
- 386 Seiten
- German
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Die Hauptstraße
Über dieses Buch
"Main Street" ist ein satirisch-sozialkritischer Roman von Sinclair Lewis aus dem Jahr 1920. Sein Erscheinen war eines der sensationellsten Ereignisse der amerikanischen Verlagsgeschichte. 1922 erschien eine deutsche Übersetzung mit dem Titel "Die Hauptstraße. Carola Kennicotts Geschichte", weitere deutsche Übersetzungen wurden 1927 und 1963 veröffentlicht. 1996 erschien eine Neuübersetzung unter dem Titel "Main Street. Die Geschichte von Carol Kennicott".
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Information
Drittes Kapitel
1
Unter den jagenden Wolken bewegt sich eine Stahlmasse über die Prärie. Ein unerträgliches Klirren und Rattern, darüber ein unaufhörliches Brüllen. Scharfer Orangenduft zerschneidet den dumpfigen Geruch ungebadeter Menschen und alten Gepäcks.
Ortschaften, so planlos gebaut, wie wenn man Pappschachteln auf einem Kammerboden verstreut. Die Fläche blaßgoldener Stoppeln wird nur von Weidengebüschen unterbrochen, die um weiße Häuser und rote Scheunen stehen.
Es ist September, heiß, sehr staubig.
Der Zug hat keinen bequemen Pullmanwagen, keine Bedienung ist da, keine Kissen, keine Schlafgelegenheit, den ganzen Tag und die ganze Nacht werden sie in dieser langen Stahlschachtel reisen – Farmer mit ewig müden Frauen und Kindern, die alle gleichaltrig zu sein scheinen; Arbeiter, die in neue Stellungen fahren; Reisende mit steifen Hüten und frisch geputzten Schuhen.
Sie richten sich in verrenkten Stellungen zum Schlafen ein, die Köpfe an den Fensterscheiben oder auf zusammengerollten Mänteln auf den Lehnen, die Beine in den Gang gestellt. Sie lesen nicht; sie scheinen nicht zu denken. Sie warten.
Für jeden der Mitfahrenden war sein Sitz sein zeitweiliges Heim, und die meisten von ihnen waren nachlässige Hauswirte. Eine Bank aber sah sauber und täuschend kühl aus. Auf ihr saßen ein offenbar wohlhabender Mann und ein schwarzhaariges, feinhäutiges Mädchen, dessen Schuhe auf einer sauberen Roßledertasche ruhten.
Es waren Dr. Will Kennicott und seine junge Frau Carola.
Sie hatten nach einem Jahr wortreicher Verlobtheit geheiratet und waren nach einer Hochzeitsreise in den Colorado-Bergen auf der Fahrt nach Gopher Prairie.
Carola hatte Kopfschmerzen von dem Gerüttel.
Sie sah die Prärie – ebene Grasflächen und langgestreckte Hügelwellen. Die Größe und Weite begann sie zu entsetzen. Es dehnte sich so aus; es ging so unkontrollierbar weiter; sie konnte es gar nicht begreifen. Kennicott war in seinen Detektivroman vertieft.
Nur eine dünne Hecke trennte sie von den Ebenen – herbstlich abgeschorenes Weizenland, jedes Feld etwa hundert Morgen groß, stachlig und grau in der nächsten Nähe, in der verschwommenen Ferne aber wie lohfarbener Samt über die sanften Hügel gebreitet. Die langen Reihen der Weizenpuppen marschierten wie Soldaten in abgetragenen gelben Mänteln. Die frischgepflügten Felder waren schwarze Fahnen, die auf die fernen Hügel gefallen waren. Es war eine kriegerische Unendlichkeit, kraftvoll, ein wenig rauh, ungelindert von freundlichen Gärten.
Dann schrak sie auf; Kennicott lachte fröhlich: »Weißt du, daß die nächste Station Gopher Prairie ist! Zu Hause!«
Das eine Wort – zu Hause – erschreckte sie. Hatte sie sich wirklich daran gebunden, ohne Entrinnen, in dieser Stadt, die Gopher Prairie hieß, zu leben? Und dieser dicke Mann neben ihr, der es wagte, über ihre Zukunft zu bestimmen, er war ein Fremder! Sie drehte sich auf ihrem Sitz um, starrte ihn an. Wer war er? Warum saß er neben ihr? Er war nicht von ihrer Art! Sein Hals war schwer; seine Sprache war schwer; er war zwölf oder dreizehn Jahre älter als sie; und nichts von dem Zauber gemeinsamer Erlebnisse und Ziele umgab ihn. Sie konnte nicht glauben, daß sie je in seinen Armen geschlafen hatte. Das war einer jener Träume, die man träumt, sich aber nicht eingesteht.
