Eine aktive Beteiligung der Lernenden verbessert entscheidend die Qualität des Unterrichts und die Lernergebnisse. Das Buch stellt eine Reihe von Lehrmethoden vor, die mit relativ wenig Zeitaufwand durchführbar sind, und liefert nützliches Hintergrundwissen sowie praktische Tipps für die Umsetzung. Die Methoden sind einsetzbar in den unterschiedlichsten Fächern von Technik bis Sprachwissenschaften.Die Neuauflage wurde überarbeitet und insbesondere um neue Aspekte zur digitalen Lehre ergänzt, wie benötigte Tools und Programme, geeignete Methoden zur Organisation und Durchführung der Onlinelehre, rechtliche Aspekte bei digitalen Prüfungen.

eBook - ePub
didaktisch und praktisch
Methoden und Medien für die Präsenz- und Onlinelehre
- 200 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
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didaktisch und praktisch
Methoden und Medien für die Präsenz- und Onlinelehre
Über dieses Buch
Information
Thema
Wirtschaftstheorie1 Methoden zu Veranstaltungsbeginn
F. Waldherr, C. Walter, J. Wendorff, M. Kipp
Die Redewendung »Der erste Eindruck zählt« gilt auch für Lehrveranstaltungen. Das betrifft den Semesterbeginn aber auch den Start jeder einzelnen Veranstaltung, Versäumnisse hier sind im Allgemeinen nicht so einfach wieder aufzuholen. Egal ob 20 oder 200 Studierende, die an Ihrer Lehrveranstaltung teilnehmen, Ihre Aufgabe ist es zu Beginn Transparenz und damit auch ein arbeitsförderndes Klima zu erzeugen. Ein bewusster Einstieg in das neue Semester kann Orientierung geben und, je nach Gestaltung einer konsumierenden Haltung der Studierenden vorbeugen.
Transparenz über Lernziele, Aufgaben, Ablauf und Hintergründe
Egal, mit welchen didaktischen Methoden Sie in einer Lehrveranstaltung arbeiten möchten, nutzen Sie den Semesterstart um den Studierenden zu erläutern, welche Lernziele (siehe Kapitel 11.2) Sie in der Lehrveranstaltung für sie verfolgen und wie diese erreicht werden sollen. Stellen Sie dar, was Ihr Lehrkonzept beinhaltet, wie die Lehrveranstaltung aufgebaut ist und was Sie dabei von den Studierenden erwarten. Kolleginnen und Kollegen, die verstärkt mit aktivierenden Methoden arbeiten, berichten darüber, dass sie ihren Studierenden auch erklären, welchen Mehrwert diese Herangehensweise für Lernende hat. Gerade wenn Sie Lehrkonzepte wie JiTT oder andere Lehrformate nutzen, die erfordern, dass Studierende sich regelmäßig auf die einzelnen Lehrveranstaltungen vorbereiten, ist es sinnvoll, den Studierenden auch zu zeigen, wie sich die Vorbereitungszeit in der Vergabe der ECTS widerspiegelt. Diese Empfehlungen schaffen Orientierung, Transparenz und erhöhen im besten Fall auch die Bereitschaft, dass Studierende sich an der Lehrveranstaltung wie gewünscht beteiligen.
1.1 Klassische Vorstellungsrunde
Wozu ist das gut?
Zu Beginn einer Veranstaltung oder eines Semesters kann man vor allem in kleineren Gruppen bis etwa 30 Personen durch einen Einstieg auf der persönlich-sozialen Ebene ein gutes Lernklima erzeugen. Eine – in Trainings- und Weiterbildungssituationen im Übrigen selbstverständliche – Möglichkeit stellt die klassische Vorstellungsrunde dar.
Wie funktioniert’s?
Sie bereiten einen Flipchart, eine PowerPoint-Seite oder die Tafel vor mit Sätzen wie z. B.:
- Ich heiße …
- Ich komme aus …
- Ich erwarte von diesem Unterrichtsfach …
Zunächst stellen Sie sich selbst etwas ausführlicher vor und geben dann diese Fragen vor. Die Teilnehmenden sollen diese der Reihe nach kurz beantworten.
