Sittes Welt
  1. 536 Seiten
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Über dieses Buch

Willi Sitte (1921–2013) ist der bekannteste und zugleich umstrittenste Maler der DDR. Diese Publikation zeigt erstmals seit der Wiedervereinigung das zwischen den 1930er Jahren und der Jahrtausendwende entstandene Gesamtwerk des Künstlers. Gleichzeitig rekonstruiert der Band sein Wirken als Kulturpolitiker und Präsident des Verbands Bildender Künstler in der DDR. Damit liegt nun die erste umfassende und sachliche Auseinandersetzung mit Leben und Werk des Künstlers vor.Willi Sitte war als Maler und Grafker, Hochschullehrer und einflussreicher Kulturfunktionär einer der wichtigsten Repräsentanten des offiziellen Kunstsystems der DDR. Die spannungsreiche Entwicklung des Künstlers – zwischen seinem Eintreten für Autonomie und Moderne sowie seinem Engagement für das Kunstprogramm des Sozialistischen Realismus – wird anhand wichtiger Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen ausführlich diskutiert. Viele von ihnen sind erstmals seit Jahrzehnten wieder gemeinsam in einer großen Retrospektive anlässlich seines 100. Geburtstags im Kunst-museum Moritzburg Halle (Saale) zu sehen. Das eindrucksvoll bebilderte Buch zeichnet das Agieren Sittes, seine Motivation und Beweggründe wie auch seine fortschreitend das System stärkende Rolle nach. Es setzt sich aber auch mit der Verschränkung von Kunst und Politik im DDR-Staatssystem auseinander. Die profund recherchierte Darstellung der Hintergründe vermittelt ein neues Bild vom Aufstieg des Malers zum einflussreichsten Künstler der DDR.

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Sittes Welt: Sitte vor Sitte

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„er ist noch jung, die romantische Weltsicht bedeutet hier ein Stadium“

