Descartes in 60 Minuten
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Descartes in 60 Minuten

  1. 124 Seiten
  2. German
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  4. Über iOS und Android verfügbar
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Descartes in 60 Minuten

Über dieses Buch

Der französische Denker René Descartes ist einer der bekanntesten Philosophen der Welt. Sein kleiner Satz 'Ich denke, also bin ich' ist zum Kulturgut der gesamten Menschheit geworden. Descartes gilt als Begründer des Rationalismus und als 'Vater der modernen Philosophie'. Dieser Ehrentitel ist durchaus angemessen, denn zu seiner Zeit wagt er etwas Bahnbrechendes. Ähnlich wie Kolumbus einen bis dahin unbekannten Kontinent, die sogenannte 'Neue Welt' entdeckt, gelingt es Descartes, eine neue Dimension des Wissens zu erschließen und unseren Blick auf die Welt zu verändern. Vor Descartes glauben die Menschen im christlichen Abendland weit über tausend Jahre lang an die Worte der Propheten, insbesondere an Jesus Christus und die Bibel als Zeugnis göttlicher Offenbarung. Dann kommt Descartes mit einer radikalen Forderung. Das Wissen dürfe nicht länger Offenbarungswissen von Propheten und Heiligen sein, sondern müsse auf einer sicheren Erkenntnis beruhen: "Ich hatte von jeher das eifrige Verlangen, den Unterschied des Wahren und Falschen zu erkennen."Er stellt die fundamentale Frage: Wie kommt man zu sicherer Erkenntnis? Auf was kann ich mich wirklich verlassen? Auf das, was ich sehe und höre? Auf mein Denken und die Logik? Oder vielleicht auf das, was ich von Kindesbeinen an gelernt habe? Seine radikale Antwort lautet: Auf gar nichts! "Ich habe bemerkt (...)", so Descartes, "daß ich (...) alles von Grund aus umstoßen (...) müsse, wenn ich jemals für etwas Unerschütterliches (...) in den Wissenschaften festen Halt schaffen wollte." In seiner berühmten Schrift 'Meditationen über die erste Philosophie' beschreibt er seine abenteuerliche Suche nach absolut sicherem Wissen. Sein Ergebnis: Ich kann an allem zweifeln, aber in dem Moment, in dem ich zweifle, muss es mich als zweifelndes und denkendes Wesen geben: "Ich denke also bin ich". Ist das Denken wirklich unser alles entscheidendes Wesensmerkmal? Gibt es auf der Welt tatsächlich nur das Denken in uns und die seelenlosen Körper außerhalb von uns? Ist es Aufgabe der Wissenschaft, Materie, Pflanzen und Tiere sowie den menschlichen Körper zu unterwerfen? Descartes ist mehr als nur ein Wegbereiter der modernen Wissenschaft, in gewisser Hinsicht wird sein Denken zu unserem Schicksal, im Positiven wie Negativen. Das Buch ist in der beliebten Reihe 'Große Denker in 60 Minuten' erschienen, die inzwischen weltweit in sechs Sprachen übersetzt wird.

Häufig gestellte Fragen

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Der Kerngedanke von
Descartes

Descartes‘ Zweifel an der
Wahrnehmung: Ist, was wir sehen,
hören oder riechen wahr?

