Selbstverletzendes Verhalten
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Selbstverletzendes Verhalten

Wie Sie Jugendliche unterstützen können

  1. 128 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Selbstverletzendes Verhalten

Wie Sie Jugendliche unterstützen können

Über dieses Buch

»Ein Buch wie dieses, das gezielt Eltern, Lehrerinnen, psychosoziale Fachkräfte und andere in der Jugendarbeit Tätige anspricht, ihnen einen kurzen theoretischen Überblick und viel praktische Handlungsanleitungen bietet, ist von immenser praktischer Relevanz und wird hoffentlich eine breite Leserschaft finden.«Diplom-Psychologe Dr. Marc Schmid, Universitäre Psychiatrische Kliniken BaselWenn Jugendliche sich selbst verletzen, ist das Befremden und Unverständnis im Umfeld groß. Ratlosigkeit, Scham und Schuldgefühle kulminieren oft in hilflosen Verboten und stärkerer Kontrolle. Für einen hilfreichen Umgang mit diesem Phänomen ist aber gerade die Beachtung der Autonomie der Jugendlichen genauso wichtig wie Gesprächsbereitschaft und Zuhören.Dieses Buch zeigt, wann man eingreifen sollte und darf, wie man helfen kann, aber auch, wie man sich selbst schützt und abgrenzt.

Häufig gestellte Fragen

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Information

Was ist Selbstverletzendes Verhalten?

Selbstverletzendes Verhalten wird in der Literatur ganz unterschiedlich bezeichnet. So finden sich Begriffe wie Autoaggression, Selbstbeschädigung, kutane Artefakte, selbstdestruktives Verhalten oder Automutilation. Von Selbstverletzendem Verhalten sprechen wir, wenn sich eine Person bewusst oder unbewusst aktiv Verletzungen zufügt, etwa mit Messern, Rasierklingen, Scherben oder Nadeln. Vermehrt in den letzten Jahren zu beobachten ist auch das Verschlucken scharfer Gegenstände als neue Form der Selbstverletzung.
Für Selbstverletzendes Verhalten kann es ganz unterschiedliche Gründe geben. Neben einer ernsthaften psychischen Störung, wie Depressionen, Ess-, Zwangs- oder Angststörungen, kann es auch ein »Ausprobieren« ohne psychischen Hintergrund sein. Zum Beispiel wenn eine Freundin davon berichtet, dass sie gute Erfahrungen damit gemacht hat, um Spannungszustände abzubauen, oder es als einen »Kick« erlebt hat. Auch ein schlechtes Selbstwertgefühl, sich selbst nicht mehr spüren zu können, einen Schmerz übertönen oder sich selbst bestrafen zu wollen oder die Unfähigkeit, seine Gefühle auszudrücken, können Ursachen sein. Besonders häufig kommt es im Rahmen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung zu Selbstverletzungen.
Dieses Kapitel kann Ihnen helfen, wenn Sie Daten und Fakten zu Selbstverletzendem Verhalten suchen. Hier erfahren Sie, was es bedeutet, wenn Selbstverletzendes Verhalten als psychische Störung diagnostiziert wird, wie verbreitet das Phänomen ist und wie es zur Entwicklung Selbstverletzenden Verhaltens bei Jugendlichen kommen kann.

Ist Selbstverletzendes Verhalten eine Krankheit oder ein Symptom?

Die Frage, ob Selbstverletzendes Verhalten eine Krankheit oder ein Symptom ist, kann mit »Es kann beides sein« beantwortet werden. Nichtsuizidales Selbstverletzendes Verhalten könnte künftig als eigenständige Diagnose und damit als eigenständige Erkrankung zu sehen sein (siehe nächsten Abschnitt). Selbstverletzendes Verhalten kann aber auch als Symptom z. B. im Rahmen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung auftreten. Beide Störungsbilder haben gemeinsam, dass die Betroffenen Schwierigkeiten im Umgang mit Emotionen haben (IN-ALBON u. a. 2015, siehe auch S. 47). Unterschiede zeigen sich unter anderem darin, dass Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung im Vergleich zu Menschen mit nichtsuizidalem Selbstverletzendem Verhalten durch hohe Ausprägungen von depressiven Symptomen, Angst, Suizidalität und Symptomen anderer psychischer Störungen charakterisiert sind (SELBY u. a. 2012).
Grundsätzlich lassen sich Krankheit und Gesundheit schlecht voneinander abgrenzen. In der Fachwelt hat sich daher das Bild eines Kontinuums (BACKHAUS 2014) durchgesetzt:
Stellen Sie sich eine Linie vor, an deren einem Ende völlige Gesundheit und an deren anderem Ende absolute Krankheit angesiedelt sind. Niemand befindet sich je am einen oder anderen Ende, denn wir haben zu jeder Zeit in unserem Leben gesunde und kranke Aspekte in uns. Nehmen wir z. B. an, Sie leiden unter Migräne: An Tagen, an denen Sie einen Migräneanfall haben, fühlen Sie sich wahrscheinlich sehr krank. Sie sind vermutlich nicht in der Lage, alltäglichen Anforderungen zu genügen, oder auch nicht, sich selbst adäquat zu versorgen. Ihr einziger Wunsch ist es, in einem abgedunkelten, stillen Zimmer zu liegen und möglichst schnell wieder schmerzfrei zu werden. Sind Sie in dieser Lage vollkommen krank? Wohl nicht. Ihre Atmung, Ihre Körpertemperatur, Ihre Verdauung und viele andere Funktionen Ihres Körpers sind vollständig erhalten. Sie haben keine äußeren Verletzungen, und sobald der Schmerz und die Übelkeit nachlassen, können Sie nach und nach wieder am Leben teilnehmen. Trotzdem fühlen Sie sich in dieser Situation sehr krank. Umgekehrt stellt sich die Frage, ob wir je vollkommen gesund sind. Wir fühlen uns vielleicht fit und energiegeladen, obwohl unser Immunsystem schon damit begonnen hat, einen Eindringling – beispielsweise in Form von Bakterien, die wir eingeatmet haben, als wir eine erkältete Freundin besucht haben – zu bekämpfen. Erst einige Stunden oder Tage später merken wir, dass wir ebenfalls erkältet sind – und trotzdem waren wir schon die ganze Zeit über »krank«.
Im medizinischen Sprachgebrauch werden selbstverletzende Verhaltensweisen, wie etwa sich Schnittwunden zufügen, Zigaretten auf der Haut ausdrücken oder verheilte Wunden erneut aufkratzen, als nichtsuizidales Selbstverletzendes Verhalten bezeichnet. Am weitesten verbreitet sind Selbstverletzungen an Armen und Händen, es werden aber auch andere Körperteile verletzt (BOSMAN, VAN MEIJEL 2008). Welche Stellen am Körper verletzt werden, hat damit zu tun, wie einfach zugänglich die Körperpartie ist, aber auch mit dem Wunsch, die Verletzungen verborgen zu halten, oder damit, dass bestimmte Teile des eigenen Körpers mit negativen Gefühlen verbunden sind.
WICHTIG ZU WISSEN
Nichtsuizidales Selbstverletzendes Verhalten schließt einige Praktiken Selbstverletzenden Verhaltens wie Onychophagie (Fingernägelkauen) explizit aus. Wenn wir in der Folge von Selbstverletzendem Verhalten sprechen, beziehen wir uns auf die Definition auf Seite 38.

