Die Erweiterung und Neubearbeitung als illustrierte Heftreihe (1953-1958)
Viele konkrete Diskussionen in den Katechetischen Blättern und theologischen Zeitschriften haben sowohl in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, im Weimarer Jahrzehnt als auch dann wieder in den 1950er Jahren ähnliche Themen der Glaubens-Ein- und -Ausübung behandelt. Dabei standen Debatten um Neuerungsvorschläge immer mit im Vordergrund – auf dieser eher als theoretisch zu bezeichnenden Ebene. So wurden etwa klare Plädoyers gegen „moralische Einengung“ im Unterricht gehalten.
Der Blick in die wiedereinsetzenden pädagogischen Anleitungen zum katholischen Religionsunterricht um 1950 zeigt allerdings (auch) an dieser Stelle keine Veränderungen in der Programmatik und Katechetik. Unter dem Rubrum Andere Stoffgruppen tauchte erneut, neben dem Kirchenlied, der Religiösen Kunst, dem Missionsgedanken, der liturgischen Erziehung und der Gebetsunterweisung, die Kirchengeschichte auf in Gestalt einer Einführung in das Leben und Wirken von Heiligengestalten. Ein längerer, anleitender Zitat-Abschnitt dazu enthält, bei aller Beibehaltung der zu behandelnden Inhalte, auch eine gewisse Versachlichung der Diktion gegenüber den Texten aus der ersten Jahrhunderthälfte:
„Der Religionsunterricht der Volksschule kennt noch keinen eigentlichen Kirchengeschichtsunterricht. Erst auf der Oberstufe fangen die Kinder an, ein wenig Verständnis für geistige Zusammenhänge und innere Entwicklungen einzelner Zeitabschnitte zu zeigen. Die kirchengeschichtliche Katechese wird hauptsächlich ihrer pädagogischen Funktion wegen eingebaut. Auf der Unterstufe können nur Einzelzüge aus dem Leben bedeutender Persönlichkeiten verwertet werden; erst gegen Ende der Schulzeit kann der Katechet geschlossene Lebensbilder zeichnen und von ihnen aus den Versuch zu einer eigentlichen Kirchengeschichte machen. Die Bedeutung des kirchengeschichtlichen Unterrichts liegt darin, dass er begeisternde Vorbilder bietet und so eine ausgezeichnete Hilfe der religiös-sittlichen Bildung ist, dass er den Zusammenhang des christlichen Heute mit der Vergangenheit und der Zukunft herstellt, dass er das Kirchenjahr deutet und zur heiligen Messe hinführt, in der in Christus und um Christus das ganze Heilsgeschehen konzentriert ist, dass er der Profangeschichte die christliche Vertiefung schenkt, das Verständnis der heutigen Kirche und ihrer Einrichtungen vermittelt, Liebe zum Heiligen Geiste weckt, der die Kirche lenkt und leitet, die Stellung des Menschlichen in der Kirche zu beurteilen lehrt und so eine gute Apologie der Kirche schenkt.
Als Teil der historischen Stoffgruppe folgt die Kirchengeschichtskatechese den Prinzipien der biblischen Katechese. Behandelt werden vor allem die Namenspatrone der Kinder in der Klasse, der Kirchenpatron, der Ortspatron, der Landespatron, besonders volkstümliche Heilige, die Heiligen, deren Bilder die Kinder in ihrem Gotteshaus oder sonstwo ständig vor sich sehen, die Jugendheiligen, die Standesheiligen und Standespatrone.“
Diese knappe Auflistung kann leicht darüber hinwegtäuschen, dass mit ihr bereits eine große Palette der propagierten und gebräuchlichen Heiligenverehrung umrissen war. In methodischer Beziehung hieß es weiter:
„Bei der Ganzbehandlung einer kirchengeschichtlich bedeutsamen Gestalt verfährt man nicht nach der spöttisch so genannten Kopf-Schwanz-Methode (geboren …, gestorben…), sondern setzt mit einem den Betreffenden charakterisierenden Einzelereignis ein und geht dann vorwärts und rückwärts durchs ganze Leben. Die Erzählung wird zusammengehalten durch ein übergeordnetes Thema, etwa: die Macht der Gnade, durch Kampf zum Sieg und dgl. […]
Kirchliche und volkstümliche Bräuche können Ausgangspunkt sein, können aber auch erst nach der Erzählung im Lichte des Heiligenlebens gedeutet werden. Man könnte also eine Katechese mit dem Blasiussegen, dem Nikolausgeschenk, dem Martinszug, der Borromäusbibliothek, dem Elisabethverein, dem Kolpingswerk, dem Johanneswein, dem Lourdeswasser, den Symbolen auf den Bildern der Heiligen u. a. beginnen, oder das alles hinterher deuten.
