
- 72 Seiten
- German
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eBook - ePub
Über dieses Buch
Die Frage nach Gott verstummt nicht, sie bleibt ein unsterbliches Gerücht. Sie kann, solange es Menschen gibt, nie endgültig verabschiedet oder beantwortet sein. Diese Einsicht fällt wechselweise Atheisten, Gleichgültigen und Gott-Gläubigen schwer. Die hier vereinigten Beiträge gehen von Impulsen Karl Rahners aus und wollen Christen verdeutlichen: Gott ist und bleibt das Geheimnis, das jeden Katechismus übersteigt.Herausgeber: Hans-Jürgen Sträter, Adlerstein Verlag
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Information
III. "Wandelt euch durch ein neues Denken!" 27
Die meisten Menschen der westlichen Gesellschaften halten heute Distanz zu Gott - zum Gott der Kirche. Traditionell hat er vor allem das Profil eines Gesetzgebers, dessen Gebote und Verbote moralische Maximalforderungen stellen und die Leute nötigen, sich schuldig zu fühlen. Die Kirche, Propagandistin der göttlichen Gesetze, setze gut meinende Leute unter Druck, den Druck der "Sünde", und flöße ihnen ein negatives Selbstbild ein. Das schwäche die Lebensenergie. Die Kirche habe die Zeitenwende verpasst. Heutige Menschen setzten auf selbstbestimmte, statt fremdbestimmte Lebensgestaltung.
Von kirchlicher Seite empfindet man solche Äußerungen als tendenziös, ja polemisch und hält den Leuten entgegen, die Kirche wolle und tue nichts anderes, als den Leuten den Sinn ihres Lebens durch den Glauben an den Gott des Evangeliums zu verkünden, ihnen Gottes Rechtfertigung durch Glaube an Jesus Christus (nach Röm 3,22) zu eröffnen. Um Erlösung, Rechtfertigung zu erlangen, müssten die Menschen sich allerdings bereiten, sich für Gott öffnen.
Doch die meisten Menschen - auch viele Christen - ahnen kaum, was das wahre Anliegen der Kirche im Auftrag Christi ist.
- Die Krise und die Heiligkeit Gottes
Das kommt nicht von ungefähr. Denn die in Christus bedingungslos vorab gewährte Annahme der Menschen - der Sünder - durch Gott wird durch die kirchliche Institution, ihre Lehre und Praxis offenbar nicht zureichend (erkennbar) vermittelt. Das verkündete Evangelium muss auch in der persönlichen Zuwendung zu Menschen erkennbar sein. Hier gibt es offenbar Ausfälle.
In heute nahezu prophetisch anmutender Weise beschwor Karl Rahner die Verantwortlichen in der Kirche schon vor Jahrzehnten, den radikalen Ernst der Lage zu erkennen. Statt an eher äußerlichen Formen, Gewohnheiten und volkspädagogisch-moralistischen Forderungen festzuhalten, sei die Hinführung der Menschen zum innersten Kern christlicher Offenbarung das Gebot der Stunde:
"Wir haben zuerst und zuletzt dem Menschen von heute vom innersten, seligen, befreienden, aus Angst und Selbstentfremdung erlösenden Geheimnis seines Daseins zu künden, das wir "Gott" nennen. Wir müssen dem Menschen von heute wenigstens einmal den Anfang des Weges zeigen, der ihn glaubwürdig und konkret in die Freiheit Gottes führt. Wo der Mensch die Erfahrung Gottes und seines aus der tiefsten Lebensangst und Schuld befreienden Geistes auch anfanghaft nicht gemacht hat, brauchen wir ihm die sittlichen Normen des Christentums nicht zu verkündigen. Er könnte sie ja doch nicht verstehen, sie könnten ihm doch nur höchstens als Ursachen noch radikalerer Zwänge und tieferer Ängste erscheinen".28
In der römisch-katholischen Kirche galt ja lange Zeit ein Konzept, welches das Glaubensleben der getauften Christen vorrangig als System von Pflichten gegen Gott (im Kern die Zehn Gebote) darstellt, deren Erfüllung oder Verletzung Gegenstand des Examens beim Empfang des Bußsakramentes war und ist.
