Sam Dodsworth
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Sam Dodsworth

  1. 456 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Sam Dodsworth

Über dieses Buch

"Sam Dodsworth" ist ein 1929 erschienener Roman des amerikanischen Schriftstellers Sinclair Lewis. Der Originaltitel lautet "Dodsworth".

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Information

Jahr
2022
ISBN drucken
9783755759935
eBook-ISBN:
9783755750314

Elftes Kapitel

Die Besitztümer Sir Francis Oustons waren zahlreich und recht beachtlich. Er besaß einige tausend Morgen wallisischen Kohlengeländes, er besaß Woughton Hall in Kent und ein hohes, düster aussehendes Haus am Eaton Square, er besaß die berühmte Stute Capriciosa III., und in der Liberalen Partei besaß er eine Position unmittelbar nach Asquith und Lloyd George.
Ihn selbst besaß seine Frau.
Lady Ouston war eine schöne, überaus selbstherrliche Frau. Sie hatte eine hohe, scharfe, heftige Stimme und viele entschiedene Ansichten. Sie war fest und sogar etwas kriegerisch in ihrer Überzeugung, daß Jay in Kleiderangelegenheiten Poiret vorzuziehen sei, daß die Labour Party Verrat treibe, daß Sir Francis (lediglich um des Landes willen) Premierminister werden müßte, daß die Gewohnheit der arbeitenden Klassen, Bier zu trinken, überaus verwerflich sei, daß es an Niedertracht grenze, Brathuhn ohne Brottunke zu servieren, und vor allem, daß die Vereinigten Staaten von Amerika ein ungebildetes und geldgieriges Land mit schlechten Manieren seien.
Sie war – wie ihr Vater und ihre Mutter vor ihr – in Nashville in Tennessee geboren.
Sie war eine furchtbare Hausfrau. Sie hatte einen Salon, und obgleich sie Forscher, Chemiker und die wenigen Schriftsteller, die etwas von Gehröcken wußten, um sich sammelte, war sie nie so weit herabgestiegen, ihren Salon mit kubistischen Malern, indischen Nationalisten, amerikanischen Cowboys und anderen Schaubudenfiguren zu füllen, mit denen die Hausfrauen von der Konkurrenz die eigentlichen Leute an sich zu ziehen suchten.
Und ihre Dinners waren bewundernswert. Man konnte sicher sein, Napoleon Brandy, den Vetter eines Herzogs und die neueste Anekdote über die Minderwertigkeit New Yorks vorgesetzt zu bekommen.
Lockert konnte Lady Ouston nicht dazu bewegen, die Dodsworths zu einem von ihren besten Dinners, mit Kabinettsministern, einzuladen, aber es war ein ganz anständiges über dem Durchschnitt stehendes Dinner mit Clos-Vougeot und dem Rektor eines Cambridger Colleges.
Sam war still, sehr aufmerksam und nicht übermäßig heiter, als er die zwanzig Leute musterte, die mit Behagen an ihrem Lachs und am guten Ruf ihrer Mitmenschen knabberten. Niemand schien so gewöhnlich zu sein, daß er ausgeprägte Meinungen hatte, und jedermann wünschte von ihm nur zweierlei zu erfahren: Ob das sein erster Besuch in England sei? und wie lange er zu bleiben gedenke? Und beides schien ihnen ziemlich gleichgültig zu sein.
Er mußte daran denken, wie oft er selbst Fremde, die die Revelationfabrik besuchten – Engländer, Schweden, Deutsche, Franzosen – gefragt hatte, ob dies ihr erster Besuch in Amerika sei, und wie lange sie zu bleiben vorhätten.
»Nie wieder werde ich diese Fragen stellen!« gelobte er sich.
Das Dinner nahm seinen Verlauf. Suppe und ein Gemurmel über Radio und Bernard Shaw, Lachs und ein vornehmes Murmeln über Mussolini und Influenza, Hammelbraten und nicht sehr angeregte Mitteilungen über Fassadenkletterer. Sam war ganz benommen von der doppelten Pflicht, eifrig zu essen und seine feinen Sitten zu beweisen, als er plötzlich merkte, daß Lady Ouston mit ihm über Amerika sprach, und daß alles am Tisch aufmerksam zu werden begann. Er wußte nicht, daß sie geborene Amerikanerin war, und hörte bekümmert zu.
