Das Kunstwerk
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Das Kunstwerk

  1. 424 Seiten
  2. German
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Das Kunstwerk

Über dieses Buch

"Das Kunstwerk" ist ein 1934 erschienener Roman des amerikanischen Schriftstellers Sinclair Lewis. Der Originaltitel lautet "Work of Art".

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Information

Jahr
2022
ISBN drucken
9783755730668
eBook-ISBN:
9783755750277

1

Das flache Dach des American House, des größten und bedeutendsten von Black Thread Center in Connecticut, war mit rotgestrichenen Weißblechplatten belegt, deren jede die eingestanzte Inschrift »Phoenix, das Weißblech der Könige« trug. Es war zwar erst zwei Minuten nach sechs Uhr, aber an diesem Julimorgen des Jahres 1897 glühte das Dach bereits. Das Blech hatte die Temperatur eines Plätteisens, und der Teer am Ziegelgesims, der den ganzen vorhergehenden Nachmittag Blasen geworfen hatte, war brennend heiß.
Tief unten in der Putnam Street, ganze drei Stockwerke unterhalb des roten Blechdaches, äußerte der Schutzmann Tad Smith gegenüber dem Möbelhändler Mr. Barstow: »Na, das wird heute auch wieder so n Hundstag werden wie gestern.«
Mr. Barstow dachte darüber nach. »Ich kann nur sagen, Sie haben recht. Ein regelrechter Hundstag.«
»Jawoll Herr, n Hundstag«, wiederholte Tad sinnend und ging seines Wegs – um vielleicht nie wieder in der Geschichte aufzutauchen.
Hoch oben über diesen biederen Bürgern aber tanzte auf dem roten Blechdach, berauscht von Jugend und Morgenglanz, voll jubelnder Wonne über seine neu entdeckte Sangeskraft ein junger Dichter, ein Sohn der Himmel. Nur Lancelot, der Hotelhund, war bei ihm, und ohne jede Scham begrüßte er den Sonnengott, der sein Bruder war. Die Melodie »Heut nacht, da ist was los im Städtelein« pfeifend, schritt er, sich seiner Jugend und seines Genies freuend, auf und nieder; seine Hände arbeiteten, als führte er eine Militärkapelle an, seine Füße tanzten kleine verschlungene Muster, sein ganzer Leib pendelte und schwankte hin und her, sein Kopf ruckte von einer Seite zur anderen. Lancelot bellte anerkennend – die erste von den Beifallsäußerungen, die die Zukunft für den Meister barg.
Der junge Dichter führte den nicht gerade überaus romantischen Namen Ora Weagle, aber er hatte eine ganze Menge Swinburne, Longfellow, Tennyson und Kipling gelesen. Er zählte fünfzehn Jahre und war sich schon bewußt, daß er zu einer Welt gehörte, die größer war als Black Thread Center. Ja, er verachtete Black Thread und insbesondere alles, was mit dem American House zu tun hatte, dessen Besitzer sein Vater, der alte Tom Weagle, war.
Als er an das fabelhafte Gedicht dachte, das er am Abend vorher geschrieben hatte, verwandelte sich seine faunisch überschäumende Lebensfreude in scheue Ehrfurcht, und er begann (während Lancelot sich mit enttäuschter Miene niederließ, um sich zu kratzen und ein Schläfchen zu machen) erst zu säuseln, dann zu murmeln und schließlich mit laut erhobener Stimme zu deklamieren – Ora, der junge Keats, delektierte sich hoch in den Lüften, zwischen Phönix-Dachbelag und Himmel, an seinem Meisterwerk:
»Kalt ist dein Auge, kalt ist dein Leib und kalt deine Hand,
Kalt wie der Schnee, in den die Connecticut-Höhn sich hüllen,
Doch sieh! zersprengen will ich, mit dem du mich hältst, das Band,
Bis meiner Kraft wild flammende Gluten ganz dich erfüllen!
Oh, ich bin stolz, ich bin mächtig, und um mich ist Schrecken und Furcht,
Was wider mich löcket, zertret ich wie schmählichen Unrat und Plunder.
Du bist mir ein Feld, noch harrend der Pflugschar, die es durchfurcht,
Und deiner Seele Geburt soll sein ein schimmerndes Wunder!«
»Herrje, wenn ich bloß wüßte, wo ich das herhab!« flüsterte er.
Die dröhnende Pracht der Verse begeisterte ihn, und so stolzierte er singend und mit den Armen fuchtelnd weiter.
»Stolz bin ich, stolz,