Dieses Sakrament - und damit die moralisch akzentuierte Glaubensschulung - ist vielerorts in die Krise geraten. Deren Ursache lässt sich so umschreiben: in früheren Jahrhunderten lebte ein starkes Empfinden für die Heiligkeit Gottes und das "tremendum" – die richtende Distanz des Heiligen zu sündigen Menschen. Das Gottesbild ähnelte dem der Drohbotschaft Johannes des Täufers, spiegelte nur wenig von der Frohen Botschaft Jesu. Die schiefe Optik trat hervor in der Debatte der letzten Jahre (wo man nur halb begriff, worüber man eigentlich stritt), ob Gottes Barmherzigkeit oder seine Gerechtigkeit Priorität habe. Die Bibel bezeugt klar: Gott erlässt nicht willkürlich Gebote und Verbote, weil er "der Herr" ist, der Ungehorsame mit Strafe überzieht. "Der Herr" ist ja ehrfürchtige Umschreibung für "den Namen", nämlich JHWH (Ex 3,15). So fordert das Heiligkeitsgesetz des Alten Bundes von der Bundes-Gemeinde und ihren Gliedern Heiligkeit, weil JHWH den Ausgebeuteten, Klagenden, Schwachen in besonderer Weise zugewandt und zugetan ist (Lev 19,2 [20,26]. 10.13-16 usf). Israel kann das erwählte Volk seines Gottes nur sein und bleiben, wenn es selbst jahweförmig wird - und zwar in Tat und Wahrheit. Die Propheten treten als Richter und Unheils-Künder im Namen Gottes auf, wenn Israel seinen Gottesdienst bloß kultisch, nicht aber auch sozial (JHWH gemäß) versteht und lebt. Dann zeigt sich Gottes Heiligkeit nicht positiv, sondern negativ, in Gerichten, aber der Art JHWH`s gemäß: sein Zorn tastet Leben und Umkehr-Möglichkeit (die "Zukunftschance") der Sünder nicht an (Lev 26,44; Jes 48,9; Ez 33,11).
Das Erbarmen ist somit Aspekt von Gottes (JHWHs) Heiligkeit und seine Gerechtigkeit ihm untergeordnet. Denn Gottes erbarmender Realismus wendet sich dem überlebenden, zu Umkehr bereiten "Rest Israels" im fremden Land, im "Land der Feinde" zu, nicht am Nullpunkt oder erst nach der Heimkehr (Lev 26,44). Gott ermöglicht also neues Leben am Ort der Lebensgeschichte (Jes 43,19).
Auch das Froh-Machende des Evangeliums Jesu zielt darauf, die Menschen erkennen zu lassen:
Gottes Heiligkeit will in der bedingungslosen Zuwendung des "Vaters" zu ihnen selbst wahrgenommen werden; m.a.W. stehen alle Menschen, zumal die schwachen, bedürftigen, verwundeten unter dem Schutz von Gottes Heiligkeit. Das bedeutet religiös die Umkehrung der bisher gewohnten Verehrung der abweisenden, weltabgewandten Heiligkeit einer Gottheit, wie sie das außerbiblische religiöse Spektrum bezeugt. Das bestürzend Andere der Heiligkeit Gottes, bis heute in der Kirche nur wenig begriffen, liegt in der Selbstidentifikation des "Vaters" durch Jesus mit Klage und Not der Menschen (gemäß Ex 3,7f; Phil 2,6-11; Mt 25,40), sodass Missachtung der "Geringen" eine Verletzung des Heiligen selbst beinhaltet. Jesu Zeugnis in den Evangelien, anknüpfend bei Israels Gottesverehrung, läuft darauf hinaus, auch Sünder vorrangig als Schwache, Schutz- und Hilfsbedürftige wahrzunehmen und zu behandeln. Indem Jesus sein Zeugnis von Gottes Heiligkeit zuspitzt, gerät er in Kontroverse mit den Frommen, die einen engen, distanzierenden Begriff von Gottes Heiligkeit und von Selbst-Heiligung pflegen. Doch weiß er sich einig mit dem Gott des Heiligkeitsgesetzes: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, (denn) ich bin JHWH" (Lev 19,18). JHWH aber ist Der, der die Klage der Gedrückten hört und durch seinen Diener zu ihrer Rettung aufbricht (Ex 3,14 ff).
Auch behinderte Menschen können in ihrem tieferen Wesen hadernd und sprachlos fern von Gott sein. Auch darauf reagiert Jesus, indem er bei einem Gelähmten nicht nur die Körperbehinderung, sondern auch die 'Gottesbehinderung` heilt (Mk 2,5.11f).
Einen Blinden, von dem Pharisäer wie Jünger annehmen, er sei "in Sünden geboren", heilt er am Sabbat von Blindheit und Unwissenheit, nimmt dafür selber das Odium des Sünders und Gesetzesbrechers auf sich (Joh 9). Die ihm zur Aburteilung vorgeführte Ehebrecherin ermutigt er zu einem Neuanfang, gar ohne zuvor Reue und Bußleistung abzufragen.
Damit entspricht er dem Verständnis von Gottes Heiligkeit, wie Israels Glaube es überliefert, auch wenn sich immer wieder zeigt, dass maßgebliche Fromme dessen Konsequenzen nicht erfassen.
Das Gros des zur Heiligkeit berufenen Volkes desavouiert seinen göttlichen Retter, setzt die ihm geschenkte Erlösung aufs Spiel, büßt sie unter Fremdherrschaft ein, besinnt sich aber spät. Dann wird der "Heilige Israels" sein Erbarmen für das durch Sünde entfremdete Volk aktivieren, es aus selbstverschuldetem Elend führen und sich so vor den Völkern (den Anders- und Nicht-Gläubigen) als "heilig" erweisen (Ez 38,23; 39,7).
