
- 158 Seiten
- German
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eBook - ePub
Über dieses Buch
Musik und freudige Feste begleiten die Menschen bereits seit Generationen und sind fester Bestandteil von beinahe jeder auf der Welt befindlichen Kulturgeschichte. Bis heute gehört beides in das gesellschaftliche Leben eines nahezu jeden Menschen integriert. Wer kennt es nicht? Man schlendert über den Jahrmarkt und ein im Hintergrund laufender Kultschlager sorgt für gute Laune, ebenso, wie der Schützenliesl auf dem Schützenfest. Doch warum ist die Musik überhaupt ein so unentbehrlicher Teil der Volksfeste und wie hat alles eigentlich angefangen? Gab es den "Erfinder der Musik"?Dieses Sachbuch nimmt musikbegeisterte Schützenfest- und Kirmesfreunde mit auf eine spannende Reise durch die Zeit.
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Information
1 Einleitung
Laut Konfuzius, erzeugt Musik eine Art von Vergnügen, ohne die der Mensch nicht kann. Auch Volksfeste sind auf die Vergnügung des Menschen fokussiert. Auf der Welt gibt es zahlreiche Volksfeste, die von Menschen freudhaft besucht werden, wie z.B. in Deutschland das Münchner Oktoberfest, eine Kirmes, ein Straßen- oder auch Schützenfest. Eine feste Rolle auf den verschiedensten Festen spielt die Musik. Es ist einerlei welches Volksfest besucht wird, die Ohren der Besucher erkennen immer Klänge von Musik. Diese Musiken haben eine Geschichte, gewisse Formen und Funktionen und die gilt es im Laufe dieser wissenschaftlichen Arbeit zu verdeutlichen. Spezialisiert habe ich diese Arbeit auf das Schützenfest und den Jahrmarkt. Dies sind zwei komplett verschiedene Volksfeste, die aber auf Musik nicht verzichten möchten. Des weiteren steht es in meinem Interesse die Branche der Volksfestmusik mit einer qualitativen und quantitativen Forschungsmethode im aktuellen Kontext näher zu beleuchten. Ich selbst bin seit vielen Jahren Spielerin in einem heimatlichem Musikverein und bin seit ein paar Jahren im Bereich der Tanz- und Unterhaltungsbranche als Musikerin tätig. In diesem Ensemble des „Seins“, stellte ich mir oftmals die Frage, wie wichtig die Musik auf diesem Fest nun sei. Oftmals ist auf vielen Festen der Spruch aufgreifbar: „Das Fest steht und fällt mit seiner Musik“. Für mich als Musikerin ist die Musik auf Volksfesten unabdingbar. So aber auch in anderen Lebenslagen. Die signifikante Antwort in dieser Forschung aber ist, wie bedeutend ist meinen Mitmenschen die Musik auf den Volksfesten. Weiterhin war es mir wichtig, einen Zugang zu den Musiken auf Volksfesten zu bekommen. Welche Musiken sind auf Schützenfesten und Jahrmärkten zugegen, worin unterscheiden sie sich und wodurch erhalten sie ihre Bedeutsamkeit. Musik bekommt aber nur einen ehrlichen Ausdrucksgehalt, wenn nicht nur die gegenwärtige Situation, sondern auch vergangene Umstände beleuchtet werden. Nicht nur meine intrinsische Motivation führte mich zu meiner Entscheidung, mich auf diesem Themengebiet weiterzubilden. Aufgrund der derzeitigen Covid-19 Pandemie wurden der Gesellschaft die Volksfeste untersagt, aus Schutz gegenüber jedem Mitbürger. Durch viele Gespräche mit Personen, die sonst auf Volksfesten zugegen waren, um Gespräche zu führen, sich auszulassen und ihre Freude mit anderen Mitmenschen zuteilen, kam mir die Idee über die Bedeutung der Volksfeste selbst und der dazugehörigen Musik zu schreiben. Die Themenfelder meiner Arbeit umfassen die Blasmusik und die Tanz- und Unterhaltungsmusik. Zwei große Themenspektren, denen die Gesellschaft bekannt ist, sollte angenommen werden, dass ein gewisses Verständnis in der Wissenschaft bestehen sollte. Doch sämtliche Recherchen zum Thema Blasmusik oder auch zur Tanz- und Unterhaltungsmusik waren mittelmäßig erfolgreich und zufriedenstellend. Literarisch aufgearbeitet sind zum Beispiel schon Themen wie geschichtliche Aspekte der Tanzmusik und die Ursprünge der Blasmusik, dennoch fehlen Auflagen zum Bezug auf Volksfeste. Auf diesem Themengebiet sind sowohl faktisch als auch empirisch in Bezug auf die Gegenwart noch einige Lücken zu schließen, denn das Interesse an Musik im Allgemeinen ist generationenübergreifend sehr groß. Kaum ein weiteres „Genre“ als die Musik auf Volksfesten muss so organisiert sein, dass mehrere Generationen auf ihre Kosten kommen und sich an der Unterhaltung auch erheitern können.
