
- 35 Seiten
- German
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Die Jesuiterkirche in G.
Über dieses Buch
Eine Novelle, in deren Zentrum das Wirken des rätselhaften Künstlers Berthold steht: Als ein reisender Enthusiast in der Stadt G. strandet, besucht er die dortige Jesuiterkirche und schaut zu, wie Berthold die Kirche von innen neu bemalt. Doch der Maler scheint ein dunkles Geheimnis zu hüten – so steht es zumindest in der Vita, die dem Enthusiasten in die Hände fällt... -
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Information
Thema
LiteraturDie Jesuiterkirche in G.
In eine elende Postchaise gepackt, die die Motten, wie die Ratten Prosperos Fahrzeug, aus Instinkt verlassen hatten, hielt ich endlich, nach halsbrechender Fahrt, halb gerädert, vor dem Wirtshause auf dem Markte in G. Alles Unglück, das mir selbst begegnen können, war auf meinen Wagen gefallen, der zerbrochen beidem Postmeister der letzten Station lag. Vier magere, abgetriebene Pferde schleppten nach mehreren Stunden endlich mit Hilfe mehrerer Bauern und meines Bedienten das baufällige Reifehaus herbei; die Sachverständigen kamen, schüttelten die Köpfe und meinten, dass eine Hauptreparatur nötig sei, die zwei, auch wohl drei Tage dauern könne. Der Ort dien mir freundlich, die Gegend anmutig, und doch erschrak ich nicht wenig über den mir gedrohten Aufenthalt. Warst du, günstiger Leser, jemals genötigt, in einer kleinen Stadt, wo du niemanden — niemanden kanntest, wo du jedem fremd bliebst, drei Tage zu verweilen, und hat nicht irgendein tiefer Schmerz den Drang nach gemütlicher Mitteilung in dir weggezehrt, so wirft du mein Unbehagen mit mir fühlen. In dem Wort geht ja erst der Geist des Lebens auf in allem um uns her; aber die Kleinstädter sind wie ein in sich selbst verübtes, abgeschlossenes Orchester eingespielt und eingesungen, nur ihre eigenen Stücke gehen rein und richtig, jeder Ton des Fremden dissoniert ihren Ohren und bringt sie augenblicklich zum Schweigen. — Recht misslaunig schritt ich in meinem Zimmer auf und ab; da fiel mir plötzlich ein, dass ein Freund in der Heimat, der ehemals ein paar Jahre hindurch in G. gewesen, oft von einem gelehrten, geistreichen Manne sprach, mit dem er damals viel umgegangen. Auch des Namens erinnerte ich mich: es war der Professor im Jesuiterkollegio Aloysius Walther. Jo beschloss, hinzugehen und meines Freundes Bekanntschaft für mich selbst zu nutzen. Man sagte mir im Kollegio, dass Professor Walther zwar eben lese, aber in kurzer Zeit endigen werde, und stellte mir frei, ob ich wiederkommen oder in den äusseren Sälen verweilen wolle. Ich wählte das legte. Überall find die KIöster, die Kollegien, die Kirchen der Jesuiten in jenem italienischen Stil gebaut, der, auf antike Form und Manier gestützt, die Anmut und Pracht dem heiligen Ernst, der religiösen Würde vorzieht. So waren auch hier die hohen, luftigen, hellen Säle mit reicher Architektur geschmückt, und sonderbargenug stachen gegen Heiligenbilder, die hier und da an den Wänden zwischen ionischen Säulen hingen, die Superporten ab, welche durchgehends Genientänze oder gar Früchte und Leckerbissen der Küche darstellten. — Der Professor trat ein, ich erinnerte ihn an meinen Freund und nahm auf die Zeit meines gezwungenen Aufenthaltes seine Gastlichkeit in Anspruch. Ganz wie ihn mein Freund beschrieben, fand ich den Professor; hellgesprächig — weltgewandt — kurz, ganz in der Manier des höheren Geistlichen, der, wissenschaftlich ausgebildet, oft genug über das Brevier hinweg in das Leben geschaut hat, um genau zu wissen, wie es darin hergeht. Als ich sein Zimmer auch mit moderner Eleganz eingerichtet fand, kam ich auf meine vorigen Bemerkungen in den Sälen zurück, die ich gegen den Professor laut werden liess. „Es ist wahr,“ erwiderte er, „wir haben jenen düsteren Ernst, jene sonderbare Majestät des niederschmetternden Tyrannen, die im gotischen Bau unsere Brust beklemmt, ja wohl ein unheimliches Grauen erregt, aus unseren Gebäuden verbannt, und es ist wohl verdienstlich, unseren Werfen die regsame Heiterkeit der Alten anzueignen.