Während die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in weiten Teilen schon zu Prophezeiungen der maschinellen Machtübernahme führt, ruft Natalie Sontopski in ihrem Beitrag in Kursbuch 199 zum Innehalten auf: Sind wir zufrieden mit den Geräten maschinellen Lernens, die aktuell unseren Alltag gestalten? Waren wir intelligent genug, die Maschinen mit objektiven Datengrundlagen auszustatten? Oder beobachten wir an Siri und Co., an Bewerbungssoftware und ersten humanoiden Robotern nicht viel eher eine bedenkliche Reproduktion längst überwunden geglaubter Geschlechterdiskurse?

- 22 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Über dieses Buch
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Information
Natalie Sontopski
Hey Siri?!
Wie KI tradierte Rollenmuster zementiert
Hey Siri?!
Wie KI tradierte Rollenmuster zementiert
Wir haben es geschafft: Wir sind in der Zukunft angekommen. Beiläufig fragen wir: »Siri, wie ist das Wetter heute?«, fordern: »Alexa, spiel Radio!« oder erkundigen uns: »Cortana, wie viel Uhr ist es?«, und wie durch Magie liefern uns die digitalen Stimmen Antworten oder spielen Musik. Wir können uns mit Fragen und Problemen Trost suchend an die virtuelle Schulter einer Alexa oder Siri lehnen, die mit konstanter Freundlichkeit und unendlicher Geduld Routen plant, sich um Restaurantreservierungen kümmert, Termine speichert und mit erstaunlichem Witz und entwaffnendem Charme auch zehnmal hintereinander Fragen nach ihrem Lieblingstier, ihrer Lieblingsfarbe oder ihrem Freund beantwortet.
Vom Standpunkt dieser einst utopischen und nun realen Zukunft blicken wir zurück auf eine ganze Kulturgeschichte voller Mythen und Narrative, in denen mit der Idee von künstlicher Intelligenz geflirtet wird: Angefangen bei Pygmalion und Galatea, dem Prager Golem oder Frankenstein hin zu cineastischen Phantasmen wie Metropolis, Terminator, Her, Ex Machina oder der Serie Westworld – unsere Faszination für künstlich erschaffene Intelligenz erweist sich als allgegenwärtig. In all diesen Narrativen konkurriert der dem Schaffensakt immanente wissenschaftliche Genius mit der Angst, dass sich die geschaffene Intelligenz gegen den eigenen Schöpfer wendet und Tod und Zerstörung bringt. Zum Glück sind wir bisher an der Entwicklung eines Terminators gescheitert und müssen uns stattdessen nur mit digitalen Assistentinnen auseinandersetzen. Und heimlich müssen wir uns eingestehen, dass es erleichternd ist, dass die lang ersehnte künstliche Superintelligenz eine angenehme Stimme aus unserem Smartphone ist und kein tödlicher Kampfroboter.
Alles gut also? Nicht ganz. Science-Fiction-Narrative in Film und Literatur scheinen uns für die Apokalypse sensibilisiert zu haben, sodass sich die Diskussion über KI oft um die Frage dreht, was passiert, wenn wir den Punkt der Singularität erreichen. Unter diesem Begriff wird der Zeitpunkt verstanden, an dem Maschinen sich dank KI dermaßen schnell optimieren sowie den technischen Fortschritt so rasant anschieben können, dass die Zukunft der Menschheit nach diesem Punkt nicht mehr vorhersehbar ist. Wäre die erste hochintelligente Maschine womöglich die letzte Erfindung, die wir Menschen machen würden? Würden wir von Supercomputern versklavt werden? So neugierig uns diese Fragen machen, sie klammern einen bedeutenden Aspekt aus: Wir können diese Zukunft aktiv selbst gestalten, indem wir uns jetzt mit politischen und sozialen Dimensionen künstlicher Intelligenz auseinandersetzen. Dazu gehört auch, eine Zwischenbilanz zu ziehen und bestehende Formen von KI zu nutzen, um uns – den Schöpfern – den Spiegel vorzuhalten: Nach welchen Maximen wurden Programmierungen angelegt und welche Rückschlüsse lässt eine Analyse derselben über den Zustand unserer Gesellschaft zu?
Am Anfang dieses Prozesses sollte eine Auseinandersetzung mit dem Begriff »Intelligenz« stehen – denn wenn wir schon mit diesem Begriff hantieren, sollten wir auch wissen, was er genau umfasst. Was genau ist Intelligenz? Wenn wir ehrlich sind, erkennen wir leicht, dass wir es ...
Inhaltsverzeichnis
- Natalie Sontopski | Hey Siri?! Wie KI tradierte Rollenmuster zementiert
- Die Autorin
- Impressum
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