LiveRillen No. 4
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LiveRillen No. 4

Konzerte aus sechs Jahrzehnten Rockmusikgeschichte

  1. 158 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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LiveRillen No. 4

Konzerte aus sechs Jahrzehnten Rockmusikgeschichte

Über dieses Buch

Seit dem Frühjahr 2018 gestaltet der in Halle (Saale) lebende Literaturwissenschaftler, Autor und Liedermacher Paul Bartsch die monatliche Rundfunksendung "LiveRillen" auf Radio Corax, in der er ausgewählte Ausschnitte aus Konzert-LPs und Live-Alben direkt vom Plattenteller serviert und kommentiert.Die mit viel Liebe zum Detail ausgearbeiteten Sendemanuskripte bilden die Grundlage für diese originelle Publikationsreihe, deren vierter Band hiermit erscheint. Ein unterhaltsames Lesevergnügen für alle, die Freude an guter Musik haben und mehr über deren Hintergründe und Protagonisten erfahren wollen.Themen dieses Bandes sind unter anderem: * Rockmuziek uit Nederland* Live from Canada - So steppt der Grizzly* Krautrock* Abschied von The Band* Male Guitars And Female Voices* Glam Rock* Joe Bonamassa* Markante Riffs der Rockmusik

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Information

Jahr
2022
ISBN drucken
9783754354247
eBook-ISBN:
9783756249329

No. 50: Markante Riffs der Rockmusik

Mai 2022
Tja, kaum zu glauben, aber wahr: Dies ist die 50. LiveRillen-Ausgabe – was für ein schönes Jubiläum! Und zur Feier des Tages habe ich mir was Besonderes ausgedacht; eine thematische Sendung nämlich, für deren hohen Wiedererkennungswert ein wichtiges Element der populären Musik sorgt, das genau diesen Ohrwurmcharakter mit Widerhakeneffekt erzeugt und uns dadurch unweigerlich in seinen Bann zieht: Der Riff in der Rockmusik! (Ja, tatsächlich, dieser Riff ist grammatikalisch gesehen ein Maskulinum; wir befinden uns schließlich nicht in gefährlichen Gewässern…).
Na, da sehe ich doch schon die ersten von euch zur Luftgitarre greifen, denn natürlich sind es genau jene Themen, die uns gleich mit den ersten Takten so unwiderstehlich packen: „Ein Riff ist in der Musik ein kurzes, melodisch oder rhythmisch prägnantes Motiv, das durch ostinate Wiederholung einer zwei- oder viertaktigen Melodiereihung gekennzeichnet ist und dadurch einen hohen Wiedererkennungswert hat“ 21, fasst Wikipedia das Phänomen in einem Satz stimmig zusammen. Das Online-Lexikon wissen.de verweist auf die Herkunft des Riffs aus der afrikanischen Musik und weiß zudem, dass er als Spannung erzeugendes Element ein „zentrales Stilmittel im Jazz und im Swing“ 22 sei.
„Besonders populär sind Riffs in den Blues-verwandten Stilrichtungen wie Blues-Rock und Hard-Rock und auch im Metal“, ergänzt die Website de-academic.com und fügt hinzu, sie bestünden häufig aus offenen Quinten, „die man in der Rockmusik und Popmusik als Powerchords bezeichnet“ 23.
Na, da haben wir doch schon eine ganze Menge gelernt: Ein guter Riff also „zeichnet sich – jenseits aller theoretischen Betrachtungen – immer durch seine ‚Unmittelbarkeit‘ aus, die den Hörer in ihren Bann zieht“ 24, lautet das Fazit, dem ich mich gern anschließe, um den gelehrten Ausführungen nun zwei Stunden lang praktische Beispiele folgen zu lassen. Die habe ich zeitlich grob geordnet – wir steigen in den 1960er Jahren ein mit einem zweitaktigen, recht melodiösen Riff, der vom Zusammenspiel Gitarre / Bass lebt und den gesamten Titel in lediglich harmonischer Variation durchläuft: „Day Tripper“ von den Beatles, aufgenommen 1966 live in Japan.
