Around 700 BCE, the Nubians ruled an empire that stretched from southern Palestine to the tropical regions of Africa. It lasted for nearly 1000 years and was so powerful that even the Emperor Augustus was forced to let it dictate peace terms to him. Meroitic culture is one of the most fascinating in antiquity, set in an intricate balance between?high culture= and nomadism, between the heart of Africa and the Mediterranean cultures, and between indigenous and external influences. At the same time, it is still largely unknown. Although it has now become possible to decipher the Meroitic script, the texts remain largely incomprehensible even today. Francis Breyer, one of the researchers working to decipher Meroitic and one of the top experts on the ancient cultures of northeast Africa, provides here a comprehensive overview of Napatan&Meroitic culture, ranging from basic living conditions to social structure and religion, material culture and political history.
375,005 Studierende vertrauen auf uns
Zugang zu über 1 Million Titeln zu einem fairen monatlichen Preis.
Mit unseren Lerntools kannst du noch effizienter lernen.
Bevor man sich über ein Thema qualifiziert unterhalten kann, gilt es, sich die terminologischen Grundlagen anzueignen.1 Beginnen wir daher mit den beiden zentralen Begriffen: Napata und Meroë. Beides sind ursprünglich Ortsnamen, die jedoch eponym für ganze Zeitabschnitte der nubischen Geschichte stehen. Diese Zweiteilung rührt daher, dass die materielle Kultur Nubiens zwischen 700 v. Chr. und 400 n. Chr. relativ deutlich in zwei verschiedenen Phasen unterteilt werden kann. Weil in der jüngeren die Herrscher in Nekropolen um die Stadt Napata, in der jüngeren jedoch bei Meroë, einige hundert Kilometer weiter im Süden, beigesetzt wurden, benannte man diese Phasen nach den Orten. Als Richtwerte: Alles zwischen etwa 650 und 300 v. Chr. kann als napatanisch, alles zwischen etwa 300 v. Chr. und 350 n. Chr. als meroitisch bezeichnet werden.
An dieser Stelle muss betont werden, dass diese Trennung umstritten ist, denn wir wissen einfach zu wenig über die politische Geschichte der beiden Epochen: weder, ob es sich tatsächlich um ein und dieselbe Dynastie handelt, die über die gesamten 1.000 Jahre herrschte (wie meist angenommen wird), noch, ob das politische Zentrum in der früheren Phase tatsächlich bei Napata lag oder ob dies zur ein zeremonieller Brennpunkt des Reiches war. Verschiedentlich wurde daher vorgeschlagen, die Unterscheidung aufzugeben; es liege ein kulturelles Kontinuum vor. Doch das gilt streng genommen für die Zeiten davor und danach ebenfalls. Kulturelle Entwicklungen sind im Allgemeinen selten abrupt, sondern häufig graduell. Die Frage ist weniger, wo man die Grenze setzt – wichtiger ist, als wie beherrschend man sie wahrnimmt. Meist wissen wir derart wenige Details und können lediglich die Unterschiede benennen, so dass eine binäre Beschreibung sogar sehr praktikabel ist. Aber vor allem: Sie ist nun einmal etabliert und es hat keinen Sinn, gegen Windmühlen zu kämpfen.