Diese Masterarbeit befasst sich mit Musik auf Volksfesten – Geschichte, Formen und Funktionen. Das erste Kapitel dient dem grundlegenden Verständnis gegenüber einem Volksfest. Was ist zunächst erstmal ein Volksfest, welche Formen sind in Deutschland zugegen und warum feiern Menschen überhaupt Volksfeste bzw. warum feiern Menschen überhaupt. Der nächste Themenabschnitt geht auf die geschichtlichen Aspekte der Musiken ein. Erläutert werden die Felder der Blasmusik, wie z.B. der Marsch oder die Volksmusik und die Geschichte der Tanzmusik. Um nun die Musiken weiter zu differenzieren, werden im weiteren Kapitel die Formen der Musiken beschrieben. Wie unterscheiden sich die Blasmusik und die Tanz- und Unterhaltungsmusik in sich. Im folgenden Kapitel handelt es sich um die subjektive Relevanz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Musik auf Volksfesten. Die Empfindungen der Probanden werden durch eine Umfrage, die eigens für diese wissenschaftliche Ausarbeitung konzipiert wurde, beantwortet. Zuletzt fasst das Fazit wesentliche Punkte und neu gewonnene Erkenntnisse zusammen, sowie es gleichermaßen einen prognostischen Blick in die Zukunft gewährt.
2 Klärung Begriffsbestimmung Volksfest
„Das Volksfest ist die poetische Blüte im Leben des Volkes“
Wilhelm Rolfs, Unsre Volksfeste, 1895
Laut des deutschen Dudens ist ein Volksfest eine (sich oft über mehrere Tage erstreckende) volkstümliche im Freien stattfindende Veranstaltung mit verschiedenen Attraktionen (vgl. DUDEN). Das Feiern von Volksfesten ist ein Spiegel der deutschen Gesellschaft vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Seit Jahrhunderten kommen Menschen schon zu den alljährlichen wiederkehrenden Volksfesten zusammen. Die Volksfeste werden je nach Region benannt: Kirmes, Kirchweih, Kerbe, Kerwe, Rummel, Wiesen, Wasen, Dom, Freimarkt, Kramermarkt, Stoppelmarkt, Mess´, Dult, Jahrmarkt oder Schützenfest. Charakteristisch für Volksfeste sind der freie Eintritt zur Belustigung und Unterhaltung der Bevölkerung sowie die Möglichkeit zum multikulturellen Austausch.
