Warum es Kindheit nicht gibt
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Warum es Kindheit nicht gibt

Eine skeptische Geschichte des Aufwachsens

  1. 17 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Warum es Kindheit nicht gibt

Eine skeptische Geschichte des Aufwachsens

Über dieses Buch

Die Kindheit gab es nie, so Doris Bühler-Niederberger in ihrem Beitrag in Kursbuch 201. Zu keiner Zeit unserer Kulturgeschichte handelt es sich um eine Bestimmung, die aus der Perspektive der Kinder heraus getroffen wurde. "Die Kindheit" glich vielmehr zu jeder Zeit einer Programmbestimmung einer bestimmten Vorstellung des Aufwachsens – immer vor dem Hintergrund einer neu und besser gestalteten Gesellschaftsstruktur. Die Soziologin nimmt uns mit zu Formen des Aufwachsens im Mittelalter, den Erziehungsvorstellungen der Reformatoren und des Bürgertums bis hin zur heutigen doppelten Benachteiligung von Kindern bildungsferner Schichten. Wo fand Kindheit wirklich statt?

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Doris Bühler-Niederberger
Warum es Kindheit nicht gibt
Eine skeptische Geschichte des Aufwachsens
Von keiner anderen Bevölkerungsgruppe glaubt man so genau zu wissen und spricht man so oft davon, was sie »brauche«, »was ihr nütze« oder umgekehrt »nicht brauche«, ihr sogar »schade«, wie von den Kindern. Nicht die Kinder selbst haben da verkündet, dass sie etwas bräuchten: geregelte Schlafens- und Essenszeiten, Gemüse, die viel beschworenen »Grenzen« oder gar eine Ohrfeige. Auch was sie nicht bräuchten, was ihnen sogar schade, haben wir nicht von ihnen erfahren. Wenn sich die Ansichten darüber geändert haben, dann sind es die der Erwachsenen, die darüber befinden. Diese entschieden zum Beispiel in Deutschland im Jahr 2000, also reichlich spät, dass die Ohrfeige nun doch schade, obgleich doch so lange galt, sie habe noch keinem geschadet. Nicht auf der Basis einer einfühlsamen Beobachtung der Kinder und ihres Wohlbefindens wurde entschieden, wie Kinder aufwachsen sollen – das war nur selten der Fall. Auch ein Wissen, was sich in jedem Fall auf die Entwicklung der Kinder – in welcher Weise auch immer – auswirke, stand nur in beschränktem Maß dahinter; selbst wenn ein beachtlicher Markt durch die Behauptung erschlossen wurde, über ein solches Know-how zu verfügen. In früheren Zeiten war die Art des Aufwachsens ohnehin vor allem der Not geschuldet, und noch heute ist das in manchen Ländern und für manche Kinder der Fall. Sofern es aber eigentliche »Programme des Aufwachsens« gab – Vorgaben, was es wann und wie für eine angemessene Entwicklung zu tun und zu lassen gelte –, standen sie überwiegend im Dienst anderer Interessen und also eben auch der Interessen dieser anderen. Damals wie heute.
In diesem Sinne gilt: Kindheit hat es nie gegeben, sofern Kindheit als eine Zeit verstanden werden will, die ihren eigenen Raum sucht und einnimmt und die darauf angelegt ist, den Bedürfnissen, die konkrete Kinder in bestimmten Lebensumständen haben, so weit als möglich Rechnung zu tragen. Jedenfalls gab es das nicht als eine Lösung, die allgemein akzeptiert worden wäre. Einzelne, besonders glückliche Kinder, denen die Umstände und wohlmeinende, mutige Erwachsene die viel beschworene »glückliche Kindheit« ermöglicht haben, sind ausgenommen. Es ist nicht ganz einfach, sich eine solche Kindheit vorzustellen, zugegeben, aber man hat sich eben auch selten darum bemüht. Nicht erstaunlich ist also, dass man auch nach Missachtung und Gewalt, die Kindern angetan wurde, nicht lange zu suchen braucht. Der Historiker Lloyd deMause spricht in seiner Geschichte der Kinder vom »Albtraum, aus dem wir gerade erst erwachen« 1 – und das Fragwürdigste an dieser Aussage ist sein Optimismus in Bezug auf die Gegenwart. Denn noch immer – so zeigen es die Opferstatistiken und entsprechende Studien – sind Kinder die am stärksten viktimisierte Bevölkerungsgruppe. Erschreckend ist nicht nur das hohe Maß an Gewalt, sondern auch die Häufigkeit, mit der sie nicht zur Kenntnis genommen wird.2
Ein Gang durch die Geschichte des Aufwachsens soll zeigen, welche Interessen ausschlaggebend waren bei der gesellschaftlichen Ausgestaltung dieser Lebensphase, wie sie durchgesetzt wurden, wer davon profitierte und wer schon früh auf die schlechten Plätze verwiesen wurde und es heute noch wird. Dabei interessieren nicht die gelegentlich beeindruckenden Gedanken, die zu Kindern angestellt wurden, die jedoch ihre Situation nicht nachhaltig beeinflussten. Es interessieren die Institutionen: die überdauernden und weitreichenden Lösungen, die geschaffen wurden. Zunächst aber soll sichtbar gemacht werden, dass unsere Vorstellung des Aufwachsens nicht naturgegeben ist – durch einen Blick über den Gartenzaun.
Radikale Pädagogisierung
»Die kleinen Kinder in Kirgisistan […] sie wachsen daher wie das Gras auf...

Inhaltsverzeichnis

  1. Doris Bühler-Niederberger | Warum es Kindheit nicht gibt. Eine skeptische Geschichte des Aufwachsens
  2. Die Autorin
  3. Impressum