Gedanken rund um die neue Gesellschaft
Wie lassen sich neue Ideen gewaltfrei durchsetzen
Den Status quo aufzubrechen fällt immer schwer. Hat man sich erst einmal in einer bestimmten Situation eingerichtet, möchte man nur ungern eine Veränderung. Das gilt selbst dann, wenn die Veränderung eine deutliche Verbesserung verspricht. Es besteht ja immer auch ein Risiko, dass es am Ende doch nicht klappt. Hauptgegenargument: „Das haben wir aber schon immer so gemacht“. Jeder kennt das. So ist es im Großen wie im Kleinen. Das Alte ist der Feind des Neuen. Zudem schafft jede Veränderung natürlich auch Verlierer. Selbst um die absurdesten Geschäftsmodelle bildet sich irgendwann eine Lobby. Beschlösse eine Stadt, dass Hunde nur mit Jäckchen in den Park dürften, dann würden das erst einmal alle völlig abwegig finden. Im Laufe der Zeit würde sich aber schnell ein kleiner Industriezweig aus Jackenproduzenten, Designern, Händlern und Reparaturbetrieben bilden. Es würde Standard werden. Neue Moden und Trends würden entstehen, alle fänden es irgendwann normal und jeder, der seinen Hund nicht adäquat kleidet, würde den Verdacht auf sich ziehen, sein Tier zu vernachlässigen. Käme nun ein Politiker daher, der diesem Irrsinn ein Ende setzten wollte, so müsste dieser mit heftigen Protesten rechnen.
Selbst absurde Verhaltensweisen werden irgendwann Tradition und kulturelle Selbstverständlichkeit. Diese zu überwinden und durch etwas Besseres zu ersetzen, ist ohne einen Masterplan und viel Geduld kaum zu erreichen. Einige haben es durch Repression und Gewalt versucht. Vielleicht ist das hier und da gelungen. In der Regel ändert Gewalt aber keine Überzeugungen, sondern führt zu Ablehnung und Gegengewalt. Der Königsweg besteht also darin in kleinen Schritten die Entwicklung voranzutreiben. Wie schwer es ist tradierte Verhaltensweisen zu ändern, soll folgende Geschichte verdeutlichen:
Neuguinea hatte ab den 1970er Jahren heftige Debatten über die richtige Ernährung. Insbesondere der Fleischkonsum stand im Zentrum der Kritik. Klar war: Fleischessen ist unmoralisch und nicht gesund. Aber genau wie bei uns heute, wollten sich „eingefleischte“ Fleischesser keinesfalls an eine andere Ernährung gewöhnen. Es wurden die gleichen Argumente hervorgebracht, die man auch hier beim Reizwort Veggieday hört: Warum etwas ändern, war schon immer so, Fleisch gehört doch dazu, ist eine natürliche Lebensweise, schmeckt so gut, Körper und Seele brauchen es…Das komplette Programm. Aller Widerstand nützte jedoch nichts. Ein entsprechendes Gesetz gegen den Fleischverzehr wurde erlassen und wer sich nicht daran hielt, musste mit harten Strafen rechnen. Es dauerte viele Jahre, bis sich die Menschen an die neue Vorschrift gewöhnten. Aber obwohl sich die meisten Einwohner heute, also 50 Jahre später, ganz selbstverständlich daran halten, soll es immer noch einige Widerstandsnester geben, die sich in Bezug auf ihr Lieblingsessen keine Vorschriften machen lassen möchten. Bei dem Fleisch handelt es sich übrigens nicht um Rind, Huhn oder Schwein, sondern um Menschenfleisch. Wer darüber aus heutiger Sicht entsetzt ist, der sollte sich ein paar Gedanken um die Fleischproduktion der Neuzeit machen. Es bleibt zu hoffen dass auch diese irgendwann einer finsteren Vergangenheit angehören wird und die Menschen sich beim besten Willen nicht mehr vorstellen können, was wir uns dabei gedacht haben.