»– und selbstverständlich würde niemand unter uns auf den Gedanken kommen, Ihre liebe Frau und Sie in einen Topf mit den entsetzlichen, entsetzlichen amerikanischen Touristen zu werfen, die man in Lokalen oder auf der Bahn sieht – oder eigentlich hört – wo können eigentlich solche Amerikaner herkommen? Wirklich, ich bin ganz sicher, Sie könnten beide für Engländer gehalten werden, wenn Sie nur ein paar Jahre hier leben. Es ist also durchaus unpersönlich. Aber sind Sie nicht auch derselben Ansicht wie wir – so sehr wir auch die Energie und technische Erfindungsgabe Amerikas bewundern – daß es das entsetzlichste Land der Welt ist? Diese Stimmen – wie Blechtrompeten! Diese Ungeschliffenheit! Dieser Mangel an Zurückhaltung! Und diese materialistischen Ideale! Und die Normalisierung – alle denken ganz genau das gleiche über alles. Ich versichere Ihnen, wenn Sie einmal zwei Jahre hier gewesen sind, werden Sie so froh darüber sein, Ihr schauderhaftes Land verlassen zu haben, daß Sie nie wieder zurück wollen. Spüren Sie nicht schon jetzt ein bißchen davon?«
Sam Dodsworth hatte nie in seinem Leben damit geprahlt, daß er Amerikaner war, noch dafür um Entschuldigung gebeten. Er war so verblüfft, daß er nur in bescheiden klingendem Ton murmeln konnte: »Ich habe nie viel über Amerika als ein Ganzes nachgedacht. Ich habe es sozusagen genommen, wie es ist –«
»Das werden Sie nicht lange tun! So ein Land! Diese entsetzlichen Politiker! Ganz entschieden die niedrigste Form des animalischen Lebens – noch schlimmer als irische Republikaner! Und müssen Sie sich nicht ein wenig schämen, Amerikaner zu sein, wenn Sie daran denken, daß Amerika uns die Kriegsschulden bezahlen läßt, wo das Geld doch eigentlich alles war, was Amerika beigetragen hat?«
»Nein!« Sam war plötzlich wütend; plötzlich frei von aller Schüchternheit, die er vor dieser zeremoniellen Gesellschaft empfunden hatte. »Ich war nie ein großer Chauvinist. Ich bilde mir nicht ein, daß Amerika vollkommen ist. Da fehlt viel. Ich weiß, daß es bei uns eine Menge Narren und Schurken gibt, und habe nichts dagegen, daß man über sie herzieht. Aber Sie werden entschuldigen, daß ich anderer Ansicht bin als Sie –«
Lockert sagte besänftigend: »Sie können nicht erwarten, daß Mr. Dodsworth Ihnen zustimmt, Lady Ouston. Sie dürfen nicht vergessen, daß er –«
Jetzt war Sam nicht mehr zu beruhigen. »Ich habe wahrscheinlich doch ein bißchen geglaubt, daß Amerika die größte Nation auf Erden ist. Und vielleicht ist es das auch. Vielleicht gerade weil wir so viele Fehler haben. Das zeigt, daß wir uns entwickeln! Es soll mir leid tun, wenn es unfein ist, daß man sich nicht schämt, Amerikaner zu sein, aber dann muß ich eben unfein sein!«
Während er nach außen hin brüsk war, sagte er sich höchst schüchtern: »Die dreckigen Blicke, die ich von allen Seiten bekomme! Ich habe Fran alles verdorben. Mahlzeit, was ich von ihr zu hören kriegen werde!«
Aber unglaublicherweise war es Fran selbst, die jetzt angriff: »Meine liebe Lady Ouston, unter hundertundzehn Millionen Amerikanern muß es einige geben, die erträgliche Stimmen haben und nicht ausschließlich an Geld denken! Da viele von uns erst seit einer Generation oder noch kürzere Zeit von England fort sind, muß es einige nette Leute bei uns geben! Und ich weiß nicht, ob jedes Mitglied des englischen Parlaments ein vollendeter kleiner Gentleman ist. Ich glaube, ich habe von Auftritten gehört – Bei uns gibt es wahrscheinlich mehr Selbstkritik als bei den meisten anderen Völkern – unsere eigenen Schriftsteller schimpfen uns alles mögliche, das gelindeste ist noch Hauptstraßler. Aber merkwürdigerweise bilden wir uns ein, daß wir selbst an unserem Schicksal arbeiten müssen, ohne die Hilfe wohlwollender Ausländer!«
»Ich glaube, Mrs. Dodsworth hat ganz recht«, sagte Sir Francis. »Es erbaut uns hier in England durchaus nicht, wenn die Franzosen und Italiener uns Barbaren nennen, was sie recht gern tun!«
Das sagte er recht freundlich, aber Sam wußte, daß Fran und er von nun an im Hause Ouston so beliebt sein würden wie zwei tolle Hunde.
Um viertel elf bekam Fran taktvolle Kopfschmerzen.
Sir Francis und Lady Ouston waren beim Abschied überaus herzlich.
Sam und Fran schwiegen im Auto, bis er seufzte: »Sei nicht böse, mein Kind. Es war ziemlich schlimm. Es tut mir schrecklich leid, daß ich mich nicht besser beherrscht habe.«