Jetzt kam der Zug an dem Speicher vorbei, an den häßlichen Öltanks, an einer Butterei, einem Holzhof, einem schmutzigen, zertrampelten, stinkenden Viehhof. Jetzt hielten sie an einem geduckten hölzernen Stationsgebäude; auf dem Bahnsteig drängten sich unrasierte Bauern und Nichtstuer, platte Menschen mit leeren Augen. Sie war da. Sie konnte nicht weiter. Es war das Ende – das Ende der Welt. Mit geschlossenen Augen saß sie da, am liebsten hätte sie sich an Kennicott vorbeigeschlichen, sich irgendwo im Zug versteckt, wäre sie weiter dem Pacific zu geflohen. Kennicott sah durch das Fenster hinaus.
»Schau! Schau! Die sind alle gekommen, um uns zu begrüßen! Sam Clark mit seiner Frau und Dave Dyer und Jack Elder, und, wirklich, Harry Haydock mit Juanita, und eine ganze Menge! Ich glaub', jetzt sehen sie uns. Ja, ganz bestimmt, sie sehen uns! Schau, wie sie winken!«
Gehorsam beugte sie den Kopf, um hinauszusehen. Sie hatte sich wieder in der Hand. Sie war bereit, diese Menschen zu lieben. Doch die Herzlichkeit der freudig rufenden Gruppe verwirrte sie. Durch das Fenster winkte sie ihnen zu, aber dann zögerte sie eine Sekunde am Arm des Bremsers, der ihr hinunter half, bevor sie den Mut aufbrachte, sich in den Katarakt händedrückender Leute zu stürzen – Leute, die sie nicht unterscheiden konnte.
Sie fühlte, daß sie sie willkommen hießen. Die Hände, das Lächeln, die Rufe, die liebevollen Augen überwältigten sie. Sie stammelte: »Danke, oh, danke!«
Einer der Männer rief Kennicott zu: »Ich hab' meinen Wagen da, um Sie nach Hause zu bringen, Doktor.«
Als sie im Wagen saßen, drehte er sich um und sagte zu Carola: »Also, ich bin Sam Clark, der Eisenhändler. Sie können Sam zu mir sagen – auf jeden Fall werd' ich Carrie zu Ihnen sagen, wo Sie doch schon mal den armseligen Nichtstuer von Arzt geheiratet haben, der bei uns ist. Die dicke komische Dame da hinten neben Ihnen, die so tut, als ob sie nicht hörte, daß ich von ihr rede, ist Frau Sam'l Clark; und das hungrig aussehende Eichhörnchen da neben mir ist Dave Dyer, der die Drogerie hat! So. Hören Sie, Doktor, ich werd' Ihnen den Candersen-Platz für dreitausend Dollar verkaufen. Sie müssen schon dran denken, ein neues Haus für Carrie zu bauen. Die hübscheste Frau in Gopher Prairie, wenn Sie meine Meinung hören wollen!«
Kennicott hatte ihr erzählt, daß er mit seiner verwitweten Mutter in einem alten Haus gewohnt habe, aber »sehr nett und geräumig, gut geheizt, mit der besten Heizung, die ich hab' auftreiben können«. Seine Mutter, die ihm die Wirtschaft geführt hatte, ließ Carola grüßen, sie war an den Lac-qui-Meurt zurückgekehrt.
Es mußte wunderbar sein, jubelte sie, nicht im Haus anderer Leute leben zu müssen, sein eigenes Heiligtum zu haben. Sie hielt seine Hand fest und starrte nach vorne, als der Wagen um eine Ecke bog und vor einem prosaischen Fachwerkhaus hielt, das von einer kleinen verdorrten Rasenfläche umgeben war.
2
Der Zug, in dem Carola nach Gopher Prairie fuhr, brachte auch Fräulein Bea Sorenson dorthin.
Fräulein Bea war ein handfestes, maisblondes, lachendes, junges Weib, das von der Landarbeit genug hatte. Sie sehnte sich nach den Aufregungen des Stadtlebens, und die Methode, um zu diesem frohen Stadtleben zu kommen, war ihrer Meinung nach, »als Dienstmädchen nach Gopher Prairie gehen«. Sie schleppte zufrieden ihre Pappschachtel vom Bahnhof zu ihrer Kusine Tina Malmquist, die Mädchen für alles bei Frau Luke Dawson war.
»Also, du bist in die Stadt gekommen«, sagte Tina.
»Ja. Ich will 'nen Posten«, sagte Bea.
»Also … Hast du 'n Schatz?«
»Ja. Jim Jacobson.«
»Also. Schön, daß du da bist. Wieviel willst du in der Woche?«
»Sechs Dollar.«
»So viel zahlt hier keiner. Wart! Doktor Kennicott, der hat, glaub' ich, ein Stadtmädel geheiratet. Vielleicht zahlt die so viel. Also. Du gehst spazieren.«
»Ja«, sagte Bea.