Um mich
Ist Schrecken und Furcht,
Ist Schrecken und Furcht,
Höre! Stolz bin ich,
Um mich
Ist Schrecken und Furcht,
Stolz bin ich, schrecklich stolz!«
Und die Strahlen, mit denen die Sonne ihn überschüttete, kleideten ihn in doppelte Glorie, denn sie wurden von dem roten Blechdach reflektiert.
Das Pfeifen des Zuges, der um sechs Uhr sieben von den Berkshires ankam, ließ Ora, den von Morgengluten Umlohten, nicht weiter auf Wolken wandeln und erinnerte ihn daran, daß er Brennholz für das American House klein zu machen hatte. Er murmelte zwar noch vor sich hin: »Schrecken und Furcht«, konnte sich aber doch nicht enthalten, über das Gesims zu blicken und die Wirklichkeiten des Provinzlebens ins Auge zu fassen. Von der Station der New York, New Haven & Hartford her kam, seine beiden Köfferchen tragend, der typische, der unvermeidliche, der aus dem Weltbild gar nicht fortzudenkende Handlungsreisende. Unten, abgrundtief unter Ora, sprengte sein Bruder Myron Weagle mit einer abscheulichen, verbeulten grünen Gießkanne den Bürgersteig. Ora beobachtete diese unerfreuliche Alltagsposse belustigten Blicks. Seine Großmut gegenüber Myron war nicht weniger ein Teil seiner Dichtererhabenheit als Gluten und Machtfülle und Furchtbarkeit.
Der arme Myron! Myron, so überlegte Ora, hatte keine Phantasie, keine Begeisterungsfähigkeit, keinen Sinn für Schönheit, kein Verlangen danach, schöpferisch zu sein oder mehr zu leisten, als die Beschäftigung mit den trivialen täglichen Arbeiten, die ihn zu befriedigen schienen, mit sich brachte.
Obgleich Myron theoretisch um zwei Jahre älter – siebzehn – war, kam sich Ora um eine ganze Generation älter und welterfahrener vor. Selbst am Äußeren war der Unterschied zu sehen: Ora ganz schlank, rasch, mit schönem Haar, so schwarz wie schwarzes Glas, und Myron, damals, groß und schwerfällig, mit einem struppigen Schopf hanffarbener Haare. Ora hatte oft gedacht, er selbst gleiche einer Katze: geschmeidig, schnell, selbständig, während Myron ganz und gar ein Hund sei, und zwar nicht ein Windspiel oder Jagdhund, sondern ein Bauernköter: plump, erbärmlich gutmütig, treu jedem nichtswürdigen Herrn.
»Na ja, der arme Teufel«, dachte Ora, »wahrscheinlich wird er auf seine Bauernart glücklicher sein als ich. Ich geh nach New York! Ich werde ein vollkommenes Kunstwerk schaffen! Herrgott, sicher werd ich leiden, was das Zeug hält, so wie in Sentimental Tommy und in David Copperfield, während er hier bleibt und sich in der Sonne kratzt – wie du, Lancelot!«
Ora sah zu, wie sein dummer großer Bruder dem Reisenden ein Stückchen entgegenging, ihn begrüßte und ihm sein Gepäck abnahm.
»Wie ein Dienstbote!« seufzte Ora.
»Los, Lancelot, wir müssen runter und zusehen, daß wir was zum Frühstück kriegen«, kommandierte er. Doch bevor er seinen Posten am Gesims verließ, musterte er voll Abscheu Black Thread Center und erblickte nichts, was seiner Aufmerksamkeit wert gewesen wäre. Vom Dach des American House, das um die Höhe eines ganzen Stockwerkes über alle anderen Gebäude der Ortschaft emporragte, konnte er alles in der kleinen Welt des Städtchens übersehen.
(Ora dachte daran, daß es Leute gab, für die Black Thread Center und East Black Thread der Nabel der Welt waren, von dem aus man Entfernungen maß nach Rom und Schanghai und Tierra del Fuego, Leute, die die Wichtigkeit eines Eisenbahnzuges, eines Zirkus' oder einer Religion danach abschätzten, ob sie nach Black Thread kamen oder nicht. Ora staunte über solchen Provinzialismus. Für ihn – ach, New York, London, Paris, Berlin, Monte Carlo!)
Mißfällig betrachtete er die roten Backsteingebäude des Ortes: Cal Bigus' Laden – Wand- und Taschenuhren, Bijouteriewaren, Fahrräder – neben dem Hotel. Barstows Möbelmagazin und Beerdigungs-Institut gegenüber. Der Fachwerkbau der N. Y., N. H. & Hartford-Station mit ihrem schmierigen Bahnsteig. Der Marktplatz und das gußeiserne Standbild des Bürgerkriegssoldaten. Allerdings konnte er auch den Housatonic River hinter den Geleisen sehen und jenseits der Stadt eine mit Ulmen, Ahornbäumen und Tannen dicht bewachsene Anhöhe.
