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1. Moonshot-, 10X- oder Big-Thinking – Sprunginnovationen gesucht
Google zählt zu den großen Innovatoren unserer Zeit. Weniger bekannt ist, dass der Suchmaschinenmonopolist eine Vielzahl an Innovationstechniken hervorgebracht hat, die aus dem Internetbereich nicht mehr wegzudenken sind. Eine der bekanntesten ist der sogenannte „Design Sprint“. Die auf fünf Tage angesetzte Methode hat zum Ziel, möglichst schnell und nutzerorientiert neue Produkte, Funktionen oder Dienstleistungen auf den Markt zu bringen. Der Google-Mitarbeiter Jake Knapp erfindet die Technik. Sie wird in allen Google-Bereichen genutzt. Studien zeigen, dass diese agile Arbeitsmethode die Markteinführung erheblich beschleunigt und Produkte um ein Vielfaches erfolgreicher machen.
Alter Wein in neuen Schläuchen
In letzter Zeit tritt das „10X Thinking“ als neues Managementmantra in den Fokus, 10-mal größer zu denken. Wer es nutzt, ist hip. Dabei zählt es zur DNA des Silicon Valleys, groß zu denken: „Start small, think big“ ist wohl der bekannteste Ausspruch von Apple-Gründer Steve Jobs, der – wie Microsoft-Gründer Bill Gates – seine Firma aus der Garage gründet. Wer erfolgreich werden will, so die Einstellung, muss in großen Dimensionen und Mehrwerten für die Nutzer denken. Also: Alter Wein in neuen Schläuchen?! Der Gedanke geht noch weitere 10 Jahre zurück, nämlich auf die erste Mondlandung der Amerikaner im Jahr 1969. Der damalige US-Präsident John F. Kennedy formuliert 1962 den Traum, Menschen auf den Mond zu schießen: „Wir haben uns entschlossen, zum Mond zu fliegen – nicht, weil es leicht ist, sondern weil es schwer ist.“ Kennedys Vision von der ersten bemannten Mondlandung beflügelt bis heute Menschen auf der ganzen Welt. Daher wird oft vom Moonshot-Thinking gesprochen.
Die Innovationsfabrik „X“
Bei Google wird Innovation seit jeher großgeschrieben. In der eigenen Innovationsfabrik mit der Bezeichnung „X“ (und der einfachen Internetadresse www.x.company) sollen „radikal neue“ Technologien erfunden werden, um einige der schwierigsten Probleme der Welt zu lösen und sie zu einem besseren Ort zu machen. Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin sehen ihren Erfolg als Verpflichtung an, einen Teil der Unternehmensressourcen in dieses Ziel zu investieren. Das Ziel: Die 10-fache Wirkung auf die hartnäckigsten Probleme der Welt und nicht nur eine Verbesserung um 10 Prozent. Die Projekte sollen zudem mit dem Fokus, der Geschwindigkeit und dem Ehrgeiz eines Start-ups vorangetrieben werden. Und es sollen daraus „Moonshots“ werden – bahnbrechend und mit hohem Nutzen für die Menschheit. Gerne nennt Larry Page „X“ auch eine Mondschussfabrik, „die 5-10 Jahre in die Zukunft blickt und darauf abzielt, neue Technologien zu erfinden und in die Welt zu bringen“. Viele Projekte sind öffentlich bekannt: das selbstfahrende Auto, tragbare Computerbrillen, smarte Kontaktlinsen, Lieferdrohnen und und und. 2019 gelingt ihnen sogar der Durchbruch im Bereich der Quantencomputer.
Das „Marsshot-Thinking“
Ein andere „Think-big“-Story ist die Geschichte des „Großdenkers“ Elon Musk. Vor allem mit seinen Firmen Tesla und SpaceX hat er bewiesen, groß zu denken. Die Raumfähren von SpaceX sollen in 20 Jahren Menschen direkt zum Mars fliegen. Man könnte also vom Marsshot-Thinking Elon Musks sprechen. Und es gehört dazu, dass seine Projekte oft als skurrile Techfantasien abgetan werden. Wie zum Beispiel seine Hyperloop-Hochgeschwindigkeits-Transportröhren. Spinnerei oder die richtige Denkweise, große Dinge zu schaffen?! Ob Moonshot-, 10X- oder Big-Thinking. Das Mindset, wie es neudeutsch heißt, führt zu Innovationen.