»Es macht gar nichts! Ich bin froh, daß du dich nicht beherrscht hast! Die Frau ist verrückt! Ach –« Fran lachte hysterisch. »Die Oustons und wir werden jetzt Busenfreunde werden! Sie werden darauf bestehen, daß wir mit ihnen eine Weltreise auf ihrer Jacht machen!«
»Und die Jacht anbohren!«
»Haben sie nicht eine nette kleine Tochter, die Brent heiraten kann?«
»Fran, ich bewundere dich wirklich!«
»Du alter Bär! Aber ich bin froh, daß du ein Bär bist! Sam, ich habe einen furchtbaren Gedanken. Ich gehe jede Wette mit dir ein, daß diese alberne Person Amerikanerin ist! Eine Konvertitin! Expatriierte von Beruf! Sie ist viel zu englisch, um Engländerin zu sein. Nicht daß die echten Engländer uns allzu sehr lieben, aber sie ist wie ein irischer Kritiker, der in London lebt, oder wie ein jüdischer Pair – sieben Schritte rechts vom König. Und ich hätte vielleicht auf denselben Weg kommen können – Sam Dodsworth, wenn du mich je dabei ertappen solltest, daß ich etwas anderes sein möchte als eine rauhe Amerikanerin, mußt du mich prügeln.«
»Gut. Aber werde ich dich einmal sehr lange prügeln müssen?«
»Wahrscheinlich. Ich bin ein ziemliches Luder. Und bei Lord Herndon habe ich mit Clyde Lockert geflirtet! Es hat mich gelockt, ihn aus seiner Überlegenheitspose aufzustören. Und das ist mir auch gelungen! Aber ich schäme mich so!«
Im Hotel schmiegte sie ihre Wange an seine Schulter und flüsterte: »Ach, am liebsten möchte ich in dich hineinkriechen und ein Teil von dir werden. Laß mich nie fort'«
»Nein!«
Das Debacle bei Oustons machte Frans gesellschaftlicher Karriere ein Ende, obwohl Lockert ihr Mentor blieb. Er kam am nächsten Tag zum Tee, so selbstverständlich wie immer, und brummte:
»Na, Merle Ouston war gestern abend reichlich unangenehm. Sie aber auch, Dodsworth!«
»Ich konnte doch nicht ruhig dasitzen und ihr zuhören –«
»Sie hätten lächeln sollen. Ihr Amerikaner seid immer so empfindlich. Ein Engländer macht sich nie etwas aus Kritik an England. Er lacht darüber.«
»Hm! Das habe ich schon mal gehört – von Engländern! Ob das nicht eine von euern frommen Sagen über euch selbst ist, so wie unser Glaube, alle Amerikaner seien so gastfreundlich, daß sie dem ersten besten Fremden ihr letztes Hemd geben. Na, ich habe noch nie gesehen, daß einer unserer New Yorker Bankiers draußen in Ellis Island die polnischen Einwanderer gebeten hätte, bei ihm zu bleiben, bis sie Arbeit hätten. Hören Sie, Lockert! Diese Ouston hat gesagt, alle unsere Politiker wären Schweine. Angenommen ich fange an, gemeine Bemerkungen über den König und den Prinzen von Wales zu machen –«
»Das ist etwas ganz anderes! Das ist eine Frage des guten Geschmacks! Aber lassen Sie. Herndon und ich sind durchaus proamerikanisch.«
»Ich weiß«, sagte Fran. »Sie lieben Amerika – abgesehen vom Essen, den Manieren und den Menschen.«
»Zum mindesten gibt es einen amerikanischen Menschen, den ich sehr hochschätze!« antwortete Lockert, ihr einen glühenden Blick zuwerfend.
Sam wartete darauf, daß sie Lockert zurechtweise. Sie tat es nicht.
Lockert brachte sie zu Ciro, wo sie tanzten; er führte sie in einen ausgelassenen Nachtklub ein, der sich durch Freundlichkeit, Gin und eine gehörige Portion Gerüche auszeichnete. Potentaten der englischen Automobilgesellschaft machten Besuch bei ihnen und führten Sam in ihren Fabriken herum. Bei einem Dinner, das Lord Herndon in der Damendependance des Allgemeinen Offizierkasinos gab, lernten sie drei oder vier beleibte Matronen kennen, und dann hatten sie wieder Zutritt zu den beschwerlichen Gefahren gelegentlicher Dinnergesellschaften.
Und die ganze Zeit blieben sie dem lebendigen englischen Leben so fern, wie wenn sie auf einem Bahnhof auf den Zug zum Kontinent warteten. Lockert war eine Woche nach dem Dinner bei Oustons an die Riviera abgereist. Sam war erlöst – dann entbehrte er ihn zu seiner Überraschung. Und ohne Lockert bekamen sie nur wenige Einladungen.
»Also«, sagte Sam, »bis wir mehr Leute hier kennen, wollen wir uns die Stadt ansehen. Historische Stätten und so weiter.«