Alternativ dazu können Sie auch eine Vorstellungsrunde anhand eines Gegenstandes anbieten. Dazu benötigen Sie einen Vorrat von verschiedenen Gegenständen (Steine, Holzklotz, Gebrauchsgegenstand, Figuren aller Art, usw.) Jede Person wählt einen Gegenstand und stellt sich vor. Eine vierte Frage kann nun heißen: Ich habe diesen Gegenstand gewählt, weil …
Wenn Sie in der Runde eine Frage zu den Erwartungen der Studierenden gestellt haben, sollten Sie die Antworten für die Teilnehmenden sofort lesbar mitnotieren. Das ist insofern bedeutsam, weil Sie damit ein deutliches Signal der Wertschätzung setzen: »Ihre Erwartungen sind mir so wichtig, dass ich sie aufschreibe.« Im Anschluss an die Vorstellungsrunde sollten die gesammelten Erwartungen dann auch besprochen werden. Sie müssen dabei nicht alle Erwartungen erfüllen. Manches gehört vielleicht in eine andere Lehrveranstaltung, anderes hat nicht die Relevanz im von Ihnen aufgebauten Gesamtzusammenhang.
Gruppengröße:
Bis zu 25 Personen
Raum und Ausstattung:
Die Fragen sollten für alle Studierenden sichtbar sein.
Material:
Gegebenenfalls Gegenstände mitbringen.
Zeitaufwand:
Die benötigte Zeit ist abhängig von der Gruppengröße. Wir empfehlen Ihnen, den Studierenden eine maximale Zeitdauer pro Person anzugeben. »Jede Person hat 2 Minuten Zeit«.
Digitale Umsetzung
Sie teilen Ihren Bildschirm, auf dem Sie ein Textdokument mit der Überschrift »Vorstellungsrunde« zeigen. Die drei Fragen schicken Sie über den Chat an alle Studierenden. Jetzt fordern Sie Ihre Studierenden auf, sich nacheinander über Video vorzustellen. Sie können alle Studierenden zu Beginn auffordern, die Hand zu heben. Wer sich vorgestellt hat, senkt die Hand wieder. Fokussieren Sie die Person, die spricht. Parallel schreiben Sie Ihre Notizen für alle sichtbar auf dem geteilten Textdokument. Auch im Digitalen können Sie mit Gegenständen arbeiten. Als Variante können Sie die Studierenden zu Beginn auffordern, einen Gegenstand aus ihrer privaten Umgebung zu suchen, anhand dessen sie sich vorstellen.
1.2 Aufstellung nach Herkunft der Studierenden
Wozu ist das gut?
Zu Beginn eines (ersten) Semesters können Sie die Methode zu einem ersten Kennenlernen der Studierenden für Sie und untereinander nutzen. Zudem bringt die Art der Aufstellung Bewegung in die Gruppe und die Studierenden müssen miteinander sprechen, ansonsten gelingt die Aufstellung nicht.
Wie funktioniert’s?
Fragen Sie nach der Herkunft – besonders interessant ist das in international besetzten Masterkursen: Setzen Sie die Mitte des Raumes als Ort der Hochschule, wie das in der folgenden Abbildung gezeigt wird.

Abb. 1.1: Beispiel für »Aufstellung nach Herkunft«
Bitten Sie die Studierenden, sich nach Himmelsrichtung und Entfernung der Heimatorte im Raum aufzustellen. Dabei ist es zweckmäßig, die Himmelsrichtungen vorzugeben (Nord/Süd ist vorne/hinten, West/Ost ist links/rechts). Wer nahe an München seinen Ursprung hat, wird nahe der Raummitte stehen; der Hamburger steht – im Vergleich zum Gaststudierenden aus Oslo – etwa auf halber Höhe nach vorne in der Mitte.
Interviewen Sie ganz nahe und ganz weit entfernt stehende Studierende, versuchen Sie, diejenigen mit der weitesten Anreise zu ermitteln, lassen Sie sich von den Herkunftsorten und -ländern, von charakteristischen Speisen und Getränken erzählen. Der besondere Charme dieser Methode liegt darin, dass die Studierenden sich zwangsläufig miteinander unterhalten müssen, da sie sonst ihren richtigen Platz (relativ zu den anderen) gar nicht finden können.
Gruppengröße:
Beliebig
Raum und Ausstattung:
Man sollte sich im Raum bewegen können. Ein Hörsaal mit aufsteigender, fest montierter Bestuhlung ist hierzu ungeeignet, aber vielleicht gibt es ein Foyer.
Material:
Weltkarte mit dem Hochschulort als Mittelpunkt, als Poster oder projektionsfähig; eventuell Mikro
Zeitaufwand:
Mit 20 Personen etwa 10 bis 15 Minuten, mit 100 etwa eine halbe Stunde
1.3 Partnerinterview
Wozu ist das gut?