Willi Sittes sudetendeutsche Anfänge vor 1945

Anna Habánová
Spuren Willi Sittes in seiner Geburtsstadt Kratzau (heute Chrastava, Tschechien) sowie in der weiteren Umgebung lassen sich nicht einfach finden. Abgesehen von den öffentlich sichtbaren Zeugnissen seiner Besuche nach 1989, einigen Original-Litografien und Reproduktionen von Sittes Arbeiten im Stadtmuseum, dem sogenannten Führich-Haus, und einer Gedenktafel an dessen Fassade, erinnert dort nichts an die Herkunft des Künstlers; sein Name ist vor Ort nur Kunstkennern ein Begriff. Als er 1921 im Stadtteil Unterkratzau geboren wurde
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, lebten in der Stadt 3 358 Einwohner. Es handelte sich um eine Gegend, die historisch von der deutsch sprechenden Bevölkerung besiedelt wurde und einen integralen Teil des Königreichs Böhmen und nach Oktober 1918 der neu entstandenen Tschechoslowakei darstellte. Das kulturelle Zentrum dieses Gebiets bildete bis 1635 Zittau. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wuchs langsam die Bedeutung der Gewerbestadt Reichenberg (heute Liberec), bis sie nach der Mitte des 19. Jahrhunderts zu der wichtigsten Stadt der Deutschen in Böhmen geworden war.
Auch Kratzau, gegründet im späten Mittelalter, erlebte einen Aufschwung im 19. Jahrhundert. Die Ursachen hierfür lagen vor allem in der sich schnell verbreitenden Textilindustrie und der klugen Verwaltung durch die Grafen Clam-Gallas, welche das Dominium Grafenstein (heute Grabštejn), unter welches Kratzau bis 1945 verwaltungsmäßig fiel, innehatten. Seit dem späten 18. Jahrhundert lässt sich in der Gegend ein wachsender Bedarf an künstlerischer Repräsentation und in dessen Folge eine stetig sich vergrößernde Zahl bildender Künstler nachweisen. Den Kristallisationspunkt bildete dabei Kratzau. Zu den hier geborenen oder lebenden Künstlern gehörten in der älteren Zeit Josef Quaisser (1776–1845), Wenzel Führich (1768–1836), Gustav Kratzmann (1812–1902), August Jonas (Lebensdaten nicht zu ermitteln), Wilhelm Kandler (1816–1896) und vor allem Joseph von Führich (1800–1876), der eine internationale Bedeutung errungen hat und in Kratzau sehr verehrt wurde. Im 20. Jahrhundert knüpften an ihn unter anderem Otto Kumpert (1891–1960), Karl Johne (1887–1959), Heinrich Demuth (1863–1950) und Richard Placht (1880–1962) an.
Die Konzentration bildender Künstler auf so kleinem Gebiet wurde bis heute nicht befriedigend erklärt. Auf der einen Seite gab es eine dezidierte Unterstützung von Christian Christoph (1771–1838), Eduard (1805–1891) und schließlich auch Franz Clam-Gallas (1854–1930). Alle drei Männer förderten aktiv Kunst- und Künstlervereine nicht nur in ihrem Dominium, sondern auch im Königreich Böhmen wie auch einzelne Kunststudenten auf der Akademie in Dresden, wie zum Beispiel Joseph von Führich oder Jacob Ginzel (1792–1862) aus Reichenberg. Auf der anderen Seite spielte die Nähe des nur etwa zehn Kilometer entfernten Industriezentrums Reichenberg eine wichtige Rolle. Die rasche Entwicklung der Textilindustrie mit der Gründung des Unternehmens Johann Liebieg & Company an der Spitze, die Einrichtung einer der ältesten Realschulen der Monarchie (1837), der ältesten Webschule (1852) und letztlich der Staatsgewerbeschule (1876) führten dazu, dass Reichenberg eine der wichtigsten Industriestädte der habsburgischen Monarchie wurde. Eine sehr starke Loyalität der Stadt und ihrer Vertreter gegenüber Wien und der Habsburger Monarchie zeigte sich nicht nur politisch, sondern auch im Neubau des Rathauses 1893 ganz nach dem Vorbild Wiens. Die starke wirtschaftliche und politische Stellung der Stadt änderte sich jedoch nach Gründung der Tschechoslowakei 1918 und wurde durch den Verlust der wichtigen Absatzmärkte beeinflusst.
Die Entwicklung der Stadt Reichenberg im 19. Jahrhundert wäre ohne Beteiligung verschiedenster Vereine nicht denkbar. So setzte vor allem der Gewerbeverein das Entstehen eines Gewerbemuseums durch, welches bereits 1873 eröffnet wurde. Eine seiner Hauptaufgaben war das Sammeln mannigfaltigster Erzeugnisse des lokalen und regionalen Gewerbes, vor allem aus der Textil- und Glasindustrie. Von Anfang an gelang es aber auch, wertvolle Stücke aus Europa und Asien als Schenkungen und Ankäufe zu erwerben und somit eine wichtige ästhetische Grundlage für die nächsten Generationen aufzubauen. Nach der Errichtung des Museumsgebäudes 1897/98
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bekamen die Sammlungen eine würdevolle Heimstatt samt einer Bibliothek mit dem Schwerpunkt Kunst- und Kunstgewerbeliteratur, welche der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stand. Eine Dauerausstellung wurde installiert. Wechselausstellungen zeigten europäisches Kunstgewerbe, verschiedenste Arbeiten der Gewerbeschulen, l...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Titel
  3. Sittes Welt
  4. Grußwort
  5. Grußwort
  6. Vorwort
  7. Einführung
  8. Biografisches
  9. Sittes Welt: Sitte vor Sitte
  10. Sittes Welt: Sitte auf dem Weg zu Sitte
  11. Sittes Welt: Die Programmbilder
  12. Sittes Welt: Menschliches
  13. Sittes Welt: Liebeskunst
  14. Sittes Welt: Allzumenschliches?
  15. Anhang
  16. Sittes Welt – Die Kuratoren
  17. Impressum
  18. Abbildungen