Oft beziehen sich Volksfeste auf kirchliche Feste aus dem Mittelalter oder regionale typische Bräuche (vgl. Ramus). Die Gewerbeordnung bietet folgende Erläuterung zur Frage, worum es sich bei einem Volksfest überhaupt handelt: „(1) Ein Volksfest ist eine im Allgemeinen regelmäßig wiederkehrende, zeitlich begrenzte Veranstaltung, auf der eine Vielzahl von Anbietern unterhaltende Tätigkeiten im Sinne des § 55Abs. 1 Nr. 2 ausübt und Waren feilbietet, die üblicherweise auf Veranstaltungen dieser Art angeboten werden.“1
2.1 Warum feiern Menschen Feste?
Feiern und Feste sind eine Grundform menschlicher Verhaltensweisen in allen Gesellschaften. Sie sind symbolische, expressive Handlungen, die Rückschlüsse auf Gliederung und Strukturen, Wertesystem und Vorstellungen der Teilnehmenden des Festes erlauben. Sie gelten als Element einer kollektiven Sinnkonstruktion, die vor dem Hintergrund des jeweiligen gesellschaftlichen, historischen oder religiösen Kontextes verständlich werden. Feste liefern eine sinnbildliche und daher intuitive erfassbare Interpretation von komplexen Lebenserfahrungen. Ebenfalls ist ein Fest ein sozialer Ort, an dem spontanes und emotionales Verhalten erlaubt ist. Es werden gemeinsam die Gewohnheiten des Alltages durchbrochen und der Monotonie entflohen. Die Menschen gehen in der unmittelbaren Gegenwart auf. Dem Fest wohnt ein Moment des Ekstatischen, des Erleben übernatürlicher Erfahrungen inne. Eine fröhliche Ausgelassenheit, Überdreht sein, körperliche Nähe und Berührungen tragen den Charakter des Ekstatischen. Unterschiedliche Hilfsmittel verstärken dieses Erlebnis: „Gutes“ Essen in ausreichender Menge, gehörten und gehören wie Alkohol, Tabak, Musik und Tanz zu einem Fest. Ein Fest hat den Charakter des Verschwenderischen. Unterstützend sind die Ausstattungen der Festsäle und -zelte, das Spiel mit dem Licht und der Schmuck mit Fahnen und Blumen. Dies ist die Entfaltung der größtmöglichen Pracht. Die Feierlichkeit wird bestimmt von einer Atmosphäre des Lockeren, Gelösten und des Schwebenden. Die Elemente dienen dazu den Menschen die Ablösung vom „Normalzustand“ zu erleichtern und sie in die Form der Ekstase hineinzuführen.
Die Möglichkeit des Alkoholkonsums, um dem Lastcharakter des Lebens zu entfliehen, zielt auf das einzelne Individuum, das für sich allein der scheinenden Realität zu entkommen versucht.
Der französische Soziologe Emile Durkheim sah ein Fest als eine momentane Rückkehr zum Tohuwabohu einer Ursprungszeit. Dort tritt der Mensch dem Göttlichen gegenüber und die alltäglichen Grenzen zwischen Erlaubtem und Unerlaubtem sind aufgehoben. Laut Durkheim trägt jedes Fest daher Züge einer religiösen Zeremonie (vgl. Leimgruber). Hingegen entlastet das Fest als kollektiver Anlass nicht nur das Individuum, sondern festigt auch die feiernde Gruppe als Ganzes. Ebenfalls stehen oft Bewusstmachung und Sinngebung im Vordergrund. Solche Feste liegen meist immer Ideen oder Weltbilder zugrunde und sind auf die historische Kontinuität, kulturelle Einheit und die Wertebestätigung gerichtet. In ihnen werden Traditionen beschworen und deren Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft hervorgehoben. Diese feierliche Festformen sind im Gegensatz zum fröhlich Spontanen bis in das kleinste Detail geregelt und durchorganisiert.
Das Fest findet an bestimmten Orten zu einem bestimmten Zeitpunkt statt, die in einer Beziehung zur Geschichte der Feiernden oder Institution stehen. Als zentrales Element gehören Zeichen, Embleme und Sinnbilder zur Aufmachung der Feierlichkeit. Elegante Kleidung (wie z.B. Uniformen) betont die Würde des Geschehens. Durch die Komponenten des Festes, wie auch Musik und Gesang, wird der Charakter der Ernsthaftigkeit des Festes bestärkt. Während auf ausgelassenen Festen die sonst gültigen gesellschaftlichen Hierarchien weitgehend negiert werden, werden andersherum durch Uniformierungen Rangunterschiede hervorgehoben. Persönlichkeit und Stellung werden betont. Der Anlass hebt den Alltag nicht auf, sondern schreibt ihm Sinn zu und rechtfertigt ihn als bedeutsam und wertvoll.
