Über die Notwendigkeit der Monarchie (De monarchia)
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Über die Notwendigkeit der Monarchie (De monarchia)

  1. 104 Seiten
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Über die Notwendigkeit der Monarchie (De monarchia)

Über dieses Buch

Die staatstheoretische Schrift "De monarchia", des berühmten Verfassers der "Göttlichen Komödie", Dante Alighieri, entstand wahrscheinlich zwischen 1310 und 1313, in drei Büchern, in der Zeit also, als Kaiser Heinrich VII. nach Italien kam und daselbst seinen Tod fand. Sie bezieht sich auf das Verhältnis zwischen geistlicher und weltlicher Macht, oder zwischen Papst und Kaiser. Im ersten Buch wird argumentiert, daß die Monarchie, d. h. das römische Kaisertum, zum Heil der Welt, zur Erlangung der höchsten Güter, Freiheit und Friede, notwendig sei; im zweiten, daß das Kaisertum nur den Römern zukomme; im dritten, daß der Kaiser nicht unter dem Papst stehe, sondern daß beide gleichen Rang haben.Das Werk mißfiel der Geistlichkeit so sehr, daß es beinahe vernichtet worden wäre.

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Information

Zweites Buch.

Wie das römische Volk das Amt der
Monarchie oder des Kaisertums mit Recht
übernommen habe.

WARUM toben die Völker und reden die Leute so vergeblich? Die Könige im Lande lehnen sich auf, und die Herren ratschlagen miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten? Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihr Joch. Sowie wir der Ursache nicht ins Gesicht schauend einer neuen Wirkung uns gemeinschaftlich wundern, so sehen wir, nachdem sich die Ursache uns zeigte, auf diejenigen, welche in der Verwunderung verharren, mit einer gewissen Verachtung herab. So wunderte ich mich auch einst, daß das römische Volk sich hier auf Erden, ohne Widerstand zu finden, an die Spitze gestellt habe, weil ich bei einer oberflächlichen Betrachtung desselben glaubte, daß es widerrechtlich und nur durch Gewalt der Waffen zu diesem Vorzug gekommen sei. Aber nachdem ich mit den Augen des Geistes tief in das Mark eindrang und mich die überzeugendsten Merkmale belehrten, daß dies der Wille der göttlichen Vorsehung war, trat an die Stelle der Verwunderung eine fast mit Spott verbundene Nichtachtung, wenn ich erfuhr, daß die Völker gegen diesen Vorrang des römischen Volkes gemurrt haben, wenn ich sehe, daß die Leute Eitles reden, wie ich selber tat; wenn ich zumal die Könige und Fürsten bedauere, die in dem Punkt allein übereinkommen, daß sie sich gegen ihren Herrn und seinen gesalbten römischen Herrscher auflehnen. Deshalb kann ich nicht anders als verächtlich und nicht ohne Schmerz, wie der Psalmist für den Herrn des Himmels, so für das glorreiche Volk und den Kaiser ausrufen: Warum toben die Völker und reden die Leute so vergeblich? Die Könige im Lande lehnen sich auf und die Herren ratschlagen miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten. Aber weil die natürliche Liebe nicht zuläßt, daß der Spott lange anhalte, sondern gleich der Sommersonne, welche durch ihren Aufgang den Morgennebel zerstreut und mit Licht bestrahlt, des Spottes vergessend lieber das Licht des Heiles ausströmen will, um die Hüllen der Unwissenheit bei dergleichen Königen und Herren zu zerreißen und zu zeigen, daß das menschliche Geschlecht von ihrem Joch befreit sei, so will ich mit dem hochheiligen Propheten, ihm folgend, mich selbst ermahnen und weiter, wie folgt, mit ihm sprechen: Lasset uns zerreißen ihre Bande und ihr Joch von uns werfen. Und dies wird zur Genüge geschehen, wenn ich den zweiten Teil meines gegenwärtigen Vorhabens ausgeführt und die Wahrheit des in Rede stehenden Satzes dargetan haben werde. Denn durch den Beweis, daß die römische Herrschaft eine rechtmäßige gewesen sei, wird nicht allein von den Augen derjenigen Herrscher, welche in verkehrter Meinung über das römische Volk sich das Ruder des Staats anmaßen, der Nebel der Unwissenheit hinweggenommen werden, sondern die Menschen alle werden wieder erkennen, daß sie von dem Joch dieser Anmaßer frei sind. Die Wahrheit der Behauptung erhellt nicht allein durch das Licht der menschlichen Vernunft, sondern auch durch den Strahl des göttlichen Ansehens. Da sich diese beiden vereinigen, muß Himmel und Erde gemeinschaftlich ihnen beipflichten. Daher gestützt auf das bezeichnete Vertrauen und auf das Zeugnis der Vernunft und der Offenbarung mich verlassend, schreite ich zur Untersuchung der zweiten Aufgabe.
