Kapitel I:
Vergangenheit und Gegenwart
Worum geht es bei der Spiritualität?
Wir sind nicht nur materielle Wesen. Wir haben zusätzlich zu dem Leben, das wir hier führen, auch Gefühle. Gefühle sind ein starker Hinweis darauf, dass etwas belebt ist.
Vor Tausenden von Jahren haben Menschen in allen Kulturen versucht, ihre Erkenntnisse weiter zu geben. Diese Erkenntnisse wurden festgehalten und bestehen bis heute in Form von Religionen. Dabei ist es nicht so wichtig, was die Religionen aussagen. Im Grunde gleichen sich alle Religionen. Sie sind durch die Kulturen, in denen sie entstanden sind, getönt. Das soll heißen, dass sie an Menschen angepasst sind, damit diese sie besser verstehen. Wichtig ist eine Gemeinsamkeit, die alle Religionen haben. Es ist die Aussage, dass es eine spirituelle Welt gibt.
Da wir in der Dualität leben, haben Religionen nicht nur diese Stärke, sondern auch eine Schwäche. Ihre Schwäche ist, dass sie sich nicht mit den Menschen weiterentwickeln. Da dies teilweise schon seit Jahrtausenden der Fall ist, brauchen wir uns auch nicht wundern, wenn sich Menschen und ihre Religionen immer weiter voneinander entfernen.
Die Logik ist doch ganz klar. Die einen entwickeln sich nicht weiter, weil sie bewahren wollen und die anderen entwickeln sich weiter, weil sie versuchen, mit ihrer eigenen Entwicklung zu gehen. Aus diesem Grund klafft die Schere immer weiter auseinander.
Die Menschen entfernen sich nicht nur von ihren Religionen, sie entfernen sich vor allem von sich selbst. Das geht heutzutage so weit, dass wir völlig vergessen haben, dass wir nicht nur materiell sind, d. h. aus Materie bestehen, sondern auch geistige Wesen sind. Dazu sind einige Definitionen hilfreich:
Spiritualität: Es geht bei der Spiritualität um die Akzeptanz und die Pflege neben unserer materiellen Seite auch unserer geistigen Seite. Dadurch sind wir auch für die geistige Welt offen.
Materie: Bezeichnet die am niedrigsten schwingende Energieform in der spirituellen Welt. Sie wurde geschaffen, um lebenden Wesen ein völlig eigenständiges Leben zu ermöglichen. Kennzeichen der Materie ist, dass sie eine Masse hat. Deshalb sind schon Atome und deren Teile materiell. Beeinflussungen finden nur untereinander statt, nicht aus der spirituellen Welt.
Inspiration: Eine unkomplizierte Betrachtung dazu wäre eine Situation, in der wir eine Idee haben. Das ist, wenn von unserem Geist ein Gedanke bis in unser Bewusstsein vordringt.
Geistige Welt: Bezeichnet in diesem Buch die Welt, in die wir nach unserem Sterben gehen können. Das Sterben ist ein Wandlungsprozess. Wir können in der Materie bleiben oder nach den vielen Leben auf der Erde in die geistige Welt zurückkehren. Dazu ist es notwendig, dass wir neben allem anderen materiellen auch unseren irdischen Körper zurücklassen. Von der materiellen Welt braucht man in der geistigen Welt nichts. Wenn wir diesen Schritt gehen wollen, nimmt man uns als geistige Wesen gerne in der spirituellen Gemeinschaft auf.
Das Gegenteil von Realität ist Inspiration
In unserer Sprache (deutsch) gibt es kein Gegenteil von Realität. Die vorhandenen Begriffe sind lediglich unvollständige Umschreibungen. Es gibt keinen Begriff, der vollständig das Gegenteil der Realität beschreibt. Es ist eigenartig, aber scheinbar kommt dieser Begriff nicht verlässlich in unseren Sprachen vor und kann daher nur beschrieben werden.
Es bieten sich als Gegenteil für Realität verschiedene Begriffe an. Am besten nähern wir uns dem Gegenteil an, indem wir beschreiben, was wir unter Realität verstehen und dann das Gegenteil davon beschreiben und diesem Gegenteil einen Begriff geben. Mit dieser Vorgehensweise können wir ein passendes Wort finden.
Wir verstehen unter Realitätssinn die Fähigkeit von Menschen, diese Realität über die Sinne seines Körpers wahrzunehmen und mit ihr zu agieren. Das Gegenteil davon wäre dann die Fähigkeit von Menschen, Dinge wahrzunehmen, die außerhalb der organischen Funktionen des Körpers liegen. Diese Wahrnehmung wäre dann also geistiger Natur und nicht körperlich.