Zeit, Geduld und kleine Schritte werden also bei der Umsetzung der neuen Gesellschaftsordnung unsere wichtigsten Verbündeten sein. Da aber hier das Fahrrad nicht komplett neu erfunden werden muss, sollten besagte kleine Schritte tatsächlich möglich sein. Mit zunehmender Sensibilisierung zu diesem Thema und steigender Bildung, sollten sich dafür auch die entsprechenden politischen Mehrheiten finden. Wer sich animiert sieht, seinen Teil dazu beizutragen, muss nicht zwangsweise eine eigene, radikale Partei gründen. Wesentlich einfacher und effektiver ist es, einer bestehenden Partei beizutreten und dort das Steuerrad ein winziges Stück umzulegen. Bei der großen Knappheit an guten Leuten, die in fast allen Volksparteien herrscht, ist das übrigens überraschend einfach. Probiert es aus und lasst Euch von anfänglichen Rückschlägen nicht entmutigen. Für alles kommt irgendwann die Zeit.
Ein Fakt bereitet mir allerdings Sorge. Die Frage danach, ob wir angesichts der dramatischen Weltlage und erheblicher Umweltprobleme überhaupt noch ausreichend Zeit haben, den Hebel langsam umzulegen. Vielleicht sind wir wie die Insassen eines Autos, das mit 180 km/h auf einen Abhang zurast. Zwar haben alle erkannt das jetzt dringend was passieren muss, aber man ist sich noch nicht einig, wie man vorgehen soll. Vollbremsung, heftig lenken oder rausspringen. Aber eigentlich ist es egal, denn das Auto ist nur noch einen Meter von der Kante entfernt…
Ideologie
Ideologien sind toll. Ideologien sind visionär. Ideologien führen zu gesellschaftlichem Fortschritt. In der politischen Praxis sind Ideologien jedoch kaum zu gebrauchen. Denn sie dürfen nur am Anfang eines Prozesses stehen und müssen stets an der Realität gemessen und neu abgewogen werden. Sie ersetzten nicht die permanente Reflektion und Neubewertung. Sie dürfen das freie Denken in alle Richtungen nicht behindern. Das korrekte Aufsagen einer indoktrinierten Meinung ist kein schöpferischer Prozess. Zudem können unangenehme Fakten nicht durch Wunschdenken ersetzt werden. Wenn eine Gesellschaft erst einmal anfängt, die Welt nicht mehr so zu betrachten wie sie ist, sondern nur noch so wie sie sein sollte, dann hat man ein echtes Problem.
Lange Zeit war für weite Teile der politischen Linken beispielsweise klar: Es gibt keine oder kaum faule Menschen. Menschen die sich in den sozialen Sicherungssystemen ausruhen, seien die absolute Ausnahme. Sanktionen wären vollkommen überflüssig – menschenverachtend gar. Obwohl diese Aussage doch recht zweifelhaft ist, war auch medial kaum etwas anders zu hören. Wer dagegen argumentierte, wurde sofort mit dem Schicksal von Lieschen Müller konfrontiert, die stellvertretend für Millionen andere das Paradebeispiel für die fleißige, engagierte, aber durch Widrigkeiten blockierte Arbeitslose sei. Was sagen Sie dieser armen Frau, wenn dieses oder jenes anders geregelt werden soll? Selbst gestandene Wissenschaftler hielten sich da am Ende mit sachlicher Argumentation lieber zurück. Wer will schon als Menschenfeind gebrandmarkt werden. Solche heiligen Kühe gibt es viele. Da ist z.B. der Landwirt, der im Schweiße seines Angesichts der kargen Ackerkrume sein noch kärgeres Einkommen abtrotzt und natürlich jeder Unterstützung würdig ist (Marktregeln hin oder her). Das Großagrarier auch zu den Großverdienern gehören und gewaltige Überkapazitäten mit Grundwasserverseuchung oder mit Zerstörung der Agrarwirtschaft in Afrika bezahlt werden, gerät da gerne mal in den Hintergrund. Und da ist natürlich aktuell der Migrant, der grundsätzlich immer auf der Flucht vor Terror und persönlicher Verfolgung ist. Das ein Großteil aber ganz einfach auf der Suche nach einer besseren Perspektive ist, wird ausgeblendet.
Beispiele gibt es zahlreiche. Hat man es mit kurzen Phasen von kollektiver ideologischer Verwirrung zu tun, ist das nicht weiter schlimm. So etwas korrigiert sich dann schnell und manchmal auch recht drastisch. Bürgern sich solche Fehleinschätzungen aber erst mal ein (und gerade in wirtschaftlich guten Jahren kommt es verstärkt dazu), dann wird solches Wunschdenken tatsächlich zu gelebter Kultur, die so schnell nicht mehr zu korrigieren ist. Der Anfang vom Ende einer insgesamt erfolgreichen Gesellschaft.