»Aber trotzdem, bloß so ganz gewöhnliches Land. Nichts Historisches. Keine Burgen. Ach! Komm, los, Lancelot!« sagte Ora.
Er drehte dem fleißigen Myron, der das Gepäck des Reisenden trug, eine lange Nase und ging, »Schrecken und Furcht« vor sich hinsingend, zur Falltür. Er blieb noch eine Weile stehen. »Nichts Romantisches. Aber auch schon gar nichts! Und was für ein Name das ist! Black Thread Center!«
Der Reverend Thaddeus Prout aus Beulah in Connecticut hatte das ganze Jahr 1637 hindurch seine behaglich dahinlebende Gemeinde Sonntag um Sonntag darauf hingewiesen, daß die Bergschlucht im Norden und Osten gegen die Indianer gesichert werden müsse. »Ich predige euch die ewige Gnade, und ich predige euch auch ewige Wachsamkeit«, donnerte der alte Geistliche auf der hohen Kanzel der Kongregationisten-Kirche. »Ich predige euch die unaufhörliche Übung des Gebetes – und die unaufhörliche Übung des Musketenschießens, wie ich es in Seiner Majestät Worcestershire-Leibregiment gelernt habe. Ich sage euch, diese Bergschlucht ist eine schwarze Gefahr – eine schwarze Gefahr – eine schwarze Gefahr für unseren Frieden und Wohlfahrt!«
Er sagte es so oft, daß seine Pfarrkinder die Ansiedlung nördlich und östlich von ihnen (die ganze Siedlung bestand aus einer Schenke mit Kramladen und vier Katen) scherzend »the Black Threat«, »die schwarze Gefahr«, zu nennen anfingen. Sie hatten zu eifrig und zu früh gescherzt. Als die Indianer sich wirklich durch die Schlucht schlichen und Beulah einschlossen, kämpften die Ansiedler unter der Führung des Reverend Thaddeus, der sich über seinem schwarzen Leibrock mit einer Säbelkoppel gegürtet hatte und dessen weißer Bart mit Blut beschmiert war, verzweifelt mit Beil und Büchse, aber das gute Dorf wurde nahezu dem Erdboden gleich gemacht. Von da an wurde die Siedlung hinter ihnen mit bangerer Ehrfurcht »Black Threat« genannt.
Ein junger Vermessungsbeamter der Regierung war es, der, in seiner Harvard-Art die Möglichkeiten falscher Orthographie und die Torheit der Legendenbildung bedenkend, im Jahre 1810 den Namen als »Black Thread«, »schwarzer Faden«, eintrug.
Von alledem hatte Ora nie etwas gehört … wahrscheinlich teilten im Jahre 1897 alle Bewohner Black Thread Centers dieses Schicksal mit ihm.
Von einem unterjochten Lancelot gefolgt, kroch der unterjochte Verwandte des Sonnengottes vom Dach über die Leiter hinunter in das Hotel, in schmale Gänge mit Strohläufern, die in der Mitte zu kanalähnlichen Pfaden ausgetreten waren, in den alles einhüllenden Dunst von billiger Blumenseife, Kohl, verschwitzter Wäsche und alten Baumwoll-Laken. Das American House hatte vierunddreißig Zimmer, neunundzwanzig ein- und fünf zweibettige. Nach Ansicht der Weagles war es ein überaus modernes Hotel: es gab keine Petroleumlampen, sondern Gasbeleuchtung, und im Büro war, in einem langen, dunklen Kasten, der wie ein aufgestellter Sarg aussah, eine Telephon.
Jedes der einbettigen Zimmer – Ora konnte, während er an offenen Türen vorbeikam, hineinsehen – enthielt ein Holzbett, dessen Lackierung ein wenig gesprungen war, einen geraden Stuhl, ein Stückchen Teppich vor dem Bett, reichlich verschmutzte Spitzenvorhänge, eine Gaslampe, die so geschickt an der Wand angebracht war, daß sie weder den Spiegel beleuchtete noch ein Lesen im Bett ermöglichte, einen Waschtisch mit Krug und Schüssel, die mit Lilien oder Schneelandschaften bemalt waren, ein Spülgefäß auf einem Linoleumstreifen, der mit geringem Erfolg Marmor imitierte, eine weiße Wachsleinwand, mit Reißzwecken an der Wand hinter dem Waschtisch befestigt, ein Stückchen minderwertiger Seife, ein dünnes Handtuch und den vorherrschenden Geruch in konzentrierter Form.