Meroë ist die griechische Wiedergabe eines Ortsnamens aus meroitischen Inschriften. Die Transkription dieses Toponyms ist Medewi/Bedewi, wobei der mittlere Konsonant wohl retroflex war – dieser ungewöhnliche Laut wird von Nicht-Muttersprachlern gerne als r oder l verstanden. Mit ägyptischen Hieroglyphen wird der Ort brwꜢ(.t) geschrieben. Dieses Meroë war das Zentrum eines nubischen Reiches und als solches den griechisch-römischen Autoren bekannt. Dass der Name einer Hauptstadt eponym für das entsprechende politische Gebilde und die dazugehörige Kultur gebraucht wird, ist nicht weiter verwunderlich – man sollte sich lediglich vor Augen führen, dass dies erst durch die moderne Forschung geschah. Zwar nannten die klassischen Autoren die Butana-Steppe »Insel von Meroë«, die antiken Herrscher Nubiens selbst bezeichneten sich jedoch nie als »König von Meroë« o. ä. Erst der Archäologe George Reisner gebrauchte die beiden Ortsnamen »Napata« und »Meroë« als Bezeichnungen für verschiedene Perioden der nubischen Geschichte.2
Napata ist ebenfalls eine griechische Form – die hieroglyphisch-ägyptische Schreibung gibt lediglich das entsprechende Konsonantengerüst wieder (Npyt); die meroitische Form lautet Napa(te). Napata lag am Fuß eines Tafelberges, der seit jeher die gesamte Umgebung beherrscht: der »Reine Berg« (äg. ḏw wʿb; meroit. tawawibi). Heute wird er Gebel Barkal genannt und das zu seinen Füßen gelegene Karima ist eine der wichtigsten Städte des Sudan. Obwohl die grobe Lage klar zu sein scheint, rankt sich um Napata eines der großen Rätsel der Nubienkunde: Was genau bezeichnet dieses Napata? Gab es eine Siedlung dieses Namens oder bezieht sich das Toponym lediglich auf die Tempelkomplexe am Gebel Barkal? Liegt die antike Stadt unter dem heutigen Karima begraben oder lag sie vielleicht nicht in unmittelbarer Nähe des Tafelberges? Weder wurde bislang eine signifikante antike Siedlung gefunden noch die entsprechenden Friedhöfe.
Wie steht es mit der Benennung des gesamten Reiches? Wenn überhaupt, dann wurden die nubischen Könige als »Herrscher von Kusch« (hḳꜢ KꜢš) bezeichnet. Damit sind wir endlich bei einer einheimischen Bezeichnung angelangt. Die Geschichte und vor allem das Nachleben dieses Toponyms ist äußerst interessant.3 Hier nur so viel: Ursprünglich bezeichnete es lediglich ein Teilgebiet Nubiens und wurde um 2000 v. Chr. von den Ägyptern aus einer einheimischen Sprache übernommen und hieroglyphisch durch KꜢš wiedergegeben. Nach seiner semantischen Ausweitung auf ganz Nubien gelangte es als »Kusch« in die Bibel und wurde über das Alte Testament zum Namen einer ganzen Gruppe afrikanischer Sprachen und letztlich auch eines linguistischen Wissenschaftszweiges, der Kuschitistik. Innerhalb der Ägyptologie wurde jedoch der altägyptische Sprachgebrauch weitergeführt. So kommt es, dass »kuschitisch« je nach Disziplin Unterschiedliches bezeichnet: Für einen Linguisten/Afrikanisten ist »kuschitisch« ein sprachwissenschaftlicher Terminus, für Ägyptologen/Nubienkundler bezeichnet es alles, was mit der Kultur von KꜢš zusammenhängt. Das Problem ist, dass beide nichts miteinander zu tun haben. So absurd es klingen mag: Die Kuschiten, also die Einwohner von Kusch, sprachen keine kuschitische Sprache!
Zu allem Überfluss schwankt der Gebrauch des Ausdrucks »kuschitisch« sogar innerhalb der Ägyptologie: Als »kuschitisch« im engeren Sinne gilt nämlich dort diejenige Periode der ägyptischen Geschichte, in der nubische Herrscher die Macht in Ägypten an sich rissen. Heute wird diese Epoche meist als »Kuschitenzeit« bezeichnet – früher nannte man sie den griechischen Autoren folgend auch »Äthiopenzeit« (für die Altvorderen war alles südlich von Elephantine »Aithiopia«). Die Herrscher der Kuschitenzeit werden nach dem Werk des antiken Geschichtsschreibers Manetho als »25. Dynastie« gezählt. Vereinzelt wird die Kuschitenzeit auch der napatanischen Periode zugeschlagen, was zusätzliche Verwirrung stiftet.