Gleich danach folgt mit den Kinks eine der dienstältesten, noch immer aktiven britischen Bands der Beat-Ära, denen das dynamische Brüderpaar Ray und Dave Davies bis heute den Stempel aufdrückt: „You Really Got Me“ war 1964 der erste Hit der Kinks.
Drei Aufnahmetermine brauchten sie dafür; jedes Mal zog Dave Davies das Tempo etwas an, bis er mit der Fassung zufrieden war, die dann als Single am 4. August 1964 erschien und Platz Eins der britischen Charts erreichte. Der eintaktige Riff besteht aus nur zwei Tönen im Abstand einer großen Sekunde – höchst simpel, aber man muss halt erstmal drauf kommen. Auch sonst war Dave Davies durchaus erfinderisch: Um den markanten Verzerrersound zu erzeugen, habe er im Studio die Lautsprechermembran seines Gitarrenverstärkers mit einer Rasierklinge aufgeschnitten und zusätzlich Nadeln hineingesteckt. Nun gut – später gabs dafür glücklicherweise Effektgeräte. Um das Gitarrensolo der Studioaufnahme rankte sich zudem hartnäckig das Gerücht, der damalige Studiomusiker Jimmy Page habe es anstelle von Davies eingespielt, doch das hat der spätere Gitarrist der Yardbirds und Gründer von Led Zeppelin (die wir im Übrigen heute natürlich auch noch hören werden) stets bestritten – er habe lediglich die Rhythmusgitarrenspur verstärkt.
Garantiert nicht dabei war Jimmy Page bei dieser Liveaufnahme von „You Really Got Me“ vom 1967 erschienenen Kinks-Album „Live At Kelvin Hall“ – zweieinhalb Minuten kurz waren damals noch die echten Hits.
Und da aller guten Dinge Drei sind und neben den Beatles und den Kinks vor allem The Who in den 1960er Jahren die britische Szene mitbestimmten, dürfen auch die noch ein Riff vorstellen. Pete Townshend hat sich ja zahlreiche einprägsame Gitarrenfiguren einfallen lassen, man denke an „My Generation“, an „Substitute“ oder „I’m Free“ – meine Wahl fiel auf „I Can’t Explaine“, aufgenommen 1968 im legendären Fillmore East und erst zum 50jährigen Jubiläum dieses Konzerts 2018 als Dreifach-Album von Polydor veröffentlicht. Die Fotos des Album-Covers hatte seinerzeit übrigens Linda McCartney gemacht, womit wir den Bogen zurück zu den Beatles schlagen, die nun den Riff-Reigen eröffnen…
Beatles: Day Tripper
Kinks: You Really Got Me
The Who: I Can’t Explaine
Klar, dass gerade mit Blick auf die 1960er Jahre die Rolling Stones nicht fehlen dürfen. Und was Keith Richards da nach eigenem Bekunden in einer schlaflosen Nacht Anfang Mai 1965 während der US-Tour in einem Hotelzimmer in Florida in seinen Kassettenrecorder gespielt hat, wurde ja zur Mutter aller Rock-Riffs schlechthin: eine rhythmisch akzentuierte Tonfolge innerhalb einer kleinen Terz auf dem Grundakkord E … Genau: „(I Can’t Get No) Satisfaction” – die Zeilen brachte Mick Jagger am nächsten Morgen ein, und bereits drei Tage später spielten die Stones die neue Nummer in den legendären Chess-Studios in Chicago, wo auch die großen Blues-Vorbilder der Stones ihre Spuren hinterlassen hatten, aufs Band.
Die noch im Mai veröffentlichte Single wurde ihr erster Nummer-Eins-Hit in den USA, der aufmüpfige Text machte den Song zur Hymne einer aufbegehrenden Generation – und der einprägsame Riff erhob ihn zum Signature Song der Band, der fortan bei keinem ihrer Konzerte fehlen durfte.Insofern könnte ich etwa ein Dutzend unterschiedlicher Live-Versionen anbieten; für drei habe ich mich entschieden:
Zunächst eine deutlich an der Single-Fassung orientierte Version, die am 23. September 1965 für die TV-Sendung „Top Of The Pops” in den Londoner BBC-Studios live aufgenommen wurde.
Das Bootleg-Label Swingin‘ Pig Records hat diese frühen BBC-Recordings 1989 auf einem Doppelalbum in gelbem Vinyl veröffentlicht.
Ebenfalls beim tanzenden Schweinchen ist ein Doppelalbum erschienen, das den Mitschnitt eines Stones-Konzerts an der Leeds University vom 13.
März 1971 präsentiert; nunmehr mit Mick Taylor an der Gitarre, der seit 1969 den im Sommer desselben Jahres in seinem Swimmingpool ersoffenen Brian Jones ersetzt hatte. Jones war bekanntlich kurz zuvor bei den Stones gefeuert worden, da er mit seinem Drogenkonsum und seinen sonstigen Eskapaden zum Risikofaktor geworden war. Diese Version von „Satisfaction“ ist – wie übrigens das gesamte „Get Your Leeds Lungs Out!“-Konzert – deutlich bluesorientierter, und der eigentlich auf nur einer Gitarrensaite gespielte Riff wird akkordisch aufgelöst – ganz interessant, wie ich finde. Die dritte Fassung setzt dann wieder ganz auf verzerrte Gitarren und den zweitaktigen Riff; hier ist längst Ron Wood neben Keith Richards zugange: Vom 1991 erschienenen Livealbum „Flashpoint“ die ausgesprochen kraftvolle, sozusagen kompromisslose Version von „Satisfaction“, aufgenommen während der „Steel Wheels / Urban Jungle-Tour“, die unter anderem im Sommer 1990 auch nach Ostberlin führte, und ich war seinerzeit natürlich im begeisterten Publikum – was für ein Erlebnis im Jahr Eins nach dem Mauerfall!
Rolling Stones: 3 x Satisfaction
Die Rolling Stones mit einem der berühmtesten Riffs der Rockmusikgeschichte, und wir bleiben noch in den 1960er Jahren und staunen darüber, wie viele Titel jenes Jahrzehnts ein quasi unverwüstliches Haltbarkeitsdatum aufweisen und vieles von dem, was danach kam, erstaunlich frisch überdauert haben. Die beiden folgenden Beispiele gehören zweifellos dazu.
Da wäre zunächst die 1966 gegründete erste Supergroup der Rock-Ära, die sich aus dem Umfeld des mit Namen wie Alexis Korner oder John Mayall behafteten britischen Bluesrevivals herauskristallisierte: das Trio Cream, bestehend aus dem singenden Bassisten Jack Bruce, dem exzentrischen Drummer Ginger Baker u...

Inhaltsverzeichnis

  1. Hinweise in eigener Sache
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Eine weitere Rille vorab
  4. No. 39: Belcanto Italiano – Politiska sånger från Sverige
  5. No. 40: Rockmuziek uit Nederland
  6. No. 41: Live from Canada – So steppt der Grizzly
  7. No. 42: Krautrock
  8. No. 43: Gratulation für Bob Geldof, Sting und John Mellencamp
  9. No. 44: Ein letzter Walzer zum Abschied von The Band
  10. No. 45: Glam Rock
  11. No. 46: John McLaughlin | Björn Afzelius | Beth Hart
  12. No. 47: Male Guitars and Female Voices
  13. No. 48: Gratulation an Sir Elton John und bluesiges Gedenken an Stefan Diestelmann
  14. No. 49: Welten aus sechs Saiten: Alex Conti und Joe Bonamassa
  15. No. 50: Markante Riffs der Rockmusik
  16. Index der Bands, Musiker und Stichworte
  17. Nachsatz
  18. LiveRillen live – eine musikalische Lesung
  19. Impressum

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