Krankheit Schmerz
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Krankheit Schmerz

Endlich Hilfe für Patienten!

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Krankheit Schmerz

Endlich Hilfe für Patienten!

Über dieses Buch

Chronische Schmerzen werden immer noch unzureichend behandelt, die Lage von Schmerzpatienten ist trist: fehlende Therapien, bürokratische Hürden, Unverständnis bis hin zu Ausgrenzung. Das Buch macht bewusst, dass Schmerzen zu einer eigenständigen Krankheit werden können. Patienten, Ärzte, Therapeuten und Selbsthilfegruppen kommen zu Wort, und alle sind sich einig: Schmerzpatienten brauchen mehr Unterstützung und auch Hilfe zur Selbsthilfe. Mit der ICD-11 der WHO, die Schmerz als Krankheit festschreibt, besteht Hoffnung auf einen Wandel. Damit können die Rahmenbedingungen für Schmerzzentren, die Vernetzung von Ärzten und Therapeuten sowie interdisziplinäre Behandlungen geschaffen werden. Der erfahrene Schmerzarzt Martin Pinsger und der Medizinjournalist Thomas Hartl beleuchten umfassend die Thematik Schmerz und verweisen auf die Notwendigkeit der Akzeptanz von Schmerz als eigene Krankheit. Ein Buch, das wachrüttelt und dem Thema Schmerz in unserer Gesellschaft einen neuen Stellenwert gibt.

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Dritter Teil –
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Kapitel 9

Kampf um die Pension

Pensionierung aus Krankheitsgründen

Die Notwendigkeit, wegen starker chronischer Schmerzen und dadurch bedingter Beschwerden und Behinderungen beruflich entlastet zu werden, wäre einleuchtend. Wenn ein Schmerzkranker am Morgen eineinhalb Stunden benötigt, um in die Gänge zu kommen und den Körper funktionstüchtig zu machen, so scheint es klar, dass hier eine Invalidisierung vorliegt. Und wenn ein Betroffener nach Einnahme diverser Medikamente Magenschmerzen, Schwindel und Übelkeit erleidet, ist die tägliche Anfahrt von einer Stunde zum Arbeitsplatz einfach nicht möglich.
Für die Patienten besteht hier ein entscheidendes Problem: Es gibt einfach keine Möglichkeit, eine Schmerzdiagnose zu bekommen. Die Diagnose »Schmerzen« ist in unserem System nicht vorgesehen, folglich kann sich kein Patient darauf berufen.
»Schmerz« unterliegt nach wie vor dem Stigma einer eingebildeten oder selbst verschuldeten Krankheit. Obwohl unzählig viele Menschen daran leiden, wird dieses Problem in der Öffentlichkeit einfach nicht wahrgenommen, ganz nach dem Motto: »Was ich nicht weiß, das berührt mich auch nicht.« Lieber keine Diskussion aufkommen lassen, wegschauen, weghören, ignorieren, wird schon nicht so schlimm sein. Überdies gibt es immer wieder Vermutungen, dass manche Patienten die Möglichkeit einer schmerzbedingten Pensionierung176 für sich ausnutzen könnten, weil sie im Grunde nicht arbeiten wollten.
In diesem Zusammenhang müsste eine Art Board oder Gremium entwickelt werden, wo Gutachter, Sozialberater, Arbeitsrechtler, Behandler und/oder Schmerztherapeut sowie Behörde einen gemeinsamen Weg finden – und auch einen gangbaren Weg für den Patienten. Momentan ist dieser Prozess extrem einseitig und mangels eines adäquaten Diagnose-Codes nur über Umwege möglich.
Auf jeden Fall fühlt sich der chronische Schmerzpatient in solchen Verfahren derzeit weder wahrgenommen noch als Individuum berücksichtigt.177 Wie ein Unwetter zieht dieser Prozess über die Betroffenen hinweg. Sie fühlen sich in ihren Leiden nicht ernst genommen, sind zutiefst gekränkt und verärgert und fühlen sich von der Gesellschaft ausgegrenzt. Dieses Gefühl der Ohnmacht ist für eine Schmerzerkrankung wie Öl ins Feuer gießen. Die daraus entstehenden Schmerzeskalationen sind unglaublich und nachhaltig. Die Schmerzpatienten haben das Gefühl, am Boden zu liegen und dann noch getreten zu werden.
Das soll nun anders werden. Mit der Einführung der ICD-11 im Jahr 2022 soll Schmerz einen Namen bekommen, einen Code, eine Diagnose. Dann wird die Diagnose und damit die Krankheit »Schmerz« auch in die Statistik und die Forschung aufgenommen, die Institutionen werden neue Anreize erhalten, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Grundvoraussetzung ist jedoch das Wissen um diese komplexe und nur ganzheitlich therapierbare Erkrankung.

Wenn Wirbel ständig brechen – Josef Seidl

Die Geschichte von Josef Seidl (60) ist tragisch und reicht weit in die Vergangenheit zurück. Im Nachhinein ist hier Besserwisserei keine Kunst – doch Kritik ist angebracht. Diese Geschichte hat eine Dimension oder vielmehr verschiedene Dimensionen, die einer Erzählung wert sind.
Herr Seidl ist Tischlermeister und fühlte sich seiner Arbeit von Jugend an verpflichtet. Tagsüber wurden in der Werkstatt die Möbelstücke, Küchen, Ess- oder Schlafzimmer gefertigt, abends wurden sie montiert. Die Arbeitstage waren lang und wollten oft kein Ende nehmen. Viele Projekte wurden auch an Wochenenden erledigt, aber Josef Seidl beklagte sich nicht. Es musste Geld verdient werden für die kleine Familie.