Descartes beginnt sein berühmtes Buch Meditationen über die Grundlagen der Philosophie mit unserem ganz normalen Alltagsverständnis. Jeder von uns, so Descartes, hält erst einmal das für wahr, was er den ganzen Tag über sieht, hört, riecht, ertastet oder schmeckt. Kurzum, ich verlasse mich als Mensch zuallererst auf meine fünf Sinne:
Doch genau hier muss unser Zweifel bereits einsetzen, denn oft sehen wir etwas, was sich hinterher als Sinnestäuschung oder Trugbild erweist. Wenn wir beispielsweise einen geraden Stock zur Hälfte unter Wasser halten, sieht er so aus, als hätte er in der Mitte einen Knick. In Wirklichkeit handelt es sich nur um den optischen Effekt der Lichtbrechung im Wasser. Auch wenn wir beispielsweise eine Kirchturmspitze in der Mittagshitze golden glitzern sehen, muss sie noch lange nicht aus Gold sein. Im Abendlicht glüht sie womöglich rötlich und tagsüber erscheint sie grau, was uns aber in allen drei Fällen noch keinen Aufschluss über ihre wirkliche Farbe gibt. Descartes selbst demonstriert seinen Zweifel an der Wahrheitsfindung durch unsere fünf Sinne am Beispiel des Bienenwachses. Man meint zunächst, das Wachs sehr leicht wahrnehmen zu können. Denn man kann an ihm riechen, es sehen, ertasten und sogar hören:
Das Wachs verändert also plötzlich all die Eigenschaften, die wir zuvor mit unseren Sinnen sicher erkannt zu haben glaubten. Dass wir uns auf die Sinne nicht verlassen können, zeigt sich, so Descartes, auch an der Größenbestimmung der Sonne. Wenn wir sie aus der Ferne im Meer untergehen sehen, erscheint sie uns als relativ kleine runde Kugel. Sogar wenn wir diese Wahrnehmung zu anderen Tageszeiten überprüfen und sie früh morgens aufgehen oder mittags am Himmel stehen sehen, bleibt sie vergleichsweise klein angesichts der Größe der Berge, der Landschaften und der Wahrnehmung unseres eigenen ausgedehnten Planeten. Auch die wiederholte Betrachtung der Sonne morgens, mittags und abends könnte uns also täuschen:
Descartes kommt hinsichtlich der Wahrnehmung durch unsere fünf Sinne zu der Schlussfolgerung:
Aber, so meditiert Descartes weiter, vielleicht sind es ja nur die weit entfernten Objekte, die ich nicht deutlich und klar erkennen kann. Was geschieht, wenn ich meine fünf Sinne statt auf die Sonne auf etwas ganz Naheliegendes richte? Wenn ich zum Beispiel meinen eigenen Körper sehe und fühle, dann kann dies doch eigentlich keine Täuschung sein:
Hier scheint der Zweifel von Descartes sein Ende zu finden. Denn wenn ich so wie er am Kamin sitze, meinen eigenen Körper aus allernächster Nähe betrachte und dann auch noch ein Stück Papier in Händen halte, das ich bewegen und spüren kann, dann ist doch eigentlich jeder Zweifel an dieser Wirklichkeit ausgeräumt?
Nein! – sagt Descartes, wenn wir konsequent sein wollen, dann müssen wir auch an dieser Wirklichkeit zweifeln. Denn selbst wenn wir das Papier in unseren Händen bewegen und spüren, könnte dieses Gefühl dennoch irreal sein. Es besteht nämlich immer noch die Möglichkeit, dass wir gerade schlafen und alles nur träumen.

Descartes‘ Zweifel am
Wachbewusstsein: Ist das Erlebte
real oder nur ein Traum?