Die Sprunginnovation kommt
Nun haben wir Deutschen qua unserer Vergangenheit Probleme damit, zumindest auszusprechen „groß zu denken“. Daher verwendet die politische Elite hier neuerdings den Begriff der sogenannten Sprunginnovation. Eine Sprunginnovation ist eine radikale, bahnbrechende Innovation, die unser Leben nachhaltig zum Besseren verändert. Dafür wird 2019 die gleichnamige Bundesagentur gegründet und soll Innovatoren auf die Sprünge helfen. Das bedeutet, die Bundesagentur finanziert die Vorhaben nicht nur, sondern sucht aktiv nach Ideen und den Personen dahinter. Vielleicht gelingt es uns, das Wort Sprunginnovationen, so unsexy es ist, mit dem Spirit des 10X Thinkings von Google in Verbindung zu bringen und an den alten „Erfindergeist“ anzuknüpfen. Denn im letzten Jahrhundert waren wir mit Radio, Fernsehen, Tonband, MP3, Elektronenmikroskop, Automobil usw. mal das Land der Innovatoren. – Fertig zum Sprung?
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2. Die Post-Corona-Zeit – Was aus Homeoffice und der Infodemie geworden ist
Das hätte das Digitalisierungsministerium nicht schneller haben können. In wenigen Wochen hat der erste Corona-Shutdown eine Digitalisierungswelle losgetreten, wie man sie mit milliardenschweren Förderprogrammen wohl in Jahren nicht erreicht hätte. Auf einmal versenden Lehrer ihre Schulaufgaben an ihre Schüler. Firmen halten ihre Meetings aus dem Homeoffice per Videokonferenz ab. Der Arztbesuch per Videosprechstunde ist erlaubt – samt Krankschreibung für 14 Tage. Jeder, der kann, arbeitet mit Hochdruck daran, seine Dienstleistungen und Produkte online verfügbar zu machen. Live- und Kurzvideos ersetzen langweilige Text-Bild-Posts von Kleinbetrieben in den sozialen Netzwerken. Watchpartys sind das neue Ausgehen und digitales Socializing, „digitale“ Infoprodukte vom Onlinecoaching, -streaming und -learning der Renner.
„Heute schon „gezoomt“?
Was zuvor wegen Datenschutzbedenken negiert wurde oder sich verzögerte, ist in der Krise kein Thema mehr. Bedenkenträger sind abgetaucht. Microsofts gleichnamige Teamsoftware avanciert zu eine der beliebtesten Kollaborationsplattformen. Zoom wird zu einem der gefragtesten Portale für Videoconferencing. Auch die deutsche Fernwartungssoftware für das Teilen von Bildschirminhalten (Screen-Sharing), TeamViewer, geht durch die Decke und ist das ideale virtuelle Präsentations- und Akquiseinstrument.
Social Gaming
Zwei Lockdowns, die Einschränkung physischer Kontakte im Privaten und Job, Reise- und Ausgangsverbote usw. lassen die Menschen in die virtuellen 3-D-Welten der Onlinespiele fliehen. Jeder zweite Deutsche spielt mittlerweile Video- und Computerspiele. In Corona-Zeiten steigen die Spielhäufigkeit, die Spieldauer und die Höhe, Geld für Spiele aufzuwenden. Ob Action-, Abenteuer-, Strategie-, Simulations-, Gedächtnis- und – ganz neu – Retrospiele: Viele Onlinegames werden miteinander oder gegeneinander gespielt, welches den Begriff des Social Gamings hervorgebracht hat. Virtuelle Geselligkeit mit einem besonderen Kick. Das größte weltweite Soziale Netzwerk „Facebook“ (mit rund 2 Milliarden Mitgliedern) wird mit seinem neuen Gaming-Treffpunkt den Trend noch beschleunigen. Sie enthält eine Virtuelle-Welt-(VR)-Umgebung und einen Spielebaukasten.
