Finanzierung in Fällen und Lösungen
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Finanzierung in Fällen und Lösungen

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Finanzierung in Fällen und Lösungen

Über dieses Buch

Das Basiswissen "Unternehmensfinanzierung".Anhand von 50 Beispielfällen mit ausführlichen Lösungsskizzen führt dieses Lehrbuch in das komplexe und teils abstrakte Thema der Unternehmensfinanzierung ein. Praxisnah und anschaulich vermittelt es Ihnen die elementaren Grundkenntnisse der relevanten Finanzierungsformen und der wichtigsten Finanzierungsderivate. Behandelt werden neben den begrifflichen und inhaltlichen Grundlagen unter anderem die Innenfinanzierung (einschließlich Factoring und Asset Backed Securities), die externe langfristige Eigenkapital- und Fremdfinanzierung (einschließlich Going Public und Finance Leasing), die sog. Mezzanine Finance (einschließlich Venture Capital und Projektfinanzierung), die kurzfristige Kreditfinanzierung, unbedingte bzw. bedingte Termingeschäfte (Futures, Forwards und Optionen) sowieFinanzswaps und Kreditderivate.Als "praktische" Fallsammlung eignet sich dieses Lehrbuch sowohl zur Vorbereitung auf die Prüfung als auch für die Anwendung in der täglichen Praxis.Inhalt: Begriffliche und inhaltliche Grundlagen.Innenfinanzierung.Eigenkapitalfinanzierung.Langfristige Fremd- bzw. Kreditfinanzierung.Mezzanine Finance.Kurzfristige Fremdfinanzierung.Finanzierungsderivate.

Information

Jahr
2015
Auflage
1
eBook-ISBN:
9783482786310

VI. Finanzierungsderivate

Fall 40: Merkmale und Ziele derivativer Finanzinstrumente

Nach einer Statistik der in Basel ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (engl.: Bank for International Settlements) betrug der weltweite Buchwert von außerbörslichen Derivategeschäften Ende 2014 gut 630 Billionen US-Dollar. Davon entfielen gut 381 Billionen US-Dollar auf sog. Zinsswaps, 80 Billionen US-Dollar auf sog. Forward Rate Agreements und um die 76 Billionen US-Dollar auf Derivate, die mit Devisengeschäften zu tun haben.1) Vergleicht man diese Zahlen mit dem weltweiten Bruttoinlandsprodukt für 2014 (laut Statista 77,61 Billionen US-Dollar),2) wird die enorme praktische Bedeutung des Derivatehandels in einer globalen Finanzwirtschaft deutlich. Zudem übt der Derivatehandel eine nahezu magische Anziehungskraft auf „Liebhaber des schnellen Geldes“ aus.

Aufgabe:

Geben Sie einen Überblick über die Grundformen derivativer Finanzinstrumente.
Erläutern Sie den Unterschied zwischen einem unbedingten und einem bedingten Termingeschäft auf der Grundlage eines Beispiels aus dem Exportgeschäft.
Verdeutlichen Sie die Grundidee einer Swap-Transaktion, indem zwei Kontraktpartner feste gegen variable Zinszahlungen miteinander austauschen.
Erläutern Sie den Begriff „Kreditderivat“.
Nennen Sie die wichtigsten Ziele, die sich mit Finanzierungsderivaten realisieren lassen.

Lösung:

Finanzierungsderivate, die auch als sog. Finanzinnovationen bezeichnet werden, zeichnen sich im Wesentlichen dadurch aus, dass ihr Preis bzw. ihre Wertentwicklung mittel- oder unmittelbar vom Preis eines zugrunde liegenden Basiswertes (sog. Underlyer, Underlying oder Basisgut) abhängt.3) Entsprechend steigt oder sinkt der Derivatepreis, wenn sich der Preis des Basiswertes verändert.
Mögliche Basiswerte sind Aktien, Aktienindizes (bspw. DAX), Devisen (fremde Währungen), Zinstitel (Anleihen), Zinsindizes (bspw. REX), Edelmetalle (bspw. Gold) sowie Waren (bspw. landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Weizen oder Bodenschätze wie Öl).
Abb. 65 gibt einen Überblick über die Grundformen von Finanzierungsderivaten.
ABB. 65: Grundformen von Finanzierungsderivaten
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Termingeschäfte sind dadurch charakterisiert, dass Vertragspartner bereits heute definitiv vereinbaren, welches Finanzinstrument in der Zukunft der eine Vertragspartner zu liefern und welchen Preis der andere Partner dafür zu zahlen hat. Insofern kann man sagen, dass bereits heute alle entscheidenden Vertragsparameter bzw. alle Rechte und Pflichten zwischen Käufer und Verkäufer eines Derivats feststehen.
Sind beide Vertragspartner (also Käufer und Verkäufer des Derivats) zur Leistungserfüllung aus dem Termingeschäft verpflichtet, spricht man von einem sog. unbedingten Termingeschäft: In einem bereits heute abgeschlossenen Vertrag werden die Bedingungen der künftigen Vertragserfüllung fest in einer Weise vereinbart, dass aus dem Recht des einen Vertragspartners analog die Verpflichtung des anderen Partners resultiert. Dieses symmetrische Vertragsverhältnis hat zur Folge, dass finanzielle Vorteile des einen zulasten des anderen Vertragspartners gehen.