Und so ist es denn, nachdem die Wahrheit des ersten Punktes, so weit der Stoff es erlaubt, genügend erwogen ist, meine Absicht, die zweite Frage, nämlich, ob das römische Volk die Würde des Kaisertums rechtmäßig übernommen habe, in Betrachtung zu ziehen. Es wird aber vor allem die Untersuchung vorauszuschicken sein, was denn eigentlich der Punkt sei, auf welchen die Gründe der gegenwärtigen Betrachtung, wie auf ihren Grund und Quell sich zurückbeziehen. So ist denn zu bemerken, daß, gleichwie sich bei der Kunst etwas Dreifaches findet, nämlich der Geist des Künstlers, das Werkzeug und der durch den Künstler gebildete Stoff, bei der Natur gleichfalls etwas Dreifaches statthabe, nämlich der Geist des ersten Bewegers, das heißt, Gottes, sodann der Himmel als gleichsam das Werkzeug der Natur, vermittelst dessen ein Bild der ewigen Güte sich dem fließenden Stoffe eindrückt. Und gleichwie unter Voraussetzung eines vollkommenen Künstlers und eines trefflichen Werkzeuges ein zufälliger Fehler an dem Kunstwerk nur dem Stoff zuzuschreiben ist: so bleibt, da Gott im höchsten Grade vollkommen ist, und sein Werkzeug (der Himmel) keinem Mangel an hinreichender Vollkommenheit unterworfen ist, wie aus unseren Untersuchungen über den Himmel hervorgeht, nichts übrig, als daß jeder Fehler an den irdischen Dingen in dem dabei zum Grunde liegenden Stoff sich befinde und von Gott und dem Himmel nicht beabsichtigt sei, und daß andererseits alles Gute an den menschlichen Dingen, da es von dem Stoff selbst nicht herrühren könne, von Gott als dem Künstler, bei dem die urerste Gewalt ist, und demnächst von dem mitwirkenden Himmel herrühre als dem Werkzeug des göttlichen Kunstwerkes, das wir insgemein die Natur nennen. Hieraus leuchtet schon hervor, daß das Recht, da es etwas Gutes ist, dem göttlichen Geiste eignet, und da alles, was im Geist Gottes ist, Gott ist (laut Ausspruches: die Tat ist das Leben des Täters) und Gottes Wille sich am meisten auf ihn selbst bezieht, so folgt, daß das Recht von Gott sintemal es in ihm ist, gewollt sei. Und da der Wille und das Gewollte in Gott eins und dasselbe ist, so folgt weiter, daß der göttliche Wille das Recht selbst sei. Und abermals folgt hieraus, daß das Recht in den Dingen nichts anderes sei als ein Bild des göttlichen Willens. Daher kommt es, daß alles, was mit dem göttlichen Willen nicht übereinstimmt, selbst nicht Recht sein kann, und alles, was mit dem göttlichen Willen übereinstimmt, selbst Recht ist. Untersuchen, ob etwas mit Recht geschehen sei, heißt also, wenn gleich mit anderen Worten doch nichts anderes, als ob es nach Gottes Willen geschehen sei. So darf man demnach voraussetzen, daß das, was Gott in der menschlichen Gesellschaft will, für ein wahres und lauteres Recht zu halten sei. Außerdem muß man sich erinnern, daß, wie der Philosoph in den ersten Büchern an den Nikomachus lehrt, nicht jeder einzelne Stoff dieselbe Sicherheit gewährt, sondern nur in dem Maße, als es die Beschaffenheit des besonderen Dinges zuläßt. Hierfür werden sich nach Auffindung der Grundursache hinlängliche Beweise vorfinden, wenn aus den offenkundigen Zeichen und den Aussprüchen der Weisen das Recht jenes ruhmvollen Volkes in Betrachtung kommt. Der Wille Gottes ist freilich an sich unsichtbar, und Gottes unsichtbarer Wille läßt sich nur durch seine Werke vermöge des Geistes erblicken. Denn ist gleich sein Siegelring verborgen, so gibt das von ihm beprägte Wachs trotz der Verborgenheit offenbares Zeugnis. Auch ist es kein Wunder, wenn der göttliche Wille an den Abdrücken erscheint, daß auch der menschliche ohne den Wollenden nur an den Abdrücken erkannt werde.
