Begegnungen
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Begegnungen

Eine Reise durch die Welt und zu sich selbst

  1. 148 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Begegnungen

Eine Reise durch die Welt und zu sich selbst

Über dieses Buch

Ein Mensch hat seine Würde selbst dann, wenn es bisweilen schwerfällt, diese zu erkennen.***Stärke zeigt, wer Gefühle zulässt.***Viele Leute denken und handeln im Gestern, mit den Methoden von gestern, und merken dabei nicht, dass sie Gegenwart und Zukunft verpassen.***Lieber klein und glücklich in der Hütte, als groß und unglücklich im Palast.

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Information

ERSTER TEIL

Beobachtungen.
Erlebnisse und Erkenntnisse
bei Reisen durch Indien, Nah- und Fernost

Israelreise 17.–25. Oktober 1995
Netanya, 20.Oktober 1995

Es ist Freitag. Tief unten am Kliffende bricht sich das Licht des orangefarbenen Sonnenballs in den sonst silbrig erscheinenden Gischtkronen der sanften Brandung. Die tief hängenden Kumulus-Wolken zeigen aber bereits das Ende des Sommerwetters und den Beginn der Regenzeit an. Einige Unentwegte kämpfen gegen die Brandung an, während allmählich die Dämmerung hereinbricht und damit den Beginn des Shabbat ankündigt. Auf der ersten Seite der JERUSALEM POST steht an jedem Freitag unten links die genaue Uhrzeit des Beginns des Shabbat. Hier in Netanya ist dies heute um 16:44 Uhr und in Jerusalem gleichfalls um 16:26 Uhr.
Es klopft an meiner Tür. Ich schaue auf die Uhr: Es ist sechzehn Minuten nach vier an diesem Nachmittag; genau zehn Minuten vor Beginn des Shabbat. Ich öffne die Tür meiner hellen und geräumigen Juniorsuite. Mit einem „Shalom“ begrüßt mich der Zimmerkellner und serviert mir einen türkischen Kaffee und ein Glas frischen Orangensaft. Gerade das Richtige nach einem anstrengenden Tag im Kibbuz Ein Shemer, etwa eine halbe Autostunde von meinem Hotel „Seasons“ entfernt. Um sieben Uhr hatte mich Uri Shapira zum Abendessen im großen Speisesaal des Kibbuz eingeladen.
Ich blicke nach draußen. Langsam versinkt die Sonne im Meer und die Dämmerung bricht herein, erst allmählich, dann aber immer schneller – und ganz plötzlich ist es dunkel. Die Kaffeetasse steht nun leer neben der Blumenvase; nur noch der schwarzbraune Bodensatz erinnert mich an den aromareichen Geschmack dieses köstlichen Getränks: türkischer Kaffee, original gebraut mit Bodensatz. Meine Müdigkeit ist nun vollständig verflogen. Mittlerweile sind entlang der Uferpromenade die gelben Nebellampen angeschaltet worden; ihr gelbes Licht lässt Gras und Sträucher irgendwie farblos erscheinen. Der kleine Blumenstrauß, Kaffeetasse und Kanne, Bett und Computer erscheinen in dem fahlen Licht wie schemenhafte Gestalten einer von Künstlerhand arrangierten Schwarz-Weiß-Fotografie. Immer wieder schaue ich auf das Spiel der ständig aufs Neue heranrollenden Wellen dort unter mir. In dem Rauschen der Brandung aber wandern meine Gedanken zurück zu den denkwürdigen Ereignissen des heutigen Tages im Kibbuz.
„Ich sagte dir ja gestern, dass du heute Michke sehen wirst“, sagte mir Uri, als wir sein Büro verließen. Draußen sah es noch teilweise wie damals aus, als ich mit meiner Familie während unseres Urlaubs in Netanya öfter hier war. Mehr als zwanzig Jahre sind seither vergangen, als Michke als Erster unter Gleichen die Geschicke des Kibbuz mitbestimmte. Er war klein und trotz seiner wenigstens 65 Jahre wieselflink. Bärenstark war er auch. Wenn es sein musste, half er schon mal beim Entladen eines Lastwagens aus und trug über hundert Kilo auf seinem Rücken; sein schlohweißes Haar sah man schon von Weitem. Er erinnerte mich sehr stark an den großen, alten Mann Israels, Ben Gurion. Wenn er sprach, wurde ich unwillkürlich an Hans Moser erinnert; es war eine ganz eigenartige Mischung von Genuschel auf Jiddisch.
