Wer denkt, Deutschland habe in der Partei der Grünen eine Wahlmöglichkeit einer echten – nämlich ökologischen – Alternative, geht fehl. Peter Unfried, seit Jahren einer der analysefreudigsten Grünen-Beobachter und taz-Chefreporter, benennt in seinem Beitrag in Kursbuch 197 die Phasen, die die Partei seit ihrer Gründung durchlief und erklärt, wieso daraus keine politische Form entstehen konnte, die der Gesellschaft wirkliche ökologische Veränderungen hätten bringen können.

- 18 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Über dieses Buch
375,005 Studierende vertrauen auf uns
Zugang zu über 1 Million Titeln zu einem fairen monatlichen Preis.
Mit unseren Lerntools kannst du noch effizienter lernen.
Information
Peter Unfried
Das große Missverständnis
Die Grünen. Ein Update
Das große Missverständnis
Die Grünen. Ein Update
Nach vielen und durchaus schönen Jahren im Illusionismus bin ich zu drei grundsätzlichen Erkenntnissen über Deutschland gekommen: Es gibt keine ökologische Gesellschaft. Es gibt keine ökologische Kultur. Es gibt keine ökologische Partei.
Jetzt kann man erwidern: Was will er denn? Ich trenn doch meinen Müll und wir reden hier seit 40 Jahren über die Grünen, Atomausstieg haben wir, und meine Tochter ist Vegetarierin. Oder man kann sich als rechtsdriftender Rebell sogar in einer Ökodiktatur wähnen. Oder als ökologisch Engagierter auf die vielen Fortschritte in den letzten Jahrzehnten verweisen.
Ich will meine Erkenntnis also etwas differenzierter begründen.
Selbstverständlich gibt es eine gesellschaftliche Minderheit, die man als echte »Ökos« bezeichnen kann und die gesellschaftliche Impulse gegeben hat und versucht, die Energie-, Mobilitäts- oder Landwirtschaftswende anzutreiben. Es gibt auch Leute, die keine Ökos sind, aber grünes Unternehmertum voranbringen. Und es gibt ein Bundesland, in dem man unter anderem mit dem Versprechen ökologischer Modernisierung Mehrheits- und Orientierungspartei geworden ist: Baden-Württemberg. Diese 30 Prozent Grünen-Wähler haben wie andere Teile der Gesellschaft eine gewisse ökologische Grundausstattung in ihrem Bewusstsein und Lebensstil.
Man kann vermutlich sogar sagen, dass es mehr Ökologie in der europäischen Gesellschaft gibt als Europäertum, wenn das die Überwindung der Nationalstaaten meint. Die zentrale Europapartei CDU hat mit Kohl und (zum Teil) Merkel ihre progressive europäische Politik eher undercover gemacht und sie im Sprechen und Scheinen mit nationaler Ästhetik verbrämt. In der Klimapolitik dagegen ist es genau andersherum: Es wird gern und viel darüber gesprochen, aber nichts Relevantes getan.
Symbolisch und machtpolitisch dafür steht: Während das Klimaproblem immer dringlicher wurde, ist das Bundesumweltministerium in den letzten 15 Jahren immer mehr marginalisiert worden. Dazu hat Bundeskanzlerin Merkel viel beigetragen, genauso viel aber auch die SPD und ihr langjähriger Vorsitzender Sigmar Gabriel. Er und Merkel zogen sich 2007 orangene Winterjacken an, flogen an den Nordpol und schauten ernst auf die schmelzenden Eisberge. Das legendäre Foto kann man heute als Ikone der Klimadarstellungspolitik verehren.
Union und SPD aber haben Klimapolitik nicht aus moralischem Versagen marginalisiert, sondern weil es eine stillschweigende Vereinbarung mit der Mehrheitsgesellschaft gibt, dass man gerne öko daherredet, aber selten ökologische Politik macht. Das ist Teil des ausgeprägten Wunsches nach ewiger Gegenwart, der eine Grundlage für die Ära Merkel war. Die Kanzlerin verlor ja nicht wegen Passivität die Gunst von Teilen der Gesellschaft und ihrer Partei, sondern weil sie sich 2015 dann doch erkennbar bewegte, als die Realität aus ihrer Sicht nichts anderes mehr zuließ.
Es gibt im Journalismus die Angewohnheit, die Grünen beim zweiten Nennen in einem Text aus Gründen sprachlicher Abwechslung mit »die Ökopartei« zu paraphrasieren. Gleichzeitig pflegt man dort und auch in der Gesellschaft gern eine definitorische Schwammigkeit des Begriffes »grün«. Immer wieder gern behaupten Leitartikler wie Zeit-Chef Giovanni di Lorenzo, es gäbe eine »grüne Hegemonie« im Land.1 Was sie damit meinen, ist eine geschlechter-, identitätspolitische und staatsbürgerrechtliche Liberalisierung in der Verlängerung der Befreiungsbewegung von 1968 – plus Atomausstieg und Biosupermarkt. Bewegt haben sich vor allem die Konservativen – weshalb die Union heute vom reaktionären Rand geschrumpft wird...
Inhaltsverzeichnis
- Peter Unfried | Das große Missverständnis. Die Grünen. Ein Update
- Der Autor
- Impressum
Häufig gestellte Fragen
Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Erfahre, wie du Bücher herunterladen kannst, um sie offline zu lesen
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
- Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
- Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Wir sind ein Online-Lehrbuch-Abo, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 990 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Erfahre mehr über unsere Mission
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Erfahre mehr über die Funktion „Vorlesen“
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Ja, du hast Zugang zu Das große Missverständnis von Peter Unfried im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Politica e relazioni internazionali & Saggi su politica e relazioni internazionali. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.