
- 232 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Die Regimentstante - Band II
Über dieses Buch
Therese von Wiedern stiftet in der Garnison Verlöbnisse und Ehen, löst mit großem Geschick Probleme ihrer Mitmenschen und lässt dabei Witz und Humor walten. Beinahe hätte auch sie einmal einen Ehemann gefunden, aber großherzig hilft sie dabei, dass der einstmals geliebte Mann mit einer anderen sein Glück findet. Sie ist und bleibt die "Unentbehrliche, Allgeliebte, Vielverehrte" der Offiziere, die sie umschwärmen – und ein Leben lang unverheiratet.
Häufig gestellte Fragen
Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst.
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Weitere Informationen hier.
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
- Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
- Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Wir sind ein Online-Abodienst für Lehrbücher, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 1.000 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Weitere Informationen hier.
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Weitere Informationen hier.
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren.
Ja, du hast Zugang zu Die Regimentstante - Band II von Nataly von Eschstruth im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Literature & Literature General. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.
Information
Thema
LiteratureThema
Literature GeneralXXVI.
Rittmeister von Wieders kam vom Dienst nach Hause und war sehr schlechter Laune.
Sein Premier Howald war ihm nachgerade unausstehlich geworden.
Nicht allein, dass der Mensch sich in jedem freien Augenblick wie eine Klette an ihn hängte und mit den gefühlvoll verrenktesten Augen alle Vorzüge und Anmut der kleinen Minka pries, ja, er hatte heute sogar die unerhörte Frechheit gehabt, zu sagen: „Lange halte ich die Ungewissheit nicht mehr aus, Herr Rittmeister! Ich bin ganz vernarrt in das süsse Mädel, und bei nächster Gelegenheit lege ich ihr Herz und Hand zu Füssen! Auf Ihre gütige Fürsprache darf ich doch wohl rechnen, Herr Rittmeister?!“ —
Auf seine Fürsprache! — Der Mensch schien rein toll geworden!
Wenn Resi wirklich so verrückt ist und ihren Oberst heiratet, wer soll dann seinen Haushalt führen, wenn nicht Minka?
Allerdings hatte Resi neulich erklärt, das ginge nicht; erstens sei Wilhelmine noch zu jung dazu, und zweitens werde sie unmöglich zeitlebens Hausdame bleiben wollen, wenn sie Frau von Howald werden könne.
Ja, das Heiraten! Weiss der Teufel, dass immer geheiratet sein muss!
Was ist in den letzten vier Wochen aus dem feuchtfröhlichen Hagestolzregiment geworden! Der Oberst hat als „böser Mann“ die Getreuen geschreckt, die Backen aufgeblasen und die gesamte Schar der älteren Junggesellen in das Ehejoch hineingepustet — eben ist auch Dorpats Verlobung mit der Präsidententochter explodiert, und Wieders allein ist als „eiserner Bestand“ an der Seite des Obersten zurückgeblieben, welcher nervöser und einsamkeitsscheuer ist, wie je zuvor!
Angenehme Aussichten für ihn, nun allein als Sündenbock und Blitzableiter für die oberstliche Langeweile herhalten zu müssen! Grässlich!
Und dabei begegnete ihm eben eine ganze Schar neugebackener Bräutigams, strahlend und übermütig wie Fähnriche, und Hunolf breitete die Arme nach ihm aus und recitierte: „Wo alles liebt, will Eberhard allein noch hassen?!“ —
Infam — ganz infam, — er hasst ja gar nicht, im Gegenteil — er .... Ja, wenn er Minka sieht, wenn sie singt, wenn sie ihn mit ihren sanften Augen so herzig anblickt ....
Der Rittmeister warf die Handschuhe auf den Tisch, fuhr mit den gespreitzten Fingern durch das Haar und trat an den Schreibtisch.
Was war das?
Da lag eine Zeitung neben der andern, und jede war an einer Stelle sehr dick und rot angestrichen! Ein Hundekopf — und daneben fett gedruckt: „Cäsar und Minka!“ —
Donnerwetter! Den schlechten Witz hat sich die Resi geleistet.
