Niveau A2Julias Welt ist ganz einfach: Hanna ist ihre beste Freundin, Nina ist cool und Lea? Lea ist einfach nur grässlich! Sie ist die schlimmste Streberin in der Klasse 7a, zieht nur schreckliche Klamotten an, singt dauernd Opernarien, weiß alles besser und ist bei allen unbeliebt, nur nicht bei den Lehrern. Aber dann fährt die Klasse für eine Woche aufs Land und Julia muss einen ganzen Tag allein mit Lea verbringen. Ein Tag, der Julias Leben verändert. Denn so einfach, wie sie glaubt, ist die Welt nun doch wieder nicht.
375,005 Studierende vertrauen auf uns
Zugang zu über 1 Million Titeln zu einem fairen monatlichen Preis.
Mit unseren Lerntools kannst du noch effizienter lernen.
Die Schüler der Klasse 7a sitzen in einem großen Kreis auf dem Platz vor der Jugendherberge1. Sie sind gemeinsam eine Woche auf dem Land. Heute ist der dritte Tag. Alle sind neugierig auf Herrn Göttels Idee.
„Wir machen heute einen Robinsontag.“
„Jaaaa!“, ruft Lea. „Ich liebe Robinsontage!“
„Ist die verrückt?“, fragt Julia leise ihre Freundin Hanna.
„Du kennst sie doch. Sie sagt immer sofort ‚ja‘, wenn ein Lehrer etwas vorschlägt“, antwortet Hanna. „So eine Streberin2!“
„Sieh mal, ihre Klamotten3“, sagt Julia.
„Diese Mütze4! Ich habe noch nie so eine hässliche Mütze gesehen“, antwortet Hanna.
„Die gehört sicher ihrer Großmutter“, sagt Julia und lacht.
„Leas Klamotten sind alle von ihrer Großmutter“, sagt Hanna und lacht auch.
„Ein Robinsontag? Was ist denn das?“, fragt ein Junge laut.
„Lea, du kannst den anderen doch sicher erklären, was ein Robinsontag ist“, sagt Lehrer Göttel.
„Natürlich“, ruft Lea und steht auf. So können sie alle besser sehen. „Es ist ganz einfach: Man bekommt einen Ort und eine Aufgabe. Zuerst muss man den Ort auf der Landkarte5 suchen.
Dann muss man hingehen, die Aufgabe lösen und bis zum Abend wieder zurückkommen.“
„Sehr gut, Lea“, sagt Herr Göttel. Lea setzt sich wieder.
„Ich kriege schon die Krise6, wenn ich nur ihre Stimme höre“, sagt Hanna leise.
‚Genau‘, denkt Julia.
Leas Stimme ist sehr laut und mehr ein Singen als ein Sprechen.
Zu Hause macht sie viel Musik. Sie spielt Klavier und sie singt den ganzen Tag. Muss sie ja auch. Was soll sie sonst machen? Sie hat ja keine Freundin.
„Man muss eine Aufgabe lösen?“, fragt Nina und kaut ihren Kaugummi7. „Was denn für eine?“ Sie ist schon 14 und erst seit zwei Monaten in der Klasse. Julia findet Nina cool und wäre gern ihre Freundin. Nina hat immer tolle Klamotten an und sagt nie ‚Jaaaa!‘, wenn ein Lehrer etwas vorschlägt.
„Jeder bekommt einen Partner“, antwortet Herr Göttel. „Jedes Paar geht in einen Ort und muss von dort ein Andenken8 mitbringen.“
„Das ist ja ganz leicht“, sagt ein Junge. „Ich gehe in einen Laden und kaufe etwas.“
„Nein, so einfach ist es nicht“, erklärt Lea. „Du darfst ja kein Geld mitnehmen.“
„Was?“, fragt Nina. „Man darf kein Geld mitnehmen? Und wenn ich Hunger kriege? Soll ich dann sterben oder was?“
„Liebe Nina, du findest sicher eine Lösung, wenn du Hunger bekommst“, antwortet Herr Göttel und lacht. Robinson und Freitag haben jahrelang ohne Geld auf einer kleinen Insel gelebt. Für einen Tag könnt ihr das auch, oder?“
2+ 3
„Natürlich können wir das“, ruft Lea. „Los, fangen wir an!“
2
Das darf nicht wahr sein!
4
„Oh Mann!“, sagt Julia und legt ihren Arm um Hanna. Robinson? So ein Quatsch! Naja, wenigstens sind wir beide zusammen, du und ich.“
Herr Göttel stellt einen Topf auf den Tisch.
„Jetzt wollen wir mal sehen, wer mit wem geht.“
„Ich weiß es schon“, sagt Hanna. „Ich gehe mit Julia.“
„Oh nein“, lacht Herr Göttel. „Wir machen das wie bei Robinson und Freitag: Ihr müsst nehmen, was kommt.“
Er holt zwei Zettel aus dem Topf und liest die Namen vor:
„Jonas geht mit Paul.“ Er nimmt die nächsten zwei Zettel.
„Moni geht mit Lilly.“
„Hoffentlich kommen wir zusammen“, sagt Hanna und nimmt Julias Hand fest in ihre.
„Hanna geht mit Nina.“
„Schade“, sagt Hanna. „Aber Nina ist auch okay.“
Julia ist schrecklich eifersüchtig9. Hanna ist ihre beste Freundin und nun ist sie den ganzen Tag mit Nina zusammen.
Plötzlich hört Julia, wie der Lehrer ihren Namen sagt: „Julia geht mit Lea.“ ‚Oh nein!‘, denkt sie, ‚das ist nicht wahr, oder?‘
„So, und nun kommt bitte alle mal kurz zu mir“, ruft Herr Göttel.
„Dann gebe ich euch die
Landkarten und zeige euch eure Ziele.“ „Landkarten?“, sagt Nina. „Ich kann keine Landkarten lesen.“