Im allerweitesten Sinne ist der gesamte nubische Kulturhorizont seit Beginn des 2. Jts. v. Chr. bis zur Christianisierung »kuschitisch«. So weit geht jedoch niemand. Gemeinhin wird das politische Gebilde, das ohne Unterbrechung zwischen ca. 700 v. Chr. und 400 n. Chr. bestand, als »Königreich von Kusch« bezeichnet. Streng genommen müsste man hier vom »zweiten Reich von Kusch« sprechen, denn das Kerma-Reich (ca. 2500–1500 v. Chr.) wurde von den alten Ägyptern ebenfalls KꜢš genannt. Langer Rede kurzer Sinn: Der Leser ist gut beraten, zunächst in Erfahrung zu bringen, was genau der jeweilige Autor unter »kuschitisch« versteht. In dem jüngst erschienenen Handbook of Ancient Nubia etwa sind alle Lesarten nebeneinander versammelt. Im vorliegenden Werk wird zwischen Kuschitenzeit und napatanischer Zeit unterschieden, selten »kuschitisch« in Abgrenzung zu »ägyptisch« verwendet.
Nun war mehrfach der Begriff Nubien bzw. nubisch verwendet worden, ganz so, als sei dieser selbsterklärend. Dabei handelt es sich um einen Neologismus, der auf eine Eigenbezeichnung der Nubier (nob) zurückgeht. Diese wanderten wohl im Verlauf des 2. Jts. v. Chr. ins Niltal ein und brachten ihre mit dem Meroitischen verwandten nilo-saharanischen Sprachen mit. Auch hier gibt es einen ganz ähnlichen terminologischen Stolperstein wie bei »kuschitisch«: Afrikanisten und Sprachwissenschaftler meinen mit »nubisch« diese Sprache(n) und Ägyptologen allgemein alles, was sich in der historischen Region Nubien abspielte. Mit dem altägyptisch-koptischen Wort für »Gold« (nub) hängt die Bezeichnung nicht zusammen, obwohl man dies häufig lesen kann.4
Nun aber zur Definition: Als Nubien wird der Teil Nordost-Afrikas zwischen dem Südende Ägyptens und der äthiopischen Hochebene bezeichnet (
Abb. 1 a und 1 b). Geographisch betrachtet ist Nubien die Region zwischen dem ersten Nilkatarakt und dem Zusammenfluss des Blauen und Weißen Nils oder – anders ausgedrückt – zwischen Elephantine (der traditionellen Südgrenze Ägyptens) und Khartum (der Hauptstadt des heutigen Sudan). Diese 1847 km werden auch Mittleres Niltal genannt. Kurioserweise ist das Nubien der Historiker nicht deckungsgleich mit dem Siedlungsgebiet der Nubier. Und das Beschäftigungsfeld der Nubienkunde beschränkt sich auch nicht auf das Niltal, sondern reicht im Westen bis tief in die Libysche Wüste hinein, im Osten bis zum Roten Meer und im Süden weit über Khartum hinaus bis zum abessinischen Hochland.
Ein weiterer terminologischer Fallstrick ist der Umstand, dass Unternubien im Norden liegt und Obernubien im Süden. Entscheidend für die Einteilung sind die sechs Nilkatarakte, die von Norden nach Süden durchnummeriert werden. Unternubien liegt zwischen dem ersten und zweiten Katarakt, Obernubien südlich des vierten.
Geographische Faktoren und kulturelle Ökologie
Nubien hat eine Brückenfunktion zwischen dem Mittelmeerraum und Innerafrika inne, und zwar letztlich wegen des Nils. Zwar ist dieser Fluss durch zahlreiche Stromschnellen unterbrochen und daher nicht auf seiner ganzen Länge schiffbar – gleichwohl stellt er die zentrale Lebensader in einer großen Wüste dar, welche die mediterrane Welt von den Regenfeldbau-Gebieten der Tropen trennt.
