Selbstfürsorge und mentale Gesundheit für StudierendeDie Zeit des Studiums bietet Möglichkeiten der Selbstentfaltung, genauso wie sie Rückschläge, Krisen und Belastungen mit sich bringen kann.Um die Möglichkeiten jener Lebensphase voll auszuschöpfen, braucht es Effizienz in guten Zeiten und Resilienz dann, wenn der Druck durch Prüfungen und Leistungsanforderungen steigt oder Rückschläge verkraftet werden müssen.Dieses Buch unterstützt Studierende dabei, sich gegen herausfordernde Situationen zu immunisieren und resilient durchs Studium zu kommen.Den Bezug zur Lebenspraxis stellt der Autor durch zahlreiche Beispiele und Anregungen her, die Studierenden die Selbstverwirklichung, Selbstentfaltung, Selbstaktualisierung unter widrigen Bedingungen erleichtern.Fragen Sie sich selbst: - Versuchen Sie nur auf Nummer sicher zu gehen, wo Sie effektiver sein könnten?- Resignieren Sie zu schnell vollständig, wo Sie sich immunisieren könnten?- Vernachlässigen oder übertreiben Sie womöglich die ausgewogene Entwicklung von beidem?Dann zeigt Ihnen dieses Buch, wie Sie das Beste aus Ihren guten Zeiten herausholen und das Sicherste aus den schlechten – wie Sie effektiv und resilient sein können.

- 160 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Resilient durchs Studium
Über dieses Buch
Information
Thema
Bildung Allgemein1. Zwischen Selbsterhaltung und Selbstentfaltung: Was bedeutet Resilienz für Sie und Ihr Studium?
Alles, was lebt, wächst, und zwar innerhalb bestimmter Grenzen unabhängig davon, ob die Bedingungen günstig sind oder nicht. Ein Samenkorn kann auf gutem Boden mit viel Licht landen oder in einer kargen Felsspalte im Schatten … Solange die Umgebung nicht absolut lebensfeindlich ist, wird es keimen. Vergleichbar sieht es auch für Sie aus. Sie haben sich für ein Studium entschieden und ob Sie die Hochschule nun eher als fruchtbaren Acker erleben oder als Felsspalte im Schatten – Sie bringen bereits ein Repertoire von Handlungs- und Erlebnisweisen mit, das sowohl Ihrer Selbstentfaltung „auf dem fruchtbaren Acker“ als auch Ihrer Selbsterhaltung „in der kahlen Felsspalte“ dient.
Das ist enorm wichtig, denn im Studium entwickeln und vergrößern Sie nicht nur Ihre Kenntnisse in bestimmten fachlichen Disziplinen, sondern Sie entwickeln auch Ihre Persönlichkeit. Dazu gehört die Effektivität, mit der Sie aus Ihren Chancen etwas machen, und die Resilienz, mit der Sie Widrigkeiten wie schwere Rückschläge und bedrohliche Risiken meistern.
Natürlich wünsche ich Ihnen, dass Ihnen allzu große Lasten und Risiken erspart bleiben. Aber wenn Sie einmal die Bekanntschaft von Menschen gemacht haben, die sich zwar anerkennenswert für ihr Vorankommen eingesetzt haben, denen aber ansonsten weitestgehend jede noch so kleine Widrigkeit erspart geblieben ist, dann werden Sie die meisten dieser Menschen, wenn nicht alle, als etwas naiv in Erinnerung haben. Probleme – oder wie man heute meist sportlich sagt: „Herausforderungen“ – sind Teil Ihres Lebensweges, und wenn sie erst einmal gemeistert sind, profitieren Sie durch entsprechende Erfahrungen davon.
Nun habe ich bei meiner Arbeit als Berater immer wieder Studierende kennengelernt, die sich Problemen zwar durchaus stellten, aber nie anders als durch verstärkten Kräfteeinsatz: mehr Anstrengung, mehr Tempo, mehr Selbstoptimierung, mehr Selbstverleugnung und mehr Gefallen-Wollen. Im besten Falle achteten sie wenigstens darauf, dass ihr Alltag angemessene Regenerationspausen enthielt, aber einen echten Plan B für das Überleben in Zeiten, in denen all der zusätzliche Kräfteeinsatz an seine Grenzen stieß, gab es nicht. Und solche Grenzen können sehr entmutigend ausfallen: schwere Erkrankungen, der Verlust nahestehender Menschen, das Scheitern von Plänen zur Selbstfinanzierung usw.