Diagnose »nichtsuizidales Selbstverletzendes Verhalten«

Eine Diagnose im psychiatrischen und medizinischen Kontext ist eine bewertende Zusammenfassung von Symptomen. Symptome sind Anzeichen von Erkrankungen oder Verletzungen, z. B. eine erhöhte Körpertemperatur bei Fieber oder ein über Wochen andauernder trauriger, niedergeschlagener Zustand bei einer Depression.
Die Symptome für eine psychische oder medizinische Diagnose sind in einer klaren und einheitlichen Definition festgelegt, um einerseits eine gemeinsame Sprache zwischen Ärztinnen, Therapeuten und anderen Helfenden im Behandlungssystem zu verwenden und um andererseits eine adäquate Behandlung zu ermöglichen.
Nichtsuizidales Selbstverletzendes Verhalten ist noch keine medizinische Diagnose. Dieses Verhalten gilt also noch nicht als eigenständige Erkrankung. Es wurde 2013 aber von der amerikanischen Vereinigung der Psychiater (FALKAI, WITTCHEN 2015) als weiter zu beforschende Diagnose in das Diagnostische Statistische Manual (DSM-5) aufgenommen. Das bedeutet, dass sich Fachpersonen wie Psychologinnen oder Ärzte einig darüber sind, dass hierzu weitere Forschung benötigt wird. Seitdem werden unterschiedlichste Aspekte dieses Verhaltens untersucht (u. a. ZETTERQVIST 2015). Aktuell bleibt abzuwarten, bis genügend gesichertes Wissen vorliegt, um nichtsuizidales Selbstverletzendes Verhalten als eigenständige Erkrankung diagnostizieren zu können. Für das deutsche Abrechnungssystem ist dann die Verschlüsselung nach der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) entscheidend.
DEFINITION: NICHTSUIZIDALES SELBSTVERLETZENDES VERHALTEN
Nichtsuizidales Selbstverletzendes Verhalten ist definiert als freiwillige, direkte Zerstörung oder Veränderung des Körpergewebes ohne suizidale Absicht, die sozial nicht akzeptiert, direkt und repetitiv ist (LLOYD-RICHARDSON u. a. 2007; PETERMANN, NITKOWSKI 2015) sowie meist zu kleinen oder moderaten Schädigungen führt.
Zu nichtsuizidalem Selbstverletzendem Verhalten zählen nicht Onychophagie (Fingernägelkauen), Trichotillomanie (Haareausreißen) sowie Selbstschädigungen im Rahmen des Trotzverhaltens im Kleinkindalter.
Und um noch ein häufiges Missverständnis anzusprechen: Selbstverletzendes Verhalten bedeutet nicht, dass die Betroffenen an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden.
Exkurs: Borderline-Persönlichkeitsstörung
Unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung wird die emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus verstanden. Betroffene Jugendliche und Erwachsene haben Schwierigkeiten damit, ihre Gefühle zu regulieren, und reagieren oft impulsiv. Ihre Gefühlslage ist sehr wechselhaft: Bei meist gedrückter Stimmung kön...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Inhalt
  5. Geleitwort
  6. Annäherung an ein heikles Thema
  7. Ängste und Vorurteile
  8. Was ist Selbstverletzendes Verhalten?
  9. Wer braucht welche Hilfe und wann?
  10. Meine eigene Rolle
  11. Welche Hilfsangebote gibt es?
  12. Beratung und Unterstützung: Adressen und Links
  13. Zum Nach- oder Weiterlesen
  14. Verwendete Literatur
  15. Über die Autoren