“ „Sollte aber“,erwiderte ich, „nicht eben jene heilige Würde, jene hohe zum Himmel strebende Majestät des gotischen Baues recht von dem wahren Geist des Christentums erzeugt sein, der, übersinnlich, dem sinnlichen, nur in dem Kreis des Irdischen bleibenden Geiste der antiken Welt geradezu widerstrebt?“ — Der Professorlächelte. „Ei,“ sprach er, „das höhere Reich soll man erkennen in dieser Welt, und diese Erkenntnis darf geweckt werden durch heitere Symbole, wie sie das Leben, ja der aus jenem Reich ins irdische Leben herabgekommene Geist darbietet. Unsere Heimat ist wohl dort droben; aber solange wir hier hausen, ist unser Reich auch von dieser Welt.“ Jawohl, dachte ich: in allem, was ihr tatet, bewieset ihr, dass euer Reich von dieser Welt, ja nur allein von dieser Welt ist. Ich sagte aber das, was ich dachte, keineswegs dem Professor Aloysius Walther, welcher also fortfuhr: „Was Sie von der Pracht unserer Gebäude hier am Orte sagen, möchte sich wohl nur auf die Annehmlichkeit der Form beziehen. Hier, wo der Marmor unerschwinglich ist, wo grosse Meister der Malerkunst nicht arbeiten mögen, hat man sich der neueren Tendenz gemäss mit Surrogaten behelfen müssen. Wir tun viel, wenn wir uns zum polierten Gips versteigen, mehrenteils schafft nur der Maler die verschiedenen marmorarten, wie es eben jetzt in unserer Kirche geschieht, die, Dank sei es der Freigebigkeit unserer Patrone, neu dekoriert wird.“ Ich äusserte den Wunsch, die Kirche zu sehen; der Professor führte mich hinab, und als ich in den korinthischen Säulengang, der das Schiff der Kirche formte, eintrat, fühlte ich wohl den nur zu freundlichen Eindruck der zierlichen Verhältnisse. Dem Hochaltare links war ein hohes Gerüst errichtet, auf dem ein Mann stand, der die Wände in Giallo antik übermalte. „Nun, wie geht es, Berthold?“ rief der Professor hinauf. Der Maler wandte sich nach uns um, aber gleich fuhr er wieder fort zu arbeiten, indem er mit dumpfer, beinahe unvernehmbarer Stimme sprach: „Viel Plage — krummes, verworrenes Zeug — kein Lineal zu brauchen — Tiere — Affen — Menschengesichter — Menschengesichter — o, ich elender Tor!“ Das letzte rief er laut mit einer Stimme, die nur der tiefste im Innersten wühlende Schmerz erzeugt; ich fühlte mich auf die seltsamste Weise angeregt, jene Worte und der Ausdruck des Gesichts, der Blick, womit er zuvor den Professor anschaute, brachten mir das ganze zerrissene Leben eines unglücklichen Künstlers vor Augen. Der Mann mochte kaum über vierzig Jahre alt sein; seine Gestalt, war sie auch durch den unförmlichen schmutzigen Maleranzug entstellt, hatte was unbeschreiblich Edles, und der tiefe Gram konnte nur das Gesicht entfärben, das Feuer, das in den schwarzen Augen strahlte, aber nicht auslöschen. Ich frug den Professor, was es mit dem Maler wohl für eine Bewandtnis hatte. „Es ist ein fremder Künstler,“ erwiderte er, „der sich gerade zu der Zeit hier einfand, als die Reparatur der Kirche beschlossen worden. Er unternahm die Arbeit, die wir ihm antrugen, mit ...
Inhaltsverzeichnis
- Titel
- Kolophon
- Die Jesuiterkirche in G.
- Über Die Jesuiterkirche in G.