Unter solchen Bedingungen war plötzlich nicht mehr allein wichtig, ob sich irgendwo noch ein kleiner, aber ausbaufähiger Hoffnungsschimmer und Ansatzpunkt zeigte, um sich neu aufzuraffen; mindestens genauso wichtig war vielmehr, sich mit Angst, Wut, Verzweiflung und Schmerz auseinandersetzen zu können, manchmal über sehr lange Zeit. Dazu sind schwerpunktmäßig andere Qualitäten nötig als die, die üblicherweise unter der Überschrift „Effektivität“ aufgezählt werden. Dazu ist „Resilienz“ nötig, also das seelische Rüstzeug, sich gegen vermeintlich überwältigende Widrigkeiten immunisieren zu können.
Bevor ich dazu komme, wie das möglich ist, lassen Sie uns ein wenig genauer anschauen, was für Sie im Studium Ihre Effektivität einschränken und Resilienz nötig machen kann.
1.1 Studienstress: typische Stolpersteine
Studieren an einer deutschen Hochschule heißt vorrangig, Wissen und Können in den Fächern zu erwerben, die Sie gewählt haben. Dann werden Sie entsprechende Prüfungen ablegen wollen und mit einem Zertifikat abschließen, das Ihnen attestiert, was Sie alles gelernt haben. Dieser Aspekt der Sache ist einer Ausbildung ähnlich, auch die Tatsache, dass Sie unterschiedlich „hohe“ Qualifikationen aufeinander aufbauen können.
Hinzu kommt, dass Sie als Akademiker*in damit vertraut sein sollen, wie das Wissen in Ihren Fächern überhaupt entsteht und wächst – Sie sollen wissen, wie man „forscht“ und welchen Kriterien die dokumentierten Ergebnisse genügen müssen, damit auch andere damit sinnvoll weiterarbeiten können.
Nicht zuletzt gibt es auch noch Hochschulen mit dem Anspruch, Ihnen Allgemeinkenntnisse zu vermitteln, die über den Tellerrand Ihrer wissenschaftlichen Spezialdisziplin hinausgehen – also Einblicke in andere, ja sogar alle akademischen Fächer.
Aber während Ihres Studiums wächst nicht nur Ihr Wissensbestand, sondern Ihre Persönlichkeit insgesamt. Sie sammeln und verarbeiten vielleicht sogar überwiegend Erfahrungen, für die kein Lehrplan existiert, wie beispielsweise (Sperling 1974):
- Ablösung von der Herkunftsfamilie und Aufbau eines eigenen Beziehungsnetzes
- Verantwortung für eigene Zeit und eigenes Geld
- Erste Erfahrungen mit Alleinleben, WG, Partnerschaft
- …
Und das sind nur Beispiele für absehbare Hürden, die Sie meistern müssen. Hinzu kommen wahrscheinliche, aber dennoch nicht vorhersagbare Widrigkeiten wie Enttäuschungen, Misserfolge und sogar Lebenskrisen / Zusammenbrüche in den unterschiedlichsten Bereichen.
