Die
mythologischen
Bewohner
In der nordischen Mythologie findet sich eine vielfältige Bewohnerschaft, die sich in allen Welten rund um den Baum Yggdrasil herum verteilt und dort ihr Leben verbringt. Da gibt es zum einen die Riesen, aber auch die Göttergeschlechter und eine Vielzahl an mythologischen Wesen, manche mehr, manche weniger namhaft. In diesem Kapitel werden Sie die wichtigsten Gruppen und ihre namhaftesten Vertreter ein wenig genauer kennenlernen, damit Sie hinterher bestens Bescheid wissen, wer sich in den Weiten dieser sagenhaften Welt herumtreibt.
DIE ASEN, ERSCHAFFER DER
MENSCHEN
Zwei Göttergeschlechter finden sich in der nordischen Mythologie und das jüngere der beiden sind die sogenannten Asen. Zwölf von ihnen sind wohl laut der Jüngeren Edda in Asgard wohnhaft und allgemein werden sie als das kriegerischere der beiden Göttergeschlechter betrachtet; sie sind stark, mächtig – aber nicht unsterblich. Ihre ewige Jugend hängt nur an den Äpfeln einer bestimmten Göttin – Idun, Göttin der Jugend und Unsterblichkeit.
Außerdem kommt den Asen noch eine weitere besondere Rolle zu: Sie gelten auch als die Erschaffer der Menschen, oder vielmehr tut das mindestens einer, vielleicht aber auch drei von ihnen (das hängt davon ab, ob man die Prosa-Edda oder die Volüspá danach befragt). Und dieser eine ist niemand anderes als:
Odin
Der Allvater und Anführer der Asen. Odin soll nicht nur an der Erschaffung der ersten Menschen, Ask und Embla, sondern auch an der der Erde beteiligt gewesen sein, nachdem er das erste Lebewesen, den Riesen Y-mir, einst tötete. Der Vater aller Götter wurde häufig als ein bärtiger Mann mit nur einem Auge dargestellt – das andere gab er einst dem Riesen Mimir, um stattdessen verborgene Dinge sehen zu können, nachdem er aus dem Brunnen der Weisheit am Yggdrasil getrunken hatte –, er trug oft einen Hut und einen Mantel.
Er wurde stets begleitet von seinem achtbeinigen Ross Sleipnir, welches sogar fliegen konnte, und seinen zwei Raben – Hugin und Munin. Das geflügelte Duo wurde zu Beginn des Tages von Odin ausgesandt und wenn sie später am Morgen zurückkehrten, berichteten sie dem Gott von all den Dingen, die sie auf ihrem Flug durch die Welt gesehen und gehört hatten, sodass er immer Bescheid wusste, was rund um den Baum Yggdrasil vor sich ging.
Wie sein Titel als Göttervater es bereits impliziert, hatte er jede Menge göttliche Nachkommen – darunter auch der Donnergott Thor.
Der Allvater Odin wird allgemein als ein Gott der Weisheit, der Heilung, des Todes und des Krieges betitelt, neben weiteren Bezeichnungen wie beispielsweise Hrafnáss, der Rabengott. Auch als Wotan oder Wodan ist er bekannt.
Thor
Thor war in der germanischen Kultur auch unter dem Namen Donar bekannt und im Gegensatz zu seinem Vater Odin nicht als Kriegsgott, sondern als Wettergott berufen, obgleich ihm große Stärke zugesprochen wurden. Er war der Beschützer Asgards und vermutlich der am meisten verehrte nordische Gott. Ohne seinen immer wiederkehrenden Hammer Mjölnir war der Gott nicht anzutreffen; mit diesem tötete er Riesen und zerstörte ganze Berge, während er mit seinem Wagen in den Kampf zog, der von zwei riesigen Ziegen gezogen wurde. Diese beiden Böcke waren Tanngnjostr und Tanngrisnir.
Man sagte von Thor, dass er Bifröst nicht benutzen durfte, sondern durch den Fluss waten musste, wenn er wütend war, da seine Haare Funken sprühten und er eine unheimliche Körperwärme erzeugte.