Er hatte Karl Baedekers philosophisches Werk über London studiert und brannte darauf, den Tower, die Parlamentsgebäude, Kew Gardens, den Temple, das Römische Bad und die Nationalgalerie zu sehen; brannte darauf, nach Stratford zu eilen und Shakespeare zu ehren – nicht daß er in den letzten fünfundzwanzig Jahren Shakespeare durch Lesen geehrt hätte – und nach Canterbury zu eilen – nicht daß er jemals soweit gegangen wäre, Chaucer zu lesen.
Aber Fran war nicht dafür. »Du lieber Gott, wir sind doch keine Touristen, Sam! Ich hasse diese Ansichtskartenorte. Kein Mensch, der wirklich etwas ist, geht hin. Clyde Lockert ist bestimmt noch nie im Tower gewesen. Natürlich, Galerien und Kirchen sind etwas anderes – kluge Menschen studieren sie sogar. Aber im Cheshire Cheese zu sitzen, mit allen möglichen Leuten aus Iowa und Oklahoma, die begeistert von Dr. Johnson reden – entsetzlich!«
»Ich muß sagen, ich verstehe dich nicht ganz. Was hat es für einen Sinn, in eine berühmte Stadt zu kommen und sich dann nicht alles anzusehen, was sie berühmt gemacht hat? Du mußt ja nicht Ansichtskarten verschicken, wenn du nicht willst! Und ich glaube auch, die Leute aus Iowa werden dich nicht beißen, wenn du sie in Ruhe läßt!«
Sie suchte ihm klarzumachen, wie schön es sei, auf Reisen den Snob zu spielen. Aber in ihrer Einsamkeit begleitete sie ihn schließlich sogar in das berühmte Lokal Dr. Johnsons; nur, als der Kellner ihr die Gästebücher zeigen wollte, wurde sie ziemlich bösartig.
Auf seinen ziellosen Spaziergängen durch London lernte Sam, die gewaltige Größe der Stadt als etwas Naturgegebenes hinzunehmen, ahnte er die Millionen von Geschichten, die sich hinter den Fenstern dieser Millionen von Häusern abspielten. An klaren Tagen, wenn das seltene kümmerliche Sonnenlicht die graugrünen Ziegel streichelte, aus denen die Hinterfronten der Londoner Häuser bestehen, bekamen auch diese häßlichen Mauern, im Kontrast zu dem sie sonst umhüllenden Dunstmantel, für Sam Reize, die er in dem derben Sonnenschein strahlender Wintertage in Zenith nie gefunden hatte. Er gewann mit der Zeit sogar die lächerlich stolzen kleinen Läden mit den geschmacklosen Glas- und Goldschildern lieb: Schokoladengeschäfte, auf deren Pralineschachteln die Bilder der Mitglieder des königlichen Hauses prangten, Tabakläden mit Zigarettendosen aus falschem Silber für die Sonntagsspaziergänge kleiner Angestellter; ja sogar die Wärme- und Dunstwellen aus den Fischbackstuben. Es bereitete ihm ein kindisches Vergnügen, die Autobuslinien kennenzulernen, mit Kennermiene sagen zu können: »Nehmen wir einen Zweiundneunziger und fahren wir auf dem Oberdeck nach Hause!« Die Männlichkeit Londons, der Stadt der Männer, die von der Niederwerfung barbarischer Völkerschaften und der Beherrschung ferner Einöden heimkehren, schien etwas ihm Verwandtes zu haben … Aber Fran begann von Paris zu sprechen, der weibischen und koketten Freistatt der Wirklichkeitsflucht.
Zwischen ihren Entdeckungsfahrten genossen sie eine Weltabgeschiedenheit, von der sie in den Tagen ihrer geschäftigen Herrschaft in Zenith nichts geahnt hatten.
Abend für Abend saßen sie im Hotel und spielten sich vor, daß sie von den »Rundfahrten« des Tages erschöpft wären; daß sie erschöpft wären und froh, allein zum Essen zu gehen. Aber Sam wußte gut, daß sie wartete, daß sie wartete und betete, das Telephon möge klingeln.
Bei den Dinners, zu denen sie gebeten worden waren, hatten sie nette Leute kennengelernt, die sagten: »Sie müssen bald zu uns kommen!« und sie dann mit Freuden vergaßen. Londons Gleichgültigkeit gegen ihre Reize bedrückte Fran, schien sie zu entsetzen. Sie war voll melancholischer Dankbarkeit, wenn er daran dachte, ihr Blumen zu schicken, wenn er ein neues nettes Lokal zum Speisen fand. Abwechselnd empfand er Mitleid mit ihr und freute er sich, daß sie jetzt, in ihrer Isolierung, einander so nahe waren wie noch nie.
Sie war fast ängstlich, als Tub Pearsons Neffe Jack Starling, Sekretär an der amerikanischen Botschaft in London, von seiner Reise zurückkehrte, einen formellen Besuch machte, Frans Teint und Sams Gr...

