Linguistik und Medizin
eBook - ePub

Linguistik und Medizin

Sprachwissenschaftliche Zugänge und interdisziplinäre Perspektiven

  1. 520 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub

Linguistik und Medizin

Sprachwissenschaftliche Zugänge und interdisziplinäre Perspektiven

Über dieses Buch

Das Buch präsentiert die ersten Arbeitsergebnisse des wissenschaftlichen Netzwerks >Linguistik und Medizin, gegründet 2017 und finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Aus unterschiedlichen linguistischen, medizinischen, historischen und soziologischen Perspektiven werden Prozesse der Wissenskonstitution, -aushandlung und des -transfers in Bezug auf Gesundheit und (psychische wie somatische) Krankheiten thematisiert. Mit Daten und Methoden der Gesprächs-, Korpus- und Diskurslinguistik, der Medizin und der Soziologie werden aktuelle und gesellschaftsrelevante Fragestellungen in der Arzt-Patienten-Kommunikation, den ö?ffentlichen massenmedialen Diskursen und in der Fachkommunikation in einem interdisziplinären Dialog bearbeitet. Im Fokus stehen einzelne Krankheitsbilder und deren semiotische Konstruktion wie Schizophrenie, HIV/AIDS, Alzheimer, Depression; mannigfaltige interaktive Praktiken z.B. der Empathiebekundung, der Aufklärung, der Emotionalisierung in Arzt-Patienten-Gesprächen; Prozesse der gemeinsamen Wissensaushandlung in Online-Foren; fachliche Konstruktionen von Vorstellungen zu Normalität und Abweichung.

Häufig gestellte Fragen

Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst.
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Weitere Informationen hier.
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
  • Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
  • Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Beide Abopläne sind mit monatlichen, halbjährlichen oder jährlichen Abrechnungszyklen verfügbar.
Wir sind ein Online-Abodienst für Lehrbücher, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 1.000 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Weitere Informationen hier.
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Weitere Informationen hier.
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren.
Ja, du hast Zugang zu Linguistik und Medizin von Marina Iakushevich, Yvonne Ilg, Theresa Schnedermann, Marina Iakushevich,Yvonne Ilg,Theresa Schnedermann im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Sprachen & Linguistik & Sprachwissenschaft. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.

Information

Sprachwissenschaftliche Zugänge II: Wechselwirkungen zwischen öffentlicher Kommunikation, subjektiven und fachlichen Krankheitstheorien

Einleitung: Wechselwirkungen zwischen öffentlicher Kommunikation, subjektiven und fachlichen Krankheitstheorien