Auch im Traum machen wir Erfahrungen, die sich sehr real anfühlen. Wir sehen, riechen, hören, spüren Dinge und erleben vieles, was sich im Nachhinein als bloße Einbildung erweist. Wie, so fragt sich Descartes, können wir überprüfen, ob wir gerade wach sind oder nur träumen? Um sich seines Wachzustandes zu vergewissern, bewegt Descartes in einer Art Selbstversuch seinen Kopf mehrmals gezielt hin und her. Er wirft ihn ruckartig von einer Seite auf die andere, um zu spüren, dass er wirklich wach ist:
Aber bald muss er sich eingestehen, dass auch dieser Versuch vergeblich ist. Denn es könnte ja sein, dass er auch die ruckartigen Kopfbewegungen wieder nur geträumt hat:
Sogar wenn er sich selbst in den Arm zwicken und Schmerz empfinden würde, brächte ihm das keine Gewissheit, wach zu sein. Denn tatsächlich haben wir oft Träume, die uns eine große Dichte an Details, Farben, Stimmungen und sogar Schmerzempfindungen vorgaukeln. Sie erscheinen uns real. Deshalb sind wir auch so erleichtert, wenn wir beispielsweise aus einem Alptraum erwachen oder enttäuscht, wenn ein in Erfüllung gehender Wunschtraum abrupt endet. Manche Menschen träumen sogar, dass es ihnen gelingt, einige Zentimeter über ihrem Bett zu schweben. Sie wachen auf, erinnern sich an den Traum und testen ihre neue Fähigkeit nun im Wachzustand. Wenn es dann immer noch funktioniert, sind sie überglücklich und freuen sich, dass sie wirklich schweben können, bis sie dann tatsächlich aufwachen und realisieren, dass sie zuvor nur geträumt hatten. Descartes kommt zu dem Ergebnis:
Wir können uns also nie ganz sicher sein, ob wir wach sind oder nur träumen. Während er über Traum und Wirklichkeit nachdenkt, sitzt Descartes immer noch im Winterrock vor dem Kamin. Er überlegt nun selbstkritisch, ob wir, wenn wir träumen, tatsächlich nur Unwahrheiten vor unserem inneren Auge sehen oder ob vielleicht auch im Traum noch etwas Wahres steckt:
Auch in unseren phantasievollsten Träumen, so Descartes, kombinieren wir ja letztlich nur Bilder, Körper, Farben und Gerüche, die es in der Realität als Muster und Vorlage gibt. Sogar wenn wir von einem geflügelten Pferd träumen, das es in Wirklichkeit nicht gibt, enthält der Traum doch immerhin zwei reale Details, zum einen das Pferd, zum anderen die Flügel. Die Menschen entnehmen ihre Traumbilder letztlich immer der Realität. Das, so Descartes, ist vergleichbar der Arbeit von Künstlern, die bei aller Phantasie letztlich doch immer Anleihen bei der Wirklichkeit nehmen:
Was auch immer wir Phantasievolles und Neuartiges träumen, wir können niemals jenseits von Körpern, Formen, Farben und Materialien träumen. Allerdings, so Descartes, ist und bleibt deren Zusammensetzung stets trügerisch. Deshalb sind letztlich sämtliche Wissenschaften zu bezweifeln, die aus zusammengesetzten Fakten und Erkenntnissen von Körpern und Materialien bestehen wie etwa die Physik. Denn ihre Ergebnisse könnten auf falschen Kombinationen im Traumzustand beruhen oder, wie zuvor gezeigt, auf Täuschungen unserer fünf Sinne. Doch wie sieht es mit der Mathematik aus, die prinzipiell keine konkreten Farben, Materialien und Körper benötigt und sich daher hinsichtlich ihrer Eigenschaften gar nicht täuschen kann? Wenn ich beispielsweise träume, dass 2+3=5 ergibt oder ein Quadrat vier Seiten hat, ist es dann nicht völlig egal, ob ich es gerade träume oder nicht?
Einen kurzen Augenblick sieht es jetzt wieder so aus, als hätte Descartes mit der Mathematik nun doch etwas absolut Gewisses gefunden. Denn Arithmetik und Geometrie erzeugen ein Wissen, das sich rein aus der Logik speist und prinzipiell keine trügerischen oder vom Traum entstellten Wahrnehmungen mehr benötigt. Also muss es sich bei diesen beiden Wissenschaften im Unterschied zur Physik um ungetrübtes Wissen handeln:

Descartes‘ Zweifel an der Logik: Sind
wir Opfer eines ‚Genius malignus‘?

Doch Descartes gibt sich auch mit dieser Gewissheit mathematischer Wahrheiten nicht zufrieden. Denn als er, noch immer vor dem Kamin sitzend, darüber nachdenkt, kommt ihm ein ungeheurer Verdacht: Vielleicht sind selbst uns...

Inhaltsverzeichnis

  1. Danksagung
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Die große Entdeckung von Descartes
  4. Der Kerngedanke von Descartes
  5. Was nutzt uns die Entdeckung von Descartes heute?
  6. Zitatverzeichnis
  7. Weitere Informationen
  8. Über den Autor
  9. Impressum