Im Yoga vereinigen sich innere Ruhe und Ausgeglichenheit mit einem starken, flexiblen Körper. Die Positionen oder Asanas kräftigen die Muskeln, entspannen den Geist und stärken die Konzentrationsfähigkeit. Aber was genau passiert eigentlich bei den verschiedenen Übungen im Körper? Der anerkannte Yoga-Experte Leslie Kaminoff hat in seinem Klassiker Yoga-Anatomie erstmals zusammengefasst, auf welche Organe, Muskelgruppen und Gelenke sich die einzelnen Asanas auswirken, wie sie das tun und wann welche Atemtechniken einzusetzen sind.Nun hat er den Bestseller komplett überarbeitet und mit zwei zusätzlichen Kapiteln zum Skelett- und Muskelsystem erweitert. Die wichtigsten Übungen und ihre Wirkungen werden auch in dieser Ausgabe durch exakte Illustrationen so detailgenau beschrieben, wie es anhand von Fotos nie möglich wäre. Mit diesem Buch erhält der Leser ein ganz neues Verständnis über die positive Wirkung von Yoga.

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Yoga-Anatomie
Ihr Begleiter durch die Asanas, Bewegungen und Atemtechniken
- 320 Seiten
- German
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Yoga-Anatomie
Ihr Begleiter durch die Asanas, Bewegungen und Atemtechniken
Über dieses Buch
Information

Dieses Kapitel behandelt, ausgehend von der Zelle, die Anatomie der Atmung aus yogischer Sicht. Von der Zelle als Grundeinheit des Lebens kann man überraschend viel über Yoga lernen. Tatsächlich kann man die wesentlichen Grundideen des Yoga durch aufmerksames Beobachten der Zellform und -funktion ableiten. Und wenn man das Funktionsprinzip einer einzelnen Zelle versteht, hat man das Funktionsprinzip von allem begriffen, was aus Zellen besteht, wie etwa das des menschlichen Körpers.
Die Zelle als Basis des Yoga-Unterrichts
Zellen sind die kleinsten Bausteine aller Lebensformen, vom Einzeller bis zum Tier mit vielen Billionen Zellen. Der menschliche Körper, der aus ungefähr 100 Billionen von ihnen besteht, entwickelt sich aus zwei neu geschaffenen Zellen.
Eine Zelle besteht aus drei Teilen: der Zellmembran, dem Kern und dem Zytoplasma. Die Membran der Zelle trennt die Innenwelt, bestehend aus Zytoplasma und Zellkern, von ihrer äußeren Umgebung, in der sich die für die Zelle notwendigen Nährstoffe befinden.
Die Nährstoffe müssen die Membran durchdringen, um im Innern verstoffwechselt zu werden und der Zelle Energie für ihre Lebensfunktionen zu liefern. Als unvermeidliche Folge dieses Stoffwechselvorgangs entstehen Abfallstoffe, die wiederum durch die Membran austreten müssen.
Jede Schwächung der Zellfunktion, um Nährstoffe herein- oder Abfallprodukte herauszulassen, resultiert im Tod der Zelle durch Entkräftung oder Vergiftung. Die yogischen Begriffe, die diesen Zellfunktionen zuzuordnen sind, lauten Prana und Apana. Die strukturellen Eigenschaften der Membran, die diese Funktionen ermöglichen, lassen sich mit den Begriffen »Sthira« und »Sukha« beschreiben.
Prana und Apana
Das Sanskrit-Wort Prana setzt sich zusammen aus pra-, der präpositionellen Vorsilbe »vor-«, und an, einem Verb, das sowohl »atmen«, »blasen« als auch »leben« bedeutet. Prana bezeichnet nicht nur das, was als Nahrung eingenommen wird, sondern auch den Vorgang des Einnehmens. In diesem Kapitel bezieht sich das Wort auf die Lebensprozesse eines Einzelwesens. In einer anderen Wortbedeutung ist Prana ein weit gefasster Begriff, der die Manifestation einer universellen schöpferischen Lebensenergie bezeichnet.
In lebenden Organismen müssen sich die Kräfte im Gleichgewicht befinden, daher gibt es einen dem Prana entgegengesetzten yogischen Begriff: Apana, abgeleitet von apa, was so viel wie »weg«, »ab« oder »hinab« bedeutet. Apana bezieht sich auf die Ausscheidungsstoffe sowie den Vorgang des Ausscheidens selbst. Diese beiden grundlegenden yogischen Begriffe – Prana und Apana – drücken die wesentlichen Funktionen des Lebens auf jeder Ebene aus, von der Zelle bis zum Organismus.
Sthira und Sukha
Wenn Prana und Apana Funktionen beschreiben, wie steht es dann um die strukturellen Bedingungen, die in einer Zelle bestehen müssen, damit Nährstoffe eindringen und Abfallstoffe austreten können? Diese Funktion erfüllt die Membran – eine Struktur, die durchlässig genug sein muss, Stoffe herein- und hinauszulassen (siehe unten Abb. 1.1). Ist die Membran jedoch zu durchlässig, verliert die Zelle ihre Beständigkeit, indem sie entweder vor Innendruck explodiert oder unter dem Druck von außen implodiert.
In einer Zelle (wie überhaupt in allen Lebewesen) herrscht eine Balance zwischen Durchlässigkeit und dem Prinzip der Stabilität. Im Yoga spiegelt sich diese Polarität in den Begriffen Sthira und Sukha wider. Das Sanskrit-Wort Sthira bedeutet »fest«, »hart«, »kompakt«, »stark«, »unbeweglich« oder »dauerhaft«. Sukha besteht aus zwei Wörtern: su heißt »gut«, ka steht für »Raum«. Es bedeutet »leicht«, »angenehm«, »sanft«, »mild« und beschreibt einen Zustand des Wohlbefindens, frei von hinderlichen Einflüssen.