Eine nachhaltige Gesellschaft sollte sich deshalb nicht grundsätzlich von Ideologien abwenden – jedoch wissenschaftlich fundierten Fakten einen deutlich höheren Stellenwert einräumen. Auch wenn das nicht immer leicht ist und Fakten durchaus widersprüchlich sind oder in unterschiedlicher Weise interpretiert werden können. Dennoch ist es besser, den Fakt zur Grundlage des Handels zu erklären als die Ideologie / Kultur / Tradition / Religion. Wissenschaftlich bestätigte Erkenntnisse dürfen nicht nur dann in die aktuelle Politik einfließen, wenn sie genehm sind. Ihnen muss per Verfassung ein höherer Stellenwert zugeordnet werden. Gibt es eine gefestigte wissenschaftliche Erkenntnis, dann muss die Politik zum Handeln gezwungen werden. Natürlich sind auch dann Fehlurteile nicht ausgeschlossen. Dennoch sollte diese Vorgehensweise einer ideologisch orientierten Entscheidungsfindung deutlich überlegen sein, denn bei dieser sind teils verheerende Fehlurteile an der Tagesordnung.
Entscheidungen werden heute oft wider besseres Wissen getroffen. Gründe sind lieb gewordene Gewohnheiten oder ideologische Fehlprägungen. Auch mächtigen Interessenvertretungen, denen man lieber nicht in die Quere kommen möchte, oder schlichtweg Korruption können ursächlich sein. Manches muss man wohl als typisch menschlich hinnehmen. Gegen überbordenden Lobbyismus oder gar Korruption jedoch muss entschieden vorgegangen werden. Diesem Punkt sei auf Grund seiner außerordentlichen Bedeutung ein eigenes Kapitel gewidmet.
Korruption und der kleine Bruder Lobbyismus
Die Bedeutung konsequenten Vorgehens gegen Korruption lässt sich an einem einfachen Fakt belegen: Staaten sind erfolgreicher, je weniger von dieser Krankheit befallen sind. Der Korruptionswahrnehmungsindex spricht hier eine eindeutige Sprache. Unternehmen nehmen höhere Löhne und strengere Regularien in Kauf, wenn ihnen dafür Rechtssicherheit und somit auch Schutz vor Korruption geboten wird.
Wenn staatliche Aufgaben nur noch für bestimmte Gruppen zuverlässig funktionieren (die mit Beziehungen und / oder Geld), dann wird ein großer Teil der Bevölkerung derart benachteiligt, dass deren Potential einfach brachliegt. Techniker, Erfinder oder Kreative müssen keine guten Networker sein. Sind sie es aber in einer korrupten Gesellschaft nicht (z.B. wegen eines ausgeprägten Gerechtigkeitssinnes), haben sie hier keinerlei Chancen.
Wenn Fortschritt nur dann zustande kommt, wenn es die Geschäfte bestimmter Kreise nicht behindert, dann wird die Entwicklung der Gesellschaft stark ausgebremst. Bestimmt also die Kohleindustrie den Kurs, wird es keine Entwicklung zu neuen Energie- und Rohstoffkonzepten geben. Bestimmt eine konventionelle Landwirtschaft die Regeln, wird der Ökolandbau nie eine realistische Chance haben, umweltschonender auf den gleichen Ertrag zu kommen.
Zudem sorgt Korruption natürlich für ein gehöriges Maß an Ungerechtigkeit. Ungerechtigkeit führt zu Wut. Wut zu Protest und Protest schnell zu Gewalt und Chaos. Wenn also die Bevölkerung das Gefühl hat, dass ein kleiner Kreis das Land als Selbstbedienungsladen missbraucht, wird es über kurz oder lang dagegen aufbegehren.
Was kann man gegen Korruption tun?
Wichtige Voraussetzung ist ein freier und unabhängiger Journalismus. Das Konzept des öffentlich rechtlichen Rundfunks ist auf Grund der damit verbundenen Gebühren viel gescholten. Er ist aber das z.Z.beste Konzept, um eine einigermaßen objektive und kritische Berichterstattung zu gewährleisten. Ein ausschließlich privatwirtschaftlich betriebener Journalismus kann nie vollkommen unabhängig sein.