Digitales Bezahlen versus Bargeld
Bargeld könnte mit Coronaviren kontaminiert sein, so die Angst vieler Verbraucher. Hygiene geht also vor. Auf einmal zahlen wir Deutschen lieber kontaktlos mit der Karte oder, immer häufiger, sogar mit dem Smartphone. Die Übergangsphase zur elektronischen Zahlung in der Offlinewelt dürfte erheblich beschleunigt worden sein. Agile Kartenakzeptanzanbieter wie Stripe und schnelle Kartenlesegeräte werden die Gewinner sein.
Beschleunigte Virenforschung
So „fieberhaft“ wird noch nie weltweit an einem Impfstoff geforscht. Forschung und Pharmaindustrie überschlagen sich mit Ankündigungen. Virtuell sind Tausende Spieler in der ganzen Welt als Art Schwarmintelligenz unterwegs. In sogenannten „seriösen Spielen“, die also nicht primär oder ausschließlich der Unterhaltung dienen, wollen die „Gamer“ die entsprechenden Lösungen, freiwillig und unbezahlt übrigens, finden. Crowdsourcing Games, Hackathons, Distributed Computing und Serious Games sind mehr als zu vielversprechenden Instrumenten geworden, um Krankheiten zu verstehen und Heilungsansätze zu finden.
Run auf den Onlinekonsum
Geschäfte geschlossen, Ausgangssperre … Was tun?! Amazon, so heißt es, sei der große Gewinner der Coronakrise. Bislang machte der Onlinehandel in Deutschland gerade mal 15 Prozent des gesamten Marktes aus. Viele Unternehmen dürften nun verstanden haben, dass an einer webbasierten Bestellmöglichkeit kein Weg mehr vorbeiführt. Auch Hersteller und Anbieter wertbeständiger Waren und Luxuswaren, deren Produkte gerade in Krisenzeiten als Wertanlage gefragter sind denn je, müssen schnellstmöglich umdenken. Denn die Ware ist meist nur beim stationären Handel erhältlich. Für die nächste Pandemie müssen sich Luxusmarken daher etwas einfallen lassen, damit ihre Produkte nicht doppelt nicht erhältlich sind und nicht im „zweiten Markt“ das Geld verdient wird.
„It‘s all in the cloud“
Als 2011 der legendäre Apple-Mitgründer Steve Jobs das Ende der Festplatte und die Einführung der Apple iCloud verkündet, ahnt er nicht, welche Bedeutung einmal dieser Technologie insbesondere in Zeiten von Corona und Homeoffices zukommen würde. Damals wenig beachtet und gewürdigt, war die Entscheidung Apples mehr als wegweisend, Fotos und Dokumente ihrer Nutzer dezentral auf Cloud-Rechnern zu sichern und damit überall verfügbar zu machen. Auch die letzten Unternehmen dürften nun davon überzeugt sein und Provisorien wie GoogleDrive und Dropbox in professionelle und DSGVO-konforme Cloud-Lösungen überführen.
Die Schattenseiten des Homeoffices
Kommen einige Mitarbeiter auch bestens mit dem Thema Homeoffice klar und steigern sogar ihre Produktivität, gibt es auch das glatte Gegenteil. Mit der gewonnenen Freiheit steigt der Ablenkungsfaktor zu Hause. Der Rahmen durch festgelegte Arbeitszeiten, der Abstand zwischen Privatem und Geschäftlichem oder auch der persönliche Kontakt zu den Kollegen fehle einigen. Ganz zu schweigen, dass ein Homeoffice mit Kleinkindern oder Babys nach Ansicht der meisten Eltern unmöglich ist. Ein anderes großes Problem ist die Zeiterfassung und Überprüfbarkeit der geleisteten Arbeit. Hier wird Unternehmen unterstellt, ihnen fehle die Kontrolle über den Mitarbeiter. In Berufen, wo bislang die Arbeit nicht gemessen wurde, müssten dann Softwareanwendungen geschaffen werden, die das Geleistete dokumentierten. Eher ein Schritt zur völligen Überwachung des Mitarbeiters, die es so noch nicht gegeben hat.
