Selina redet nicht mit jedem. Und schon gar nicht mit Erwachsenen! Wenn jemand sie anspricht, wird sie ganz steif und guckt starr vor sich hin. »Stumm wie ein Fisch!«, sagen dann manche ärgerlich. Zu Hause aber liest Selina ihrer kleinen Schwester alle Bücher über Wilbur, das Wusel, vor. Doch bei der Autorenlesung in Selinas Schule steht sie wieder starr und stumm da! Es muss etwas geschehen! Selina findet Hilfe und lernt in kleinen Schritten, wie sie der Angst ein Schnippchen schlagen kann.Eine liebevoll illustrierte Geschichte macht selektiven Mutismus verständlich und ermutigt Kinder, ihr Schweigen zu brechen.

- 40 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
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eBook - ePub
Über dieses Buch
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Information
Auflage
1

Selina, Nellies große Schwester, redet nicht mit jedem. Und schon gar nicht mit Erwachsenen! Nicht einmal »Guten Tag« sagt sie denen. Und wenn jemand sie anspricht, wird sie ganz steif und guckt starr vor sich hin.
Da werden manche Leute echt ärgerlich. »Du redest wohl nicht mit jedem, was?«, sagen sie dann. Oder: »Na, wie sagt man, wenn man was bekommt?«
Doch Selina kriegt nicht einmal ein »Danke« heraus.

»Stumm wie ein Fisch!«, sagt Papa und zuckt mit den Schultern.
»Selina ist eben sehr schüchtern Fremden gegenüber!«, sagt Mama.
Aber Nellie glaubt nicht, dass Selina schüchtern ist. Und auch nicht verlegen.

Denn wenn Nellie verlegen wird, wird sie rot und druckst herum. Sie wackelt mit den Schultern und scharrt mit den Füßen. Aber Selina nicht. Selina wird stumm und starr und sieht fast ein bisschen miesepampelig aus.
Sie guckt so, als ob die Leute Luft für sie seien.

Wenn Selina etwas von Fremden will, muss Nellie für sie übersetzen. Selina flüstert Nellie dann ins Ohr, was sie will, und Nellie sagt es weiter.
Doch Selina kann nicht fragen.
Selina kneift die Lippen zusammen und guckt vor sich hin.

Wenn sie aber zu Hause sind und im Bett liegen, redet Selina manchmal wie ein Wasserfall. Sie erzählt Nellie ganz tolle Geschichten. So lustig sind die, dass sie beide ganz laut lachen müssen, bis Mama reinkommt und sie zur Ruhe ermahnt. Und dann mitlachen muss.
»Wenn du doch nur mit anderen ein winziges kleines bisschen reden könntest!«, seufzt Mama.
»Warum magst du das bloß nicht?« Selina zuckt mit den Schultern.
»Ich kann das nicht«, flüstert sie.
»Ich habe immer solche Angst!«

Dabei kann Selina ja reden! Mit Nellie, Mama und Papa.
Und supergut lesen, das kann sie noch dazu. Vorlesen auch.
Aber nur zu Hause!
Am liebsten liest Selina Nellie die Bücher von Wilbur, dem Wusel, vor. Das hat dicke gelbe Zähne und wuschelige Ohren. Es macht immer ganz lustige Sachen, wie Leute ärgern und alberne Lieder singen.
»Wa-wi-wu! Zicke-zacke-hu!«, singt es dann.

Selina hat alle Bücher von Wilbur. Sie ist ganz aufgeregt: Nächsten Montag liest in ihrer Schule der Schriftsteller vor, der sich die Geschichten mit Wilbur ausgedacht hat. Die ganze Schule darf zuhören. Und Nellie auch, denn Mama hat Selinas Lehrerin darum gebeten.
»Ich bin so aufgeregt!«, sagt Selina.
»Hoffentlich kriege ich ein Autogramm!«


Also geht Nellie am Montag nicht in den Kindergarten, sondern mit Selina in die Schule. Die ganze Aula ist voller Kinder. Alle lachen und sind gespannt.
Selina setzt sich mit Nellie ganz nach hinten, obwohl Nellie lieber ganz nach vorne will. Aber Selina traut sich nicht. Und hinten ist auch gut.

Die Schulleite...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Über die Autoren
- Titel
- Selina Stummfisch
- Impressum
- Downloadmaterial für »Selina Stummfisch«