Er lacht vergnügt vor sich hin und starrt auf die Zeitung. „Cäsar und Minka“ ist zwar nur eine Hundeofferte aus Zahna, aber immerhin, es sieht ganz spasshaft aus, wie die beiden Namen so nebeneinander stehen, als gehörten sie zusammen!
Cäsar und Minka! — famos! Grad wie eine Verlobungsanzeige!
Hm .. so übel nicht! — Da steht es wieder — und da wieder, — wie nett es aussieht! Cäsar und Minka! Wirklich, das klingt ganz wie selbstverständlich, dass die beiden ein Paar sind, — und der schöne Leonbergerhundekopf, welcher darüber schwebt, der sieht ihn gerade so an, als wolle er sagen: „Du kannst ja auch bellen — hast du dir deine Eheliebste auch so hübsch erbellt wie ich?“ —
Eberhard lacht laut auf. Donner ja! Das hat er wirklich gethan! Hätte er nicht gebellt, wäre das Garderobefenster nicht aufgeblieben, hätte keine Zugluft entstehen können, und die Schlafzimmerthür wäre nicht hinter dem Rittmeister zugeschnappt.
Das aber war die kleine Ursache zu der grossen Wirkung, dass die liebe, einzig vernünftige Minka ihn vor dem Tode des Erfrierens rettete und darüber ihre Stellung verlor. Nun blieb sie bei ihnen und ... sie soll und muss für immer hier bleiben, du liebe Zeit, was sollte denn aus ihm werden, wenn sie ginge!!
Cäsar und Minka! — Da steht’s. — Er kann sich gar nicht satt sehen daran.
Seltsam, dass ihm der Gedanke an solch eine völlige Zusammengehörigkeit nicht längst gekommen ist! Wo alles liebt, kann Karl allein nicht hassen! Und Resi sagt’s ja alle Tage, — er muss heiraten! —
Da ist gar kein Grund mehr, dass er sich länger sperrt, er hat ja nun ein Mädchen gefunden, die ihn zu dem Ausruf: „O du Herrlichste von allen!“ begeistert hat!
Und dann die ewige Aufregung mit Howald, — das muss ein Ende nehmen!
Er geht ja zu Grunde dabei! Kein Essen schmeckt ihm mehr, selbst Frikassee von Huhn hat er neulich abend knapp gekostet, weil ihm über Howalds Hofmachen die Galle ins Blut trat .. das muss ja einen Menschen ruinieren, und darum.
Cäsar und Minka!! — Er nickt den Zeitungen beinahe zärtlich zu. „Wartet nur, es soll bald noch hübscher dastehn!“ und damit fasst er einen Riesenentschluss und schreitet nach dem Salon.
In Resis Boudoir hört er ein so sonderbares Flüstern. Nanu? — Etwa der Oberst? — Alle Wetter!!
Und auf den Fussspitzen schleicht er näher und äugt durch die Portiere.
Martina und Kronstadt! Arm in Arm! Herzend, küssend — wie zwei Turteltauben!!
Donner ja, das sieht doch recht appetiterregend aus! Dem Lauscher läuft das Wasser im Munde zusammen, und er konzentriert sich so eilig wie möglich rückwärts!
Wo ist Minka?!
Da klappert etwas in dem Esszimmer! Richtig, sie kniet vor dem Büffet und nimmt Krystallteller heraus.
„Fräulein Minka! Pst! Kommen Sie mal schnell, aber furchtbar leise!“ — und er fasst — das junge Mädchen ist so überrascht, dass sie gar nicht darauf achtet — ihre Hand und zieht sie sehr erregt mit ungeheuer wichtigem Gesicht durch den Salon nach Resis Boudoir.
„Pst ... auf den Fussspitzen!“ haucht er, den Finger an die Lippen legend, und dann streckt er den Kopf vor, Minka muss desgleichen thun, und beide schauen auf das zärtlich küssende Brautpaar.