Will man die Geschichte Nubiens verstehen, ist es unabdingbar, sich über die naturräumlichen Gegebenheiten im Klaren zu sein (
Abb. 1 a und 1 b). Das Mittlere Niltal ist geprägt von politischer Fragmentierung, die zu großem Teil aus der geographischen resultiert: Die Katarakte unterteilen Nubien in mehrere größere Siedlungskammern, in denen das Agrarpotenzial besonders hoch ist und die entsprechend ökonomische wie politische Zentren herausbilden.5 Da wären von Norden nach Süden das Kerma-Becken, das Dongola-Becken und das Letti-Becken sowie das Schendi-Becken. Alle vier sind mit großen Reichen assoziiert: Kerma, Dongola, Napata und Meroë.
Im Folgenden werden einige kulturgeographische Begriffe gebraucht, daher soll hier eine kurze Definition erfolgen: Die Region zwischen dem Weißen und dem Blauen Nil wird Gezira (arab. »Insel«) genannt. Als Butana bzw. Keraba bezeichnet man das Steppengebiet zwischen dem Nil und seinem einzigen südlichen Zufluss, dem Atbara. Innerhalb des Nilknies nahe dessen Mündung erstreckt sich die Bayuda-Wüste. Auch weil man mit ihnen die Stromschnellen und weitere Wege umgehen kann, waren die Abkürzungen zwischen den Nilknien immer bedeutsam, selbst wenn sie durch die Wüste führen. Freilich gerieten durch derartige Umgehungen auch Regionen ins Abseits, wie etwa das Gebiet zwischen der Atbara-Mündung und dem Dongola-Becken.
Abb. 1 a: Die wichtigsten Fundorte und Regionen im nubischen Niltal bis zum 3. Katarakt (Meroitica 19).
Abb. 1 b: Die wichtigsten Fundorte und Regionen im nubischen Niltal jenseits des 3. Katarakts (Meroitica 19).
Vergleichbares gilt übrigens sogar für das gesamte meroitische Reich: Als die Römer herausfanden, wie man gegen den Wind kreuzt, und das Rote Meer so ganzjährig in beide Richtungen schiffbar wurde, verlor Nubien handelspolitisch seine Exklusivität. Der Handel mit Exotica – nun aus Indien – wurde jetzt vornehmlich über das Horn von Afrika abgewickelt. Es ist also kein Zufall, dass der Aufstieg des abessinischen Reiches von Aksum mit dem Niedergang Meroës zusammenfiel.
Ein geologischer Faktor war für die nubische Geschichte von herausragender Bedeutung: die unterschiedlichen Gesteinsformationen im ägyptischen und nubischen Niltal. Während Ägypten grundsätzlich von Kalkstein geprägt ist, herrscht im Sudan Sandstein vor. Die unterschiedliche Härte dieser Gesteine hat Auswirkungen auf die Ausprägung des Nilufers: Im Norden gibt es weite fruchtbare Ebenen, die viele Menschen ernähren können, im Süden treten die Ufer dicht an den Fluss heran und sind steiler. Im sog. Batn el-Hajar, dem »Bauch der Steine«, ist auf einer Strecke von über 160 km pra...
Inhaltsverzeichnis
Deckblatt
Titelseite
Impressum
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1 Die Grundfaktoren
2 Subsistenz
3 Die kuschitische Gesellschaft
4 Die materielle Kultur
5 Religiöse Vorstellungen
6 Macht und Herrschaft im kuschitischen Reich
7 Die politische Geschichte des Königreichs Kusch
Ausblick
Glossar
Anmerkungen
Reihen- und Zeitschriftenkürzel
Bibliographie
Register
Häufig gestellte Fragen
Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Erfahre, wie du Bücher herunterladen kannst, um sie offline zu lesen
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Beide Abopläne sind mit monatlichen, halbjährlichen oder jährlichen Abrechnungszyklen verfügbar.
Wir sind ein Online-Lehrbuch-Abo, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 990 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Erfahre mehr über unsere Mission
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Erfahre mehr über die Funktion „Vorlesen“
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist. Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Ja, du hast Zugang zu Napata und Meroë von Francis Breyer, Robert Rollinger, Roland Steinacher, Henning Börm, Udo Hartmann, Timo Stickler, Sitta von Reden, Robert Rollinger,Roland Steinacher,Henning Börm,Udo Hartmann,Timo Stickler,Sitta von Reden im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus History & Ancient History. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.