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Philosophische Anthropologie und Religion
Religiöse Erfahrung, soziokulturelle Praxis und die Frage nach dem Menschen
- 302 Seiten
- German
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- Über iOS und Android verfügbar
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Philosophische Anthropologie und Religion
Religiöse Erfahrung, soziokulturelle Praxis und die Frage nach dem Menschen
Über dieses Buch
Wie kann eine systematische Betrachtung der Religion mit der Frage nach dem Menschen zusammengebracht werden, ohne dass es auf den klassischen Streit hinausläuft, ob der Mensch "von Natur aus" religiös sei oder nicht? Das ist die Leitfrage dieses Buches. Hierzu werden verschiedene Untersuchungen zu religiösen Erfahrungen bzw. Erfahrungen des Heiligen mit unterschiedlichen Fassungen der Philosophischen Anthropologie in Beziehung gesetzt. Ausgangspunkt sind dabei Versuche, religiöse Erfahrungen und Gefühle phänomenologisch zu beschreiben und philosophisch oder theologisch auszulegen. Im Anschluss wird die Frage nach der soziokulturellen Artikulation derartiger Erfahrungen, ihrem Verhältnis zum Bewusstsein eigener Geschichtlichkeit und zur diskursiven Praxis gestellt. Zuletzt wird diskutiert, ob die Rede von religiösen Werten geeignet ist, den spezifischen Gehalt derartiger Erfahrungen einzufangen, ohne sich auf die Frage nach der Existenz göttlicher Entitäten einlassen zu müssen. Insgesamt berühren alle Beiträge die Frage, welche Rolle Religiosität im Lebenszusammenhang menschlicher Personen spielen kann.
Häufig gestellte Fragen
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Information
Religiöses Erleben, soziokulturelle Vermittlung und die Frage nach dem Menschen
Systematische Einleitung
Moritz von Kalckreuth
Zugänge zu Religion und Religiosität
In seinem Aufsatz über die „Idee des Menschen“ weist Max Scheler darauf hin, dass der Mensch nicht ohne weiteres auf eine Definition zu bringen sei: Er sei nicht einfach ‚nur‘ Geistwesen, sondern auch biologische Gattung und Werkzeugwesen – zumal er auch als Geistwesen nicht nur als ‚Vernunftwesen‘, sondern auch als liebendes Wesen, fühlendes Wesen und als das Hier und Jetzt „transzendierende“ Wesen verstanden werden könne (vgl. Scheler 1955, 186). Entsprechend hält Scheler fest: „Er hat zu viele Enden“ (ebd., 175). Mit der Religion scheint es sich grundsätzlich ähnlich zu verhalten: Religion und religiöse Praxis begegnen uns regelmäßig in den Nachrichten, in Romanen, Filmen und Musik, in Kirchen oder religiösen Vereinigungen in der eigenen Nachbarschaft, bei Freizeitaktivitäten wie Meditation oder Yoga, bei Festen wie Weihnachten oder Hochzeiten, als Symbole an Ketten oder gar tätowiert. Obwohl Religion damit in unserer alltäglichen Lebenspraxis nicht gerade unterrepräsentiert ist, fällt es auch hier keineswegs leicht, die ganze Bandbreite einschlägiger Phänomene auf eine bündige Definition von Religion oder Religiosität zu bringen. Wie bei vielen anderen philosophischen und wissenschaftlichen Problemen lässt sich also auch hier sagen, dass sich das Selbstverständliche genauer betrachtet als erstaunlich vielschichtig und kompliziert herausstellt. Entsprechend verwundert es nicht, dass das wissenschaftliche Interesse an Religion und Religiosität entgegen des in der Öffentlichkeit gerne konstatierten ‚Rückzugs‘ der Religion aus dem gesellschaftlichen Leben größer denn je zu sein scheint: So erscheinen jedes Jahr neue Grundlagenwerke, historische Darstellungen und eine kaum zu überblickende Anzahl von Arbeiten zu Detailfragen.
Es wäre reichlich viel verlangt, an dieser Stelle wirklich alle möglichen Zugänge zur Religion darstellen zu wollen. Stattdessen begnügen wir uns mit einigen älteren und jüngeren ‚Klassikern‘ und Alternativen. Ein (zumindest im westlichen, monotheistisch geprägten Kulturkreis) naheliegender Zugang bestünde zunächst einmal in der Frage nach Gott und seiner Erkenntnis. In der Tat wurde seit Platon und Aristoteles über Thomas von Aquin, Luther, Descartes, Leibniz, Kant, Hegel und Schleiermacher, ferner Nietzsche, Ritschl und Barth bis heute immer wieder über begriffliche Bestimmungen Gottes (bzw. des Göttlichen oder Absoluten), sein Verhältnis zum Sein der Welt, zum Menschen und zur Geschichte nachgedacht (vgl. Burkert et al. 1974; Zinser et al. 2008). Dabei wurde oftmals angenommen, dass die Vernunft das entscheidende Vermögen zum Begreifen des Göttlichen (und uns Menschen womöglich sogar eben dafür verliehen) sei.1 Umgekehrt wurden Religiosität oder Glauben bis heute immer wieder als bloße Erkenntnisakte aufgefasst und als (ungesichertes) ‚Vermuten‘ oder ‚Meinen‘, dass etwas Göttliches existiere oder existieren könnte, einem gesicherten ‚Wissen‘ gegenüber gestellt.2
Religion und Religiosität erschöpfen sich offenkundig nicht in Erkenntnisakten, sondern gehen auch mit sehr unterschiedlen Erlebnissen, Erfahrungen und Gefühlen einher. Entsprechend kann ein Zugang zu dem gesamten Themenkomplex der Religion auch darin bestehen, derartige „religiöse Erfahrungen“ zu beschreiben und auszulegen. Dieser Zugang – der im vorliegenden Band eine herausgehobene Rolle spielt – soll in den weiteren Abschnitten dieser Einleitung noch genauer thematisiert werden. Da sich die Diskussion jedoch auf die im 20. Jahrhundert entwickelten Ansätze beschränken wird, sei an dieser Stelle zumindest angemerkt, dass die Erlebnisdimension von Religion bereits vorher eine Rolle spielte: Abgesehen davon, dass sich Denker wie Rudolf Otto gerne auf Friedrich Schleiermachers Überlegungen zum Gefühl in den Reden Über die Religion oder auch auf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf und dessen Begriff des „sensus numinis“ beriefen (Otto 1932, 6), wäre hier an die lange Tradition der Mystik zu erinnern.