Die Behauptung nun, daß das römische Volk rechtmäßig und ohne Anmaßung das Amt des Monarchen, oder das Kaisertum, ausschließlich übernahm, wird zuerst folgendermaßen bewiesen. Dem edelsten Volk kommt es zu, allen anderen vorgezogen zu werden. Das römische Volk war das edelste; folglich kommt es ihm zu, allen anderen vorgezogen zu werden. Denn, dies müssen wir hinzunehmen, da die Ehre die Belohnung der Tugend und jede Bevorzugung eine Ehre ist, so ist jede Bevorzugung eine Belohnung der Tugend. Aber es ist bekannt, daß Menschen durch das Verdienst der Tugend geadelt werden, nämlich der eigenen Tugend oder der ihrer Vorfahren. Denn unter Adel versteht man Tugend und alten Reichtum, dem Philosophen in der Redekunst gemäß. Auch laut Juvenal:
Adel ist eins, desgleichen ist eines die Tugend.
Diese beiden Ausdrücke beziehen sich auf einen doppelten Adel, den eigenen und den der Vorfahren. Den Edlen also ist der Ursache gemäß der Lohn der Bevorzugung angemessen. Und da die Belohnung den Verdiensten anzumessen sind laut des evangelischen Spruches: Mit demselben Maße, womit ihr meßt, sollet ihr wieder gemessen werden, so ziemt dem Edelsten der größte Vorzug. Für den Untersatz aber sprechen die Zeugnisse der Alten. Denn unser göttlicher Dichter Virgil bezeugt zum ewigen Andenken die ganze Æneide hindurch, daß der glorreiche König Æneas der Vater des römischen Volkes gewesen sei, und Titus Livius, der ausgezeichnete Beschreiber der römischen Taten, stimmt ihm bei im ersten Teil seines Werkes, das von der Eroberung Trojas beginnt. Von welchem Adel aber dieser so milde und fromme Vater gewesen sei, nicht nur anlangend seine eigene Tugend, auch die seiner Vorfahren und seiner Gemahlinnen, deren beiderseitiger Adel durch Erbrecht auf ihn überging, möchte ich nicht auseinanderzusetzen vermögen; ich will nur den Spuren obenhin folgen. In Betreff also seines eigenen Adels ist unser Dichter zu vernehmen, der in dem ersten Buch der Ilioneus also sprechen läßt:
König war uns Æneas, dem nicht in Gerechtigkeit einer,
Nicht in Frömmigkeit ja, noch in Krieg und Waffen
zuvorging.
