Freiheit – Gleichheit – Brügerlichkeit
I Die Zukunft der Menschheit
„Die große Frage für die Zukunft wird sein: Wie werden wir uns zu benehmen haben gegenüber den Kindern, wenn wir sie so erziehen wollen, dass sie als Erwachsene in das Soziale, das Demokratische, in das Liberale im umfassendsten Sinne hineinwachsen können? Und eine der allerwichtigsten der sozialen Fragen für die Zukunft, ja schon für die Gegenwart, ist einmal die Erziehungsfrage.“
Rudolf Steiner 4
Das soziale und gesellschaftliche Leben scheint aus den Fugen geraten zu sein. Die Aktion der Schauspieler „Alles dicht machen“ und die sich daran anschließende Diskussion, Kampagne und Diffamierung war nur ein Beispiel dafür, dass etwas in unserem Zusammenleben ganz und gar nicht mehr stimmt. Unsere Gesellschaft scheint in jeder Hinsicht am Ende zu sein. Aber wie soll es weiter gehen?
Zukunftsvisionen und Soziale Dreigliederung
Es gibt Menschen, die Visionen für eine Zukunft der Menschheit haben, diese formulieren, publizieren und umsetzen wollen. Freiheit und Initiative des Individuums haben in mancher dieser Visionen wenig Platz.5
Gibt es andere Visionen? Gibt es Gedanken, Ideen wie das soziale und gesellschaftliche Leben gestaltet werden könnte, sodass es dem Wesen des Menschen, der nicht nur ein physisches, sondern auch ein geistig-seelisches Wesen ist, gerecht werden könnte? Eine solche Idee ist die der „Dreigliederung des sozialen Organismus“, wie sie von Rudolf Steiner formuliert wurde. Sie möchte einerseits dem Menschen als einem Ich-begabten Wesen und andererseits unserem Zusammenleben als Menschheitsfamilie gerecht werden.
Die aktuelle Situation als Folge unseres Denkens
Schauen wir heute auf die Menschheit, so ist der jetzige Zustand Ausdruck eines Denkens, das den Menschen auf seinen physischen Körper reduziert. Dies muss zwangsläufig zur Angststarre führen, wenn dieser Körper durch eine Krankheit tatsächlich oder vermeintlich bedroht ist. Gelingt es dem Denken nicht, sich aus dieser zunächst ja durchaus berechtigten Angst zu befreien, weil es im Menschen nur das anerkennt, was den Sinnen wahrnehmbar ist, dann wird die Angst zum inneren Gefängnis. Ähnliches gilt für die Angst vor den Maßnahmen, der Impfpflicht, der Diktatur, der Existenzvernichtung, Schließung der Institution, schlechter Presse etc. Die innere Enge, in die die Angst führt, spiegelt sich auch äußerlich in der Gefangenschaft der Menschheit wider - besonders eindrücklich veranschaulicht durch die weltweit verordneten Lockdowns.
Die Bedeutung vom Staate befreiter Schulen
Vor 100 Jahren hat Rudolf Steiner immer wieder darauf hingewiesen, dass es ohne die Wissenschaft vom Geiste (Anthroposophie) keine heilsame Umgestaltung des sozialen Lebens geben wird. Als eine entscheidende Frage in dieser Hinsicht hat er die der Erziehung gesehen. Ohne die Befreiung des Schulwesens vom Staatswesen werde ein menschengemäßes Zusammenleben der Menschheit nicht möglich sein: „Es ist eine ernste Sache, denn ich sage Ihnen ja nichts Geringeres damit, als daß es ohne Geisteswissenschaft keine soziale Umgestaltung für die Zukunft gibt; aber das ist wahr.“ – und jetzt wird Rudolf Steiner ganz konkret: „Sie werden niemals die Möglichkeit bekommen, die Menschen zum Verständnis zu bringen in einer solchen Weise, wie es notwendig ist in Bezug auf diese Dinge wie Intuition, Imagination, Inspiration, wenn Sie zum Beispiel die Schule dem Staate überlassen.“6
Heute – 100 Jahre später – können wir erkennen, wie wahr diese Aussage ist. Niemals in der Geschichte der Menschheit hat der Staat durch seine Gesetze und Verordnungen derart tief in das pädagogische Handeln der LehrerInnen eingegriffen, seien sie als Beamte so genannte „Staatsdiener“, seien sie Angestellte einer „Freien Schule“.