Ein Nachteil des Umgangs mit der nicht realen Wahrnehmung ist, dass sie negativ und zu einseitig emotional behaftet ist. Was wir nicht über unseren Körper wahrnehmen können, ist nach Meinung vieler bestenfalls eine Spinnerei, im schlechtesten Fall krankhaft. Wohlgemerkt in der üblichen Meinung. Auch deswegen lässt sich das Gegenteil von Realität mit Fiktion, Illusion, Fantasie oder dergleichen schlecht ausdrücken oder besser: fehlinterpretieren. Keiner dieser Begriffe kommt dem Gegenteil des in diesem Buch gemeinten Ausdrucks der Realität nahe. Wie wäre es dann mit Inspiration? Wir sind von einer Idee unseres Geistes so überzeugt, dass wir sie in Realität bringen wollen. Früher war diese Form der Eingebung göttlicher Natur. Warum diesen Begriff nicht auf Menschen erweitern? Früher wurde die Fähigkeit bestenfalls Künstlern zugetraut. Besonders Maler oder Komponisten konnten mit ihrer Schaffenskraft überzeugen. Heute wissen wir, dass diese Form von Ideen und Wahrnehmungen unseren eigenen, nicht körperlichen, sondern geistigen Sinnen entspringen.
Genau das wäre der respektvolle Umgang mit einer noch nicht in ihrem ganzen Umfang entdeckten Fähigkeit des Menschen, die Inspiration. Sich beispielsweise Gegebenheiten und Abläufe in Gedanken oder Gefühlen nicht nur vorstellen, sondern auch wahrnehmen zu können, die real nicht wahrnehmbar sind, aber in der Realität existieren. Nur weil wir etwas durch unseren Körper nicht registrieren können, bedeutet es nicht, dass es das nicht gibt.
Bingo! Jeder Mensch kann sich weiter entwickeln, sobald es für seine Entwicklung nötig ist oder wenn er es möchte. Erreichbar schon in diesem, unserem materiellen Dasein ist die Entwicklung der höheren, also der geistigen Fähigkeiten. Das Leben nicht nur mit den Fähigkeiten des Körpers, sondern auch mit den Fähigkeiten des Geistes wahrzunehmen, ist allemal lohnenswert und bringt uns selbst näher.
Selbst diejenigen, welche eine solche Wahrnehmung für möglich halten, tun diese oft mit „Spinnerei“ ab. Woher sollte man es auch besser wissen, wird doch schon bei Kindern diese Art der Wahrnehmung unterdrückt.
Solange wir unsere Wahrnehmung nur auf die körperlichen Sinne beschränken, nutzen wir nur einen kleinen Teil dessen, was wir wirklich können. Die Beschränkung unseres Geistes auf unseren Körper funktioniert. Sie funktionier so gut, dass wir in unserer Entwicklung nichts anderes zugelassen haben und der Meinung sind, dass wir unser Körper sind.
Dabei könnten wir so viel mehr. Wir sind viel mehr wie unser Körper, da wir nicht auf die Materie beschränkt sind. Wohlgemerkt als geistige Wesen. Wir benötigen nur unseren Körper, um uns in der Materie zum Ausdruck bringen zu können.
Wir sollten uns auch bei Interesse für die geistige Wahrnehmung klar machen, dass sie uns genau so wenig wie die körperliche Wahrnehmung in den Schoss fällt. Wir brauchen als Babys und Kinder Jahre, um mit unserem Körper in unserem Sinn umzugehen. Wir brauchen auch Jahre, um mit unseren geistigen Fähigkeiten umzugehen. Wir müssen es in jedem irdischen Leben wieder lernen, in unserem neuen Körper mit unseren alten Fähigkeiten umzugehen - mit dieser für uns jedes Mal neuen Kombination umzugehen.
Realität + Inspiration = Dualität
* Achtet Grenzen von allem Lebenden, auch die eigenen.
Die Vereinigung der Dualität
Erklärung: Die entgegengesetzten Kräfte der Dualität bringen uns Menschen im Speziellen und die Menschheit im Allgemeinen bis jetzt nur in den materiellen Fragen weiter. Unsere ganzen Errungenschaften beruhen auf dieser Tatsache. Wir meinen, wir sind die Größten, weil wir Feuer machen können, durch die Gegend fahren und fliegen, große Kanonen bauen, Roboter Menschen töten lassen oder Viren in Laboren züchten usw.