Im Laufe des letzten Jahrhunderts sind zu den beiden gerade genannten Zugängen zur Religion noch weitere hinzugekommen, die sich auf verschiedene ‚Tatsachen‘ berufen: So gab es insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts bedeutende Versuche, Religion ausgehend von unserer sozialen und kulturellen Praxis zu thematisieren. Dabei wurden etwa von Émile Durkheim kollektive Praktiken der Ekstase untersucht (Durkheim 1981), Ernst Troeltsch entwickelte in seinen berühmten Soziallehren eine Typologie sozialer Gruppierungen innerhalb der Kirche (Troeltsch 1912) und Wilhelm Dilthey stellte sich die Frage, inwiefern sich Religionen und Weltanschauungen im geistigen Leben einer Epoche ausdrücken oder sich auf andere Bereiche des geschichtlichen Lebens auswirken (Dilthey 1911).3 Besonders wirkmächtig waren auch Max Webers Untersuchungen zu den Wechselwirkungen von Religion einerseits und gesellschaftlichen Prozessen sowie der wirtschaftlichen Ordnung des Kapitalismus andererseits, woraus Kategorien wie „Rationalisierung“, „Bürokratisierung“ und „Entzauberung“ hervorgingen (Weber 1920/1921; Weber 1972).4 Zuletzt haben im Laufe der letzten Jahrzehnte insbesondere die von Karl Jaspers geprägte Rede von den „Achsenzeit“ (Jaspers 1957, 14‒32) sowie das Narrativ der Säkularisierung Karriere gemacht.5
Obwohl man vermutlich all diesen Denkern und ihren Kategorien bzw. ‚Narrativen‘ heute aus der Perspektive historischer Quellenanalyse oder vergleichender Kulturforschung die eine oder andere Einseitigkeit attestieren kann, ist dabei doch ziemlich unstrittig, dass diese Kategorien nach wie vor einen wichtigen Beitrag zum inter- und transdisziplinären Austausch leisten, indem sie Ausgangspunkte anbieten, von denen aus die hoch spezialisierten Disziplinen miteinander ins Gespräch kommen können.6 Ergänzt werden die Diskurse rund um die ‚großen‘ Narrative durch Fachdebatten wie beispielsweise die interdisziplinäre Ritualforschung (vgl. Stollberg-Rilinger 2013) – ganz zu schweigen von zahlreichen Einzelstudien aus der Religions- und Kirchengeschichte (vgl. u. a. Angenendt 2004).
Eine weitere Möglichkeit, sich der Religionspraxis ausgehend von ‚Tatsachen‘ zu nähern, besteht in einer Analyse der Sprache. Hier ließe sich beispielsweise aus der Perspektive einer Sprachphilosophie untersuchen, was sich im Bereich der Religionspraxis oder -theorie sinnvoll sagen lässt, inwiefern sich die Bedeutungen der Ausdrücke von anderen Formen des Sprechens unterscheiden (z. B. alltäglichen oder wissenschaftlichen) bzw. welche „Sprachspiele“ (mit Wittgenstein gesprochen) vorkommen (Schneider 2008). Ebenso ließe sich aus einer kultur- und sprachwissenschaftl...
Inhaltsverzeichnis
- Title Page
- Copyright
- Contents
- Vorbemerkungen und Danksagungen
- Religiöses Erleben, soziokulturelle Vermittlung und die Frage nach dem Menschen Systematische Einleitung
- Emotionale Tiefe und die Spielarten der affektiven Intentionalität Eine Anwendung auf die Philosophie der Religion
- Phänomenologie des religiösen Erlebnisses Die „Aufzeichnungen“ von Adolf Reinach als Entwurf eines glaubenden Denkens
- Religion, religiöses Gefühl und artikulierte Religionskultur
- Naturalisierung des Heiligen Die Transzendenz-Immanenz-Dichotomie als Gegenstand religionsanthropologischer Forschung
- Religiosität als Differenzerfahrung Zur Korrelation von Freiheit und Transzendenz bei Kierkegaard und Plessner
- Lost in Enlightenment Zur sprachlichen Darstellung von Erwachenserlebnissen in spätmoderner informeller Religiosität
- Das Wertproblem und die religiösen Werte – eine Bestandsaufnahme
- Lokalisierung und Apologetik Die Bedeutung von Wolfhart Pannenbergs Rezeption der Philosophischen Anthropologie für die theologische Anthropologie der Gegenwart
- Person und Welt Zum Verhältnis philosophischer und theologischer Anthropologie
- Eine ‚neue‘ Metaphysik Das Verhältnis von Mensch und Gott in Max Schelers Spätphilosophie
- Der lebensphilosophische Unergründlichkeitsgedanke und seine Bedeutung für die philosophische Anthropologie
- Personenverzeichnis
- Sachverzeichnis