Auflösung des Schulsystems?
Gleichzeitig scheint sich das „System Schule“, wie wir es kannten, immer mehr aufzulösen. Mal waren die Schulen auf und die Hälfte der Klasse durfte kommen (Wechselunterricht), dann ist sie wieder geschlossen - etwa, wenn zu viele Lehrer und Schüler in Quarantäne sind - und es findet Distanzunterricht statt. Die Schulpflicht scheint nicht mehr an die Anwesenheit in einem Schulgebäude gebunden zu sein, sondern eher an die Beachtung sich immer wieder verändernder Verordnungen, eine Impfung, Testpflicht, das Tragen von Masken, das Bearbeiten von Arbeitsblättern oder die Teilnahme am Online-Unterricht. In manchen Bundesländern war und ist die Präsenzpflicht gar ganz aufgehoben oder Verstöße gegen die Schulpflicht werden geduldet.7
Die Auflösung eines Systems schien in diesem Ausmaß bis vor zwei Jahren noch undenkbar; Eltern mussten während der Lockdowns in weit größerem Maße als zuvor Verantwortung für die Bildung ihrer Kinder übernehmen und viele von ihnen wollen das inzwischen auch weiterhin.
Um damit nicht alleine zu stehen, bilden sich immer mehr Unterstützungsgemeinschaften, kleine Lerngruppen, außerschulische Angebote und Aktionen. Abseits des bisherigen Schulsystems entstehen neue Lernumgebungen und Lernorte, an denen die Bedürfnisse der Kinder besser berücksichtigt werden können, als es momentan in den Schulen möglich ist.
Kinder kommen aus der Geistigen Welt
Für unsere Zukunft als Menschheit wird es weiterhin entscheidend sein, wie wir mit unseren Kindern umgehen. Gehen wir einmal von dem Gedanken aus, dass ein Mensch aus der geistigen Welt auf die Erde kommt, weil er in der geistigen Welt nicht mehr die Umgebung findet, die er benötigt, um sich weiterzuentwickeln. Er kommt mit bestimmten Voraussetzungen in der physischen Welt an, mit Voraussetzungen, die er aus vorangegangenen Inkarnationen mitbringt und mit Voraussetzungen, die er aus dem Vererbungsstrom von Mutter und Vater erhält. Unter diesen Voraussetzungen will er seinen Lebensweg durchlaufen, um sich hier weiterzuentwickeln und mit den Früchten dieses Lebensweges wieder in die geistige Heimat zurückzukehren. Jeder Mensch hat im Vorgeburtlichen unter der Mitwirkung höherer Hierarchien einen Lebensplan ausgearbeitet, hat eine Mission, hat sich Aufgaben vorgenommen, die er auf der Erde verwirklichen will. Dass der Mensch im Laufe seines Lebens Anschluss an diese Impulse finden kann, hängt maßgeblich davon ab, in welcher Umgebung und mit welchen Menschen er aufwächst. Wird die Verbindung zur geistigen Welt durch eine materialistisch gestimmte Umgebung und Erziehung bereits in der Kindheit gekappt, dann wird es für den Menschen sehr schwer, diese in seinem späteren Leben wieder zu finden. Dies hat fundamentale Auswirkungen auf das gesamtgesellschaftliche soziale Leben.