So kam es, daß Carola Kennicott und Bea Sorenson die Hauptstraße zur gleichen Zeit besichtigten.
Bea war noch nie in einer größeren Stadt gewesen als Scandia Crossing, das siebenundsechzig Einwohner hat.
Während sie die Straße hinaufmarschierte, überlegte sie, wie es möglich wäre, daß so viele Menschen auf einmal in einem Ort sein können. Je! Das mußte ja Jahre dauern, bis man alle kennenlernte. Und feine Leute noch dazu! Ein schöner großer Herr in einem neuen rosa Hemd, mit einem Diamanten, und nicht in so einem ausgewaschenen blauen Baumwollhemd. Eine hübsche Dame in einem Leinenkleid (aber dieses Kleid mußte schrecklich schwer zu waschen sein). Und die Läden!
Nicht bloß drei wie in Scandia Crossing, nein, mehr als vier ganze Blocks!
Der Bon Ton-Laden – so groß wie vier Scheunen – je! da mußte man ja ganz einfach Angst haben hineinzugehen, wo drinnen sieben oder acht Kommis einen alle anstarrten. Und die Herrenanzüge, auf Puppen, die ganz wie Menschen aussahen. Und Axel Egge, eine Menge Schweden und Norweger, wie zu Hause, und eine Karte mit feinen. Knöpfen, wie Rubine.
Eine Drogerie mit einem Sodaschanktisch, der ungeheuer war, schrecklich lang, und lauter schöner Marmor; und darauf stand eine große, große Lampe mit dem größten Schirm, den man sich denken kann – aus lauter verschiedenen Arten von buntem Glas zusammengesetzt; und die Sodaröhren, die waren aus Silber und kamen direkt aus dem Fuß der Lampe! Hinter dem Schanktisch waren Glasregale und Flaschen mit neuen Arten von alkoholfreien Getränken, von denen noch kein Mensch etwas gehört hatte. Wenn einer einen hierher mitnehmen sollte!
Ein Hotel, schrecklich hoch, noch höher als Oscar Tollefsons neue rote Scheune; drei Stockwerke, eines direkt über dem anderen; man mußte den Kopf zurücklegen, um ganz bis hinauf sehen zu können. Da war ein feiner Reisender drin – der war wahrscheinlich schon viele Male in Chicago gewesen.
Oh, so feine Leute waren da, die man kennenlernen konnte! Da ging eine Dame vorbei, man könnte kaum sagen, daß sie älter war als Bea selbst. Sie hatte ein feines graues Kleid an und schwarze ausgeschnittene Schuhe. Sie sah fast so aus, als ob sie sich auch die Stadt ansähe. Aber man hätte nie wissen können, was sie dachte. Bea wäre auch gern so gewesen – ein bißchen still, so daß keiner frech werden kann. Ein bißchen – ach, elegant.
Eine Lutheranerkirche. Hier in der Stadt würde es nette Predigten geben. Und zweimal an jedem Sonntag Kirche, an jedem Sonntag.
Und ein Kinotheater!
Ein richtiges Theater nur für Kino. Mit der Aufschrift: »Programmwechsel jeden Abend.« Jeden Abend Vorstellung!
In Scandia Crossing gab es auch Kinovorstellungen, aber nur einmal in vierzehn Tagen, und die Sorensons hatten eine Stunde zu fahren – Papa war ein solcher Geizkragen, daß er sich nie einen Ford anschaffen würde. Aber hier konnte sie sich jeden Abend den Hut aufsetzen und in drei Minuten im Kino sein und hübsche Burschen im Smoking sehen und Bill Hart und alles!
Wie konnten sie nur so viel Läden haben? Herrgott! Da war ja einer nur für Tabak, und einer (ein reizender – der Kunstladen) für Bilder und Vasen und so Sachen, mit der blendendsten Vase, die man sich denken konnte, wie ein Baumstumpf!
Bea stand an der Ecke der Hauptstraße und der Washington Avenue. Der Lärm der Stadt begann ihr Angst zu machen. Fünf Automobile waren auf der Straße, und alle auf einmal – und eines davon war ein großer, großer Wagen, der mußte zweitausend Dollar gekostet haben – und der Bus fuhr zur Bahn mit fünf elegant angezogenen Männern; und ein Mann klebte rote Zettel an, auf denen hübsche Bilder von Waschmaschinen waren, und der Juwelier legte Armbänder und Armbanduhren aus, alle auf echten Samt.
