1. | GRUNDLAGEN DER FOTOGRAFIE |
Beim Fotografieren mit dem Smartphone gibt es gewisse Aspekte, die du beachten solltest, damit dir ein schönes Bild gelingt.
Also, wie du Licht siehst und es einsetzt, wie du dein Bild gestaltest, wie du deine Perspektive wählst und welche Pose dein Baby oder Kind einnimmt – all das wirkt auf dich, wenn du ein Foto ansiehst. Es beeinflusst, ob das Foto harmonisch wirkt und ob es dir gefällt. Viele Menschen können gar nicht sagen, warum ihnen ein Foto gefällt oder nicht. Sie können es nicht deuten, denn es wirkt im Unterbewusstsein. Wenn du dich mit dem Fotografieren auseinandersetzt, lernst du mit der Zeit genau diese Dinge wahrzunehmen. Dadurch wirst du letztendlich deine Fotos verbessern können.
1.1Begriffe, die du kennen solltest
In diesem Buch geht es um das Fotografieren mit deinem Smartphone. Deswegen gehe ich hier auf die Regeln der Fotografie ein, die auch mit dem Smartphone umsetzbar sind. Trotzdem ist es sinnvoll, gewisse Begriffe schon einmal gehört zu haben. Zu wissen, was mit Blende, Belichtungszeit und Brennweite gemeint ist, gehört zum Basiswissen der Fotografie.
Blende
Die Blende sitzt im Objektiv. Sie ist in »großen« Kameras neben dem Verschluss die zweite lichtregelnde Instanz. Sie bestimmt, wie viel Licht durch das Objektiv auf den Sensor fällt, wenn der Verschluss geöffnet ist (d. h. im Moment des Auslösens wird sie je nach Einstellung größer oder kleiner gestellt, synchron zum Verschluss). Eine kleine Blendenzahl steht für eine große Öffnung der Blende, es fällt somit viel Licht auf den Sensor. Eine große Blendenöffnung bedeutet nicht nur mehr Licht, das auf den Sensor trifft und ein Bild entstehen lässt, sondern auch eine geringere Schärfentiefe (dazu gleich mehr). Ist das Umgebungslicht zu gering und die Blendenöffnung klein, dann fällt nur wenig Licht auf den Sensor und das Foto wird zu dunkel.
Mit der Blendenöffnung steuerst du aber nicht nur, wie viel Licht durch das Objektiv fällt, du steuerst auch, wie viel vor und hinter deinem Motiv noch scharf erscheint – dieser Bereich ist die sogenannte »Schärfentiefe«. Eine große Blendenöffnung (kleine Blendenzahl) sorgt für eine geringere Schärfentiefe im Bild, als wenn du mit einer geschlossenen Blende (größere Blendenzahl) fotografierst. Das Hauptmotiv setzt sich so besser von Vorder- und Hintergrund ab, Schärfentiefe ist also ein wichtiges Mittel der Bildkomposition.
Smartphone-Kameras haben meist eine festgelegte Blende, das Spiel mit der Schärfe entfällt hier daher (außer, wenn du ganz nah an dein Motiv herangehst). Daher wird bei Smartphones die auf den Sensor fallende Lichtmenge nur über die Belichtungszeit gesteuert, die deine Kamera-App automatisch einstellt.
Belichtungszeit
Die Belichtungszeit wird auch »Verschlusszeit« genannt und bestimmt, wie lange Licht auf den Sensor fällt. Sie steuert also den Lichteinfall bzw. die Bildhelligkeit. Ist die Belichtungszeit doppelt so lang, so fällt auch doppelt so viel Licht auf den Sensor. Bei langen Belichtungszeiten besteht die Gefahr von Verwacklungs- bzw. Bewegungsunschärfen. Das bedeutet, je länger die Belichtungszeit, desto unschärfer wird dein Baby oder Kind, wenn es sich bewegt.
Dies ist auch eines unserer Hauptprobleme, wenn wir unsere Kinder fotografieren möchten.
Belichtungskorrektur
Manchmal möchte man die von der Kamera-App gewählte Belichtungszeit nach oben oder unten korrigieren, um eine Unter- oder Überbelichtung zu vermeiden. Diese Belichtungskorrektur kannst du in der Kamera-App ganz leicht vornehmen. Tippe mit deinem Finger auf dein Hauptmotiv und dann erscheint in der Regel ein Sonnensymbol (siehe Bild links). Dieses kannst du hinauf- und hinunterschieben. Sobald du die richtige Belichtung für dich gefunden hast, sperrst du am besten diese Einstellung mit dem dazugehörigen Symbol, dann kannst du gleich öfters mit derselben Belichtung auslösen.
Brennweite
Die Brennweite bezeichnet die Entfernung zwischen dem Bildsensor und der ersten optisch wirksamen Linse (das muss nicht die Frontlinse sein, die vielleicht nur als Schutz dient).
Wenn du ein Weitwinkelobjektiv verwendest, dann hast du eine kleine Brennweite und einen großen Bildwinkel – es »passt« viel aufs Bild. Bei einem Teleobjektiv hast du eine große Brennweite und einen kleinen Bildwinkel – dein Bild zeigt nur Details. Hat dein Smartphone mehr als ein Objektiv auf der Rückseite, sind dies meist ein Weitwinkel- und ein leichtes Tele-Objektiv.
Sensor
Der Sensor wandelt das einfallende Licht so um, dass es in der Kamera digital verarbeitet und gespeichert werden kann.
Auflösung
Die Auflösung gibt an, wie viele Bildpunkte (Pixel) sich in einem Bild befinden. Die Auflösung wird in der Regel in Megapixel angegeben. Ein Megapixel entspricht 1.000.000 Bildpunkten.
ISO-Zahl
Reicht das Licht nicht aus und die Belichtungszeit wird zu lang für scharfe Fotos, kannst du auch die ISO-Empfindlichkeit höherstellen – sie steht für die Verstärkung des Bildsignals aus dem Sensor. Je höher die ISO-Zahl ist, desto mehr wird das Bildsignal verstärkt und du kannst ohne Verwackeln fotografieren.
Aber Achtung, bei einer höheren ISO-Zahl entsteht mehr Bildrauschen, wie du in den nachfolgenden Bildern am Hintergrund erkennen kannst. Es hängt von deinem Empfinden ab, wie viel Rauschen für dich noch okay ist.
Je nach Hersteller und Modell deines Handys hast du die Möglichkeit, im manuellen Modus deiner Kamera-App die ISO-Zahl zu ändern. Bei meinem alten Handy konnte ich die ISO-Zahl einstellen, bei meinem neuen passt sich diese automatisch an. Es hängt also vom Hersteller ab, ob du die ISO-Zahl einstellen kannst oder nicht.
Es gibt mittlerweile schon zahlreiche Apps im App Store, mit denen du manuelle ISO-Werte (und Belichtungszeiten) einstellen kannst. Ich verwende gerne die App »Manual Camera by Geeky Devs Studio« (Android).
Mit dieser App lässt sich u. a. die ISO-Zahl ganz leicht mit diesem Wahlrad verstellen.
Das Belichtungsdreieck
Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit spielen zusammen, um das perfekt belichtete Foto zu gewährleisten. Dafür sorgt meist die Belichtungsautomatik, du kannst das aber auch manuell steuern. Änderst du bei gleichbleibendem Licht einen der Werte, musst du einen der anderen beiden Werte nachziehen, um weiterhin eine perfekte Belichtung zu erhalten. Welchen Wert du änderst, hängt v...