Ist die Gestalt gut geschildert, erübrigt sich eine eigentliche Auslegung. Man suche dann nur noch mit den Kindern Wege der im Kinderleben möglichen Nachahmung.“59
Diese Anleitungsworte von 1949 lesen sich recht konkret und direkt wie eine Programmatik, die der Heftreihe Die Kirche in ihren Heiligen ab 1953 zugrunde gelegen haben könnte, ohne dass es dort eine solche Programmatik expressis verbis gegeben hat. In der Zwischenzeit war die Trennung zwischen schulischem und außerschulisch-kirchlichem Religionsunterricht im engeren Sinne (Unterricht zur Erstbeichte, Erstkommunion und Firmung) einen Schritt weiter vorangeschritten, hatte sich die nötige und „traditionell“ von Spannungen nicht freie Zusammenarbeit zwischen Pfarrer sowie Lehrerin oder Lehrer im Prinzip erhalten. Auch die Diskussionen über die katholische Bekenntnisschule und die Aufsicht des schulplanmäßigen Lehrfaches Religion blieben bestehen.
Die pädagogisch-didaktischen Vorteile der Arbeitsschule mit ihrem angeleiteten Selbstdenken und Selbsttun gegenüber der Lernschule begannen sich in einer (erneut begründeten) demokratischen Gesellschaft, obschon nicht ohne kritischmahnende Anmerkungen, auch im katholischen Religionsunterricht der Grundschule (oder zumindest in dessen Propagierung) langsam durchzusetzen.60 Im Zuge dessen sollten aus den alten Formalstufen freie Aufbauelemente werden, was gerade im kirchengeschichtlichen Unterricht mit und über Heiligenviten genügend Erprobungsmöglichkeiten geboten haben dürfte.
Ohne konkrete Nennung der Heftreihe hieß es 1954 in einer Rezension in den Katechetischen Blättern: „Eine Anzahl von neueren Heiligendarstellungen vermittelt dem Katecheten eine Fülle von Material zum Erzählen, mit dem er seinen Unterricht bereichern kann.“ Diese Aussage lässt sich sicher problemlos direkt auf die Reihe beziehen. Andererseits kam in jener Zeit in der moderneren religionspädagogischen Diskussion, die nach und nach die Katechetik ablöste, das Gesamtgebiet der Heiligen – als real mitzuberücksichtigende Glaubenssphäre historischen Ursprungs – nicht mehr vor.
Die neue Folge: Bestandsaufnahme und Erscheinungsphasen
Die Herausgabe der neuen Folge ging Dr. Jakob Szliska mit großer Vehemenz an, denn es deutet alles darauf hin, dass er von Beginn an von mindestens 60 Heften ausging unter Einschluss der apostrophierten 20 (tatsächlich 21) bereits seit 25 Jahren vorliegenden Titel. Szliska hat seine rasch folgende programmatische Aussage, die Reihe neuzubearbeiten und zu erweitern, vornehmlich im Hinblick auf die Zahl der Heiligen und die Hinzunahme von Abbildungen ernst gemeint. Ohne eine tiefgreifende Neukonzeptioni...