Die Lernenden sind sofort aktiv im Gespräch und lernen einander kennen. Sie wissen, dass sie den oder die andere im Anschluss vorstellen müssen, fragen deshalb genauer nach und hören konzentrierter zu.
Wie funktioniert’s?
Diese Methode besteht aus zwei Phasen. In der ersten Phase bilden die Studierenden Zweier- oder Dreiergruppen und erhalten vom Lehrenden Leitfragen, anhand derer sie sich gegenseitig interviewen sollen. Neben den üblichen Fragen nach Name und Herkunft macht es solche Vorstellungsmethoden erfahrungsgemäß unterhaltsamer, wenn auch Fragen nach »kleinen Geheimnissen« gestellt werden.
- Was sind Ihre/Deine gängigen Ausreden, um sich nicht mit der Arbeit/dem Studium beschäftigen zu müssen?
- Wie haben Sie sich/Du Dich schon bei Gruppenarbeiten vor der Arbeit gedrückt?
- Wie begründen Sie/begründest Du im Familien- oder Freundeskreis, wenn ein Test nicht bestanden wurde?
Die Studierenden interviewen sich nun gegenseitig und können sich dabei Notizen machen. In der zweiten Phase stellen sich die Studierenden gegenseitig im Plenum vor.
Gruppengröße:
Bei 15–20 Personen problemlos. Bei größeren Gruppen muss man sich genau überlegen, mit wie vielen und mit welchen Fragen sich die Studierenden interviewen sollen. Eventuell kann man bei der gegenseitigen Vorstellung nur den Namen und die Antwort auf das »kleine Geheimnis« vorstellen.
Raum und Ausstattung:
Die Methode kann problemlos in jedem Raum und bei jeder Art der Bestuhlung durchgeführt werden.
Material:
Eventuell Papier, um sich Notizen zu machen
Zeitaufwand:
Die Interviewphase sollte nicht länger als 15 Minuten dauern, die Dauer der Vorstellungsphase pro Person orientiert sich nach der Anzahl der Anwesenden, sollte aber nicht länger als eine Minute sein.
Digitale Umsetzung
Sie richten für die erste Runde Zweier-Breakout-Räume mit zufallsbasierter Zuteilung ein, in denen die Partnerinterviews stattfinden. In der zweiten Runde findet die Vorstellung im Hauptraum statt. Fokussieren Sie jeweils die beiden Studierenden oder bitten Sie alle Studierenden, die Kameras auszuschalten, ausgenommen die beiden Sprechenden.
1.4 Dreieck der Gemeinsamkeiten
Wozu ist das gut?
Die Lernenden entdecken schnell Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede und kommen dadurch schnell in einen intensiven Austausch.
Wie funktioniert’s?
Bilden Sie Dreiergruppen, wenn das von der Anzahl der Beteiligten nicht aufgeht, auch eine Zweier- oder Vierergruppe. Jede Gruppe erhält ein Flipchartpapier, auf das diese zunächst ein großes Dreieck zeichnen soll. Bei einer Vi...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Hinweis zum Urheberrecht
- Impressum
- Vorwort zur dritten Auflage
- Methoden für die Lehre an Hochschulen
- 1 Methoden zu Veranstaltungsbeginn
- 2 Methoden, um das Vorwissen transparent zu machen
- 3 Methoden zum Erwerb und zur Verteilung neuen Wissens
- 4 Diskussionen und ähnliche Methoden
- 5 Spezielle Methoden für die Lehre in MINT-Fächern
- 6 Aktivierung von Großgruppen
- 7 Methoden zur Begleitung der studentischen Selbstlernphasen
- 8 Methoden für ein schnelles Feedback
- Theoretische Hintergründe
- 9 »Lernen ist nicht machbar« – Eine Begründung für die Forderung nach aktivierenden Lehrmethoden
- 10 Was sagen die Neurowissenschaftler dazu?
- 11 Lehrveranstaltungen anhand von Lernzielen und Kompetenzen planen
- 12 Vom Lernziel zur Lernveranstaltung – Die konkreten Schritte
- 13 Prüfungen und Lernstanderhebungen
- 14 Digitale Lehre
- 15 Wie kann man die Motivation der Studierenden fördern?
- 16 Nicht ins Leere lehren – Feedback und Interaktion in MINT-Lehrveranstaltungen
- 17 Und zum Schluss die Evaluation?
- Literaturverzeichnis
- Stichwortverzeichnis
- Herausgeber:in und Autor:innen
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