Abb. 1.1 Die Zellmembran muss die Balance zwischen Eindämmung (Stabilität) und Durchlässigkeit halten.
Alle erfolgreichen Lebewesen müssen Eindämmung und Durchlässigkeit, Widerstandskraft und Formbarkeit, Beharrlichkeit und Anpassung, Ausdehnung und Eingrenzung in der Balance halten. Auf diese Weise verhindert das Leben seine Zerstörung durch Hunger oder Vergiftung, durch Implosion oder Explosion.
Auch von Menschenhand Geschaffenes funktioniert nur, wenn Sthira und Sukha ausbalanciert sind: So müssen beispielsweise die Löcher im Sieb groß genug sein, um Wasser durchzulassen, aber klein genug, um Nudeln aufzufangen. Eine Hängebrücke muss elastisch genug sein, um Wind und Erdbeben zu überstehen, aber starr genug, um die Fahrbahn zu tragen. In diesem Bild findet sich auch das Wechselverhältnis von Spannung und Druck wieder, das im zweiten Kapitel behandelt wird.
Sukha bedeutet auch, »eine gute Achsbohrung« zu haben, und beschreibt demnach eine Aussparung in der Mitte, die eine Funktion ermöglicht. Wie ein Rad braucht auch ein Mensch guten Raum in seiner Mitte, sonst werden funktionelle Verbindungen unmöglich.
Die Wege von Prana und Apana: Nahrung rein, Abfall raus
Die Wege von Nahrung und Abfall im Körper sind nicht so einfach wie in der Zelle, aber sie sind auch nicht so kompliziert, dass sie nicht genauso leicht zu verstehen wären.
Abbildung 1.2 zeigt ein vereinfachtes Schema der Nahrungs- und Abfallwege. Deutlich zu sehen ist, dass der menschliche Organismus oben und unten offen ist. Am oberen Ende des Systems nimmt man Prana, Nahrung in fester und flüssiger Form, zu sich: sie durchläuft den Verdauungskanal und nach allerlei Windungen kommt das, was übrig bleibt, unten heraus. Es muss sich abwärts bewegen, denn der Ausgang ist am unteren Ende. Darum ist die Kraft des Apana, angewandt auf festen und flüssigen Abfall, der hinaus soll, nach unten gerichtet.

