„Da verstehe ich die Liebe doch anders und besser.“
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„Da verstehe ich die Liebe doch anders und besser.“

Liebeskonzepte der Münchner Boheme um 1900

  1. 245 Seiten
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„Da verstehe ich die Liebe doch anders und besser.“

Liebeskonzepte der Münchner Boheme um 1900

Über dieses Buch

Aus dem Vorwort Erst in den letzten Jahren ist die Erforschung von Emotionen in der Geschichtswissenschaft stärker in den Blick genommen worden. Emotion und Kognition werden als untrennbar angesehen, wobei Gefühle als soziokulturelle Praktiken und Produkte dem historischen Wandel unterworfen sind. Gefühle haben eine Geschichte und machen Geschichte, wie die Historikerin Ute Frevert es im Jahr 2009 formulierte. Daher ist es sehr verdienstvoll, dass sich Gabriele Thießen in ihrer Studie dieser Forschungsrichtung zuwendet und am Beispiel der Liebeskonzepte der Münchner Boheme um 1900 die Reichweite dieses Ansatzes untersucht. Sie fragt gezielt nach dem Spannungsverhältnis zwischen sozialem Umfeld und individueller Situation sowie nach Alternativen zu bestehenden Gefühlskonventionen. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass trotz der psychoanalytisch orientierten Studie Peter Gays über Liebe im bürgerlichen Zeitalter von 1987 eine systematische Untersuchung von Liebeskonzepten in Europa um die Jahrhundertwende noch aussteht, sie also weitgehend Neuland betritt. Inhaltlich untersucht die Verfasserin aufgrund der Tagebücher die Liebeskonzepte von Franziska Gräfin zu Reventlow (1871- 1918), Oscar A. H. Schmitz (1873-1931) und Frank Wedekind (1864-1918), die um 1900 zur Münchner Boheme zählten. Unter Bohemiens versteht sie mit Helmut Kreuzer Intellektuelle "mit vorwiegend schriftstellerischer, bildkünstlerischer oder musikalischer Aktivität oder Ambition und mit betont unoder gegenbürgerlichen Einstellungen und Verhaltensweisen" (S. 23). Bislang wurde in diesem Kontext vor allem die Sexualität betrachtet, nicht jedoch die Liebeskonzepte der Boheme. Die Verfasserin arbeitet anhand der Selbstzeugnisse heraus, welche partnerschaftlichen Liebeskonzepte dargestellt werden, auf welche Faktoren sie sich zurückführen lassen, und ob die Münchner Boheme sich als "emotional community" charakterisieren lässt. Sie fragt, ob "die erotische Rebellion auch eine emotionale" war (S. 25).

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Information

Jahr
2015
eBook-ISBN:
9783869458342

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Titelei
  3. Impressum
  4. Inhaltsverzeichnis
  5. Rainer Hering - Vorwort
  6. 1. Einleitung: „Whatever works“
  7. 1.1 Liebe und „emotional communities“ als Forschungsgegenstand
  8. 1.2 Gefühlskultur im Umbruch: Untersuchungszeitraum
  9. 1.3 Nonkonformismus als emotionale Rebellion? Fragestellung, Vorgehen und Thesen
  10. 1.4 Potenziale und Probleme von Tagebüchern der Boheme: Quellenauswahl und Quellenkritik
  11. 1.4.1 „Wir sehen uns ins Auge, das Leben und ich“: 96 die Tagebücher Franziska zu Reventlows
  12. 1.4.2 „Das wilde Leben der Boheme“: die Tagebücher Oscar A. H. Schmitz’
  13. 1.4.3 „Ein erotisches Leben“: die Tagebücher Frank Wedekinds
  14. 1.5 Künstler, Bürgerschreck und freie Liebe? Forschungen zur Münchner Boheme
  15. 2. Liebeskonzepte der Münchner Boheme
  16. 2.1 Die Liebe: Entwicklung eines Analyseschemas
  17. 2.1.1 Beschreibung und Bewertung der eigenen Empfindung „Liebe“
  18. 2.1.2 Beschreibung und Bewertung des „Liebesobjekts“
  19. 2.1.3 Handlungsmotivation: Umsetzung von Liebesidealen
  20. 2.2 Die Münchner Boheme: Untersuchung der Fallbeispiele
  21. 2.2.1 Franziska Gräfin zu Reventlow (1871-1918)
  22. 2.2.1.1 Die eigene Empfindung „Liebe“: Die Möglichkeiten der Liebe und die Unmöglichkeit ihrer Exklusivität
  23. 2.2.1.2 Das „Liebesobjekt“: Die Schwierigkeit, nur einen Mann zu lieben
  24. 2.2.1.3 Die Umsetzung des Liebesideals: Das Paradoxon ungebundener Gebundenheit
  25. 2.2.2 Oscar A. H. Schmitz (1873-1931)
  26. 2.2.2.1 Die eigene Empfindung „Liebe“: Wahre Liebe und das Problem mit dem Verstand
  27. 2.2.2.2 Das „Liebesobjekt“: Die ideale Frau und das Problem mit der Perfektion
  28. 2.2.2.3 Die Umsetzung des Liebesideals: Der Weg in die Ehe und das Problem, ihn zu beschreiten
  29. 2.2.3 Frank Wedekind (1864-1918)
  30. 2.2.3.1 Die eigene Empfindung „Liebe“: Strategien der Gleichgültigkeit
  31. 2.2.3.2 Das „Liebesobjekt“: Kategorien der Beliebigkeit
  32. 2.2.3.3 Die Umsetzung des Liebesideals: Maximen der „Ware Liebe“ und ihre Grenzen
  33. 3. Individueller Gefühlsstil oder „emotional community“?Historische Einordnung und Vergleich der Fallbeispiele
  34. 3.1 Die eigene Empfindung „Liebe“: Ein Bürgersohn und zwei Bohemiens?
  35. 3.2 Das „Liebesobjekt“: Erotische Rebellion und nichts weiter?
  36. 3.3 Die Umsetzung der Liebesideale: Ein „emotional reservoir“ für Gefühlslaboranten
  37. 4. Fazit: Chancen und Grenzen der Emotionsgeschichte
  38. Quellenverzeichnis (inkl. Onlineressourcen)
  39. Literaturverzeichnis (inkl. Onlineressourcen)

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