Damals saßen wir des Öfteren abends vor seinem Haus im Kreise zahlreicher Kibbuzniks aller Altersstufen zusammen. Und es war an einem jener Abende, als es sehr langsam über seine Lippen kam, als ich ihn bat, aus seinem Leben zu erzählen. Er begann dann über etwas zu erzählen, über das er eigentlich gar nicht sprechen wollte. Aber ich wollte es wissen, ja ich musste es wissen, denn ich wollte erfahren, mit wem ich es denn zu tun hatte. Irgendetwas Geheimnisvolles schien um und mit ihm zu sein. Kaum hörbar, so als sei es nur für ihn allein bestimmt, kam es dann aus ihm heraus. Er sprach kein Englisch, aber in seinem gut verständlichen Jiddisch sagte er ganz leise, dass sie seine gesamte Familie, seine Eltern, Geschwister und seine erste Frau in Birkenau umgebracht hatten.
Nun war es heraus. Aber das war es dann auch schon. Kein Ton oder ein Wort der Verbitterung, keine Andeutung irgendeiner sichtbaren Trauer oder gar eines stillen Vorwurfs. Dennoch, es hatte mich tief betroffen gemacht. Und dieser Mann hatte meinem Vater damals über alles Leid, über die gequälten und in den KZ-Krematorien verbrannten Leiber seiner engsten Angehörigen hinweg die Hand gereicht. Was mochte damals wohl in ihm vorgegangen sein?!
Uri und ich gingen an einigen Schuppen und Werkshallen vorbei. Erbarmungslos brannte die Sonne vom noch wolkenlosen Nachmittagshimmel. Alles erschien so eintönig grau. Der Straßen- und Wegestaub legte sich wie ein grauer Schleier über alles und jedes. Meine Schuhe, die umliegenden Gerätschaften, die Fenster, Autos, die Blätter an den Bäumen und Sträuchern, über allem lag dieses eintönige Grau. Einen Augenblick überlegte ich noch, ob ich nicht meinen Hut aus dem Wagen holen sollte, als ich Uri sagen hörte: „So, komm herein.“ Es war halb dunkel im Flur. Im Lichte einiger Lampen erkannte ich einige Wandtafeln mit Zetteln in hebräischen Schriftzeichen. Wir bogen rechts ab. Uri öffnete eine Tür. Der Raum war hell ausgeleuchtet. Ich sah hunderte handgefertigter Plüschpuppen in allen Größen, grob gewebte Teppiche und allerlei sonstiges handgefertigtes Zeug. Noch ahnte ich nicht, was das alles sollte. Zwei Frauen begrüßten mich. Ich nahm einige der Plüschfiguren in die Hand. „Das wäre doch etwas für unsere Nathalie“, dachte ich noch, als ich Uri leise sagen hörte: „Komm!“ Wir gingen in den rechts angrenzenden Raum. Kleine, grob gewebte Teppiche hingen an den Wänden, andere wiederum lagen wohlgeordnet auf einem Tisch. An einem kleinen Webstuhl hinten links bemerkte ich plötzlich ein kleines Männlein. Es hatte mir den Rücken zugekehrt. Von seinem Kopf fiel schlohweißes, volles Haar. Es saß da nicht etwa, nein es stand, und es webte und webte und webte.
Schuss und Kette, Schuss und Kette.
Da erkannte ich ihn.
Michke?!“, rief Uri halblaut. Ich erschrak. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass er hinter mir stand. Da drehte sich das Männlein um. Sein Gesicht war dünner geworden. Die immer noch straffe Haut umspannte seine Augenbrauen und die Nase. Kein Zweifel, das war er. Michke. Er blickte nach oben und seine Augen suchten die meinen. „Tag, Michke“, sagte ich ganz leise auf Deutsch. Plötzlich lächelte er und es sprudelte aus ihm heraus: „Oi, oi. Wie geutz denn? Was macht denn dein Freu und Kinder?“ Ich erzählte es ihm kurz und erkundigte mich nach seiner Gesundheit. „Joi, joi, so geht mir gut. Hier …“ Er versuchte, mir seine Arbeit zu erklären, indem er einen blau-grauen, enorm dicken Wollfaden durch die Ketten schob.
Schuss und Kette. Schuss und Kette …
Aber da stand dann schnell eine der Frauen bei mir und hielt einen jener kleinen Teppiche in der Hand. „Den hat Michke gemacht“, sagte sie leise, und dann hielt ich diesen Teppich in der Hand.
Der Größe nach erinnerte er mich an einen islamischen Gebetsteppich, nur bildeten Schuss und Kette ein sehr grobes, locker erscheinendes und doch in sich selbst festes Gewebe mit taubenblauen Schuss- und gedeckt-dunkelblauen Kettenfäden. Alle waren wohl wenigstens einen halben Zentimeter dick.
Verlegen, ja beinahe hilflos kam ich mir vor in diesem Augenblick und ließ das Gewebe langsam durch meine Finger gleiten. Ich musste etwas sagen, das fühlte ich. Und bald musste ich es sagen, nur was um alles in der Welt sollte es denn sein? Die Situation war so unwirklich, so unerwartet. Ist es nicht etwa besser zu schweigen, nur um nicht etwas Falsches, etwas gar Unpassendes zu sagen?