Das alles geht nur über diese Realität und innerhalb der Materie. Wir meinen, dass wir gut vorankommen. Solange wir nur auf unsere körperlichen Sinne achten, hat die technische Entwicklung ein Alleinstellungsmerkmal. Wenn wir der Dualität, also dem Gegensatz der Dinge folgen, muss unsere Realität, die ja ein Ausdruck der Dualität ist, einen Gegenpart haben. Der Gegenpart zur Realität wäre die Spiritualität. Jetzt ist es so, dass dieser Begriff in der Vergangenheit ziemlich missbraucht wurde. Wie, das weiß jeder zur Genüge selbst. Darauf brauchen wir nicht näher einzugehen.
Was wäre für uns Menschen und unsere Fähigkeiten ein Ersatzbegriff? Beide, Menschen und ihre Fähigkeiten, wurden in den vergangenen Jahrhunderten missbraucht. Wenn wir von den Möglichkeiten des Menschseins und den Fähigkeiten eines Menschen ausgehen, wurden beide wenig gefördert und so klein gehalten, dass Menschen niemals ihre eigentliche Größe erreichen konnten. Die Spiritualität wäre ein Weg gewesen, die Menschheit zu entwickeln. Diese Chance wurde vertan. Die Verantwortlichen, man könnte auch Machthaber sagen, wollten lieber unter sich bleiben, anstatt darauf zu achten, dass die Völker und insbesondere die Menschen an der Weiterentwicklung teilhaben.
Streichen wir also Spiritualität als Erklärung für unsere Fähigkeit, die Sinne unseres Geistes zu nutzen. Es ist nur ein Wort. Lassen wir den Begriff Spiritualität dort, wo sie ihn für sich in Anspruch nehmen und anderen nicht gönnen. Das hätte für uns normale Menschen einen großen Vorteil. Der Vorteil wäre, dass man nicht spirituell sein muss, um mit geistigen Wesen zu kommunizieren. Unsere geistigen Fähigkeiten würden dann normal genutzt und wären nichts Außergewöhnliches.
Nehmen wir also für unsere geistigen Sinne einen wohlgefälligen und für jeden gleichermaßen zutreffenden Begriff. Wählen wir die Inspiration. Dieser Begriff ist nicht negativ behaftet und auch über die Jahrhunderte nicht missbraucht worden. Und vor allem: Jeder Mensch hat sie, jeder ist auf seine Weise inspiriert und braucht seine Inspiration nur zulassen. Und schon ist er mit seiner spirituellen Welt verbunden.
Der Gegenpart zur Realität ist es die Inspiration. Es sind Begriffe wie Tag und Nacht, männlich und weiblich, Gut und Böse. Sie müssen existieren, weil wir uns in ihnen entdecken können und weil wir sie für unsere Entwicklung benötigen. Die Herausforderung an uns als geistige Wesen ist die Vereinigung der unterschiedlichen Wirkprinzipien der Dualität zu einem vollkommenen Ganzen mithilfe unserer höheren Sinne.
So verrückt ist das gar nicht, wenn wir an einem Beispiel schauen, was möglich ist: Nehmen wir in unserer materiellen Welt das männliche und das weibliche Prinzip. Frauen ziehen Kinder groß, kochen oder stopfen Socken. Männer sorgen für ein Einkommen, das die Familie leben kann. So sind im Groben die Rollenverteilungen. Männer sind relativ hilflos, wenn sie einen Pullover stricken oder Socken stopfen müssen. Andersrum verhält es sich mit Frauen, wenn sie ein Auto reparieren oder eine Waffe reinigen.
Wie wäre es, wenn wir Kinder während ihrer Erziehung nicht nur das lehren, was wir für richtig halten, sondern auch das zeigen, was die Kinder wollen. Unsere europäischen Gesellschaften tendieren immer mehr zu solchen Lösungen. Durch ein solches (freiheitliches) Verhalten in der Erziehung öffnet sich die Möglichkeit, dass künftige Generationen Zugang zu ihren geistigen Fähigkeiten bekommen, wie sie sich auch Zugang zu ihren körperlichen Fähigkeiten erarbeiten.
Der Unterschied zwischen Himmel und Hölle ist die Trennung zwischen Gut und Böse. Durch diese Trennung segelt unser Schiff buchstäblich in zwei Richtungen. Dadurch geht die Kraft für den einen richtigen und gehbaren Weg verloren. Unter gehbar ist an dieser Stelle gemeint, dass der Entwicklungsweg für Menschen möglich ist. Es gibt schon im hier, in diesem Leben in dieser Realität einen Weg für Menschen und die Menschheit zur Weiterentwicklung. Es ist der Weg der friedlichen Koexistenz der Kräfte - und zwar aller Kräfte, auch die unserer höheren Sinne.
Es mag unerfüllbar klingen, aber es liegt im Bereich des für Menschen Möglichen, die Vereinigung von Gegensätzen. Wenn w...