
- 224 Seiten
- German
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eBook - ePub
Japan für Anfänger
Über dieses Buch
»Seit über dreißig Jahren lebe ich im Westen Japans, und zu meinem großen Entzücken weiß ich heute deutlich weniger als bei meiner Ankunft.«Folgerichtig zählt sich auch Pico Iyer, einer der großen Reiseschriftsteller unserer Zeit, vergnügt zu den Japan-Anfängern. Hier nun schöpft Iyer aus seinen vielen Erfahrungen, aus Reisen, Gedanken, Lektüren, Gesprächen und eröffnet uns überraschende, pointierte Einblicke in die japanische Kultur. Mit Liebe für Details und Freude an Widersprüchen erhellt Iyer Japan-Neulingen ein faszinierendes Land, versierte Reisende werden es noch einmal mit anderen Augen sehen.
Häufig gestellte Fragen
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Information
Thema
ReisenDER LEERE RAUM
Bei einer von der größten Zeitung des Landes, Yomiuri Shimbun, durchgeführten Erhebung im Jahr 2005 antwortete kaum jeder vierte Japaner auf die Frage »Glauben Sie an eine Religion?« mit »Ja«. Über 96 Prozent jedoch räumten ein, an religiösen Ritualen welcher Art auch immer teilzunehmen.

Im Shinto gibt es keine Texte oder Glaubenssätze; in Japan ist der Buddhismus so sehr von Riten und Rezitationen geprägt, dass sich jahrhundertelang niemand die Mühe machte, viele der kanonischen Texte ins Japanische zu übersetzen.

»Sie erzählte Herzog, sie sei nicht sicher, ob sie an Gott glaube«, schreibt Saul Bellow über Sono Oguki, die japanische Geliebte seines Titelhelden, »aber wenn er es täte, würde sie auch zu glauben versuchen. Wenn er jedoch Kommunist sei, sei sie ebenfalls bereit, kommunistisch zu sein. Denn: ›Les Japonaises sont très fidèles.‹«

Bei seinen Vorträgen im Westen, hörte ich den Dalai Lama in Japan sagen, schalte das Publikum ab, sobald er über Rituale spreche, und erwache zum Leben, wenn er über Philosophie spreche; in Japan sei es umgekehrt.

Die japanische Teezeremonie – mit dem feierlichen Anheben der Tasse, dem Herumreichen des heiligen Gefäßes, dem Abwischen mit einem weißen Tuch – ist offenbar von der katholischen Messe inspiriert, die europäische Missionare just zu der Zeit ins Land trugen, als Sen no Rikyu die Tee-Riten festschrieb. Doch was in der katholischen Kirche auf einem Altar stattfindet, spielt sich in Japan in geselliger Runde in einem weitgehend leeren Raum ab.

»Versucht man, mit [den Japanern] über Probleme der höheren Philosophie oder der Religion im eigentlichen Sinne zu diskutieren«, beklagte sich der Urgroßvater meines Cousins ersten Grades in einem Buch, das er nach einer von seiner Heimat Bombay aus unternommenen Japanreise 1933 veröffentlichte, »meint man, ihre Religion beginne und ende mit dem Läuten der Glocken, zweimaligem Klatschen und der anschließenden Verbeugung mit aneinandergelegten Händen.«

Jemand hätte ihm sagen sollen, dass Intelligenz in Japan emotional und sozial ist; Analyse ist hier so unangebracht wie das Essen von Nudeln mit Messer und Gabel.

»Das Wichtigste in unserer Praxis«, sagte der Zen-Lehrer Shunryu Suzuki, »sind unsere Körperhaltung und unser Atem. Es geht uns nicht um ein tieferes Verständnis des Buddhismus.«

Die japanische »Gleichgültigkeit dem Geheimnis des Universums gegenüber«, war der Urgroßvater meines Cousins weise genug, zu ergänzen, »ermöglicht es ihnen, mehr Zeit und Energie für die Lösung naheliegenderer Probleme aufzuwenden.«

Dieselbe Gleichgültigkeit verbindet sie, denn in einem Chor braucht es keine individuellen Spekulationen oder Debatten; der Shinto, der keine Argumente kennt, kann nicht widerlegt werden.

Auf Marcel Duchamps unbeschwertes »Es gibt keine Lösung, weil es kein Problem gibt« antwortete die japanische Künstlerin Shigeko Kubota: »Es gibt kein Problem, weil es keine Lösung gibt.«

»Nichts zu tun«, bemerkte Wilde, »[ist] die schwierigste Sache der Welt […], die schwierigste und auch die intellektuellste.«

Die Mutter von Jesus, denke ich mitunter, wurde von einem Engel besucht und gilt als Heilige; die Mutter von Buddha starb bei seiner Geburt. Ist es da verwunderlich, dass es im Buddhismus darum geht, mit Verlust leben zu lernen, im Christentum dagegen um himmlische Erlösung?

So manchem Besucher, der Ende Dezember nach Kyoto kommt, fällt auf, dass die Japaner am Weihnachtstag in christliche Kirchen strömen (wegen Bach und Beethoven), zu Silvester einen buddhistischen Tempel aufsuchen, um sich bei hundertacht Glockenschlägen von den Sünden des vergangenen Jahres reinzuwaschen – und dann am Neujahrstag in aller Frühe in einen Shinto-Schrein eilen, um für das kommende Jahr einen verheißungsvollen Ton zu setzen.

Dem binären Verstand erscheint das alles seltsam. Dem praktischen Japan geht es nur darum, verschiedene Bedürfnisse zu befriedigen, so wie man nach der Mutter schaut, bevor man mit dem Vater über Geschäftliches spricht. Als der Buddhismus das Shinto-Japan erreichte, wurden die beiden zusammengeführt, so wie ein fremder Fürst mit einer Nachfahrin der Sonnengöttin verheiratet werden kann.

Der Verstand sagt: »Entweder/oder«. Der Geist umfasst beides.
AUF DER MATTE
Zen ist das, was bleibt, wenn Worte und Ideen ausgehen.

Was wir sehen und riechen und hören, ist real, ermahnt es uns; was wir darüber denken, ist es nicht.

Ganz ähnlich geht es in der japanischen Ästhetik weniger um Akkumulation als um Subtraktion; was übrig bleibt, ist alles.

Ein perfektes Date bedeutet in Japan, dass man mit einer geliebten Person ins Kino geht, den Film schweigend gemeinsam ansieht und sich dann auf dem Heimweg alle Mühe gibt, nicht darüber zu sprechen.

Worte trennen nur, was Stille zusammenführt.

Nachdem er mit der Arbeit an einer Zen-Studie begonnen hatte, schrieb der US-amerikanische Sc...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titel
- Inhalt
- Mit Vorsicht zu genießen
- AUF DEN STRASSEN
- AM SCHALTER
- IM TEMPEL
- HINTER VERSCHLOSSENEN TÜREN
- VOR DEM FENSTER
- AM HORIZONT
- Brief eines Freundes
- Verwendete deutsche Übersetzungen
- Über den Autor
- Impressum