Fazit
Was wird die Post-Corona-Zeit bringen?! Die nächste Welle? Auf alle Fälle leider eine desillusionierte Jugend und eine Pleitewelle. Die vielen Shutdowns haben viele Branchen einen Todesstoß versetzt. Die Gewinner sind der Onlinehandel und Produkte fürs Abhängen im Homeoffice – home sweet home! Dafür werden sich die Innenstädte grundlegend neu definieren müssen und vielleicht liegt ihre Chance im „New Work“ mit Alternativen zum Arbeiten von zu Hause. Für viele werden Privatleben und Job stärker verschmelzen. Planwirtschaftliche Bevormundungen wie z. B. mit einem Recht auf 24 Tage Homeoffice, wie von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil gefordert, sind nicht zielführend. Nach dem Ende des Kurzarbeitergeldes werden viele um ihre wirtschaftliche und soziale Existenz fürchten. Und was wird aus der „Infodemie“? (Damit ist das pandemische Recherchieren nach Informationen und die damit einhergehende Profilierung als Coronaexperte gemeint.) Sie ist zusammen mit der echten Pandemie endlich „abgeklungen“. Ich freue mich umso mehr wieder mit Freunden zu feiern, in Museen, Ausstellungen und bei Reisen meinen Horizont zu erweitern, schwimmen zu gehen, Events zu besuchen und vieles mehr. – Vieles wird anders werden, manches aber so wie früher!
#postcorona #homeoffice #infodemie #newwork #digitalisierung
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3. Die Neuen zeigen, wo es lang geht – Telegram, Twitch und TikTok
Diese drei Namen, alle mit dem Buchstaben „T“ beginnend, sollte man sich merken. Unbemerkt von den „Mainstream-Social-Media“-Plattformen haben sie sich in den jeweiligen Nutzersegmenten längst zu den angesagtesten Plattformen entwickelt: Twitch ist cooler als YouTube, Telegram bietet die besseren Messengerfunktionen und TikTok ist einfach nur geil. So oder so ähnlich charakterisieren ihre Nutzer „die Neuen“.
Das bessere Nutzererlebnis
Zuletzt vor einem Jahr habe ich TikTok einen eigenen Blogartikel gewidmet, um auf die zukünftige Bedeutung der App hinzuweisen. Warum TikTok, Telegram und Twitch die Massen so fasziniert, ist ganz einfach: Das Nutzererlebnis, das die Dienste bieten. Einfachste Bedienung, konkurrenzlose Zusatzfunktionen, perfekte Geschwindigkeit. Sie sind momentan um Meilen besser als „die Alten“. So ist es übrigens auch 2007. Es sind genau dieselben Gründe, warum Facebook sich so rasend schnell verbreitet. Die Technik und Funktionalität der ersten sozialen Netzwerke wie WKW (Wer kennt wen) oder StudiVZ können Ende der 2010er-Jahre mit Zuckerbergs Internet-Programmierung und Anwendungsperformance nicht mehr mithalten. – Doch sehr bald könnte Facebook das gleiche Schicksal widerfahren.
Bist Du nicht mehr hot, bist Du off
Und bei aller Regulierungswut sollten Politiker genau das einmal wahrnehmen, denn es betrifft sie zugleich selber. Bist du nicht mehr hot, bist du off. So prangern die im „social-gestern“-lebenden Politiker das Netzwerk Facebook an, dabei nutzen sie es mehr als alle andere zur Selbstdarstellung. Der Morgenlauf, die Bahnfahrt nach Stockholm zum „Austausch des vorbildlichen Gesundheitssystems“, der Rinderbraten mit französischem Rotwein usw. Eines der ersten großen Social Networks, myspace, war schneller weg als gedacht. Auch damals warnten Politiker vor der Übermacht. Doch Politiker sind träge und so hängen ausgerechnet diese bei dem – nach ihrer Meinung – so regulierungsbedürftigen Facebook rum. Dabei spielt die Musik längst woanders. Sie diskutieren und lamentieren ...