Migrationspädagogik für Einsteiger
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Migrationspädagogik für Einsteiger

Gelungene Integration, gegenseitiger Respekt und fürsorgliches Miteinander trotz unterschiedlicher Kulturen im Lernalltag und im Arbeitsleben

  1. 66 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Migrationspädagogik für Einsteiger

Gelungene Integration, gegenseitiger Respekt und fürsorgliches Miteinander trotz unterschiedlicher Kulturen im Lernalltag und im Arbeitsleben

Über dieses Buch

In diesem Buch erhalten Sie einen Überblick über den Begriff Migrationspädagogik und praktische Tipps, um Migration und Pädagogik zusammenzuführen und spielerisch in den Lernalltag sowohl mit Kindern als auch mit Erwachsenen zu integrieren. Dieser Ratgeber richtet sich an Pädagogen oder andere Bezugspersonen von Menschen mit Migrationshintergrund. Er richtet sich auch an Arbeitgeber, die ein Verständnis für den Umgang mit Asylsuchenden bekommen möchten. Informationen, praktische Tipps und Ideen sollen hier helfen, Migration besser zu verstehen und mit Pädagogik zu vereinbaren, sodass Geflüchtete oder freiwillig Ausgewanderte sich besser angenommen fühlen und somit die Lebensqualität aller Beteiligten steigt.

Häufig gestellte Fragen

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Teil 1

THEORIE

Migration

Laut Statistischem Bundesamt hat fast ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland einen sogenannten Migrationshintergrund. Mehr als die Hälfte sind deutsche Staatsangehörige, besitzen also einen deutschen Pass. Ca. 47,3 % haben eine andere Staatsangehörigkeit.
Die großen Einwanderungswellen starteten in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, als händeringend junge und tüchtige Arbeitskräfte für den Wiederaufbau Deutschlands als globale Wirtschaftsmacht gesucht wurden. Das Land hatte durch den Krieg viele Männer eingebüßt und hatte damals wie heute mit einer altersschwachen Demografie zu kämpfen. Die Regierung um Konrad Adenauer beschloss in Zusammenarbeit mit den großen Unternehmen der Privatwirtschaft junge und arbeitswillige Menschen aus einkommensschwachen Ländern nach Deutschland abzuwerben und brachte eine Vereinbarung zur Anwerbung und Vermittlung italienischer Arbeitskräfte auf den Weg. Es folgten gleiche Abmachungen mit Spanien, Griechenland, Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und dem ehemaligen Jugoslawien.
Zunächst sollten die sogenannten Gastarbeiter nur eine bestimmte Zeit im Land bleiben und insbesondere im Hotelgewerbe mithelfen, jedoch meldeten große Unternehmen des Bergbaus und der Industrie auch einen Bedarf an Arbeitskräften an. Ford, Siemens, Mercedes, Volkswagen und viele andere Konzerne meldeten sich. Die Verträge wurden dem-entsprechend angepasst und verlängert und das Leben der Migranten nahm Gestalt und Struktur an. „Wir riefen Gastarbeiter und es kamen Menschen“ lautet das berühmte Zitat des deutschen Schriftstellers Max Frisch und es beschreibt sehr gut, dass diese Menschen im Zuge ihres neugewonnenen Lebens in der BRD sesshaft wurden. Sie gründeten Familien, konnten sich von ihrem Lohn ein Auto leisten, unternahmen am Wochen-ende kurze Trips ins Umland. Kurz: Sie fanden eine neue Heimat und ein neues Leben, das aufgrund der Fabrikarbeit nun nicht mehr von Armut und Unsicherheit geprägt war. Und nun gründen ihre Kinder Familien oder schon die Kindeskinder. Man spricht auch von Einwanderern erster, zweiter, dritter usw. Generation. Trotz vieler vergangener Jahre bleiben diese Menschen doch immer irgendwie fremd, selbst wenn sie in Deutschland geboren sind und niemals in dem Heimatland der Eltern oder der Großeltern gelebt haben.
Migration hat aber mit der großen Einwanderungswelle in den 60er-Jahren nicht einfach aufgehört. Das Thema ist heute aktueller denn je. Aber auch komplexer denn je. Denken Sie nun bitte an den Sommer 2015 zurück, als große Flüchtlingsströme aus bürgerrechtsgebeutelten Ländern des Nahen Ostens und Afrikas an den Grenzen der Europäischen Union standen. Viele wollten nach Deutschland oder nach Nordeuropa, sie hörten, dass es in Schweden auch sicher und gut zu leben ist. Das Mittelmeer wurde zu einem Friedhof für Menschen. Das Mittelmeer sah die Abgründe der Menschheit. Das Mittelmeer wurde Zeuge der Ignoranz deutscher und europäischer Politik. Die Menschlichkeit wurde in Form von leblosen Körpern vor Lesbos an den Strand gespült. An den Strand, an dem wir privilegierten Europäer eigentlich Urlaub machen wollten.
Heterogene Motive treiben diese Menschen unterschiedlicher Länder und Kulturen an, ihr Geburtsland gewollt oder ungewollt hinter sich zu lassen und nach einem neuen Leben zu suchen. Diese Menschen haben unterschiedliche Ziele, unterschiedliche Sprachen, unterschiedliche Religionen, unterschiedliche Traditionen, aber meist doch etwas gemeinsam, und zwar die Hoffnung auf ein besseres Leben in einem sogenannten „Erste-Welt-Land“. Was jedes Individuum dabei unter einem besseren Leben versteht, ist, wie oben schon erläutert, unterschiedlich. Der eine sehnt sich nach Wohlstand und einem geregelten Einkommen, der andere sehnt sich nach Frieden, ohne Angst haben zu müssen, dass Bomben in der Nacht das Wohnhaus zerstören. Der eine sehnt sich nach politischer Freiheit und Stabilität, der andere sehnt sich nach Religionsfreiheit. Der eine sehnt sich nach guter schulischer Bildung für seine Töchter, der andere sehnt sich nach Weiterbildung und besseren Karriereoptionen in einem Industriestaat.
Man darf nicht vergessen, dass Migration kein neuartiges Phänomen ist. Völkerwanderungen gibt es schon seit Beginn der Menschheit. Auch die Migration nach Deutschland ist nicht neu, doch historisch gesehen, wird erst seit Kurzem offen darüber gesprochen. Die älteren Leser unter Ihnen werden sich noch an die Amtszeit von Helmut Kohl erinnern. Er verneinte stets, dass Deutschland ein Zuwanderungsland sei. Ende des 20. Jahrhunderts dann, als Gerhard Schröder und Joschka Fischer die Regierung stellten, wurde die Thematik nun endlich offen und ehrlich diskutiert. Dies ist keineswegs ein politisches Buch, obwohl man Politik und Migration niemals getrennt voneinander betrachten kann und man kann über Schröder und Fischer denken, was man möchte, aber Migration fand unter ihnen erstmals richtig Einzug in den politischen Diskurs. Eine Anerkennung Deutschlands als Migrationsland. In der politischen Selbstbeschreibung taucht nun auch endlich die Migrationsrealität auf. Interessant ist auch der Semantikwechsel von damals und heute. Was zunächst in der Medienlandschaft und im öffentlichen Diskurs als Einwanderungsland bezeichnet wurde, änderte sich später zur Zuwanderungsvokabel.
Die politische Anerkennung der Migration hat viel Veränderung in den gesellschaftlichen Prozessen nach sich gezogen. Insbesondere in der Pädagogik. Erziehungswissenschaft musste nun hier auf die politische Entwicklung reagieren. Nun gab es wieder Forschungsbedarf und Forschungsgelder wurden zur Verfügung gestellt. Es wurden sogar neue Professuren eingerichtet. Die Erziehungswissenschaft blühte wieder auf. Eine Professur zu Migrationspädagogik gab es zunächst zwar nicht, wurde dann aber zu Beginn des 21. Jahrhunderts eingerichtet. Heute hat die Migrationspädagogik ihren festen Platz im Lehrprogramm der Erziehungswissenschaft.

