Steyr - Münichholz
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Steyr - Münichholz

Mustersiedlung - Glasscherbenviertel - Zukunftsmodell

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Steyr - Münichholz

Mustersiedlung - Glasscherbenviertel - Zukunftsmodell

Über dieses Buch

Der Stadtteil Steyr-Münichholz, 1938 auf dem Reißbrett entworfen, galt als größte nationalsozialistische Mustersiedlung und architektonisches Meisterwerk. Er sollte in Zeiten der Rüstungsproduktion Tausenden Menschen Arbeit und Heimat bieten. Die beiden Autoren, Kinder des Stadtteils, spannen einen Bogen vom Bau der Siedlungsanlage bis zum innovativen Modell der Stadtteilbelebung in den 1980er-Jahren. Damals gründete die beiden Autoren mit Gleichgesinnten den Bildungs- und Kulturarbeitskreis Steyr-Münichholz (BIK), ein Vorbild für moderne Bürgerbeteiligung und Gemeindeforschung. Für ihr Buch haben sie die Geschichte des Stadtteils profund recherchiert und mit eigenen Erinnerungen verwoben. Im Mittelpunkt steht das Leben des einfachen Volkes im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch den Widerstandskämpfern gegen den Faschismus wird ein Denkmal gesetzt. Zahlreiche Straßen in Münichholz sind nach ihnen benannt. Schließlich wird an die Zugehörigkeit des Stadtteils zu Oberösterreich erinnert: Erst am 16. Dezember 1958 wurde Münichholz – bis dahin Teil von Behamberg und niederösterreichisch – endgültig Teil von Steyr und somit Oberösterreich.Der Band enthält 100 historische, zum Teil erstmals veröffentlichte Fotos.

