Die Entführung aus der Klosterschule
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Die Entführung aus der Klosterschule

  1. 62 Seiten
  2. German
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Die Entführung aus der Klosterschule

Über dieses Buch

Wie können ein Schüler und ein Deutschlehrer samt Fahrrad einfach so verschwinden? Um der Sache auf den Grund zu gehen, werden Holmes und Dr. Watson nach Nordengland an eine Klosterschule gerufen und machen sich auf die Suche nach Spuren. Bald finden sie nicht nur die Schulmütze des Jungen, sondern auch Spuren eines Fahrrads im Moor - aber durch die auffällig vielen Kuhspuren darum herum, ist fast nichts zu erkennen. Doch dann finden sie den toten Deutschlehrer...

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Information

Die Entführung aus der Klosterschule.

Obwohl wir in unserem bescheidenen Heim in der Bakerstrasse schon manchen Besucher in recht dramatischer Weise hatte kommen und gehen sehen, kann ich mich an kein plötzlicheres, und merkwürdigeres Auftreten erinnern als es das des Herrn Dr. Thorneycroft Huxtable war, da er zum ersten Male bei uns erschien. Zuerst kam seine Visitenkarte, die zu klein erschien, um alle seine akademischen Grade und Würden fassen zu können, nach wenigen Sekunden trat er selbst ein — so fest, pomphaft und würdevoll, als ob er die verkörperte Kraft und Selbstzucht wäre. Und doch war, als er kaum die Türe hinter sich geschlossen hatte, seine erste Tat die, dass er gegen den Tisch taumelte und umfiel. So lag denn seine majestätische Gestalt regungslos der Länge nach auf unserem Zimmerteppich.
Wir sprangen auf und starrten einen Moment, sprachlos vor Ueberraschung, auf dieses gewaltige Wrack, das einem unvorhergesehenen, plötzlichen Sturm weit draussen auf dem Ozean des Lebens zum Opfer gefallen zu sein schien. Dann holte Holmes rasch ein Kissen, um es ihm unter den Kopf zu legen, und ich brachte. Branntwein, womit ich seine Lippen benetzte. Das totenblasse. Gesicht zeigte die Spuren schwerer Sorge, die dicken Wassersäcke unter den geschlossenen Augen waren schwarzblau wie Blei, um den offenen Mund spielten schmerzliche Züge. Er war nicht rasiert und nicht gekämmt. Kragen und Hemd deuteten darauf hin, dass der arme Mann, der vor uns gebrochen am Boden lag, eine lange Reise hinter sich hatte.
„Was ist’s, Watson?“ fragte mich Holmes.
,,Vollkommene Erschöpfung — möglicherweise bloss Hunger und Müdigkeit,“ antwortete ich, während ich den schwachen Puls fühlte.
„Er hat eine Rückfahrkarte von Mackleton in Nord-England,“ sagte Holmes, indem er sie aus der Westentasche herauszog. „Es ist jetzt noch nicht ganz zwölf Uhr. Er muss sehr früh aufgebrochen sein.“
Die faltigen Augenlider fingen zu zucken an, und bald blickte ein Paar offener, grauer Augen zu uns empor. Im nächsten Augenblick war der Mann wieder auf den Beinen, und die starke Röte in seinem Gesicht verriet seine Scham.
„Verzeihen Sie diese Schwäche, Herr Holmes, ich bin etwas übermüdet. — Danke Ihnen. Wenn ich ein Glas Milch und ein Stückchen Zwieback bekommen könnte, würde ich rasch wieder wohl sein. Ich bin persönlich gekommen, um Sie dazu zu bewegen, mit mir zurückzufahren. Ich befürchtete, dass Sie ein Telegramm von der Dringlichkeit meines Falles nicht hinreichend überzeugen würde.“
„Wenn Sie sich ganz erholt haben —“
„Ich fühle mich wieder vollkommen wohl. Ich begreife gar nicht, wie ich so schwach sein konnte. Ich bitte Sie, Herr Holmes, mit dem nächsten Zug mit mir nach Mackleton zu kommen.“
Mein Freund schüttelte den Kopf.
„Mein Kollege Dr. Watson wird mir bestätigen, dass wir gegenwärtig sehr stark beschäftigt sind. Ich habe noch mit den Ferrersschen Dokumenten zu tun, ausserdem steht in Kürze die Abergavennyer Mordaffäre zur Verhandlung; es könnte mich also nur eine aussergewöhnlich wichtige Angelegenheit zu einer Reise veranlassen.“
„Wichtig!“ rief unser Besucher und schlug die Hände überm Kopf zusammen. „Haben Sie denn noch nichts von der Entführung des einzigen Sohnes des Herzogs von Holdernesse gehört?“
,,Was! des ehemaligen Ministerpräsidenten?“
„Gewiss. Wir hatten versucht, es tot zu schweigen, aber der »Globe« hat in der gestrigen Abendnummer Andeutungen gebracht. Ich glaubte, es wäre Ihnen schon zu Ohren gekommen.“
