Essbare Stadt Andernach
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Essbare Stadt Andernach

  1. 96 Seiten
  2. German
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Essbare Stadt Andernach

Über dieses Buch

Die Essbare Stadt Andernach wurde mehrfach preisgekrönt und ist ein Vorreiterprojekt der Urban Gardening-Bewegung und der nachhaltigen Stadtentwicklung. "Naschen erlaubt" statt "Betreten Verboten" ist das Motto: Auf öffentlichen Flächen wird Gemüse angebaut, ein Permakulturgarten dient als Ort der Begegnung, Brachflächen werden in Bienenweiden umgewandelt. Hühner, Schafe und Schweine ergänzen das bunte Bild. Mitinitiatorin Heike Boomgaarden erzählt von der Idee und der Entstehungsgeschichte dieses einzigartigen Projekts. Zahlreiche Bilder inspirieren und zeigen, wie schön Nachhaltigkeit sein kann.

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Information

Jahr
2018
eBook-ISBN:
9783818602826
ISBN drucken
9783800133833

DIE PERMAKULTUR „LEBENSWELTEN“

IN ANDERNACH-EICH
Die Permakultur ist die „Keimzelle“, aus der sich die „Essbare Stadt“ entwickelt hat. Entstanden ist sie durch ein Mitmach-Projekt „SWR 4 RLP macht mit“ und einem fantastischen ehrenamtlichen Engagement. Diese ökologische Anlage von ca. 14 ha im städtischen Besitz wird von der Perspektive gGmbH als ökologischer Produktions- und Erlebnisraum im Sinne der Permakultur bewirtschaftet. Bereichert durch seltene Nutztierrassen, wie Sattelschweine und alte Schafrassen (Coburger Fuchs) ist ein ökologischer Erlebnisraum geschaffen worden, welcher von der Bevölkerung sehr gut angenommen wird. Die Produkte werden in der Stadt in einem eigenen Geschäft vermarktet, sodass jeder Bürger sich preiswert mit hochwertigen Bioprodukten versorgen kann. Neben dem Effekt, dass hier Gemüse noch zu kaufen ist, wenn dies städtischen Beete bereits abgeerntet sind, stellt dieses Konzept auch einen hochwertigen Beitrag für soziale Umweltgerechtigkeit dar.
Zudem entwickelt sich die Permakulturfläche zunehmend als ökologischer Bildungsraum mit Seminaren und Workshops und stellt einen weiteren wichtigen Baustein einer umfassenden kommunalen Grünplanung dar. Die Anlage hatte von Anfang an Modellcharakter für Ausgleichflächen aller städtischen Baugebiete.
Wie im gesamten Projekt, werden hier viele gute Gedanken miteinander verbunden: Land- und Forstwirtschaft, Ökologie, Naturschutz, Wassernutzung, Bildung und Erholung.
Der Begriff Permakultur wurde 1978 von dem australischen Ökologen Bill Mollison und seinem Studenten David Holmgren entwickelt. Er entstand aus der Verknüpfung der englischen Begriffe permanent agriculture („dauerhafte Landwirtschaft“). Permakultur ist inzwischen als Oberbegriff für die Entwicklung und Anwendung von ethisch basierten Leitsätzen und Prinzipien zur Planung, Gestaltung und Erhaltung zukunftsfähiger Lebensräume etabliert.
Was gibt es Schöneres als gemeinsam zu gärtnern? Das verbindet und Empathie, so wichtig in einer menschenwürdigen, freudvollen Gesellschaft, lernen Klein und Groß besonders durch Kontakte mit Natur, Tieren und Pflanzen.
Die ethischen Grundwerte lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
Achtsamer Umgang mit der Erde (Earthcare) – diese ökologische Komponente zielt auf den behutsamen und vorausschauenden Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen (Ressourcen), die als ein Geschenk der Erde für alle Lebewesen aufgefasst werden. Um ein Permakultur-Design als nachhaltig bezeichnen zu können, sollen die natürlichen Regenerationszyklen (Stoff- und Energiekreisläufe) der lebenserhaltenden Systeme bewusst und langfristig eingeplant werden.
Achtsamer Umgang mit den Menschen (Peoplecare) – diese soziale Komponente nimmt insbesondere Rücksicht auf die Selbstbestimmungsrechte aller Menschen. Hier wird das Problem von Freiheit und Verantwortung besonders deutlich. Allen das Recht auf eine frei gestaltbare Nutzung der Lebensgrundlagen zu gewährleisten, erfordert eine Balance zwischen individuellen und gemeinschaftlichen Bedürfnissen. Hieraus entspringt eine ethische Forderung nach sozialer Gerechtigkeit. Alle Menschen sollen das gleiche Recht auf Zugang zu den Lebensgrundlagen (Ressourcen) haben.
Selbstbegrenzung (Wachstumsrücknahme) und Überschussverteilung (Limits to consumption and growth, redistribution of surpluses) – Diese ökonomische Komponente leitet sich von der begrenzten Belastbarkeit und Regenerationsfähigkeit des Planeten Erde ab. Menschen sollen lernen, eine zukunftsfähige Selbstbegrenzung in Bezug auf die Befriedigung ihrer Bedürfnisse auszuüben, als einzelne und als Gemeinschaft. Die dritte Komponente steht daher für eine bewusste Umsetzung von Selbstbegrenzung und einer (Rück)Verteilung der gemeinsam erzielten Überschüsse. Letztere bezieht sich auch auf die adäquate Rückführung in natürliche Kreisläufe. Damit schließt sich der Kreis.
Zentrale Elemente der Permakultur stellen hierbei dar: Multifunktionalität von Elementen, Bedeutung mehrjähriger Pflanzen, Zonierung eines Systems nach Nutzungsintensität, Vielfalt der Elemente, Wiederverwendung von Energien und Stoffen, Nutzung der natürlichen Ressourcen, Nutzung von Randeffekten (zum Beispiel Sonnenfallen), möglichst hohe Integration standörtlicher Parameter und viele weitere mehr.
Aus naturschutzfachlicher Sicht ist es bei Betrachtung der Aufwertung von Flächen nicht nur der reine Prozessschutz, welcher die Leitbilder des Naturschutzes verwirklichen kann. Im Zuge der aktuellen Biodiversitätsdiskussion wird immer wieder auf naturschutzfachliche Leitbilder verwiesen, welche eine extensive und naturverträgliche Nutzung der Landschaft durch den Menschen bewusst integrieren.
In der Andernacher Permakultur versuchen wir wirtschaftlich interessante Alternativen zwischen den beiden Polen reine Landespflegemaßnahmen und intensiver Landwirtschaft zu finden un...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Titel
  3. Vorwort von Oberbürgermeister Achim Hütten
  4. Inhalt
  5. Grußwort von Professor Dr. Klaus Neumann
  6. Eine Vision wächst
  7. Essbare Stadt Andernach
  8. Permakultur „Lebenswelten“
  9. Vom Glück, Ein Schwein zu sein
  10. Eine Stadt blüht auf
  11. Zur Person Heike Boomgaarden
  12. Service
  13. Bildquellen
  14. Impressum