Als eine reine Form sind die beschriebenen Modelle Realitätsfern. Die Momente gehen auf vielen Festen auf unterschiedlichster Art ineinander über. Je nach dem sind die einen oder anderen Elemente wichtiger und häufig sind verschiedene Erklärungsansätze für das gleiche Fest möglich. Grenze und Entgrenzung, Zwang und Anarchie, Ordnung und Chaos sind Gegensatzpaare, von denen ein Fest lebt. Viele Feste stellen mehrschichtige Gebilde dar, die aus einem Wettkampfteil, den offiziellen Feierlichkeiten und einem Unterhaltungsteil bestehen. Zum Gesamterlebnis tragen maßgeblich verschiedene Festelemente bei. Entscheidender Grundsatz ist, dass die Elemente verschiedene Grundbefindlichkeiten ansprechen: feierlich und ergreifende zeremonielle Teile (Festakt, Fahnenübergabe, Ansprache, etc.), Spannung und Selbstdarstellung im Wettkampfteil, sowie Ausgelassenheit, Vitalität und Geselligkeit im Unterhaltungsteil (vgl. Leimgruber).
2.2 Herkunft der verschiedenen Volksfeste
Die meisten Gründungen der Volksfeste sind seit dem Mittelalter beurkundet. Die unterschiedlichen Bräuche und Rituale weisen auf den Ursprung des Festes hin.
2.2.1 Höfische Feste
Höfische Feste sind eine jüngere Art von Festen. Sie entstanden erst im 19. Jahrhundert. Deren Anlässe waren oft Krönungen, Hochzeiten, u. a. Die höfischen Feste dienten der Repräsentation der Macht des jeweiligen Herrschers und der Zementierung sowie teilweise auch der Stabilisierung der hierarchischen gesellschaftlichen Ordnung.
Ein Merkmal solcher Feste war, dass sie stets den gleichen, zeremoniell geregelten Ablauf aufwiesen. Neben den auszusprechenden Einladungen und den aufwendigen Vorbereitungen der Festlichkeiten musste auch für die Unterbringung der Gäste gesorgt werden. Besonderes Gewicht wurde auf ihre Ankunft im Festsaal gelegt. Diese glich einer feierlichen Prozession. Auch die anschließende Begrüßung gestaltete sich als ritualisiertes, immer gleiches Prozedere, das aus Niederknien und Verbeugen, Umarmung und Kuss bestand. Bei den Festlichkeiten selbst wurde aufgetischt, was Küche und Keller zu bieten hatten. Als Selbstverständlichkeit galt zudem, dass für die Unterhaltung der Gäste gesorgt wurde. So kamen Instrumentalmusik und Gesang zum Vortrag, Artisten zeigten ihre Kunststücke und Dompteure führten dressierte Tiere vor, die zum Teil aus exotischen Ländern stammten. Neigte sich das Fest dem Ende zu, wurde den Gästen Geschenke überreicht, was die höfische Gesellschaft als Signal für den nunmehr gewünschten Aufbruch verstand.
Das bekannteste höfische Fest ist das Münchner Oktoberfest. Auch das Nürnberger Volksfest führt auf ein höfisches Fest zurück. Die Hochzeitsfeierlichkeiten anlässlich der Vermählung von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese Charlotte Louise von Sachsen-Hildburghausen wurde im Oktober 1810 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gefeiert. Das Fest fand auf einer vor den Toren Münchens gelegenen Wiese statt. Auf der danach benannten Theresienwiese findet heute alljährlich das größte Volksfest der Welt statt (vgl. Ramus).
