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Landwirtschaftliche Produktionsanlagen römischer Villen im republikanischen und kaiserzeitlichen Italien
- 532 Seiten
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Landwirtschaftliche Produktionsanlagen römischer Villen im republikanischen und kaiserzeitlichen Italien
Über dieses Buch
Die landwirtschaftliche Produktion bildete eine der zentralen Aufgabe römischer Villen. Anlagen zur Verarbeitung der Agrarprodukte waren für das Funktionieren der Landgüter daher von essentieller Bedeutung. Gerade mit Blick auf Italien, das Kernland der Villenkultur, stützte sich das Bild dieser Einrichtungen lange Jahrzehnte aber auf wenige, gut bekannte Beispiele. Vor diesem Hintergrund unternimmt der Autor eine systematische Zusammenstellung und Analyse der mittlerweile recht zahlreichen Reste landwirtschaftlich genutzter Villen im republikanischen und frühkaiserzeitlichen Mittelitalien. Die Untersuchung fokussiert dabei Installationen zur Verarbeitung von Wein, Oliven und Getreide, den sog. cash crops der römischen Agrarwirtschaft. Im Zentrum steht die Frage der räumlichen Organisation der landwirtschaftlichen Produktionsanlagen und ihr Verhältnis zum übrigen Villengebäude – allen voran den teils aufwendigen Wohnarealen. Die vergleichende Betrachtung der Anlagen offenbart bereits für die Frühphase der Villenwirtschaft regional spezifische Konzepte in der Ausstattung und räumlichen Organisation der Landgüter. Die detaillierte Analyse dieser unterschiedlichen Konzepte erlaubt Rückschlüsse auf Prozesse des Technologietransfers, aber auch auf regionale Akteure und Wirtschaftsstrategien, die die Ausprägung der Villenwirtschaft in Mittelitalien entscheidend beeinflusst haben.
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Information
Thema
History1 Einführung
Römische Villen stellen als Architekturkomplexe zur Besiedlung und Nutzung des ländlichen Raumes einen der vielseitigsten archäologischen Kontexte der Antike dar. In ihrer Funktion als wirtschaftliche Landgüter bildeten sie den agrarökonomischen Nukleus und somit eine zentrale Säule der Wirtschaftsnetzwerke in weiten Teilen des Imperium Romanum. 1 In ihrer simultanen Bauaufgabe einer extraurbane Wohnarchitektur, in Form eines einfachen Landgutes oder einer palatialen Residenz, 2 bildeten die Villen gleichfalls einen zentralen Raum in der Lebenswelt unterschiedlichster sozialer Gruppen – vom Sklaven bis zum aristokratischen Villenbesitzer. Infolge dieser unterschiedlichen Bauaufgaben und aufgrund ihrer Gebundenheit an eine Vielzahl von Landschaftsformationen erweisen sich die römischen Villen als ausgenommen vielseitige Bauten, die ein breites Spektrum architektonischer Formen und Elemente in einem funktional wie ästhetisch kohärenten und angemessenen Ensemble miteinander vereinten. Um ein tieferes Verständnis der Villenkomplexe als Architektur-, Wirtschafts-, oder Lebensform 3 zu erlangen, ist eine systematische Auseinandersetzung mit den Einzelaspekten dieser sehr vielgestaltigen Konstellation unumgänglich.
Von diesem Standpunkt ausgehend möchte die vorliegende Arbeit mit den wirtschaftlichen Produktionsanlagen und -räumen der Villen im römischen Italien einen von archäologischer Seite bisher nicht systematisch untersuchten Aspekt der Villenarchitektur und -ausstattung adressieren, der innerhalb der Funktionsweise und dem Aufbau der ländlichen Komplexe aber eine ebenso wesentliche Bedeutung besaß, wie die oft bewunderte Ausstattung ihrer Wohnareale mit aufwändigem Bauschmuck, Wandmalereien und Mosaiken.
1 Untersuchungsgegenstand und -rahmen
Die vorliegende Arbeit hat es sich zum Ziel gesetzt, die baulich-technische Gestaltung und Strukturierung der landwirtschaftlichen Produktionsanlagen und -räume römischer Villen in Italien sowie ihre Rolle in der Konzeption und Planung des Villengebäudes als Ganzes zu untersuchen. Die Frage ist dabei, inwiefern produktive Prozesse und Arbeitsabläufe in der Gestaltung der Villengebäude berücksichtigt wurden und welche technischen Möglichkeiten in diesem Rahmen zum Einsatz kamen. Gerade das räumliche Verhältnis der Wirtschaftsräume zu den teils luxuriös ausgestatteten Wohnarealen der Villen ist in diesem Zusammenhang von Interesse. Mit Blick auf ihre beiden grundlegenden Bauaufgaben steht damit also die Frage im Mittelpunkt, welche räumlich-strukturellen Lösungen gewählt wurden, um den funktionalen Spagat zwischen einem landwirtschaftlichen Nutzbau und einem ländlichen Wohnsitz architektonisch umzusetzen.