Was versteht man unter Migrationspädagogik?

Bei den bekannten Suchmaschinen reicht meist die Eingabe eines Wortes aus, um die Definition des Begriffes direkt zu finden. Googelt man den Begriff „Migrationspädagogik“, so bekommt man als fast jeden Treffer den Namen Paul Mecheril. Der deutsche Bildungswissenschaftler ist auch im Internetlexikon Wikipedia als Suchbegriff für Migrationspädagogik hinterlegt. Das mag daran liegen, dass der Begriff und auch die Lehre für ebendiesen Arbeitsbereich noch jung sind. Der Professor für Erziehungswissenschaften, der derzeit an der Universität Bielefeld lehrt, ist ein Pionier auf diesem Themengebiet. In seinem bekannten Buch Einführung in die Migrationspädagogik, das 2004 erschienen ist, definiert er Migrationspädagogik als einen „Blickwinkel, unter welchem Fragen gestellt und thematisiert werden, die bedeutsam für eine Pädagogik unter den Bedingungen einer Migrationsgesellschaft sind.“ Mit anderen Worten: Es wird hier nicht die Migration in den Vordergrund gestellt, sondern vielmehr die Pädagogik und ihre Möglichkeiten, kulturelle Unterschiede zu integrieren und vor dem Hintergrund einer Migrationsgesellschaft Diskriminierung für Andersartigkeit zu minimieren.
Laut Professor Dr. Mecheril steht die Zivilgesellscha...

Inhaltsverzeichnis

  1. Hinweise
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Das erwartet Sie in diesem Buch
  4. Teil 1
  5. Teil II
  6. Impressum