Römische Baudenkmäler in Österreich in 3D
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Römische Baudenkmäler in Österreich in 3D

Ein stereoskopischer Führer durch die antike Architektur in Norikum und Pannonien

  1. 108 Seiten
  2. German
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Römische Baudenkmäler in Österreich in 3D

Ein stereoskopischer Führer durch die antike Architektur in Norikum und Pannonien

Über dieses Buch

Die Stereofotografie konnte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Wissenschaft etablieren und fand dabei auch ihren Eingang in die Archäologie. Das vorliegende Buch stellt eine stereoskopische Dokumentation bedeutender römischer Baudenkmäler in Österreich dar, wobei besonderes Augenmerk auf die einstigen Wehrbauten entlang des Donaulimes in Norikum und Pannonien gelegt wurde. Nach einem ausführlichen Einleitungs- und Methodenteil erfolgt die Dokumentation einzelner Baustrukturen unter Verwendung von ausgewähltem Bildmaterial, wobei die Stereobilder als Rot-Grün-Anaglyphen zur Präsentation gelangen.

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Information

Jahr
2021
ISBN drucken
9783755713418
eBook-ISBN:
9783755702719
Auflage
1

1

Einleitung

1.1 Stereoskopie und Stereofotografie—kurze Begriffsdefinition

Der im 19. Jahrhundert ins Leben gerufene Begriff der Stereoskopie (gr. stereos = hart, starr, fest; gr. skopein = prüfen, untersuchen) bezeichnet im Allgemeinen ein optisches Verfahren, bei dem mithilfe zweier Halbbilder ein dreidimensionales Abbild eines Objektes erzeugt wird. Die Halbbilder zeigen das Objekt aus zwei geringfügig unterschiedlichen Perspektiven und werden den optischen Sinnesorganen des Betrachters so präsentiert, dass jedes Auge getrennt auf das ihm zugewiesene Halbbild blickt. Dieser Effekt kann einerseits dadurch erzeugt werden, dass man die Halbbilder direkt nebeneinander platziert. In diesem Fall erhält man ein Stereogramm oder Stereopaar (engl, stereo poir), das unter Zuhilfenahme optischer Hilfsmittel (Stereobrille, Stereoskop) oder unter Anwendung sogenannter autostereoskopischer Blicktechniken (s. u.) inspiziert werden kann. Andererseits kann die räumliche Visualisierung eines Objektes auch durch simple Überlagerung der beiden Halbbilder erfolgen. Dabei wird jedes Halbbild mit entsprechender Farbinformation kodiert, wodurch die eine Abbildung eine rote Einfärbung, die andere hingegen eine grüne Einfärbung erhält. Als Resultat der Farbkodierung und Bildüberlagerung entsteht eine sogenannte Anaglyphe (gr. ana = über; gr. glyphein = schreiben, prägen) entsteht. Dieses optische Konstrukt kann nur mit einem entsprechenden optischen Hilfsmittel (Rot- Grün-Brille) betrachtet werden.
Während die Stereoskopie als allgemeiner Terminus im Zusammenhang mit der Erzeugung eines Raumbildes zu begreifen ist, bezeichnet die Stereofotografie die Generierung von dreidimensionaler Bildinformation mithilfe einer Kamera. Dieses optische Verfahren konnte sich bereits ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreich etablieren und verzeich- nete in der zweiten Hälfte jenes Säkulums beachtliche Erfolge. Die Herstellung zweier fotografischer Halbbilder, welche wiederum zu einem Stereopaar oder einer Anagly- phe kombiniert werden können, erfolgt entweder mit einer herkömmlichen einlinsigen (monobjektiven) oder einer speziellen zweilinsigen (biobjektiven) Kamera (s. Kap. 2.1). Unter dem stereoskopischen Effekt versteht man die räumliche Wahrnehmung eines Objektes durch gezielte Betrachtung zweier Halbbilder dieses Gegenstandes. Blicken linkes und rechtes Auge jeweils auf die ihnen zugeordneten Halbbilder, so werden korrespondierende Bildpunkte auf geringfügig unterschiedliche Positionen der linken und rechten Netzhaut (Retina) projiziert. Unter korrespondierenden Bildpunkten versteht man ganz allgemein jene Positionen auf den Halbbildern, welche den gleichen Punkt des Objektes abbilden. Diese Positionen erfahren aufgrund der unterschiedlichen Perspektive zwischen linkem und rechtem Halbbild eine minimale horizontale Verschiebung. Die oben beschriebenen Differenzen in der punktuellen Projektion haben die Aktivierung der Stereopsis (= Raumsehen) zur Folge, bei der im Gehirn ein räumlicher Eindruck des fotografierten Objektes entsteht.
Aus physiologischer Sicht kann die Stereofotografie als eine Form der optischen Täuschung bewertet werden, da die beiden Halbbilder im Gehirn letztendlich den gleichen Effekt erzeugt, wie er auch bei direkter Betrachtung des Objektes entsteht. Durch Variation spezieller physikalischer Parameter (s. Kap. 2.2) kann die räumliche Wahrnehmung unter Umständen noch deutlich verstärkt werden, so dass eine Überbetonung der Tiefeninformation entsteht.
Wie bereits weiter oben angedeutet wurde, kann das aus linkem und rechtem Halbbild zusammengesetzte Stereogramm auch ohne optische Hilfsmittel betrachtet werden, wobei in diesem Fall die schon erwähnten autostereoskopischen Blicktechniken zur Anwendung gelangen. Grundsätzlich kann hier der sogenannte Kreuzblick vom Parallelblick unterschieden werden. Während bei der ersten Methode das linke Auge auf das rechte Halbbild und das rechte Auge auf das linke Halbbild gelenkt wird, inspiziert bei der zweiten Methode das linke Auge das linke Halbbild und das rechte Auge das rechte Halbbild. Beide Blicktechniken sind unter Heranziehung basaler Hilfsmittel (Handfläche, Zeigefinger) relativ leicht zu erlernen und führen zu dem Ergebnis, dass zwischen den Halbbildern ein virtuelles Bild mit der gewünschten räumlichen Information zum fotografierten Objekt entsteht. Ein wesentlicher Nachteil des Kreuzblickes besteht sicherlich in der Erzeugung einer zum Teil extremen Schielstellung der Augen, wodurch die Augenmuskulatur eine rasche Ermüdung erfährt. Beim Parallelblick werden die ansonsten leicht konvergierenden Sehachsen der beiden optischen Sinnesorgane in eine geringfügig divergierende Position überführt, welche für den Betrachter des Stereogramms ebenfalls sehr ungewohnt sein kann und dadurch einiges an Anstrengung abverlangt.
Für detailliertere Studien von Raumbildern stellt die Stereobrille ohne Zweifel eine wichtige Unterstützung dar, weil die Augen entspannt auf das abgebildete Objekt blicken können. Dies ist auch ein wesentlicher Vorteil bei der Rot-Grün-Anaglyphe, wo die zugehörige Rot-Grün-Brille zur obligatorischen Verwendung gelangt. Gerade die Anaglyphenme- thode erlaubt die Studie kleinster struktureller Elemente eines Objektes, ohne dass dabei die Augen eine allzu rasche Ermüdung erfahren.