Inhaltsverzeichnis

  1. Widmung
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Erstes Kapitel
  4. Zweites Kapitel
  5. Drittes Kapitel
  6. Viertes Kapitel
  7. Fünftes Kapitel
  8. Sechstes Kapitel
  9. Siebentes Kapitel
  10. Achtes Kapitel
  11. Neuntes Kapitel
  12. Zehntes Kapitel
  13. Elftes Kapitel
  14. Zwölftes Kapitel
  15. Dreizehntes Kapitel
  16. Vierzehntes Kapitel
  17. Fünfzehntes Kapitel
  18. Sechzehntes Kapitel
  19. Siebzehntes Kapitel
  20. Achtzehntes Kapitel
  21. Neunzehntes Kapitel
  22. Zwanzigstes Kapitel
  23. Einundzwanzigstes Kapitel
  24. Zweiundzwanzigstes Kapitel
  25. Dreiundzwanzigstes Kapitel
  26. Vierundzwanzigstes Kapitel
  27. Fünfundzwanzigstes Kapitel
  28. Sechsundzwanzigstes Kapitel
  29. Siebenundzwanzigstes Kapitel
  30. Achtundzwanzigstes Kapitel
  31. Neunundzwanzigstes Kapitel
  32. Dreißigstes Kapitel
  33. Einunddreißigstes Kapitel
  34. Zweiunddreißigstes Kapitel
  35. Dreiunddreißigstes Kapitel
  36. Vierunddreißigstes Kapitel
  37. Fünfunddreißigstes Kapitel
  38. Sechsunddreißigstes Kapitel
  39. Impressum