Eine unabhängige staatliche Stelle zur Korruptionsbekämpfung, mit weitreichenden Befugnissen, ist ein zweiter wichtiger Baustein.
Empfindliche Strafen bringen sicherlich weniger als man vielleicht erwartet, dennoch wird es ohne sie nicht gehen. Auch das ist also ein Baustein.
Wichtigste Komponente einer effektiven Korruptionsbekämpfung ist die kulturelle und gesellschaftliche Sanktionierung. Korruption darf niemals verharmlost oder bagatellisiert werden. Bereits in der Schule muss das Thema kritisch reflektiert werden. In den Medien muss sie als das dargestellt werden, was es ist – ein Kapitalverbrechen gegen die Gesellschaft. Mit jeder neuen Generation wird die Bevölkerung dann immer resistenter gegen dieses Übel.
Die Natur als Lehrmeister
Wie bereits kurz beschrieben, können wir auch in Bezug auf die Ökonomie viel von der Natur lernen. Sie hat sich über einen langen Zeitraum aus einfachsten Strukturen hin zu einer sehr komplexen Flora und Fauna entwickelt. Hierin besteht schon die erste Analogie zur menschlichen Wirtschaft. Auch wir begannen einst mit primitiven Werkzeugen und verfügen heute über einen extrem ausdifferenzierten Werkzeugkasten.
Durch billionenfachen Versuch und Irrtum hat die Natur sehr stabile und zugleich flexible Strukturen entstehen lassen, die sich permanent weiterentwickeln. Die Natur ist nicht per se nachhaltig. Auch hier gibt es einen unerbittlich geführten Verdrängungswettbewerb und ausuferndes Wachstum. Vergessen wir nicht, auch der Mensch ist ein „Produkt“ der Natur. Es hat sich jedoch gezeigt, dass Nachhaltigkeit eine Grundvoraussetzung für langfristigen evolutionären Erfolg ist. Spezies, die sich schnell aggressiv ausbreiten und vermehren, geraten früher oder später in Bedrängnis. Auch sie benötigen schließlich eine Lebensgrundlage und ist diese nachhaltig zerstört, gibt es keine Zukunft. Wenn sich Populationen massenhaft vermehren, werden sie leichte Beute von Viren und Bakterien, die sich auf engen Räumen hervorragend entwickeln können. Wachsen Bäume zu schnell und drohen alles zu überwuchern, dann sind ihre Stämme am Ende doch zu schwach, dem Sturm standzuhalten. Auch unser Dasein, als Spezies Mensch, wird nur von begrenzter Dauer sein, wenn es uns nicht gelingt nachhaltig zu wirtschaften.
Dabei wird Nachhaltigkeit oft mit Verzicht und Mangel gleichgesetzt. Aber auch hier zeigt ein Blick in die Natur, dass das keineswegs so sein muss. Die Natur produziert eine gewaltige Fülle und Vielfalt. Das meiste davon geht zugrunde, ohne den Lebenszweck je erfüllt zu haben. Denken wir beispielsweise an die Blütenpracht einer Blumenwiese. Nicht jede Blüte wird bestäubt. Die meisten sehen nie eine Biene. Sie werden zertreten, gefressen oder einfach ignoriert. Dennoch erfüllt auch diese „Überproduktion“ einen Zweck. Nachdem die Pflanze verrottet ist, wird sie zu neuem Dünger für die nächste Pflanzengeneration. Der Kreis hat sich geschlossen. Ein einfaches und intelligentes System, das in seiner Dauerhaftigkeit kaum Grenzen kennt.
Wie sieht das aber mit den Dingen aus, die wir Menschen so produzieren? Im Prinzip wird alles, was durch unsere Hände geht, früher oder später einmal zu Müll. Auch wenn es uns in der Zwischenzeit gelingt Dinge mehrfach zu recyceln – am Ende bleibt ein nicht mehr verwertbarer und zum Teil nachhaltig vergifteter Abfall. Das gilt nicht nur für die von uns hergestellten Produkte, sondern inzwischen selbst für unsere Ausscheidungen. Wir haben daraus inzwischen Abfall gemacht, der nur schwer aufzubereiten ist. Sie enthalten neben den Giften, die wir über die Nahrung (oder als Nahrung) zu uns nehmen, auch Medikamentenrückstände. Dazu kommt natürlich noch der übliche Mix aus Haushaltschemie und schon stehen die Kläranlagen, sofern vorhanden, vor unlösbaren Problemen. Unser „Meisterstück“ ist aber mit Sicherheit der Atommüll. Dafür werden uns noch tausende nachfolgende Generationen verfluchen, die irgendwie mit einem Fehler der Menschen einer kurzen Epoche in einer ansonsten längst vergessenen Vergangenheit klarkommen müssen. Allerdings fällt es aktuell selbst Optimisten schwer zu glauben, dass auf uns noch tausend Generationen folgen werden.