Arbeit – Schmerz – Medikamente

Schon bald meldete sich das überlastete Kreuz mit Schmerzen, Verspannung und Verkrampfung. Josef Seidl suchte den Hausarzt auf, der ihn mit Antirheumatika behandelte. Waren die Mittelchen zuerst harmlos und kamen nur gelegentlich zum Einsatz, so forderte das steigende Arbeitspensum seinen Tribut. Wegen der Magenreizung durch die regelmäßige Einnahme der Antirheumatika178 musste auch der Magen geschützt werden. Magensäureblocker wurden unverzichtbare Begleiter der Dauerschmerztherapie.179
Die Sache mit dem Kreuz wurde einfach nicht besser. Der Hausarzt bat einen Orthopäden zu Hilfe. Zusätzlich zur bestehenden Therapie kamen im Jahr 2007 Infiltrationen mit Cortison180 und Lokalanästhetika hinzu. Diese Kombination aus Antirheumatika, Magenschutz, Cortison und Infusionen (wiederum Rheumamittel) wurde kontinuierlich fortgesetzt.
Die Schmerzen des Tischlermeisters rissen dennoch nicht ab. Er konsultierte viele weitere Ärzte und wurde nach eigenem Empfinden von einem Krankenhaus zum nächsten geschickt. Die Beschwerden an der unteren Lendenwirbelsäule nahmen durch Wirbelgleiten (Spondylolisthesis; ein Wirbel verschiebt sich aus seiner Position) weiter zu. Obwohl bereits erste Lähmungserscheinungen auftraten, dachte niemand, auch kein Arzt, an eine Anpassung der Arbeitsleistung an das Beschwerdebild.

Eine Operation soll das Problem lösen

Im Krankenhaus erkannte man die Instabilität der Lendenwirbelsäule und stellte eine Operation in Aussicht. Josef Seidl war zuversichtlich, dass der Defekt repariert und fixiert werden konnte. Alles wäre dann wieder gut, keine Schmerzen, keine Lähmung, und er würde wieder Vollgas geben können am Arbeitsplatz.
Die Operation, eine Verblockung der unteren Lendenwirbelsäule, wurde durchgeführt, und alles schien wieder im Lot zu sein. Hoffnung griff um sich. Doch plötzlich tauchten wieder massive Schmerzen auf! Der Wirbelsäulenchirurg wurde abermals aufgesucht und erkannte, dass ein Wirbel im Anschluss an die Verplattung eingebrochen war. Der Wirbeleinbruch wurde mit Zement181 repariert und Josef Seidl war wieder guten Mutes, auch wenn die Schmerzen nun gar nicht mehr schwinden wollten.

Wirbelbrüche am laufenden Band

Wieder bei der Tischkreissäge, sollte ein schweres Werkstück angehoben werden. Ein Stich in der Lende – und eine Schmerzexplosion folgte. Der nächste Wirbel hatte versagt und war eingebrochen. Josef Seidl musste erneut ins Spital. Es folgte Zementierung Nummer zwei und schon wenig später Zementierung Nummer drei. Jedes Mal, wenn ein gebrochener Wirbel zementiert wurde, kam der darüber liegende Wirbel unter Druck und ging ebenfalls zu Bruch. Trotz körperlicher Schonung brach in der Folge ein Wirbel nach dem anderen ein. Insgesamt waren zuletzt neun Wirbel gebrochen und zementiert.
Binnen drei Monaten musste Josef Seidl sechs Operationen über sich ergehen lassen. Kaum hatte er das Krankenhaus verlassen, brach der nächste Wirbel, und schon folgte die nächste Operation. »Die Ärzte waren ratlos. Einer glaubte, ich sei ein besonderer Pechvogel. Ein anderer fragte mich, ob ich ständig über eine Stiege stürzen würde. Einer meinte, ich könne unmöglich Osteoporose haben, das würde man nicht von heute auf morgen bekommen«, erinnert sich der Tischler.
Neuerliche Zementierungen waren aufgrund der Höhe nicht mehr möglich (Wirbelzementierungen sollten nur bis in die mittlere Brustwirbelsäule ausgeführt werden, da sonst die obere Brustwirbelsäule abkippen könnte). »Sonst hätte mir eine Lähmung halsabwärts gedroht.«
Durch die vielen Wirbelbrüche ist Josef Seidl um sechs Zentimeter geschrumpft. »Die Haut am Rumpf ist zusammengesackt und ich trage jetzt einen Schwimmreifen aus Haut um die Hüfte, der sich auch nicht wegtrainieren lässt. Ich kann mich im Spiegel nicht mehr ansehen, sonst kommen mir die Tränen, so wie ich jetzt aussehe.«

Rauchen und Medikamente ließen Knochen zerbröseln

In der Zwischenzeit wurde endlich die Osteoporoseambulanz e...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Titel
  3. Erklärung
  4. Impressum
  5. Vorwort
  6. Vorwort
  7. Einleitung
  8. Erster Teil – Die prekäre Situation der Patienten
  9. Zweiter Teil – Selbsthilfe und Therapie
  10. Dritter Teil – Fehler im System