Auch Jesus rechtfertigt seine Mahl-Gemeinschaft mit Sündern mit dem Gotteswort "Barmherzigkeit liebe ich, nicht Opfer" und Buß-Leistungen (Mt 9,13). Das primär Furcht einflößende Gottesbild des mittelalterlichen "Dies irae", zusammen mit dem Bild vom verdorbenen, unwissenden, strenger Erziehung bedürftigen Menschen, in früheren Epochen volkspädagogisch wirksam, wird heute weithin abgelehnt. Darin erkennt der heutige Mensch sich nicht wieder. Er weiß: Traditioneller Moralismus und Rigorismus, auf tiefes Misstrauen gebaut, manchmal gesteigert bis zu Verachtung, ja Misshandlung der "schwachen" Menschen, die ambivalente Distanz zu Materie und Welt, Überbetonung von Autorität, Ordnung, Gehorsam, oft einhergehend mit Gefühlskälte, Lieblosigkeit gegen "labile" Menschen,29 die scharfe Distanzierung der Geistlichen von den Weltlichen durchzogen als Hauptströmung die Kirche jahrhundertelang und machten sich nachdrücklich im Gemüt der Generationen fest, wo sie langlebige Aversionen erzeugten.
Die Leute wissen: es gab und gibt Ausnahmen - Heilige. Doch werden sie kaum als Früchte des Kirchen-Betriebs wahrgenommen: sie waren "anders", obwohl Mitglieder der Kirche ...
Manche wenden ein, die erwähnten Fehlhaltungen seien überwunden oder nur punktuell zutreffend. Doch hält die Krise an.30
Ein wichtiges Indiz ist die erwähnte Krise des Bußsakramentes, jenes Sakramentes, das bis zum II. Vatikanischen Konzil den Schwerpunkt katholisch frommer Praxis bildete und auf Überwindung der Sünden (der Verletzungen göttlicher Gebote) abzielte. Man rechnete, dass für die meisten Christen die häufige Verletzung der Pflichten gegen Gott quasi den Normalfall darstelle, riet zu oftmaligem Empfang des Bußsakramentes, damit die Empfänger in den "Stand der Gnade" und Unschuld vor Gott zurückkehren konnten. Positiv mahnte man sie, um weniger leicht zu sündigen, sollten sie die (natürlichen und übernatürlichen) Tugenden erstreben.
Zur Unterstützung von "Beichtvätern" und Pönitenten erschienen moraltheologische Handbücher mit dem Anspruch, alle denkbaren Details einer sündigen Handlung und der Disposition des Sünders zu erfassen und so das richterliche Urteil des Priesters (im Namen Gottes und der Kirche) zu schärfen. Bezeichnend für die bis zum II. Vatikanischen Konzil verbreitete Geisteshaltung war, dass man Legalismus und Kasuistik weniger fürchtete als eine die richtende Härte abmildernde "Situations-Ethik", die amtlich verworfen wurde,31 da sie dem strengen Gottesbild wenig entsprach.
Widersprach ein individuelles Gewissen der von der Kirche vorgelegten göttlichen Norm, war es als "irrig" zu qualifizieren. Die Zurückdrängung des mündigen persönlichen Gewissens zugunsten vorgegebener "Gewissensspiegel" erzeugte eine ängstlich bemühte Skrupulosität, die auch heute noch - oder wieder - bei frommen Katholiken anzutreffen ist.
Wie man sieht, wurde hier, erzieherisch motiviert, der biblische Glaube verkürzt bzw. reduziert auf die Unterwerfung unter göttliche Gebote und Verbote, die Glaubenspraxis gleichgesetzt mit Erfüllung einschlägiger Pflichten und Tugenden. Glaube im Sinne biblischen Vertrau-Glaubens war eher eine Beigabe zur Stützung der Anstrengung, die "Pflichten gegen Gott" zu erfüllen. Dabei schärfte man die kognitive Seite ein: das Für-wahr-Halten der "Glaubenswahrheiten" in Katechismus-Form. Konzept und Praxis dieser Art moralisierender Glaubenslehre erschwerte es faktisch zahlreichen Menschen, eine individuelle, den eigenen Lebensweg tragende Glaubens- oder Vertrauensbeziehung zum biblischen Gott und zu Jesus Christus zu finden, da sich ...
Inhaltsverzeichnis
- Über das Buch
- VORWORT
- Inhaltsverzeichnis
- I. Wer oder was ist ein Christ?
- II. Leben und Leiden vor dem Geheimnis "Gott"
- III. "Wandelt euch durch ein neues Denken!"
- IV. VON TOD UND LEBEN - aktuelle Probleme des Theodizee-Problems
- Literaturverzeichnis
- Zum Autor
- Weitere Informationen
- Impressum