Holmes streckte seinen langen dünnen Arm aus und nahm den Band mit ,Hʻ aus seiner Enzyklopädie vom Bücherbrett.
„,Holdernesse, sechster Herzog, Dr. juris, Dr. philosophiae u. s. w., Professor, Staatsrat, Baron Beverley, Graf von Carston‘ — um Gottes willen — was für eine Menge Titel! — ,Lord Hallamshire seit 1900. Verheiratet mit Edith, der Tochter des Freiherrn von Appledore 1888. Erbe und einziges Kind Lord Saltire. Grundbesitz ungefähr zweihundertfünfzigtausend Morgen gross. Bergwerke in Lancashire und Wales. Adressen: Carlton House Terrace; Holdernesse Hall, Hallamshire; Carston Castle, Bangor, Wales. Lord der Admiralität, 1872; Staatssekretär —‘ Das genügt, der Mann ist sicher einer der hervorragendsten Bürger!“
„Der hervorragendste und vielleicht auch der reichste. Ich weiss wohl, Herr Holmes, dass Sie nicht um des Geldes, sondern um der Sache willen arbeiten, aber ich will Ihnen doch sagen, dass Seine Hoheit mir schon angedeutet hat, demjenigen, der den Aufenthaltsort seines Sohnes ausfindig macht, fünftausend Pfund, und demjenigen, der ihm die Räuber seines Kindes namhaft machen kann, weitere tausend Pfund auszahlen zu wollen.“
„Das ist ein fürstliches Angebot,“ sagte Holmes „Ich denke, Watson, wir begleiten Herrn Direktor Huxtable nach dem Norden zurück. Und nun, Herr Doktor, können Sie mir, wann Sie Ihre Milch verzehrt haben, gütigst erzählen, wann und wie sich die Sache zugetragen hat, und schliesslich auch, was Dr. Huxtable von der Klosterschule in Mackleton mit der Sache zu tun hat, und warum er erst nach drei Tagen — so lange haben Sie sich nicht rasiert — kommt, um meine Dienste in Anspruch zu nehmen.“
Unser Besucher bekam nach dem kleinen Imbiss wieder glänzende Augen und rote Wangen. Nachdem er sich in Positur gesetzt hatte, begann er seine Schilderung des Vorfalles.
„Zuerst muss ich Ihnen mitteilen, meine Herren, dass die Klosterschule eine Vorbereitungsanstalt ist, die ich gegründet habe, und der ich nun vorstehe. »Huxtables Commentar des Horaz« wird Ihnen von früher vielleicht noch bekannt sein. Die Klosterschule ist bei weitem das beste und vornehmste Vorbereitungsinstitut in England. Lord Leverstoke, der Graf von Blackwater, der Baron Soames haben mir alle ihre Söhne anvertraut. Aber als mir vor drei Wochen der Herzog von Holdernesse seinen Sekretär Herrn James Wilder schickte, um mit mir über die Aufnahme des jungen zehnjährigen Lord Saltire, seines einzigen Sohnes und Erben, verhandeln zu lassen, glaubte ich mit meiner Schule auf der Höhe des Ruhmes angelangt zu sein. Ich ahnte nicht, dass es das Vorspiel zu meinem grössten Unheil sein sollte.
„Am ersten Mai, dem Anfang des Sommerhalbjahrs, kam der Knabe an. Er war ein reizender Junge und gewöhnte sich schnell ein. Ich will Ihnen nicht verschweigen — ich glaube mich dadurch keiner Indiskretion schuldig zu machen, und Mangel an Zutrauen ist in einem solchen Falle sehr verkehrt — dass er sich zu Hause nicht recht wohl fühlte. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Herzog mit seiner Gemahlin nicht glücklich gelebt hat und die Ehe mit beiderseitiger. Einwilligung geschieden worden ist, worauf die Herzogin in Südfrankreich ihren Wohnsitz genommen hat. Diese Trennung ist vor noch nicht langer Zeit erfolgt, und der Junge hing sehr an seiner Mutter. Er wurde nach ihrer Abreise ganz melancholisch und träumerisch, und aus diesem Grunde wünschte der Herzog, sein Kind in meine Obhut zu geben. Nach vierzehn Tagen war der Junge bei uns denn auch schon wie zu Hause und augenscheinlich vollkommen zufrieden.
„Zum letzten Male sahen wir ihn in der Nacht zum dreizehnten Mai — also in der vergangenen Montagsnacht. Sein Zimmer lag im zweiten Stock und grenzte an ein anderes grösseres Zimmer, wo zwei Jungen, schliefen. Dieselben haben jedoch nichts gehört und gesehen. Daraus geht sicher hervor, dass der junge Saltire nicht auf dem richtigen Weg an jener Kammer vorbeigekommen ist. In seinem Schlafzimmer stand aber das Fenster offen, und ...

Inhaltsverzeichnis

  1. decken
  2. Titel
  3. Kolophon
  4. Die Entführung aus der Klosterschule.
  5. Über Die Entführung aus der Klosterschule

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