Häufig gestellte Fragen

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Information

Jahr
2019
ISBN drucken
9783850689915

1. Vorgeschichte

Die Einwohner der Gegend um den heutigen Stadtteil Steyr-Münichholz fristeten noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein sehr ruhiges Leben. Der zur niederösterreichischen Gemeinde Behamberg gehörende Teil der Katastralgemeinde Münichholz hat eine Fläche von 1,84 km2 und war im Jahr 1938 von 221 Bewohnern, vorwiegend Bauern, besiedelt.
Der trockene Schotterboden wies eine schlechte Qualität auf und eignete sich vorwiegend für den Anbau von Gemüse. Die ansässigen Bauern verdienten sich ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf von Gemüse, Obst, Brot und Milch auf den Märkten.
Einen entscheidenden Einschnitt in der Geschichte von Münichholz brachte der Einmarsch von Truppen aus Hitlerdeutschland am 13. März 1938 in Österreich. Mit der Eingliederung des österreichischen Wirtschaftsgebiets in das Deutsche Reich entstanden Pläne für eine Ausweitung der Stadt Steyr an mehreren Punkten, sodass die Einwohnerzahl von ehemals 21.000 durch die Eingemeindungen und den Zuwachs von Arbeitern und Militär auf 32.000 anstieg. Im Einklang mit den gebietlichen Veränderungen stand die Vorbereitung eines baulichen Großprojekts im Bereich Münichholz. Dazu war es vorerst notwendig geworden, die Bewohner des Gebiets auszusiedeln.
In der Zeit vom 22. September 1938 bis zum 18. August 1939 wechselten insgesamt 29 Anwesen den Besitzer. Ein Großteil der ehemaligen Münichholzer Bauern fand nun in der Umgebung von Steyr eine neue Heimat (Weistrach, Wachtberg, Dietach, Kronstorf, Kleinraming, Weichstetten, Waldneukirchen, Sierning, Wolfern ...)
Beim Einmarsch der Nationalsozialisten war Münichholz noch bäuerlich geprägt. Dieses Areal wurde allerdings als Wohngebiet ausgewählt, da die NS-Planer ihre Ideen auf »der grünen Wiese« verwirklichen wollten.
Die bestehenden Bauernhäuser waren also im Weg und mussten weichen. Widerspruch wurde nicht geduldet, aber die ansässigen Landwirte wurden vom Regime zumindest nicht schlecht behandelt; ihnen wurde finanzielle Entschädigung zugesichert. Dies erklärt auch die hohe Akzeptanz dieser Maßnahme unter den betroffenen Familien.
Die Landwirte Faderl und Eder erinnern sich (Interviews von Günter Rammerstorfer vom 31. März 1984):
»Ich (Herr Faderl) heiratete in die Familie Steinmayr ein (heute in der Konradstraße) und musste kurz darauf umsiedeln. Daraufhin fuhren Beauftragte des NS-Regimes mit den Betroffenen das Gebiet rund um Steyr ab (ab den 1920er-Jahren wurden dort viele Höfe aufgegeben bzw. schlitterten in den Ruin). Meine Familie ließ sich in Wolfern nieder, baute aus, eröffnete eine Gaststätte.«
Nach dem Krieg wurde diese Gaststätte unter dem Namen »Six Pence Bar« bekannt. Diese war als Ort für Partys bzw. zum Knüpfen erster Kontakte unter den Jugendlichen in der Umgebung beliebt.
»Ich, Franz Eder, war Besitzer des Ederhofes, siedelte nach Waldneukirchen und war dort von 1979–1991 Bürgermeister. Im ehemaligen Ederhof war lange Zeit die Mietenzahlstelle untergebracht.«
Vielen alteingesessenen Münichholzern ist dies vielleicht noch bekannt. Im Ederhof musste monatlich die Miete bar eingezahlt werden. Ein Abschnitt aus Papier bestätigte dies. Heute steht an der Stelle des Ederhofs das Pensionistenheim Münichholz, das Mitte der 1980er-Jahre dort als erstes Wohnheim dieser Art in Münichholz errichtet wurde.
Einige Bauern zierten sich und wollten mehr Geld. Als Beispiel kann hier der Lehmannhof (Plenklberg) angeführt werden. Dessen Besitzer hatte zu hoch gepokert, wurde zwangsweise enteignet und verarmte schlussendlich völlig.
Der Ederhof stand am Ende der heutigen Sebekstraße und war in den 1950er-Jahren Miet(zins)zahlstelle der WAG. Nun befindet sich dort ein Pensionistenwohnhaus.
Der Obere Huthof (Nähe Gusswerkstraße) bekannte sich nie richtig zu Münichholz (die Bewohner fühlten sich als Hinterberger). Das Gebiet war bei der Planung nicht im Weg und hatte so das Glück, dass es belassen wurde. Ursprünglich wäre jedoch geplant gewesen, auch diesen Hof aufzukaufen.
Auflistung der Bauernhöfe und Häuser (siehe Plan) im Bereich Münichholz und Hinterberg vor 1938 und, soweit bekannt, ihre spätere Heimat2
  1. Ederhof (Heiml) – Waldneukirchen
  2. Kleines Jägerhäusl
  3. Lueger (Dammerer) – Weistrach
  4. Gstöttner (Nusime) – kehrte nach dem Krieg wieder zurück, Haus existierte noch nach dem Krieg
  5. Mayr in der Au (Kampenhuber) – Wachtberg
  6. Plankhäusl
  7. Dammererhäusl
  8. Stöcklmayr – Kleinraming
  9. Bartlhuber (Böhm) – Zementwerk in Münichholz, Haager Straße
  10. Hainbuchner – Weichstetten
  11. Sunbauer
  12. Hobl (Mitterhuber)
  13. Treusch
  14. Seebacher – Sierning
  15. Czerto
  16. Strasser in (auf) der Reit – Dietach (Gasthaus Resch)
  17. Oberer Huthof – rechts der Bahnlinie vor dem Unteren Huthof
  18. Unterer Huthof – Weistrach
  19. Lehmannhof – neben Kindergarten Plenklberg (Holzstraße)
  20. Kalkbrenner Fürlinger war bis Ende der 1950er Jahre (ca. 1958) am Ende der Buchholzerstraße und danach bis 1970 in der Haratzmüllerstraße
  21. Steinmayr (Faderl) – Wolfern (Gasthaus)
  22. Fischlmayr
  23. Zirer
Ehemaliges Bauernhaus Steinmayr vulgo Faderl (heute Konradstraße).
...

Inhaltsverzeichnis

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Motto
  5. Inhaltsverzeichnis
  6. Vorwort
  7. Warum wir dieses Buch geschrieben haben
  8. 1. Vorgeschichte
  9. 2. Hintergründe der Entstehung
  10. 3. Die nationalsozialistische Mustersiedlung Münichholz
  11. 4. Schmelztiegel Münichholz
  12. 5. Die Lage der Bevölkerung in den Kriegsjahren
  13. 6. Kriegsende und Besatzungszeit
  14. 7. Niemandsland Münichholz
  15. 8. Straßennamen als Zeugen der Zeit
  16. 9. Alltag und Freizeit in den Nachkriegsjahren
  17. 10. Entwicklung der politischen Parteien in Münichholz
  18. 11. Kirche und Arbeiterbewegung
  19. 12. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstruktur
  20. 13. Neue Formen der Stadtteilarbeit: Der Bildungs- und Kulturarbeitskreis Steyr-Münichholz (BIK)
  21. Endnoten
  22. Über die Autoren
  23. Stadtteilbelebung durch erlebte Geschichte
  24. Weiters erschienen
  25. Bebauungspläne