Immer wieder ließ ich dieses zarte Gewebe durch meine Hände gleiten. Konnte es denn überhaupt sein, dass dieser mir einst weise und auch in seinem Umfeld mächtig erschienene Mann zu solch einem kleinen Häufchen geschrumpft war und nun ein paar Stunden am Tag Teppiche webte? Und dann kam es mir vor, als habe sich die Zartheit des von ihm geschaffenen und von mir so bewusst erfühlten Gewebes auf den ganzen Raum gelegt, ja, als sei er wie mit Watte gefüllt, die alles in diesem Raume durchdrang und jeden mit ihrer Weichheit umgab.
Jemand sagte: „Michke, es ist wunderbar, was du da alles gemacht hast. Und was du da so knüpfst, ist ja so weich, so gleichmäßig; und es sind alles deine kleinen Kunstwerke. Du kannst stolz darauf sein, und der Kibbuz ebenfalls. Damals vor über zwanzig Jahren hast du schon die Fäden des Kibbuz geknüpft; jetzt knüpfst du immer noch die Fäden; aber es sind diesmal ganz andere Fäden, weißt du?“
Merkwürdig. Erst als dies gesagt war, wusste ich, dass ich diese Worte gesagt hatte.
Er blickte mich von dort ganz unten an und ein kaum wahrnehmbarer Anflug eines Lächelns schien für einen kurzen Augenblick über sein Gesicht zu huschen. Aber dann blickte er auch schon nach vorn und wandte sich wieder seiner Arbeit zu.
Schuss und Kette. Schuss und Kette …
„Komm jetzt“, mahnte Uri ganz leise neben mir und zog mich wieder nach hinten. Als ich die Zimmertür erreichte, wandte ich mich noch einmal um. Da stand Michke immer noch vor seinem Webstuhl. Und er webte und webte und es schien mir, als würde er von seiner Umgebung nichts wahrnehmen.
Plötzlich stand ich dann wieder in der grellen Nachmittagssonne, die sich inzwischen schon merklich dem Horizont zu nähern schien und in vielen tausend einzelnen Lichtfetzen ihren Weg durch das Laub und die herabhängenden Luftwurzeln der Bäume suchte.
Wie lange mochte ich wohl dort drinnen gewesen sein?
„Weißt du“, sagte Uri, „das, was du gerade gesehen hast, ist so typisch für unsere Gemeinschaft in einem Kibbuz. Wir kennen keine Altersgrenze. Wenn wir älter werden und wenn unsere Leistungsfähigkeit nachlässt, dann arbeitet jeder so viel, wie er arbeiten kann. Michke arbeitet so etwa ein bis zwei Stunden am Tag. Er ist jetzt über 85 Jahre alt. Aber obschon er jetzt doch schon sehr alt ist, gibt ihm seine Arbeit immer noch das Gefühl, wichtig zu sein und gebraucht zu werden. Niemand wird bei uns abgeschoben, niemand vereinsamt hier. Bei uns fängt das Leben mit Schule und Arbeit an. Es neigt sich dann mit der Hingabe des Einzelnen für die Gemeinschaft in Arbeit dem Ende entgegen und findet so in Würde seinen Abschluss.“ Nach einer Pause fuhr er fort: „Es ist ein uraltes Wort, aber du hast ja soeben gesehen, dass und wie wir danach leben, und ich glaube, ihr in Deutschland kennt es auch: Einer für alle und schließlich alle für einen.“
Ja, ich kannte dieses Wort. Es schließt ein hohes Maß an Vertrauen und Sicherheit im Rahmen einer in sich gefestigten Gemeinschaft ein. Eine solche Gemeinschaft war dieser Kibbuz. An die Politik mochte ich da gar nicht denken, denn wie oft hat dieses eigentlich so schöne Wort ganze Völker ins Verderben gerissen …
Als ich wieder aufwachte, saß ich immer noch im Sessel. Immer noch rauschte draußen das Meer im ewigen Auf und Ab der Gezeiten. Die Konturen der Gegenstände meines Zimmers schienen mir jetzt klarer hervorzutreten. Ich war wohl schon eine ganze Weile abgetaucht gewesen. Schnell warf ich einen kurzen Blick auf meinen Wecker. Zehn vor sieben war es bereits. Ich musste jetzt schnell hinuntergehen. Ich wollte Uri Shapira und seine Frau nicht warten lassen …
Es war dann doch spät geworden an jenem Abend. Längst war es Zeit, ins Bett zu gehen. Wann sollte ich packen? Jetzt noch, mit vollem Magen? Unmöglich! Morgen wollte ich in aller Frühe nach Jerusalem fahren. Es war bereits kurz vor Mitternacht. „Nichts wie ins Bett“, dachte ich noch. Um fünf Uhr aufstehen morgen früh; das war zeitig genug. Frühstück gab es ohnehin erst ab sieben Uhr dreißig; da war noch Zeit genug zum Packen.
Ich hatte mich hingelegt. Durch eins der beiden Fenster drang das Rauschen des Meeres an mein Ohr. Es war so einförmig, so grau wie die Landschaft und das Meer, und so einschläfernd dazu.
Dann aber schloss ich die Augen. Ein neuer Tag lag vor mir …

