Niveau B1Carsten Tsara ist Anfang 30, besitzt keinen besonders scharfenVerstand und auch sein Gedächtnis ist eher durchschnittlich. Keine guten Voraussetzungen für einen Privatdetektiv, oder? Er ist trotzdem einer. Er vertraut seiner Intuition, und sein Wahlspruch ist: Probieren geht über Studieren.Was wissen wir über die Menschen in unserer Nähe? – So wenig, dass es unheimlich werden kann. Carsten Tsara denkt über das Leben nach und über den Tod. Auf einmal sieht er seine Umwelt mit anderen Augen. Seine Nachbarin bittet ihn um einen Gefallen. Er betritt in ihrer Abwesenheit ihre Wohnung und macht eine unheimliche Entdeckung... Niveaustufe B1

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Die Angst und der Tod
Carsten Tsara macht sich Sorgen.Deutsch als Fremdsprache / EPUB-Download
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Carsten Tsara macht sich Sorgen.Deutsch als Fremdsprache / EPUB-Download
Über dieses Buch
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Information
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9783190016716
Auflage
11
„Was wissen wir über die Menschen in unserer Nähe? Was
wissen wir über unsere Kollegen, über unsere Nachbarn?
Ich sage dir, Carsten: Wir wissen nichts, nichts, gar nichts!“
Bei jedem ‚nichts‘ tippt Verena Müller mit dem Finger
auf den Tisch.
Privatdetektiv Carsten Tsara muss lächeln. Er mag seine
Chefin. Bei der Arbeit ist Verena meistens sehr ruhig und
analytisch. Privat kann sie herrlich emotional sein.
Manchmal sitzt er mit ihr nach der Arbeit noch eine oder
zwei Stunden im Restaurant ‚Angelo‘. Dann essen sie Pizza
und sprechen über ihren Job, über das Leben, über dies
und das.
„Gar nichts?“, fragt er. „Wir wissen gar nichts?“
„Na ja, sagen wir mal: fast nichts.“
„Das glaube ich nicht.“
„So? Das glaubst du nicht? Was weißt du zum Beispiel
über deinen nächsten Nachbarn? Wie heißt er? Wie sieht er
aus? Wie alt ist er? Was ist er von Beruf? Was macht er den
ganzen Tag?“
„Moment, Moment!“, lacht Carsten Tsara. „Ich habe gar
keinen Nachbarn. Ich habe eine Nachbarin.“
„Na schön. Was weißt du über sie? Erzähl doch mal!“
„Sie heißt Fischer.“
„Na toll! Kommt noch was oder ist das schon alles?“
Carsten Tsara denkt nach. Hmm ... er braucht etwas Zeit.
Schnell schiebt er ein Stück Pizza in den Mund. Was weiß
er über Frau Fischer?
„Sie ist Mitte bis Ende sechzig ... etwa eins achtundsechzig groß ... etwa fünfundfünfzig Kilo schwer ... Sie hat
weiße, mittellange Haare ... Sie ist ziemlich attraktiv ... Sie
ist sehr nett, sehr freundlich ...“
„Und weiter?“, fragt Verena Müller.
Carsten Tsara denkt nach. Ein Gespräch mit Frau Fischer
fällt ihm ein. Er versucht, sich zu erinnern. Wann war das?
Letztes Jahr? Was hat sie damals gesagt?
„Ach ja, richtig! Sie wohnt schon seit über dreißig Jahren
allein in ihrer Zweizimmerwohnung ... im dritten Stock ...
Ihre Kleider sind elegant und nicht billig ... Sie hat schönen Schmuck ... Ich glaube, sie hat Geld ... Sie geht jede
Woche zum Friseur ...“
„Warum wohnt sie allein?“
„Sie hat nicht geheiratet.“
„Warum nicht?“
„Pff ... keine Ahnung!“
„Woher kommt ihr Geld?“
„Weiß ich nicht.“
„Welchen Beruf hat sie gelernt? Wo hat sie gearbeitet?
Hat sie Freunde? Hat sie Verwandte? Wie oft bekommt sie
Besuch?“
„Hör schon auf, Verena!“, sagt Carsten Tsara lachend.
„Ich weiß es wirklich nicht!“
Als er eine halbe Stunde später nach Hause geht, denkt
er über das Gespräch nach. Verena Müller hat Recht. Ich
weiß wirklich nicht viel über meine Nachbarin. Ich war
noch nie in ihrer Wohnung. Ich kenne nicht einmal ihren
Vornamen. Aber eins weiß ich sicher: Frau Fischer ist eine
sehr sympathische Frau.
2
Zwei Monate später. Montag
Es ist abends, kurz nach acht. Carsten Tsara möchte ein Pilz-Risotto kochen. Die meisten Zutaten stehen neben dem
Herd bereit: Pilze, Zwiebeln, Butter, Parmesan, Fleischbrühe und Weißwein. Was fehlt jetzt noch? Ah ja! Er
nimmt eine Tasse und füllt sie mit Risotto-Reis. Da läutet es
an der Tür. Nanu? Carsten Tsara erwartet keinen Besuch.
Mit der Tasse in der Hand geht er in den Flur und drückt
auf den Knopf der Gegensprechanlage.
„Hallo?“ Er bekommt keine Antwort. „Hallo? Wer ist
denn da?“, fragt er etwas lauter. Es klopft an der Tür. Er öffnet. Draußen steht seine Nachbarin.