Yvonne Ilg
Universität Zürich, Deutsches Seminar
Medizinisches Wissen ist nichts Festes, Unveränderbares und für sich alleine Stehendes, medizinisches Wissen entsteht und verändert sich vielmehr laufend in einem komplexen Gefüge unterschiedlicher Medien und Akteur*innen mit sich teilweise widersprechenden Motiven und Inhalten (vgl. auch Busch & Spranz-Fogasy 2015: 338).1 Das medizinische Fachwissen wird geprägt in diskursiven Gefügen, in spezifischen historischen, soziokulturellen, personellen und kommunikativen Konstellationen (vgl. u. a. Fleck 1994 [1935]) und wandelt sich ständig. Zugleich stehen den fachlichen Wissensinhalten medizinische Laien- und Vermittlungsdiskurse (vgl. z. B. Busch 2015) gegenüber bzw. diese befinden sich in einem ständigen gegenseitigen Austausch mit dem Fachdiskurs. Subjektive Krankheitstheorien (vgl. u. a. Flick 1998; Birkner 2006; Birkner & Vlassenko 2015) widersprechen teilweise fachlichen Diskursen, werden durch sie aber auch beeinflusst. Zugleich prägen medial-öffentliche Diskurse subjektive wie auch gesamtgesellschaftliche Wissensbestände zu Gesundheit, Krankheit, deren Ursachen und Therapien maßgeblich mit (vgl. u. a. McKay 2006: 253; Busch 2015: 374). Die digitale Revolution hat dabei die Art und Weise der medial-öffentlichen Diskurse, ihre Form, Produktion, Reichweite sowie die Produzenten- und Rezipientenschaft grundlegend verändert. Gesundheit und Krankheit werden heute nicht nur in klassischen Massenmedien wie Zeitung und Fernsehen (vgl. z. B. McKay 2006; Spieß 2011; Brünner 2011), sondern auch in Online-Foren (vgl. z. B. Kleinke 2015; Reimann 2018), Blogs (vgl. z. B. Cochrane 2017), auf Facebook (vgl. z. B. Koteyko & Hunt 2016) und anderen Social Media-Plattformen interaktiv und öffentlich ausgehandelt (vgl. auch Locher & Turnherr 2017; Koteyko & Hunt 2018). Die beschriebenen Prozesse formen und verändern das medizinische Wissen maßgeblich und haben Auswirkungen auf die klinische Praxis und ihre Akteur*innen, etwa bezüglich der Akzeptanz bestimmter Diagnosen, Behandlungs- und Therapieformen.
In diesem Kontext ist nach dem Verhältnis medizinischer Fachdiskurse, subjektiver Krankheitstheorien und medial-öffentlicher Kommunikationsformen zu fragen, nach entsprechenden Wechselwirkungen und der diskursiven Konstituierung und Veränderung medizinischen Wissens sowie nach Kollisionen fachlicher und allgemeiner Wissensbestände (vgl. hierzu auch Busch 2015: 384). Welche Akteur*innen sind in den unterschiedlichen Domänen an der Wissenskonstituierung beteiligt? Wer ist in welcher Rolle Teil des medial-öffentlichen Diskurses; wer ist Produzent*in, wer Rezipient*in? Welche Gesprächs- und Textsorten, welche Themen, kommunikativen Konstellationen, Muster und Kontexte sind für den hier interessierenden interdiskursiven Austausch relevant? Und welche Implikationen haben die beschriebenen Prozesse für die Medizin als Fach und die klinische Praxis?
Die Beiträge dieses Abschnitts nähern sich diesem Fragen- und Themenkomplex aus vielfältigen Richtungen:
Joachim Peters und Natalie Dykes zeichnen in ihrem Beitrag Die palliativmedizinische Fachkultur in Geschichte und Gegenwart – sprachwissenschaftliche Perspektiven die Entwicklung der Palliativmedizin über die letzten 20 Jahre auf der Basis eines umfangreichen Korpus des Fachdiskurses nach. Mittels korpuslinguistischer Methoden zeigen die Autor*innen auf, wie die noch verhältnismäßig junge Fachrichtung sich sprachlich zunehmend „diszipliniert“ – z. B. hinsichtlich Wortschatz, Themenvielfalt und textuellen Eigenschaften –, in diesem Prozess von gesellschaftlich-diskursiven Debatten beeinflusst wird und sich zu denselben zugleich öffentlich immer deutlicher positioniert.