Werden diese und andere Stressoren nicht angemessen verarbeitet, dann sind die häufigsten Reaktionen (ausgedrückt im Vokabular der Fachleute):
- Depressivität (Energieverlust und vermindertes Interesse an Aktivitäten, Unruhe oder Verlangsamung, Schlafstörungen und Müdigkeit, verminderte Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit, unter Studierenden besonders oft: vermindertes Selbstwertgefühl)
- Anpassungsstörungen („Betäubung“, geminderte Fähigkeit, Reize zu verarbeiten, eingeschränkte Aufmerksamkeit und Desorientiertheit, verstärkte Vulnerabilität, unter Studierenden besonders oft: Aufschieben)
- Angst (verschiedene Formen von Passivität und Vermeidungsverhalten bis hin zum Auftreten von Panik, sozialen Ängsten, chronisch verallgemeinertes Sich-Sorgen, unter Studierenden besonders oft: Prüfungsangst)
Die folgende Liste (Tabelle 1.1) dagegen besteht aus Faktoren, die Studierende selbst aufzählten, als sie bei einer Befragung angeben sollten, was sie im Studium als Stress erleben. Die Prozentangaben kennzeichnen, welche Punkte von wie vielen Befragten genannt wurden. Das Ganze ergibt eine „Stress-Hitparade“ von Studierenden (Ortenburger 2013):
| Zeitnot | 75 % |
| Leistungsdruck | 64 % |
| Zukunftsangst | 37 % |
| Überforderung | 36 % |
| Unsicherheit | 30 % |
| Orientierungslosigkeit | 18 % |
| Einsamkeit | 15 % |
| Konkurrenzdruck | 14 % |
| Hilflosigkeit | 14 % |
| andere | 6 % |
Tabelle 1.1: Studienstress
Das alles sind also mögliche Ursachen, im Studium einengenden Stress zu erleben. Hier gleich noch eine Ergänzung zum besonderen Studienstress seit Ausbruch der Corona-Krise:
| Arbeitsstörungen und Motivationsverlust im Homeoffice |
| Finanzielle Not |
| Frustration, Ausgezehrtsein, Gedanken an Studienabbruch |
| Sorge um Ansteckung |
| Soziale Isolation |
| Überforderung durch Workload und nötige neue Lernstrategien |
| Verlust des Kerns studentischer Identität: Diskurs und Campus |
| Verschlimmerung psychischer Probleme (z. B. Depressionen, Ängste) |
| Verunsicherte Studienplanung und berufliche Perspektiven |
Tabelle 1.2: Corona-Stress (Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Wilfried Schumann, PBS Oldenburg)
Nun sind das alles Aufzählungen aus der Beobachterperspektive. Ich habe sie hier vor allem wiedergegeben, um Ihnen deutlich zu machen, dass Sie sich nicht sorgen müssen, Sie seien ein Sonderfall, wenn Ihnen Punkte wie die aufgeführten Kummer bereiten. Lassen Sie uns jetzt aber auch genauer auf Ihre ganz persönliche Situation schauen.
1.2 Eine erste Bilanz
Sie werden nicht ohne Grund zu diesem Buch gegriffen haben. Irgendeine Herausforderung (oder mehrere) in Zusammenhang mit Ihrem Studium treibt Sie vermutlich gerade um. Statistiken, was die meisten Studierenden als Stress erleben, spiegeln möglicherweise nur bedingt, wie es Ihnen persönlich geht. Aber das können Sie sich leicht vergegenwärtigen. Sortieren Sie die obigen Aufzählungen einfach Ihrer persönlichen Situation entsprechend um. Was setzen Sie auf die ersten Plätze dieser Problemrangliste?
Oder noch einfacher: Überlegen und notieren Sie mithilfe der folgenden Fragen,
- was Sie derzeit gefühlt stresst,
- und schätzen Sie auf einer Skala zwischen 0 und 10 ein, wie sehr.
Hier die Fragen:
- Was erleben Sie zurzeit als Ihre schwerwiegendsten Belastungen? (Kümmern Sie sich jetzt noch nicht darum, ob diese direkt mit Ihrem Studium zu tun haben.)
- Gibt es Risiken, von denen Sie sich bedroht fühlen, Dinge, die „schieflaufen“ oder dies in nächster Zeit tun könnten?
- Empfinden Sie bestimmte Bedingungen Ihrer Situation als Krise, etwas, das Ihnen „Energie raubt“, Sie „stark in Atem hält“ oder Ihre Möglichkeiten einschränkt?
- Für wie empfindlich oder verletzlich halten Sie sich – im Allgemeine...
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- 1. Zwischen Selbsterhaltung und Selbstentfaltung: Was bedeutet Resilienz für Sie und Ihr Studium?
- 2. Überhitzte Selbstoptimierung und „Immunüberreaktionen“
- 3. Zwischen Akzeptanz und Gestaltungswillen
- 4. Zwischen Absichten und Sinn – die Zielorientierung
- 5. Zwischen Realismus und Optimismus
- 6. Zwischen Verantwortungsübernahme und dem Vertreten eigener Ansprüche
- 7. Zwischen Selbstwirksamkeit und Selbstkritik
- 8. Zwischen Netzwerken und Selbstzugang
- Eine Bemerkung zum Schluss
- Danksagung
- Literaturverzeichnis
- Index
- Über den Autor
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