Frigg
Odin zeugte mit verschiedenen Frauen seine Kinder – beispielsweise Thor mit der Erdgöttin Jörd –, doch er war auch mit einer Göttin verheiratet, und zwar mit Frigg, was sie mutmaßlich zur mächtigsten nordischen Göttin machte. Frigg, häufig auch als Frigga bezeichnet, war das nordische Äquivalent zu der griechischen Göttin Hera. Sie war die Schutzgöttin der Ehe, Familie und Mutterschaft, aber auch der Fruchtbarkeit und des Himmels selbst. Unter ihren Kindern befand sich nicht nur Balder, sondern auch Bragi, Hermod und Hödur und sogar die Walküren.
Balder
Thors Halbbruder Balder galt als ein barmherziger, friedlicher und fairer Gott, er soll der Inbegriff alles Guten und Schönen gewesen sein – er war der Gott des Lichtes und der Reinheit. Trotz dieser Dinge ist er jedoch in der Mythologie hauptsächlich für seinen prophezeiten Tod bekannt (siehe: Wie Balder von einer Mistel getötet wurde).
Heimdall
Der Besitzer des schallenden Horns, dem Gjallarhorn, wurde eine Weisheit nachgesagt, die sich sonst nur bei den Wanen fand. Heimdall war der Wächter der Götter und hielt mit seinen scharfen Sinnen an der Regenbogenbrücke Bifröst die Stellung, die Midgard und Asgard miteinander verband. Seine heiligen Tiere sollen die Widder gewesen sein und er besaß ein Pferd mit dem Namen Gulltopp. Ertönte sein Horn, dann war der Weltuntergang in greifbarer Nähe und Ragnarök drohte.
Loki
Loki war streng genommen womöglich kein richtiger Ase. Er wurde in den Quellen explizit als solcher bezeichnet, aber durch seine Abstammung von einem Riesen väterlicherseits ist unsicher, wozu er gezählt werden sollte (wobei dieses dann auch für Odin gelten müsste, denn auch der Allvater stammt zur Hälfte von den Riesen ab).
Loki war ein Blutsbruder des Allvaters und schenkte ihm einst das achtbeinige Pferd Sleipnir; Thor verhalf er zu seinem Hammer. Doch sein Titel als Gott des Bösen und des Unheils war nicht unbegründet – er half den Asen und Wanen zwar einige Male, aber mindestens genauso oft behinderte er ihre Taten auch und verriet sie. Er bestahl beispielsweise Freya, er kämpfte gegen Heimdall und war beteiligt am Tod des Balder, wofür er letzten Endes sogar aus Asgard verbannt wurde. Loki war vermutlich mehrmals verheiratet oder hatte zumindest mehrere Liebschaften. Sigyn war wohl seine treuste Gefährtin, die ihm später sogar während der Bestrafung von den Asen beistand und das Gift auffing, das auf ihn hinabtropfte. Eine seiner anderen Liebschaften war die Riesin Angrboda, mit der er die Totengöttin Hel, den Fenriswolf und die Midgardschlange in die Welt brachte.
DAS ÄLTERE
GÖTTERGESCHLECHT – DIE
WANEN
Neben den Asen gab es dann natürlich auch noch das ältere Göttergeschlecht, die sogenannten Wanen. Einst gewannen sie zwar im Wanenkrieg gegen die Asen, doch die Wanen waren eigentlich weniger kriegerisch veranlagt als ihre jüngeren Mitgötter und galten als Fruchtbarkeits- und Wohlstandsgötter. Sie handelten damals einen Frieden mit den Asen aus und es kehrte wieder Ruhe ein. Teil dieses ausgehandelten Friedens waren unter anderem die Wanen Njörd und seine beiden Kinder.
Njörd
Njörd war einer der Götter, der im Zuge der Friedensverhandlungen des Wanenkrieges als Geisel von Wanaheim nach Asgard geschickt wurde. Der Wane war bekannt als Gott des Meeres und der Seefahrt, er war der Hüter der Meerestiere. Sein Wagen wurde daher von zwei Walen gezogen – am Land wurden sie jedoch zu Ochsen.
Njörd war verheiratet mit Skadi, doch ihre Ehe scheiterte wohl an ihren Vorlieben, da er die See und sie die Be...