Bombay, Taj-Mahal-Hotel
1.Oktober 1995, abends

Beinahe automatisch rollte mein voll beladener Kofferkuli gestern Abend dem leicht abschüssigen Ausgang des Bombay Domestic Airport entgegen. Draußen an der Balustrade des Ausgangs standen bereits Trauben von Menschen mit hoch gehaltenen Namensschildern. Etliche von ihnen reckten ihre Köpfe hoch und hielten nach irgendwelchen Passagieren Ausschau. Da, ein Winken, und schon hatte ich meinen Fahrer erkannt, Salvador Fernandez, den dunkelhäutigen kleinen Inder, dessen Vorfahren sich seinerzeit aus der ehedem portugiesischen Kolonie Goa nach Bombay durchgeschlagen hatten, wie er mir während der Fahrt zum Hotel erklärte.
An diesem noch frühen Abend war der Himmel von dicken Monsunwolken völlig zugebaut, Blitze zuckten allenthalben und der nachfolgende Donner brach sich mehrfach an den Wänden der umliegenden Gebäude. Während es langsam mit dicken Tropfen zu regnen begann, übernahm er meinen Kuli und wir beide hasteten dem vor dem Gebäude geparkten Auto entgegen. Im Nu waren wir, wie üblich, von einer Horde junger Kofferträger umlagert. Sie hatten schnell erkannt, dass Fernandez meinen schweren Koffer nicht allein hochheben konnte.
„No need, it’s okay, no need!“, rief ich und unterstrich meinen Unwillen gegenüber diesen aufdringlichen Geistern mit eindeutigen Armbewegungen. Das hielt aber keineswegs alle von ihrem Vorhaben ab. Ihre Arme schienen sich beinahe ineinander zu verknoten, um als Erster den schweren Koffer zu ergreifen. Derartige Situationen waren mir nun schon von früher her wohlbekannt. Der gute Fernandez war dem Treiben sichtlich hilflos ausgeliefert und sah mich mit einem entschuldigenden Blick an. Nun reichte es mir. Mit in die Seiten gestemmten Fäusten baute ich mich blitzartig vor der Meute auf und brüllte:
Hey, you guys, get the hell out of the way, right now!
Schnell fischte ich mir dann einen an dem Treiben unbeteiligten Träger heraus und bat ihn mit einem freundlichen Bli...

Inhaltsverzeichnis

  1. Über den Autor
  2. Widmung
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. Vorwort
  5. Erster Teil: Beobachtungen. Erlebnisse und Erkenntnisse bei Reisen durch Indien, Nah- und Fernost
  6. Zweiter Teil: Weisheiten und Sprüche, Ansichten und Einsichten
  7. Dritter Teil: Gedichte und andere (Un-)Gereimtheiten
  8. Vierter Teil: Reden, Begegnungen und Ansichten
  9. Impressum