1.1 Zum Villenbegriff der Untersuchung
Vor dem Einstieg in die Untersuchung ist jedoch zunächst festzuhalten, was innerhalb der vorliegenden Arbeit unter dem Begriff Villa verstanden und als solche angesprochen wird. Der antike Terminus villa bezeichnet in seiner einfachsten Bedeutung einen alleinstehenden Wohnbau außerhalb der Stadt mit zugehörigem Grundbesitz (fundus oder praedium). 4 Sie bildet in diesem Sinne das Gegenstück zur urbanen domus. 5 Mit dem Begriff wurde im Laufe der römischen Geschichte eine Vielzahl ländlicher Siedlungsformen angesprochen, 6 wobei die Vielseitigkeit des Begriffes bereits den Zeitgenossen bewusst war. 7 Die lateinischen Agrarschriftsteller Cato der Ältere, Varro und Columella, die einige der ausführlichsten Betrachtungen zur Villa überliefern, unternahmen dabei alle die gedankliche Trennung zwischen einem Wohnaspekt und einem Wirtschaftsaspekt. 8 Andere Autoren wie Cicero oder Plinius der Jüngere zeichnen wiederum ein stark auf die Muße der aristokratischen Oberschicht ausgelegtes Bild. 9 Das Verständnis und die Vorstellungen zum Begriff villa war also im Verlauf der römischen Geschichte einerseits gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen, gleichzeitig aber auch von der Perspektive und Erfahrungswelt des jeweiligen Autors bestimmt. 10 Diesem schriftlich tradierten Bild der Villa steht ein äußerst umfangreicher und in gleicher Weise diverser archäologischer Befund gegenüber. Der Versuch eine allgemein tragfähige und gleichzeitig für die Ansprache der diversen materiellen Hinterlassenschaften geeignete Vorstellung oder gar präzise Definition des Begriffes Villa zu finden, steht daher vor nicht zu unterschätzenden Schwierigkeiten. 11
Zu Recht wurde gerade in jüngerer Zeit darauf hingewiesen, dass die verschiedenen Erscheinungen, die mit dem Begriff Villa in Verbindung zu bringen sind, als Teile und Phänomene eines sozioökonomischen Gesamtsystems eng miteinander in Beziehung standen. 12 Gleichzeitig kann es aber nicht zielführend sein, die umfang- und variationsreiche archäologische Überlieferung römischer Villen aus verschiedenen Regionen der römischen Welt mit soziokulturell sehr heterogener Prägung, 13 subsumiert innerhalb eines gesamtheitlichen Modells zu untersuchen. Dies wird der Vielseitigkeit des archäologischen Materials zum einen nicht gerecht, 14 zum anderen verbaut ein solches Verständnis aber auch wertvolle Möglichkeiten des Erkenntnisgewinns, die sich gerade aus dieser Heterogenität ergeben.
Entsprechend folgt die vorliegende Untersuchung einem Ansatz, der der Diversität der archäologischen Überlieferung Rechnung trägt und anhand unterschiedlicher Kategorien zu systematisieren sucht. Unter den verschiedenen Möglichkeiten die Landgüter anhand ihrer Architekturform, ihrer topografischen und geografischen Lage oder ihrer Bauaufgabe zu differenzieren, 15 ist die vorliegende Untersuchung aufgrund ihrer Fragestellung dabei vor allem mit dem Problem einer funktionalen Kategorisierung der Villen konfrontiert. Innerhalb der altertumswissenschaftlichen Forschung werden üblicherweise landwirtschaftliche Betriebe (Farmen, Gutshöfe, villae rusticae) und Landsitze ohne agrarische Funktion (villa urbanae bzw. Otiumvillen) differenziert. 16 Dieser grundlegenden Unterscheidung folgt auch die vorliegende Untersuchung.
Allerdings werden die verschiedenen zur Differenzierung herangezogenen Termini und Kategorien innerhalb der Forschung nicht einheitlich verwendet. 17 Als problematisch erweist sich dabei gerade der Rückgriff auf schriftlich überlieferte Begriffe, mit denen explizit oder implizit bestimmte historische Phänomene, aber auch soziale Gruppen und Praktiken verbunden sind, die die Betrachtungen bereits in eine bestimmte interpretative Richtung lenken. 18 Die jüngere Villenforschung steht dieser Kategorisierung daher kritisch gegenüber. 19
Diesen Überlegungen Rechnung tragend, verzichtet die vorliegende Studie auf eine Ansprache und Kategorisierung von villae rusticae oder villae urbanae. Eine auf quantitative, qualitative oder soziale Parameter abzielende Unterscheidung der ländlichen Gebäude in Gehöfte 20/Bauernhöfe, Farmen und Rusticavillen wird nach Möglichkeit ebenfalls vermieden. Die entsprechenden Kategorien erweisen sich als sehr dehnbar, sind nur schwer an eindeutige Indizien in den archäologischen Befunden der Landgüter zu binden und eignen sich daher letztlich nicht zur Systematisierung der Bauten. 21 Der Verzicht auf diese Differenzierung der Landgüter ist auch direkt aus der Materialbasis der Arbeit heraus begründbar. Der Fokus der vorliegenden Untersuchung liegt auf den landwirtschaftlichen Installationen und Räumen der Landgüter. Wie das hier gesammelte Material zeigt, sind derartige Anlagen in Baukomplexen unterschiedlichster Größe und Ausstattung zu finden. Die grundlegende technische Ausstattung und die Konzeption der landwirtschaftlichen Anlagen erweisen sich dabei aber als unabhängig von den beiden genannten Merkmalen. 22 Die sozialen Implikationen, die mit beiden Faktoren zu verbinden sind, waren in dieser Hinsicht also nicht von vorrangigem Belang. 23
Um also eine möglichst neutrale Herangehensweise zu gestatten, wird unter dem Begriff Villa hier in einem sehr allgemeinen Sinn ein extraurbanes Wohngebäude verstanden. Soll im Folgenden auf die spezifische Aufga...
Inhaltsverzeichnis
- Title Page
- Copyright
- Contents
- 1 Einführung
- 2 Produktionsanlagen und -räume für Wein, Öl und Getreide
- 3 Produktionsräume im räumlichen Gefüge der Villengebäude
- 4 Hintergründe der Entwicklung der landwirtschaftlichen Villen in Italien
- 5 Zusammenfassung und Ausblick
- Appendix – Landwirtschaftsanlagen als Kult- und Repräsentationsort
- Katalog
- Anhang
- Tafeln
- Stichwortverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
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