1. Fragestellung
Am Anfang und/oder im Verlaufe unternehmerischer Entwicklungen und daraus folgender Entscheidungen stehen grundsätzliche Erwägungen der Geschäftstätigkeit. Eine dieser Überlegungen ist die, ob ein Unternehmen international tätig werden soll.
Nennen und begründen Sie kurz anhand von drei Beispielen, warum es für Unternehmen sinnvoll sein kann, international tätig zu werden.
2. Lösung
Für nicht wenige Unternehmen dominiert zunächst das Motiv, in den ausländischen Märkten durch Wachstum höhere Gewinne zu erzielen (1). Dabei kann das Ausnutzen von freien Produktionskapazitäten im Vordergrund stehen oder aber der Ausbau der Produktionskapazitäten und dem daraus folgenden Effekt von Größenvorteilen (englisch Economies of scale).
Nicht unerheblich ist es, durch internationale Diversifikation Risiken zu verteilen. Zu bedenken ist, dass verschiedene Länder z. B. unterschiedliche politische Risiken aufweisen (2). In Frage kommt allerdings auch, dass es konjunkturelle Gefahren geben kann, die durch eine geschickte Internationalisierungsstrategie aufgefangen und/oder abgemildert werden können.
Nicht selten beschleunigt sich die Bereitschaft, international tätig zu werden, dadurch, dass Kunden des Unternehmens bereits im Ausland tätig sind. In solchen Fällen entsteht der Wunsch, dem Kunden als Lieferanten ins Ausland zu folgen (3). Derartige Reaktionen können die Kundenbindung spürbar stärken und entfalten dadurch positive Wirkungen auf die weiteren Geschäftsbeziehungen.
3. Hinweise zur Lösung
Ein wesentliches Motiv, das die Unternehmen dazu bewegt, sich im Ausland zu engagieren, liegt darin, neue Märkte zu erschließen. Bei den eben genannten drei Motiven der Aufgabenstellung kann eine Unterscheidung vorgenommen werden, die die Beweggründe in zwei Ansätze teilt (vgl. Sternad u. a. 2020, S. 10 ff.):
Internationalisierungsziele lassen sich grundsätzlich auch nach folgenden Punkten unterscheiden und machen deutlich, dass es in der Praxis eine Vielzahl von Notwendigkeiten gibt, die dazu animieren können, sich als Unternehmen international zu engagieren. Internationalisierung kann u. a. durch folgende, naheliegende Motive beeinflusst werden:
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Ressourcenorientierung (z. B. Verfügbarkeit von Rohstoffen oder Arbeitskräften)
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Effizienzorientierung (z. B. durch die Nutzung von Lohnkostendifferenzen)
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Strategieorientierung (z. B. Nutzung von Kompetenzen im ausländischen Markt)
Ob und in welchem Umfang eine Internationalisierungsstrategie angestrebt wird, hängt, wie gezeigt wurde, von sehr unterschiedlichen Motiven oder Motivbündeln ab. Je nachdem verlagern sich zum Beispiel ganze Branchen ins weit entfernte Ausland, um signifikante Unterschiede bei den Lohnkosten zu realisieren.
Dazu gehörte in der Vergangenheit zum Beispiel die Bekleidungsindustrie (allerdings vor allem im Bereich des niedrigpreisigen Warenangebotes), die mit massiven Abwanderungsprozessen aus bestimmten Regionen in Deutschland einen umfangreichen Strukturwandel hervorgerufen hat. Mit diesen Veränderungen und den damit verbundenen Bemühungen sind die Regionen zum Teil bis heute beschäftigt.
Auf die mit ethischen Fragen verbundenen Folgeprobleme bei den Arbeitsbedingungen sollte nach den vielen Erfahrungen in den letzten Jahrzehnten hingewiesen werden. Das rein wirtschaftliche Kalkül spart diese Fragen aus. Die Tatsache, dass in Zusammenhang von Internationalisierung sehr schnell wirtschaftsethische Entscheidungen hinzutreten können, die zumindest in den letzten Jahren zu Recht sehr viel stärker diskutiert werden, liegt mitunter nicht nur an ethischen Entscheidungen der Unternehmen selbst, sondern zunehmend auch daran, dass die Kunden von Produkten wissen wollen, unter welchen Bedingungen einzelne Produkte hergestellt wurden. Die mit vernünftigen Arbeitsbedingungen hergestellten Waren erhalten dann ein Siegel, das kennzeichnet, dass bei der Produktion zumindest auf ethische Gesichtspunkte Rücksicht genommen wurde (so zum Beispiel bei der Herstellung von Teppichen, bei denen der Ausschluss von Kinderarbeit in den Blick genommen wird).
4. Literaturempfehlungen
Krugman, Paul R. u. a. (2019[a]): Außenhandel, Hallbergmoos, S. 28–31.
Sternad, Dietmar u. a. (Hrsg.) (2020[b]): Grundlagen Export und Internationalisierung, 2. Aufl., Wiesbaden, S. 9–18.