Yvonne Ilg widmet sich in ihrem Beitrag „Medizinische Terminologie im öffentlichen Diskurs. Konjunkturen und Veränderungen von Schizophrenie den Austauschbewegungen zwischen öffentlichem und fachlichem Diskurs anhand des psychiatrischen Terminus Schizophrenie. In einer korpuslinguistisch-quantitativ und qualitativ ausgerichteten Analyse zeichnet sie die gemeinsprachliche „Karriere“ des psychiatrischen Fachausdrucks seit seiner Prägung 1908 bis ins 21. Jahrhundert nach und fragt nach dessen Kontexten und Veränderungen hin zu einem alltagssprachlichen Bewertungsausdruck. Die Untersuchung nimmt dabei auch die zugehörigen Implikationen für das Fach Psychiatrie in den Blick, in dem der Terminus und das Konzept heute stark umstritten sind und nach Alternativen gesucht wird.
Sebastian Kleele, Marion Müller und Kerstin Dressel befassen sich in ihrem Beitrag mit einem hochaktuellen Thema. Unter dem Titel Krankheits- und Risikokommunikation im medialen Diskurs. Eine wissenssoziologische Betrachtung der Berichterstattung zum Thema Hantaviren untersuchen sie die mediale Kommunikation und Prägung einer von Viren übertragenen, potenziell langwierigen Infektionskrankheit. Die Autor*innen lenken den Blick auf diskursive Muster, wie z. B. den Wechsel zwischen Überspitzung/Angsterzeugung und folgender Relativierung/Beruhigung möglicher Gefahren und Risiken in der Berichterstattung, zeigen Probleme derselben für das Verständnis des Phänomens auf und ordnen sie – auch vor dem Hintergrund der aktuellen COVID19-Pandemie – in das größere Bild der Seuchendiskurse ein.
In ihrem Beitrag „Wer länger raucht, ist früher tot“ – Construal-Techniken des (populärmedizinischen) Online-Positionierens stellt Marie-Luis Merten ebenfalls die mediale Repräsentation von Gesundheitsthemen ins Zentrum. Thema sind allerdings nicht Zeitungsartikel, sondern zugehörige Online-Kommentare auf den Plattformen von Spiegel Online und Zeit Online aus den Jahren 2013 bis 2018. Die Autorin legt den Fokus auf die kommunikative Praktik des Positionierens und zeigt am Beispiel der Konditionalgefüge wer X (der) Y und wenn X (dann) Y, wie User*innen in der digitalen Interaktion Ansichten und Meinungen zu Gesundheitsthemen verhandeln und so den medialen Diskurs aktiv mitgestalten.
Daniel Knuchel widmet sich in seinem Beitrag der Kommunikation zu medizinischen Themen in Online-Foren. Unter dem Titel Diskurs-Latenz: Re-Aktivierungen von Stereotypen rund um HIV/AIDS in Onlineforen zeigt er in einer korpuspragmatischen Analyse auf, wie Stereotype und moralisierende Erklärungsmuster zu HIV/AIDS aus den 1980er und frühen 1990er Jahren im von ihm untersuchten Online-Forum med1.de auch in den 2010er Jahren (re-)aktualisiert werden – ungeachtet des veränderten medizinischen Wissensstandes. Die Untersuchung macht dabei zugleich deutlich, wie Fragen der Schuld bzw. Verantwortung für die eigene Gesundheit/Krankheit diskursiv geprägt und medial vermittelt werden.
Simon Meier-Vieracker schließlich nimmt in seinem Beitrag „immer noch chemo“ – Zeitlichkeit in digitalen Krankheitserzählungen Blogs als Kommunikationsform in den Blick. Anhand einer korpuslinguistischen Analyse von 11 Blogs von bzw. teilweise über Patient*innen mit einem Glioblastom, einem nicht heilbaren Hirntumor, untersucht er die digitalen Krankheitserzählungen auf rekurrente kommunikative Muster und Strukturen. Als zentralen Aspekt der Texte arbeitet Meier-...

Inhaltsverzeichnis

  1. Title Page
  2. Copyright
  3. Contents
  4. Dank
  5. Linguistik und Medizin: Einleitung
  6. Diagnosen (h)erstellen – Sprachwissenschaftliche Zugänge
  7. Sprachwissenschaftliche Zugänge I:Spezifik von Sprach-/Diskurshandlungen in medizinisch-therapeutischen Zusammenhängen
  8. Sprachwissenschaftliche Zugänge II: Wechselwirkungen zwischen öffentlicher Kommunikation, subjektiven und fachlichen Krankheitstheorien
  9. Sprachwissenschaftliche Zugänge III:‚Gesundheit‘/‚Krankheit‘ und gesellschaftliche wie auch fachliche Vorstellungen von ‚Normalität‘
  10. IV Interdisziplinäre Perspektiven