Fräulein von Hitzkirch schrickt höchlichst betroffen zurück und flieht, aufs äusserste verlegen, über den Teppich nach dem Esszimmer zurück, Eberhard folgt mit seligem Schmunzeln und schaut der Heisserglühenden so gut es geht in das abgewandte Gesichtchen.
„Hübsch, Fräulein Minka! Nicht wahr?“ —
„Aber Herr von Wieders!“ und sie will an ihm vorüber zur Thür.
Er streckt den Arm vor. „Eskadron halt! — Erst eine Frage! — Fräulein Minka — möchten Sie auch mal so als Brautpaar dasitzen?!“ —
„Aber ... aber — ich bitte, lassen Sie mich ...“
„Eskadron halt! — Noch eine Frage, denn diese erste haben Sie laut und deutlich mit ‚ja‘ beantwortet! Fräulein Minka“ — und er fasst jählings ihre Hände, „möchten Sie lieber so mit Howald oder mit mir dasitzen?!“
„Herr von Wieders!“ Wie ein erstickter Aufschrei klang es, der Sprecher aber schlang jauchzend den Arm um sie und zog sie stürmisch an die Brust. —
„Also mit mir! — Dacht ich mir’s doch — sonst hätte ich nämlich nie so was Verfängliches gefragt! — Also mit mir! — Gott sei Lob und Dank — nun sind wir auch verlobt, Herzensschatz!“ und der Rittmeister bewies das sofort durch einen wahren Wirbelsturm von Küssen — auf Mund — Wangen — Stirn — Nacken — gleichviel, wo’s hintraf! Er war ja nun verlobt, und hatte das Recht zu küssen! —
Und Minka fand sich in das Unvermeidliche, denn sie war wirklich ein vernünftiges Mädchen, und weil sie die Verlobung nicht rückgängig machen konnte und wollte — denn sie war dem lieben, herzensguten, braven Cäsar vom ersten Augenblick an gar zu gut gewesen! — so küsste sie ihn wieder — und bald sass sowohl im Boudoir, wie im ersten der Salons je ein zärtliches Liebespaar, von denen man auf den ersten Blick wahrlich nicht sagen konnte, welches das glücklichere von beiden war!
Herr von Wieders trug im Hause meist Civil, und als er soeben freudestrahlend, wahrhaft verklärt, seiner Schwester Resi entgegentrat — Minka war bei ihrem Nahen entflohen — warf Resi nur einen schnellen, kurzen Blick auf den Anzug des Bruders und lächelte ganz sonderbar.
„Resi!!“
„Befehl, Herr Rittmeister!“
„Was ist geschehen, Resi? Rate mal!“
„Du hast dich verlobt!“ —
„Donnerwetter!“ Der Frager sah sehr verdutzt aus, diese prompte Bedienung hatte er nicht erwartet. „Hm — das stimmt. Aber nun rate erst mal mit wem?!“
„Mit Fräulein Minka von Hitzkirch!“
„Teufel ja ... das — das ... woher weisst du das schon?!“
„Ich sehe es!“ lachte die Regimentstante hell auf.
„Du siehst es? Wo?“ und Eberhard strich sich unwillkürlich über den Mund.
„Nein, noch ist er nicht ‚fusselig‘ geküsst!“ scherzte sie. — „Aber da — dein frisch gewaschenes, ehedem so schneeweisses Plätthemd — das verrät alles!“ —
Betroffen starrte der Rittmeister an sich nieder, auf das weisse Plätthemd, welches ganz merkwürdige königsblaue Streifen und Flecke aufwies ....
„Potz Blitz und Knall! Minka hat abgefärbt!“ stiess er kurz hervor, und Resi schlang, laut aufjubelnd, die Arme um den glücklichen Bräutigam. — „Ja, das blaue Velvetkleid muss deine Herzliebste jetzt ablegen — das kostet zu viel Wäsche!“ und dann küsste sie das rotleuchtende Gesicht des Bruders, und ihre Freude und ihr Entzücken über diese Heldenthat Cäsars kannte keine Grenzen.