1.2 Historischer Abriss

Die Anfänge des stereoskopischen Verfahrens gehen bereits in das 16. Jahrhundert zurück. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte sich niemand Geringerer als Leonardo da Vinci mit den Grundlagen der räumlichen Wahrnehmung von Objekten, wobei wichtige aus unterschiedlichen Experimenten gewonnene Erkenntnisse in die späteren physikalischen Theorien zur Stereoskopie einflossen. Das erste aus zwei Halbbildern bestehende Raumbild stammt nach gegenwärtigem Stand des Wissens vom italienischen Mediziner Jacopo Chimenti da Empoli. Dieser fertigte um 1600 zwei Tusche- zeichnungen ein, die einen jungen Mann aus zwei geringfügig unterschiedlichen Perspektiven zeigen. Eine Betrachtung der beiden Zeichnungen unter Anwendung der in Kap. 1.1 beschriebenen Blicktechniken führt zur Erzeugung eines verblüffenden Raumbildes mit entsprechender Tiefenausdehnung (→ Abb. 1).
Die Herstellung und Betrachtung stereoskopischer Skizzen und Zeichnung fand bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein ihre Fortsetzung. Im Jahre 1838 gelang dem Briten Charles Wheatstone die Konstruktion des ersten Spiegelstereoskops, bei dem die Augen des Betrachters mithilfe einer aufwendigen Spiegelkonstruktion zu den jeweiligen Halbbildern des Stereogramms gelenkt werden. Dieses erste Hilfsmittel zur gezielten Inspektion von Raumbildern stellte zwar eine enorme Innovation dar, erwies sich jedoch in vielerlei Belangen als eher unhandlich.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann das fotografische Zeitalter und mit ihm auch die allmähliche Zusammenführung von Fotografie auf der einen Seite und Stereoskopie auf der anderen. Mit der Geburtsstunde der Stereofotografie erfolgte auch die Entwicklung handlicherer Betrachtungsgeräte von Raumbildern. In den 1860er Jahren erfand der Brite Oliver Wendeil Holmes ein auf der Lichtbrechung basierendes Stereoskop, welches Taschenformat besitzt und somit beispielsweise auf Reisen mitgeführt werden konnte. Dieses optische Gerät gilt als bahnbrechend in der Geschichte der Stereoskopie, da es den Anfang eines ersten Höhepunkts der Stereofotografie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts markiert. In der Gründerzeit entstanden erste Stereosa-Ions, in denen nach Entrichtung eines kleinen Eintrittsgeldes Raumbilder von Ereignissen und Naturwundern aus der ganzen Welt betrachtet werden konnten.
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hielt der in Verbindung mit der Stereofotografie stehende Boom noch unvermindert an, wobei es unter anderem zur Entwicklung eigener Stereokameras mit zwei Objektiven und zur Produktion immer kleinerer Bildbetrachter kam. Mit diesen Trends wurde ganz klar der Versuch einer vermehrten Gewinnung des Kleinbürgertums für die Raumfotografie unternommen. Etwa zur gleichen Zeit fand die Stereoskopie auch ihren Eingang in verschiedene wissenschaftliche Disziplinen. So wurden beispielsweise dreidimensionale Bilder von Wolkenfomatio- nen und topografischen Strukturen erstellt, um eine genauere Analyse dieser Naturformationen durchführen zu können.
Nach dem ersten Weltkrieg ging das Interesse an der Stereofotografie insgesamt spürbar zurück. Diese vor allem auf die Wirtschaftskrisen der 1920er und 1930er Ja...

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. 1 Einleitung
  4. 2 Methodik
  5. 3 3D-Bildatlas
  6. 4 Resümee
  7. Literatur
  8. Impressum

Häufig gestellte Fragen

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