2.2.2 Sakrales Fest
Sakrale Feste waren mit kirchlichen Festen zur Erinnerung an die Kirchweihe (Kirmes) oder Reliquienüberführung verbunden. Das sakrale Fest fiel traditionell mit der Feier des heiligen Schutzpatrons der Gemeinde zusammen. Die religiösen Handlungen und Prozessionen, bei der Reliquien des Heiligen zur Schau getragen wurden, lockte viele Menschen an. Das Volk strömte in die Stadt und nutze nach dem Besuch der Messe die aufgebauten Buden zum Essen, Trinken, Tanzen, sonstige Lustbarkeiten und Schaustellung. Aus sakralen Festen entstanden die ersten Jahrmärkte (ca. 15. Jahrhundert) (vgl. Petzoldt, S.424).
2.2.3 Schützenfest
Was für den Süden Deutschlands die Kirchweih oder Kirmes ist, ist für den Norden das Schützenfest. Die Schützen hatten in den Städten des ausgehenden Mittelalters zunächst rein militärische Aufgaben wahrzunehmen. Die ersten Schützenfeste führen zurück in das 14. Jahrhundert, wobei das Freischießen entstand. Bei dem Freischießen konnte sich der beste Schütze von seinen Steuerabgaben freischießen. Dies sind Veranstaltungen, die in erster Linie der Übung mit der neuen Waffe dient (Armbrust) und die Gelegenheit bot, bürgerliche Prachtentfaltung und städtisches Selbstbewusstsein zu zeigen. Die Schützen hatten zunächst eine Doppelfunktion. Zusätzlich zur festbesoldeten Bürgerwehr mussten sie im Notfall Verteidigungsdienste leisten, daneben lagen ihre Aufgaben jedoch vorwiegend auf gesellig-sportlichem Gebiet. Die ersten Schützengesellschaften entstanden Anfang des 14. Jahrhunderts im flämischen Raum und breiteten sich schnell in Westfalen und Niedersachsen aus. Die Städte dort unterstützten das Freischießen und die entstandenen Schützenhöfe durch wertvolle Preise. Zudem wurden Festzüge veranstaltet, wo sich die Schützen dem Volk präsentieren konnten. Der Schützenhof ist zunächst ein Begriff für den abgegrenzten Schieß- und Festplatz. Vielerorts war es üblich, dass der „beste Mann“ (der Schützenkönig) von Steuern und Abgaben befreit wurde. In Städten, die durch Handwerkergilden geprägt waren, bildeten sich Schützenvereine, deren Mitglieder sich aus den bestehenden Gilden und Zünften rekrutierten. Bis ins 19. Jahrhundert hinein hielt sich die Doppelfunktion der Schützen, in Notsituationen die Bürgerwehr zu unterstützen, an. Erst nach 1800 verloren die Schützengesellschaften ihre militärische Funktion und wandeln sich zu rein geselligen Vereinigungen, die den Schießsport wettkampfmäßig betreiben. Schützengilden und -vereine haben schon früh auf freiwilliger Basis zu ihren Festauszügen besondere Uniformen getragen. Heute ist es kaum denkbar, dass ein Schützenverein keine eigene Uniform besitzt (vgl. Petzoldt, S. 319).
2.2.4 Viehmarkt
Ein Viehmarkt ist eine Verkaufsveranstaltung für Schlacht-, Zucht- und Nutzvieh unter freiem Himmel. Wegen erwartenden Verunreinigungen und des Lärms fanden die Märkte meist am Ortsrand statt. Durch die Versammlung des Volkes gesellten sich auch reisende Krämer und Händler zum Verkaufswesen. Auch aus den Viehmärkten entstanden viele heutige Jahrmär...
Inhaltsverzeichnis
- Über die Autorin
- Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Klärung Begriffsbestimmung Volksfest
- 3 Geschichte der Musik auf Volksfesten
- 4 Formen der Musik auf Volksfesten
- 5 Funktionen der Musik auf Volksfesten
- 6 Fazit
- 7 Literaturverzeichnis
- 8 Abbildungsverzeichnis
- 9 Fragebogen
- Danksagung
- Impressum