war ganz verändert, offen und glücklich. „Aber eine Reitstunde hatte ich noch nie.“
„Kinder, der Papagei. Habt ihr ihn schon gefüttert?“ rief Petra dazwischen.
„Ich hol’ ihn“, erbot sich Heiner. „Er soll doch nicht den ganzen Tag unter dem Korb sitzen.“
„Aber paß auf!“ Petra und Anja rannten mit, als er hinaufging. Wirklich, es gelang Heiner, den Papagei aus dem Korb zu nehmen, ohne daß er wegflatterte. Er ging mit ihm in die Küche hinunter, und dort legten sie ihm Futter vor, das er aufpickte. Er schien sich in Heiners behutsamen Händen sehr wohl zu fühlen.
„Daß du so mit ihm umgehen kannst!“ bewunderte ihn Anja. „Mir wäre er unheimlich.“
„Weil er spricht?“ fragte Heiner und lachte. „Sag mal was, du!“
Der Papagei sah ihn an, dann ruckte er den Kopf wieder herum. Und dann schnarrte er ein paar Worte vor sich hin.
„Da! Habt ihr verstanden? Er sagte –“
„Was denn? Sag noch mal, Lora! Laß ihn noch mal sprechen!“ drängte Anja fasziniert.
Heiner schüttelte ihn ein wenig.
„Na? Komm schon, antworte.“
„Rararara“, verstanden die anderen.
„Schön! Spricht er nicht deutlich? Rabestraße acht“, sagte Heiner. Die anderen starrten ihn mit offenem Mund an.
„Noch mal!“
„Na, sag noch mal was! Wo wohnst du?“
Diesmal verstanden es auch die Mädchen. Oder bildeten sie es sich ein?
„Rabestraße acht, nun müßte man nur noch wissen, in welchem Ort es eine Rabestraße gibt“, sagte Dagmar. Sie überlegten und berieten. Ob man die Polizei anrief?
Dagmar sah, wie Heiner zusammenzuckte. Sie tat, als habe sie nichts gemerkt.
„Ich weiß nicht. Unsere Polizei hier im Dorf? Die sollte ich fragen: ‚Verzeihung, wo gibt es denn eine Rabestraße im Umkreis von fünfzig Kilometern?‘ Die halten mich ja für verrückt. Nein, lassen wir lieber die Polizei. – Aber vielleicht steht was in der Zeitung.“
Sie suchten das Blatt von gestern. Aber sie fanden nichts.
„Um so besser. So können wir ihn noch eine Weile behalten“, sagte Heiner. Zessi stand, an sein Knie gelehnt, und sah zu ihm und dem Papagei auf, aber nicht so, als wollte sie den Papagei erbeuten, sondern voller Liebe und Hingabe.
„Ja, du bist ein guter Hund, Zessi. Zessi hat heute nacht bei mir geschlafen“, erzählte Heiner und rieb sein Knie ein wenig an ihrem Kopf, „sie mag mich.“ Er sah zärtlich auf die Hündin herab.
„Du hast es wohl überhaupt mit Tieren?“ fragte Anja und lachte. „Zu dir kommen sie, von dir lassen sie sich anfassen. Habt ihr zu Hause auch welche außer den Vögeln?“
„Wir hatten eine Hündin.“ Er schwieg.
„Hattet?“ fragte Petra scheu.
„Sie ist überfahren worden.“ Heiner gab den Papagei an Dagmar weiter, tätschelte Zessi und hielt dabei sein Gesicht so, daß die anderen es nicht sehen konnten. Sie taten, als merkten sie es nicht, und keine sagte etwas. Dann auf einmal rief Dagmar: „Übrigens – wir bekommen Besuch! Cornelia kommt! Vorhin rief sie an. Was sagt ihr?“
„Wunderbar!“ schrien Petra und Anja wie aus einem Mund. „Cornelia! Die muß mit uns reiten! Bringt sie Onkel Kurt mit?“
„Davon hat sie nichts gesagt. Nein, ich glaube, sie kommt allein. Aber da müssen wir mal was kochen.“ Dagmar sah nicht sonderlieh glücklich aus, als sie das sagte. Die anderen lachten sie aus.
„Wegen Cornelia doch nicht!“
„Wer ist denn Cornelia?“ fragte jetzt Heiner.
„Eine aus dem Reitverein. Sehr nett. Reitet klasse. Wir mögen sie alle schrecklich gern. – Übrigens, Heiner, gut, daß Zessi sich so an dich angeschlossen hat. Paß gut auf sie auf, ja? Ich fürchte, sie wird läufig – ihr wißt, was das ist? Dasselbe, wie wenn eine Stute roßt. Zweimal im Jahr werden Hündinnen läufig, sehnen sich nach der Liebe und gehen einem davon, wenn man nicht aufpaßt wie ein Heftelmacher. Und die Kavaliere kommen und belagern das Haus – was sage ich!“ rief Dagmar und lachte. „Da ist schon der erste!“
Sie wies auf das Fenster. Wirklich, da grinste ein Hundegesicht herein, zum Erschrecken. Ein Dalmatiner, weiß mit schwarzen Flecken, das Gesicht fast ganz weiß, so daß man es für ein Menschengesicht hätte halten können.
„Mach dich fort, du Kerl!“ schimpfte Dagmar und wedelte mit dem Küchentuch am Fenster hin und her. „Das gäbe eine Mischung! Außerdem ist Zessi noch viel zu jung zum Jungekriegen. Weg, du Ekel!“ Dann band sie das Küchentuch um die Reithose und krempelte die Ärmel hoch.
„So, nun wird gekocht! Anja schält Kartoffeln, Petra putzt Möhren – vorher beides gut waschen, denn die Schalen kriegen die dann Pferde, mit etwas ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Titel
  2. Kolophon
  3. Anja hat nur einen Wunsch
  4. – Alles wird anders
  5. – Petra
  6. – Solche Tage gibt es
  7. – Ein lustiger Krankenbesuch
  8. – „Ich bin geritten!“
  9. – Eine Taufe, und was man dabei erleben kann
  10. – Ein Reiterfest ...
  11. – ... und was beinah dabei passiert wäre
  12. – Eine neue Welt
  13. – Und eine schöne Aussicht
  14. Aufgesessen, Anja!
  15. – Ein toller Plan
  16. – Wie manche Leute wohnen
  17. – Endlich im Sattel
  18. – „Mein erster Ausritt“
  19. – Ein schöner Silvestertag ...
  20. – ... und eine merkwürdige Neujahrsnacht
  21. – Zwei neue Hausgenossen
  22. – Eine Reitstunde. Heiner erzählt
  23. – Cornelia
  24. – Das ging noch mal gut
  25. Anja und der Reitverein
  26. – Was man alles wissen muß
  27. – Die erste Reitstunde
  28. – ... und die erste Fahrstunde
  29. – Lauter Pläne
  30. – Faschingsreiten
  31. – Gutes und Schlimmes
  32. – Schwierigkeiten sind dazu da ...
  33. – Die Jagd
  34. – Das hätte schiefgehen können!
  35. – Ja, der Reitverein!