Die Ideale „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“
Als zentral für das Zusammenleben als Menschheitsfamilie können die Ideale der französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ betrachtet werden. Diese Ideale sind keine abstrakten Erfindungen, sondern im Menschen selbst veranlagt. Sie treten im späteren Leben, wenn ihre Keime in der Kindheit erkannt, berücksichtigt und entsprechend gefördert wurden, metamorphosiert, d.h. verwandelt, in Erscheinung. Damit sie nicht - wie im Laufe der französischen Revolution - im Leben scheitern, ist es für den erwachsenen Menschen wichtig zu erkennen, in welchem Bereich des Lebens welches Ideal seine Berechtigung hat und gelebt werden kann. So findet das Ideal der Freiheit im Geistesleben (Kultur, Bildung, Wissenschaft, Religion), das Ideal der Gleichheit im Rechts- oder Staatsleben und das Ideal der Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben seinen jeweiligen Raum.
Es wird für die Zukunft der Menschheit viel davon abhängen, ob die jetzige Generation von Kindern so aufwächst, dass sie im Erwachsenenalter noch in der Lage ist an ihre ursprünglichen Impulse und Ideale anzuknüpfen.
Wie und was können erwachsene Menschen, die gegenüber Kindern eine verantwortliche Aufgabe übernommen haben, dazu beitragen, dass wir als Menschheit mehr und mehr fähig werden diesen drei Idealen im Sinne der Dreigliederung des Sozialen Organismus nachstreben zu können?
II Die zwei Seiten der Sozialen Dreigliederung
„Wenn diejenigen, die schwärmen für die Ideen der Waldorfschule, nicht einmal so viel Verständnis entwickeln, dass ja dazu gehört, Propaganda zu machen gegen die Abhängigkeit der Schule vom Staat, mit allen Kräften dafür einzutreten, dass der Staat diese Schule loslöst, wenn Sie nicht auch den Mut dazu bekommen, die Loslösung der Schule vom Staat anzustreben, dann ist die ganze Waldorfschul-Bewegung für die Katz, denn sie hat nur einen Sinn, wenn sie hineinwächst in ein freies Geistesleben.“ Rudolf Steiner8
Wie bereits angedeutet, ist die Soziale Dreigliederung im Menschen selbst veranlagt, was wiederum bedeutet, dass sie von jedem Menschen an dem Ort, an dem er steht, verwirklicht werden kann. Sie ist weder ein System noch eine Theorie, die den Menschen übergestülpt werden soll, sondern sie wird gesellschaftlich nur dadurch verwirklicht werden können, dass möglichst viele Menschen bestrebt sind, sie bewusst zu leben.
Die Idee der sozialen Dreigliederung hat somit zwei Seiten, die eine ist die innere Seite des Menschseins, die andere ist die Gestaltung des äußeren sozialen Zusammenlebens. Zunächst soll nun auf die „innere Seite“ dieser Idee geschaut werden:
Die Innere Seite der Sozialen Dreigliederung
Wenn ein erwachsener Mensch einen konstruktiven Beitrag für die Gemeinschaft leisten möchte, bedarf es dreier Bedingungen:
Erstens ist es notwendig, dass er seine Begabungen, Interessen und Fähigkeiten (weiter-)entwickeln durfte, was wiederum mit den unterschiedlichen, individuellen Schicksalsbedingungen zusammenhängt. Der Beitrag, den der Einzelne für die Gemeinschaft leisten kann, steht somit in engem Zusammenhang mit seiner Individualität.
Das zweite ist, dass der Mensch in der Lage sein müsste mit anderen Menschen in Frieden auskommen zu können. Auf dieser Ebene tritt der Einzelne in wechselseitige Beziehungen zu anderen Menschen, dort begegnen sich Individualitäten, unabhängig von Alter, Beruf, Begabungen, gesellschaftlicher Stellung etc.
Und zum dritten ist es notwendig, dass jeder Mensch schließlich den Platz findet, an dem er mit seinem Beitrag dem Wohle der Gemeinschaft dienen kann. In diesem Zusammenhang werden die anderen Menschen, die Gemeinschaft, die Menschheitsfamilie, aber auch...