Dann eilten sie beide zu der zukünftigen Frau Rittmeister ... und ... Minka war wirklich ein vernünftiges Mädchen — sie hatte das indiskrete Velvetkleid schon abgelegt und sich in ihr bestes, schönstes Sonntagskostüm gehüllt — denn solch ein Sonntag an Freude und Glückseligkeit hatte ihr zeitlebens noch nicht gelächelt! —
Welch ein stürmischer Jubel, als am nächsten Tage das gesamte Offizierskorps mit Gattinnen und Bräuten sich in dem gastlichen Hause des Rittmeisters von Wieders versammelte und zwei sehr erfreuliche Überraschungen über sich ergehen lassen musste!
Die erste war die Verlobung des Rittmeisters mit Fräulein von Hitzkirch, welche er selber proklamierte, und wobei er bewies, dass sein vielgerühmtes, gutes Herz im Grunde ein pechrabenschwarzes war, denn dieser Blick von Triumph, Schadenfreude und Rachsucht, welcher dabei den unglücklichen Howald traf, bewies, wie reif er für die Hölle war!
Er empfand nicht einmal Mitleid, als dem armen Premier sichtlich ganz schwach vor Kummer wurde — Resi verschwand nach kurzer Zeit mit ihm im Esszimmer, wo sie ihm sicher einen Cognac verabreichte — denn Minka war so unklug, ein entschieden teilnehmendes Gesicht zu machen, und das genügte für die rasende Eifersucht des Neuverlobten, um den Rivalen nach wie vor tödlich zu hassen!
Der Oberst gratulierte zwar recht herzlich, aber er sah doch aus, wie einer, dem die letzte Butter vom Brot genommen wird, und diese nachdenklich trübselige Miene behielt er auch während des ganzen Abends bei, kaum dass die zweite Überraschung, und das waren Resis Eröffnungen betreffs des neuen Regimentshauses, ihn momentan etwas aufheiterten.
Ein Sturm von Beifall, Dank, Entzücken und Verehrung erbrauste von allen Seiten über die geniale Regimentstante, die einzige, unentbehrliche, welche Dinge ermöglicht, an denen jede andere Kunst scheitert, — und während der müde, von den Wimpern verschleierte Blick des Herrn von Laucha immer länger und sinnender auf ihr haftet, wie ein Mensch sorgsam und ganz genau einen Gegenstand prüft und mustert, ehe er sich zum Kauf entschliesst, flammte aus Kai Lichtenbergs jungen Augen die Begeisterung desto rückhaltloser und impulsiver!
Jede geistreiche That oder Bemerkung der ehedem so bitter angefeindeten Regimentstante fand in ihm einen geradezu stürmischen Verehrer und Colporteur, und während er von Haus zu Haus die Bonmots und Schlagfertigkeiten, die guten Thaten und hilfreichen Leistungen Resis trug, sah er aus, als sei Tante Resis Ruhm auch der seine, als gehe alles, was sie betraf, in erster Linie ihn, ihren glühendsten Verehrer an. Wie strahlte er voll Stolz, als er Resis neustes Bonmot erzählte, welchem Niebeland einen so famosen Spitznamen verdankte. Man übte zu Hunolfs Polterabend ein Theaterstück ein, welches Resi selbstredend redigierte. Niebeland, welcher von Natur etwas peinlich und umständlich beanlagt war, fand alles „nicht zart — nicht fein — nicht chic — nicht passend“ genug, bis der Regimentstante endlich die Geduld riss und sie ausrief: „Wissen Sie was? Wir wollen Sie umtaufen, Niebeland! Weil Sie so furchtbar penibel sind, sollen Sie künftig Herr von ‚Penibelland‘ heissen!“ Ein famoser Witz! — Man jubelte vor Lachen und Niebeland hatte sein Fett! —
Man amüsierte sich allgemein sehr über diese unumwundene und wirklich ehrliche Begeisterung des jungen Offiziers, und Fräulein von Wieders nahm seine Huldigungen sehr wohlwollend und mit bestem Humor auf.