Abb. 1.2 Feste und flüssige Nahrung (blau) gerät am oberen Ende in das System und verlässt es als Abfall am unteren Ende. Gasförmige Nähr- und Abfallstoffe (rot) werden oben aufgenommen und ausgeschieden.
Prana nehmen wir auch in Gasform ein: genau wie feste und flüssige Nahrung tritt der Atem oben ein. Aber die eingeatmete Luft bleibt oberhalb des Zwerchfells in den Lungen (Abb. 1.3), wo sie mit dem Blut in den Kapillaren auf den Lungenbläschen Gase tauscht. Die Abgase in den Lungen müssen hinaus – allerdings auf dem gleichen Weg, auf dem sie hereingekommen sind. Die Kraft des Apana muss beim Ausstoß der Atemabgase nach oben gerichtet sein. Apana muss aufwärts wie abwärts funktionieren, je nachdem, welche Art von Abfall abgeführt wird.
Die Fähigkeit, das nach unten drängende Apana umzukehren, ist eine grundlegende und sehr nützliche Technik, die man sich in der Yoga-Praxis aneignen kann, aber die meisten Menschen sind dazu ohne Training nicht in der Lage. Die meisten Menschen sind daran gewöhnt, Apana mit abwärts gerichtetem Druck auszuführen, da sie gelernt haben, sich zusammenzuziehen und nach unten zu pressen, wenn etwas aus dem Körper ausgeschieden werden soll. Und so kommt es, dass Yoga-Anfänger auf die Anweisung hin, vollständig auszuatmen, ihre Atemmuskulatur so aktivieren, als ob sie urinierten oder defäkierten.

Abb. 1.3 Der Weg, den die Luft nimmt, um in den Körper hinein- und aus ihm herauszuströmen.
Sukha und Dukha
Damit Prana und Apana in gesundem Verhältnis zueinander stehen, müssen die Wege frei von hinderlichen Einflüssen sein. In der Sprache des Yoga muss der betreffende Bereich im Zustand des Sukha sein, was, wörtlich übersetzt, »guter Raum« bedeutet. Schlechten Raum bezeichnet man als Dukha, zusammengesetzt aus dus (»schlecht« oder »schwierig«) und kha (»Raum«). Dukha wird meist mit »leidend«, »unwohl«, »unerfreulich« oder »schwierig« übersetzt.
Dieses Schema verweist auf die fundamentale Methodologie des klassischen Yoga, nämlich Blockaden oder Hemmnisse (Kleshas1) im System zu behandeln, damit dieses besser funktioniert. Im Wesentlichen sorgt die Schaffung von mehr »gutem Raum« dafür, dass die pranischen Energien frei fließen und zum normalen, gesunden Funktionieren beitragen.
Der Meister der Yoga-Therapie unserer ...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titel
- Widmung
- Impressum
- Inhalt
- Vorwort
- Dank
- Einführung
- Kapitel 1: Die Dynamik der Atmung
- Kapitel 2: Yoga und die Wirbelsäule
- Kapitel 3: Das Skelettsystem
- Kapitel 4: Das Muskelsystem
- Kapitel 5: Einblick in die Asanas
- Kapitel 6: Haltungen im Stehen
- Kapitel 7: Haltungen im Sitzen
- Kapitel 8: Haltungen im Knien
- Kapitel 9: Haltungen in Rückenlage
- Kapitel 10: Haltungen in Bauchlage
- Kapitel 11: Armgestützte Haltungen
- Gelenkverzeichnis
- Muskelverzeichnis
- Asanaverzeichnis
- Bibliografie und Weblinks
- Über die Autoren
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