Der Nachhaltigkeitsgedanke ist existenzielle Voraussetzung für den Bestand der Menschheit. Wer heute noch glaubt, dass es sich dabei um die Spinnereien von verirrten Grünen handelt, outet sich selbst als Paradebeispiel für die Unzulänglichkeit der menschlichen Intelligenz.
Alle Lebensbereiche müssen auf Kreislaufsysteme umgestellt werden. Um unser langfristiges Überleben in einer tatsächlich auch lebenswerten Umwelt zu sichern, darf es keinen endgültigen Verbrauch von Ressourcen mehr geben.
Auch für das Lösen von Problemen an sich, lässt sich einiges von der Natur lernen. Während wir oft hektisch und irrational auf akute Probleme reagieren und panisch darauf bedacht durch Gegenmaßnahmen den Status quo zu erhalten, kennt die Natur keine künstlichen Gegenmaßnahmen und keinen Status quo. Sie lässt Dinge, die nicht mehr zeitgemäß sind, gnadenlos aussterben und passt sich einfach den neuen Bedingungen an. Es gilt auch für uns den Dingen ihren Lauf zu lassen und nicht permanent und mit aller Macht künstlich gegen Faktoren anzusteuern, die nicht mehr zu ändern sind. Am besten lässt sich das an einem Beispiel verdeutlichen. Nehmen wir die Anpassung an den Lebensraum. Die Natur hat für jedes Habitat ganz eigene Überlebensstrategien entwickelt, um mit zum Teil extremsten Bedingungen zurechtzukommen. In den tiefsten Tiefen des Ozeans existiert ein sehr reiches Leben ebenso wie in den trockensten Wüsten. Sie geht dabei immer den einfachsten Weg. Anstatt das Habitat an die Bedürfnisse der Lebensformen anzupassen, müssen sich die Lebensformen flexibel an das Habitat anpassen. Der Mensch geht mit riesigem Aufwand den entgegengesetzten Weg und scheitert damit auf lange Sicht immer grandios.
Wie könnte also ein „natürlicher“ Lösungsansatz aussehen? Einfaches Beispiel: In Deutschland zieht es die Bevölkerung zunehmend in die Metropolen. Besonders Städte mit viel Grün und einer reichen kulturellen Szene haben es den Menschen angetan. Dort herrscht nun zunehmend Platzmangel. Politik und Wirtschaft reagieren auf dieses Problem, indem sie neue Wohnviertel aus dem Boden stampfen und Grünflächen mit neuen Häusern bebauen. Neue Straßen müssen gebaut und die Trassen in die City breiter werden. Das Verkehrsaufkommen steigt und die Belastungen, die der steigende Autoverkehr mit sich bringt, ebenso. In den einstigen Szenevierteln wird es immer voller. Immobilienunternehmen wittern ihre Chance und beginnen damit Haus um Haus zu sanieren und neu dazu zubauen, wo immer es geht. Die Preise steigen und da Künstler und Studenten meist nicht auf Rosen gebettet sind, verlassen sie die Quartiere. Das Szeneviertel wird zu versnobten Wohngegend für Besserverdienende. Die Besserverdienenden sind aber zunehmend auch unzufrieden mit der Situation, weil sie ja eigentlich wegen dem Grün und der Kultur gekommen waren. Die ehemaligen mehrheitlich ärmeren oder älteren Bewohner werden in die wenig attraktiven Vorstädte gedrängt, wodurch sich dort die soziale Lage verschärft. Armenviertel mit einer homogen armen Bevölkerung. Verwahrlosung, Kriminalität, mangelnde gesellschaftliche Teilhabe sind die Folge.
Eine weitere gängige Gegenmaßnahme: Neue Baugebiete im Umland. In der Peripherie ufert die Stadt also immer weiter aus. Neue Siedlungen entstehen ...