Zu vernehmen ist derselbe im sechsten Buch, der, als vom Tode des Misenus, des ehemaligen Kriegsgenossen des Hektor und nachmaligen Kriegsgenossen des Æneas spricht, den Misenus als einen schildert, der selber sich nicht herabgesetzt habe, indem er den Æneas mit dem Hektor vergleicht, dem von Homer vor allen gepriesenen, wie der Philosoph berichtet in dem Abschnitt über das in sittlicher Hinsicht zu Vermeidende an den Nikomachus. Was aber den geerbten Adel betrifft, so findet sich, daß jeglicher Teil des dreigeteilten Erdkreises sowohl durch Ahnherren als durch Gattinnen ihn geadelt habe; Asien nämlich durch nähere Altvordern, z.B. den Assarakus, und andere, welche in Phrygien herrschten, einer asiatischen Landschaft, weshalb unser Dichter im dritten Buch sagt:
Als nun Asiens Macht und dem Priamus Götterentscheidung
Sein unschuldiges Volk ausrottete –
Europa aber durch jenen uralten Dardanus, und auch Afrika durch die Urmutter Elektra, die Tochter des Atlas, des Königs von großem Ruf; wie von beiden unser Dichter im achten Buch zeugt, wo Æneas zum Evander also spricht:
Dardanus, Ahn und Stifter der ilischen Feste vor Alters,
Sohn, wie der Grajer erzählt, der atlantischen Heldin
Elektra –
Daß aber Dardanus von der Europa abstammte, singt unser Seher im dritten Buch folgendermaßen:
Westlich liegt ein Land, Hesperia nennt es der Grajer,
Alternden Ruhms, durch Waffen gelobt und ergiebige Scholle,
Einst vom önotrischen Volke bewohnt; nun, sagt man, die Jüngern
Nannten es Italerland, von Italus’ Namen, des Führers.
Dort wird eigener Sitz uns, und Dardanus stammet von dorther.
Daß aber Atlas aus Afrika war, des zeugt der dortige Berg durch seinen Namen, den Orosius in seiner Beschreibung der Erde nach Afrika versetzt mit den Worten: Die äußerste Grenze ist aber daselbst der Berg Atlas und die sogenannten glücklichen Inseln. Daselbst, das heißt, in Afrika, weil er von diesem Erdteil sprach. Desgleichen finde ich, daß er auch durch eheliche Verbindung geadelt war; denn seine erste Gemahlin war Kreusa, die Tochter des Königs Priamus in Asien, wie aus dem oben Angeführten hervorgeht. Und daß sie seine Gemahlin war, bezeugt unser Dichter im dritten Buch, wo Andromache den Æneas als Vater nach seinem Sohn Askanius so fragt:
Was denn macht dein kleiner Askanius? Lebt er und atmet?
Den dir, als Troja bereits aufflammte, Kreusa geboren?
Die zweite war Dido, die Königin und Mutter der Karthager in Afrika. Und daß sie seine Gattin war, bezeugt derselbe Dichter im vierten Buch, wenn er von der Dido sagt:
Und nicht heimliche Freuden ersinnt die schmachtende Dido;
Ehe nennt sie es, also wird Schuld durch Namen beschönigt.
Die dritte war Lavinia, die Mutter der Albaner und Römer, und des Königs Latinus Tochter zugleich und Erbin, laut Zeugnisses unseres Dichters im letzten Buch, wo er den besiegten Turnus sich so flehend an den Æneas wenden läßt:
Du siegtest: und daß ich besiegt ausstreckte die Hände,
Sah der Ausonier Heer. Dir ist Lavinia Gattin.
Diese letzte Gattin war aus Italien, dem edelsten Land von Europa. Wer ist nun nach dem Erweis des Untersatzes nicht vollkommen überzeugt, daß der Vater des römischen Volkes und folglich das römische Volk selbst das edelste unter dem Himmel gewesen sei? Oder wer kann bei jenem doppelten Zusammenfluß des Blutes aus jedem Teil der Erde auf einen einzigen Mann die göttliche Vorausbestimmung verkennen?