Aber die zweibettigen Zimmer waren raffinierter eingerichtet. Da gab es außerdem noch ein zweites Handtuch, einen zweiten geraden Stuhl, einen Tisch und in der Regel einen Wandkalender.
Die Matratzen in den Betten waren klumpig und hatten in der Mitte eine Kuhle. Die Laken waren aus grober, kratzender Baumwolle, aber da das Amt der Haushälterin von Edna Weagle, Mrs. Tom Weagle, versehen wurde, waren sie makellos sauber und frei von Ungeziefer. Edna sprach oft und nicht ohne Bitterkeit von Ungeziefer und machte jeden lieben Tag Jagd darauf. Die Decken waren gleichfalls aus Baumwolle, ebenso die Wattierung der Steppdecken. Sie waren sehr schwer und alles andere als warm. Erfahrene Geschäftsreisende legten in Winternächten ihre Mäntel obendrauf.
Ora war an das Hotel, das in jenen Jahren sein Heim war, so gewöhnt, daß er es kaum noch sah, aber an diesem Tag hatte ihn sein Dichtertriumph in eine so glänzende Stimmung versetzt, daß er für zehn Sekunden stehenblieb, um einen Blick in Nr. 20 zu werfen.
»Was für ein Loch das ist!« seufzte er. »Ich werd mal ein Zimmer mit einem großen schwarzen Ledersessel haben und ein Bett mit seidenem Bettzeug! Vielleicht auch schwarz!«
Er war zu sehr Black Thread Center und zu sehr 1897, um sich einzugestehen, daß er sich ausmalte, was für einen schönen und erregenden Anblick sein schlanker weißer Leib auf einem schwarzseidenen Laken bieten würde.
Im Vorraum traf er Flossy Gitts, das zweite Zimmermädchen. Nun war Ora zwar fünfzehn und Flossy zwanzig, aber sie war großzügig und vorurteilslos; sie hatte Löckchen und besaß das, was man damals als Büste kannte; sie schäkerte vergnügt und zufrieden mit jedem männlichen Wesen im Alter von zehn bis zu hundert Jahren, obgleich ihr das liebste ein gereifter Reisender von fünfunddreißig war, der einen Freimaurerring trug und nichts dagegen hatte, sich einen Wagen aus dem Mietsstall kommen zu lassen und ein Mädel ordentlich zu traktieren.
»Hören Sie mal, wissen Sie, Ora, Myron ist ordentlich geladen, weil Sie im Souterrain und in den Musterzimmern nicht sauber gemacht haben!« sagte Flossy.
»Der Teufel soll ihn holen!« rief Ora.
»Ja, aber er wird Ihnen schon geben!«
»Ach, ich will 'n Kuß haben!«
»Seien Sie manierlich! Oh! Aber, Ora Weagle, Sie sollten sich was schämen; was Sie da tun!«
»Um mich ist Schrecken und Furcht!«
»Nein, wie Sie reden können – wie ein Buch! Hören Sie mal, Ora, wenn ich mit der 23 und der 15 fertig bin, helf ich Ihnen im Souterrain sauber machen.«
»Gemacht, Süßes!«
Ora stolzierte zum »Büro«. Er stolzierte tatsächlich. Eroberungen unter seinen Altersgenossinnen in der Ortschaft hatte er wohl genug gemacht, aber das war sein erster Erfolg als Gigolo, als junger Galan, der einer älteren Frau etwas abschmeichelt.
An den Wänden des Büros standen abwechselnd Rohrschaukelstühle und Spucknäpfe aus Messing. Das Schreibpult war aus gemasertem Kiefernholz. Dahinter hingen die Zimmerschlüssel, jeder mit einem Holzknebel versehen, um nicht unbefugt fortgenommen werden zu können; auf dem Pult stak eine Feder in einer Kartoffel und lag ein Fremdenbuch, das sich um einen Messingzapfen drehen konnte. Das Fremdenbuch war selbstverständlich immer offen, denn eines wußten die Hotelfachleute jener Z...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Kapitel 1
  3. Kapitel 2
  4. Kapitel 3
  5. Kapitel 4
  6. Kapitel 5
  7. Kapitel 6
  8. Kapitel 7
  9. Kapitel 8
  10. Kapitel 9
  11. Kapitel 10
  12. Kapitel 11
  13. Kapitel 12
  14. Kapitel 13
  15. Kapitel 14
  16. Kapitel 15
  17. Kapitel 16
  18. Kapitel 17
  19. Kapitel 18
  20. Kapitel 19
  21. Kapitel 20
  22. Kapitel 21
  23. Kapitel 22
  24. Kapitel 23
  25. Kapitel 24
  26. Kapitel 25
  27. Kapitel 26
  28. Kapitel 27
  29. Kapitel 28
  30. Kapitel 29
  31. Kapitel 30
  32. Kapitel 31
  33. Kapitel 32
  34. Kapitel 33
  35. Kapitel 34
  36. Kapitel 35
  37. Kapitel 36
  38. Impressum