Was lag ihr daran, ob sie sechs Dollar in der Woche bekäme? Oder zwei? Es wäre ja wert, umsonst zu arbeiten, wenn man nur hierbleiben darf. Und wie es am Abend sein würde, alles beleuchtet – und nicht mit Lampen, mit Elektrizität! Und vielleicht ein Freund, der einen ins Kino führt und einem Erdbeergefrorenes mit Soda kauft!
Bea schleppte sich zurück.
»Also? Gefällt's dir?« fragte Tina.
»Ja. 's gefällt mir. Ich glaub', ich werd' dableiben«, sagte Bea.
3
Das neuerbaute Haus Sam Clarks, in dem die Gesellschaft zur Begrüßung Carolas gegeben wurde, war eines der größten Gebäude in Gopher Prairie. Es war mit sauberen Schindeln gedeckt, es hatte einen Turm und eine große gedeckte Veranda. Drinnen war es so schimmernd, so hart und so munter wie ein neues Eichenpianino.
Carola blickte Sam Clark flehend an, als dieser die Tür öffnete und brüllte: »Willkommen, kleine Dame! Die Schlüssel der Stadt gehören Ihnen!«
Hinter ihm, in der Diele und im Wohnzimmer sah sie die Gäste in einem weiten, steifen Kreis sitzen, als wohnten sie einem Begräbnis bei. Sie warteten so! Sie warteten auf sie! Ihr Entschluß, ganz zierlich bescheidenes Blümchen zu sein, verflüchtigte sich. Sie bat Sam: »Ich trau' mich nicht hineinzugehen! Sie erwarten so viel! Mit einem Schluck werden sie mich verschlingen!«
»Aber, Schwester, sie werden Sie alle lieben, genau so wie ich, wenn ich nicht Angst davor hätte, daß mich der Doktor da verhaut!«
»A–aber – ich trau' mich nicht! überall Gesichter rechts, links, vor mir, und alle so neugierig!«
Sie kam sich hysterisch vor, Sam mußte sie für wahnsinnig halten. Der aber kicherte: »Jetzt kuscheln Sie sich ganz einfach unter Sams Flügel, und wenn einer einen zu langen Hals nach Ihnen macht, jag' ich ihn weg. Da sind wir!«
Den Arm um sie, führte er sie hinein und rief schallend: »Meine Damen und schlechteren Hälften, die junge Frau! Wir wollen sie noch nicht ringsherum vorstellen, weil sie eure blöden Namen doch nicht richtig verstehen würde. Und jetzt Schluß mit der Gerichtsfeierlichkeit!«
Sie kicherten höflich, bewegten sich aber nicht aus der Sicherheit heraus, die ihnen ihr Kreis gab, und hörten nicht auf zu glotzen.
Carola hatte viel Mühe darauf verwendet, sich für das Ereignis anzuziehen. Ihre Frisur war züchtig, das Haar niedrig in die Stirn gekämmt, mit einem Scheitel und eingerollten Flechten. Jetzt wollte sie, sie hätte es hoch aufgetürmt. Ihr Kleid war unschuldig fallender Batist, mit einer breiten Goldschärpe und einem kleinen viereckigen Halsausschnitt, der den Halsansatz und schöne Schultern ahnen ließ. Während sie aber gemustert wurde, war sie überzeugt, das alles sei falsch. Einmal wünschte sie, sie hätte ein altjüngferliches hochgeschlossenes ...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Über das Buch
- Erstes Kapitel
- Zweites Kapitel
- Drittes Kapitel
- Viertes Kapitel
- Fünftes Kapitel
- Sechstes Kapitel
- Siebentes Kapitel
- Achtes Kapitel
- Neuntes Kapitel
- Zehntes Kapitel
- Elftes Kapitel
- Zwölftes Kapitel
- Dreizehntes Kapitel
- Vierzehntes Kapitel
- Fünfzehntes Kapitel
- Sechzehntes Kapitel
- Siebzehntes Kapitel
- Achtzehntes Kapitel
- Neunzehntes Kapitel
- Zwanzigstes Kapitel
- Einundzwanzigstes Kapitel
- Zweiundzwanzigstes Kapitel
- Dreiundzwanzigstes Kapitel
- Vierundzwanzigstes Kapitel
- Fünfundzwanzigstes Kapitel
- Sechsundzwanzigstes Kapitel
- Siebenundzwanzigstes Kapitel
- Achtundzwanzigstes Kapitel
- Neunundzwanzigstes Kapitel
- Dreißigstes Kapitel
- Einunddreißigstes Kapitel
- Zweiunddreißigstes Kapitel
- Dreiunddreißigstes Kapitel
- Vierunddreißigstes Kapitel
- Fünfunddreißigstes Kapitel
- Sechsunddreißigstes Kapitel
- Impressum