Auch daß zu seiner Vollendung die Beistimmung der Wunder ihm zu Hilfe kommt, ist von Gott gewollt, und geschieht folglich mit Recht, und daß dies wahr sei, ist augenscheinlich. Denn Thomas sagt in seinem dritten Buch gegen die Heiden: Wunder ist, was gegen die den Dingen insgemein inwohnende Ordnung von Gott geschieht. Daher billigt er es auch, daß es allein Gott zukomme, Wunder zu tun, und dies wird ferner erhärtet durch die Worte des Moses bei Gelegenheit der Läufe, wenn er die Magier des Pharao, welche sich der Naturgesetze verschlagen bedienten, hier aber nichts ausrichten konnten, sagen läßt: Das ist Gottes Finger. Wenn also das Wunder eine unmittelbare Wirkung der Urkraft ist ohne Mitwirkung der Hilfskräfte, wie Thomas selbst in dem angezogenen Buch sattsam dartut, sofern es zugunsten eines Menschen angewandt wird: so ist es Frevel zu behaupten, dasjenige, dem eine solche Gunst erzeigt wird, sei nicht von Gott, gleichsam eine von ihm zuvorbedachte Gewogenheit, vermöge deren es ihm gefiel einen Widerspruch mit sich selbst zuzulassen. Dem römischen Reich kam zu seiner Vollendung die Beistimmung der Wunder zu Hilfe; es ist demnach von Gott gewollt, und folglich mit Recht so geschehen und besteht noch. Daß aber Gott zur Vollendung des römischen Reiches Wunder getan hat, wird durch die Zeugnisse erlauchter Schriftsteller bestätigt. Denn als Numa Pompilius, der zweite König der Römer, nach heidnischem Gebrauch opferte, soll ein Schild vom Himmel in die von Gott auserwählte Stadt gefallen sein nach dem Zeugnis des Livius im ersten Teil, welches Wunders Lucan im neunten Buch der Pharsalien gedenkt, indem er die unglaubliche Gewalt des Südwindes, welchen Lybien zu leiden hat, beschreibt mit folgenden Worten:
So stürzten hernieder
Jene dem Opferer Numa gewiß, die der Jünglinge Auswahl
Trägt mit patricischem Nacken; es hatte der Süd sie geraubet
Oder der Nordwind Völkern, die unsere Ankilien tragen.
Und als die Gallier schon die Stadt erobert hatten, und auf die Finsternis der Nacht sich verlassend, heimlich zum Kapitolium hinanstiegen, das allein noch dem völligen Untergang des römischen Namens entgangen war, soll nach dem übereinstimmenden Zeugnis des Titus Livius und vieler anderen erlauchten Schriftsteller eine daselbst zuvor nicht gesehene Gans die Ankunft der Gallier durch ihren Ruf angezeigt und die Wächter zur Verteidigung des Kapitoliums angespornt haben, welches Ereignisses auch unser Dichter gedachte, als er den Schild des Æneas im achten Buch beschrieb, und zwar so:
Oben stand, zur Hut des tarpejischen Hortes bestellet,
Manlius, welcher den Tempel und dich, Kapitolium, schützte;
Frisch war das Königshaus mit romulischem Halme gedecket.
Siehe, die silberne Gans durchflatterte goldene Hallen,
Ängstlichen Flugs, ankündend, die Gallier sei’n an der Schwelle.
Daß aber, als der römische Adel vor dem Drang Hannibals dahinsank, und als die Punier nur noch eines Angriffes bedurften, um Rom von Grund aus zu vertilgen, die Sieger durch ein plötzliches und unerträgliches Hagelwetter abgehalten wurden, ihren Sieg bis zur Stadt zu verfolgen, erzählt Livius unter anderen Ereignissen in seiner Beschreibung des punischen Krieges. War nicht Clölias Flucht wunderbar, als sie, ein Weib und zwar gefangen bei der Belagerung von Porsenna, die Ketten zerbrach und mit Gottes wundersamem Schutz den Tiber durchschwamm, wie fast alle Geschichtsschreiber Roms zu ihrem Ruhm melden? So ziemte es freilich dem zu verfahren, der alles in Schönheit und Ordnung von Ewigkeit vorhersah, damit er, der da sichtbar war, um Wunder statt des Unsichtbaren zu offenbaren, zugleich unsichtbar statt des Sichtbaren jenes offenbarte.
Jeder, der überdies das Wohl des Staates beabsichtigt, der beabsichtigt auch den Zweck des Rechtes, und daß dieser Schluß zu machen sei, erweist sich so. Das Recht ist die sächliche und persönliche Angemessenheit des Menschen zum Menschen, dessen Aufrechterhaltung die menschliche Gesellschaft aufrechterhält und das Verderbte verderbt. Denn jene ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Erstes Buch
  3. Zweites Buch
  4. Drittes Buch
  5. Zu dieser Ausgabe
  6. Impressum