„Eine Regimentstante muss ihren Neffen in allen Dingen nützlich sein!“ lachte sie — „auch als Übungsflamme! Wie soll der kleine Graf das Courmachen lernen, wenn er sich nicht auf ganz neutralem und ungefährlichem Boden etwas einüben kann? Für gewöhnlich müssen die jungen Frauen herhalten, aber das ist am fin de siècle stets durch den fatalen Beigeschmack bedroht, welchen die französische Litteratur dem Hausfreund beigemischt hat; auch sind die Ehemänner nicht immer einverstanden damit. — Wenn aber der jüngste Leutnant einer alten Jungfer den Hof macht, so kann das höchstens einen feinen Stich ins Komische erhalten.“ —
Jedenfalls nahm Resi die Sache sehr harmlos und lustig, der Graf aber desto ernster und feierlicher auf, und der erste, sichtbare Vorteil erwuchs ihm aus seiner warmherzigen Verehrung, indem sie ihm die Sympathien der Gesellschaft, welche ihm anfänglich so sehr gefehlt, desto reicher eintrug.
Ein Herz, welches für Tante Resi schlug, fand stets einen warmen Wiederhall bei Gross und Klein, denn die Regimentstante hatte es verstanden, sich die Zuneigung der ganzen Garnison zu erwerben. — —
Das neue Offizierskasino war feierlich mit allen Akten und Schenkungsurkunden dem Regiment übergeben, und da der alte Krieselbach eine besondere „Anfeierung“ durch ein Liebesmahl — vorerst noch in der „goldenen Sonne“ — abgelehnt, und sich als einzigen Freundschaftsbeweis einen flotten, kleinen Frühjahrsalarm beim Oberst bestellt hatte, so beschloss man, der allgemeinen Erkenntlichkeit in anderer Weise Ausdruck zu geben.
Man beschloss dem generösen Stifter des neuen Regimentshauses ein Ständchen zu bringen, an welches sich eine feierliche Ansprache des Obersten anschliessen sollte!
Da Herr Krieselbach allabendlich bei der Baronin Quintach Schach spielte, so schlug man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, wenn man die Musik vor dem Wiedersschen Hause spielen liess, und Tante Resi fand diese Überraschung für den alten Herrn ausgezeichnet.
Sie erinnerte jedoch an seine Schwerhörigkeit und bat, das Programm dementsprechend einzurichten, und der Kapellmeister freute sich, dass seine schönen Trompeten zur Geltung kamen und liess mit einem Potpourri aus Lohengrin beginnen.
Die Fanfaren des ersten Aktes setzten schmetternd ein — und der Oberamtmann, welcher gerade einen schwierigen Zug zu erledigen hatte, hob plötzlich auflauschend das sinnende Haupt.
„Nanu — was ist das? — Hören Sie nichts, meine Gnädige — ein Signal?!“ schrie er sein Gegenüber an.
Frau von Quintach öffnete erschreckt den Mund — und richtig — tateratata — da schmetterte und klang es abermals.
„Himmelschockbombenelement! Alarm! Alarm bei dieser Kälte!“ schrie der alte Herr und sprang so hoch empor, dass sein Stuhl hintenüber schlug. „Der Oberst ist nicht recht gescheit! Im Frühjahr meinte ich!“ — Und wie ein Unsinniger stürzte er nach dem Stuhl, auf welchem sein Mantel lag. —
Er warf ihn um — er fasste die Mütze — Schach und Baronin waren vergessen — der königliche Dienst ging vor — und hui — knallt die Thür hinter ihm, und der Oberamtmann stürmt wie das wilde Wetter die Hintertreppe hinab, geradeswegs in den Stall zu seinem Schimmel. —
Frau von Quintach hatte kein W...
Inhaltsverzeichnis
- Titel
- Kolophon
- XV. Kapitel
- XVI. Kapitel
- XVII. Kapitel
- XVIII. Kapitel
- XIX. Kapitel
- XX. Kapitel
- XXI. Kapitel
- XXII. Kapitel
- XXIII. Kapitel
- XXIV. Kapitel
- XXV. Kapitel
- XXVI. Kapitel