„Ja, Frau Fischer?! Guten Abend!“
„Herr Tsara, entschuldigen Sie bitte. Ich störe Sie. Sie
kochen gerade.“
„Nein, nein, ich habe noch gar nicht angefangen. Was
kann ich denn für Sie tun?“
„Tja, also, ich muss dringend verreisen. Ich muss jemanden besuchen. Meinen ... ähh ... Bruder in Baden-Württemberg. Aber da gibt es leider ein Problem.“
„Ja?“
„Meine Pflanzen. Sie brauchen Wasser.“
„Ach, ich soll Ihre Blumen gießen? Aber klar, das mache
ich doch gerne!“
„Oh, das ist sehr nett, Herr Tsara. Das ist eine große
Hilfe.“
„Kein Problem. Wann fahren Sie denn?“
„Mein Zug geht um kurz nach zehn. Um 22 Uhr 12.“
„Was? Heute? Jetzt gleich?“ Frau Fischer nickt. Ja, richtig: Sie ist reisefertig. Sie hat ein elegantes cremefarbenes
Kostüm an, einen blauen Seidenschal um den Hals und ein
Hütchen auf dem Kopf.
„Aber das ist ja schon in zwei Stunden!“, sagt Carsten
Tsara. „Wie kommen Sie denn zum Bahnhof?“
„Das Taxi ... ich habe schon angerufen ... es kommt in
einer halben Stunde.“ Sie gibt ihm einen Schlüsselbund.
„Sehen Sie, der da ist für die Wohnungstür ...“. Sie deutet
auf einen Sicherheitsschlüssel. Was ist los mit ihr? Irgendwas stimmt nicht. Hat sie Probleme? Ihre Augen sind rot.
Hat sie geweint? Oder sieht sie immer so aus? Vielleicht ist
sie ja auch nur müde.
Na, Carsten Tsara? Du weißt es nicht? Aber du bist doch
ein Detektiv, oder? Was weißt du eigentlich? Wie oft siehst
du denn in Frau Fischers Augen? Nie, oder? Wie oft siehst
du deine Nachbarn genau an? Blickst du nicht meistens an
ihnen vorbei?
„... und dieser kleine hier ist für den Briefkasten.“
„Was?“
„Der da ... das ist der für den ... für den Briefkasten.“
„Ach so, Ihre Post soll ich auch heraufholen?“
„Ja, bitte!“
„Wie lange sind Sie denn weg?“
„Tja, ehrlich gesagt: Das weiß ich nicht ... ähh ... das
weiß ich noch gar nicht.“
Warum weiß sie das nicht? Drei Tage, eine Woche, zwei
Wochen ... Normalerweise weiß man so was doch.
Normaler weise? Was ist denn normal? Vielleicht ist ihr
Bruder krank. Vielleicht gibt es einen Todesfall in ihrer
Familie. Vielleicht hat sie geweint, vielleicht nicht. Soll ich
sie fragen? Nein, das geht mich doch gar nichts an. Wenn
ich ihr helfen will, dann mit zwei ganz einfachen Dingen:
Blumen gießen und Post raufholen.
„Ach so, das wissen Sie nicht.“
„Tut mir Leid, Herr Tsara. Ich kann es ... ähh ... ich kann
es Ihnen wirklich nicht sagen.“
„Na, ist ja auch kein Problem, Frau Fischer. Im Moment
habe ich nur ein paar ganz langweilige Fälle. Alle hier in
der Stadt oder in der nahen Umgebung. Ich bin also da.“
„Meine Pflanzen brauchen nur alle zwei bis drei Tage ein
bisschen Wasser. Wenn Sie doch länger wegmüssen, dann
geben Sie meine Schlüssel einfach Herrn Huber.“ Sie deutet
nach unten.
„Sie meinen Herrn Huber aus dem zweiten Stock?“, fragt
Carsten Tsara. Frau Fischer nickt. „Er hilft auch immer sehr
gerne.“ Dann spricht sie etwas leiser. „Ich finde ihn nur ...
ähh ... ein bisschen sehr neugierig.“
„Ach?“
3
Dienstag
Carsten Tsara kommt aus dem Büro. Zurzeit macht ihm die Arbeit keinen Spaß. Alle seine Fälle sind todlangweilig. Er ist müde, sein Kopf ist leer. Er öffnet die Haustür. Er geht durch den Flur an den Briefkästen vorbei. Er geht die erste Treppe hinauf. Er geht die zweite Treppe hinauf. Dann bleibt er stehen.
Die Post! Er hat die Post vergessen.
Er geht beide Treppen wieder hinunter. Er holt den Schlüssel aus der Tasche. Er öffnet seinen Briefkasten. Der Briefkasten ist leer. Er brummt ein paar unverständliche Worte. Dann schließt er den Briefkasten wieder und geht nach oben.
Auf dem Herd stehen noch die Reste des Risottos von gestern. Lecker! Seine Stimmung steigt. Ein Schlüsselbund liegt auf dem Küchentisch. Er nimmt ihn in die Hand. Was ist das? Ach so, ja natürlich! Frau Fischer ... Blumen gie-ßen und ... seine Stimmung sinkt wieder. Die Post! Er hat Frau Fischers Post vergessen. Na, was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben! Er nimmt den Schlüsselbund und geht wieder nach unten.
Frau Fischer hat Post bekommen. Zwei Briefe. Beim Treppensteigen liest Carsten Tsara: „An Frau Friederike Fischer“. Na, immerhin! Jetzt weiß er wenigstens ihren Vor namen.
Er öffnet Frau Fischers Wohnungstür und betritt den kleinen Flur. Er bleibt einen Augenblick lang stehen und atmet tief ein. Jed...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Title
- Impressum
- Kapitel 1
- Kapitel 2
- Kapitel 3
- Kapitel 4
- Kapitel 5
- Kapitel 6
- Kapitel 7
- Kapitel 8
- Kapitel 9
- Kapitel 10
- Kapitel 11
- Kapitel 12
- Kapitel 13
- Kapitel 14
- Worterklärungen
- Übungen