Beispiel für ein unbedingtes Termingeschäft

Am 1. 1. vereinbart ein Industrieunternehmen mit einer Bank als unbedingtes Termingeschäft: In sechs Monaten verkauft das Unternehmen an die Bank 1 Mio. US-$ (Recht des Unternehmens) und bekommt im Gegenzug am 30. 6. von der Bank 1,2 Mio. € (Verpflichtung der Bank). Damit wissen beide Seiten bereits heute, was Ende Juni jeweils an den anderen Partner zu leisten ist. Am 30. 6. hat nun das Unternehmen die Verpflichtung, der Bank 1 Mio. US-$ zu liefern, was aus Bankensicht einem Rechtsanspruch auf US-Dollar-Belieferung gleichkommt. Insgesamt liegt damit ein symmetrisches Rechte-Pflichten-Verhältnis zwischen den beiden Vertragspartnern vor. Der Gegenwert der an die Bank zu liefernden 1 Mio. US-$ betrage aufgrund von zwischenzeitlich eingetretenen Wechselkursänderungen am 30. 6. 1,5 Mio. €. Das deutsche Unternehmen muss nun 1 Mio. US-$ an die Bank liefern und erhält den vereinbarten Gegenwert von 1,2 Mio. €. Ohne das unbedingte Termingeschäft hätte das Unternehmen einen um 0,3 Mio. € höheren Erlös aus dem direkten Umtausch der US-Dollar am Devisenmarkt erzielt. Aus Sicht der Bank ist dagegen ein Gewinn von 0,3 Mio. € entstanden: Für die 1 Mio. US-$ mussten nur 1,2 Mio. € hingegeben werden, obwohl die Dollar aktuell einen Marktwert von 1,5 Mio. € haben, den die Bank nun durch Veräußerung am Devisenmarkt realisieren kann. Würde sich der Gegenwert für 1 Mio. US-$ per 30. 6. auf bspw. 1 Mio. € reduzieren, hätte das Unternehmen einen Vorteil erzielt. Dank des unbedingten Devisentermingeschäftes kann es unabhängig von der künftigen Wechselkursentwicklung stets mit einem Gegenwert von 1,2 Mio. € kalkulieren, was die Planbarkeit von Ex- und Importaktivitäten mit anderen Währungsräumen erheblich verbessert.
Ein Devisentermingeschäft wird individuell zwischen zwei Vertragsseiten gestaltet, weshalb die Einbettung in einen organisierten Börsenhandel nicht möglich ist. Für diese außerbörsliche Abwicklung hat sich die Bezeichnung „Over The Counter“ (OTC) bzw. OTC-Geschäft eingebürgert. Als Oberbegriff für alle unbedingten und außerbörslichen Termingeschäfte hat sich der Ausdruck Forward etabliert.
Von den Forwards abzugrenzen sind die sog. Futures bzw. Financial Futures, die ebenfalls zur Gruppe der unbedingten Termingeschäfte gehören, aber als standardisierte Derivate im Rahmen eines Börsenhandels bereits seit 1848 in den USA organisiert sind.
Ist dagegen lediglich der Derivateverkäufer zur Leistungserfüllung verpflichtet, liegt ein sog. bedingtes Termingeschäft vor. Letzteres bedeutet aus Sicht des Derivatekäufers, dass dieser über ein Recht gegenüber dem Verkäufer verfügt, Vertragserfüllung zu verlangen falls er von seinem Recht Gebrauch macht. Wenn man ein Recht, aber keine Verpflichtung hat, etwas zu tun, spricht man von einer Option: Der Optionskäufer besitzt ein Wahlrecht, einen Basiswert zu bereits heute fixierten Bedingungen künftig zu erwerben oder zu veräußern. Entsprechend existieren aus Käufersicht sog. Kaufoptionen und sog. Verkaufsoptionen, die von einem Optionsverkäufer angeboten werden können. Für den Optionsverkäufer resultiert aus seiner eingegangenen Leistungsverpflichtung, dass er ggf. den Basiswert an den Optionskäufer liefern oder von ihm erwerben muss. Ob der Verkäufer der Option zu reagieren hat, hängt stets vom Verhalten des Optionskäufers ab, weshalb man ihn auch als sog. „Stillhalter“ bezeichnet: Der Verkäufer kann nach Abschluss eines Optionsvertrages nur abwarten, aber nicht selbst bzw. unabhängig von einer Aktion des Käufers agieren.

Beispiel für ein bedingtes Termingeschäft

Ein deutsches Unternehmen erwartet in drei Monaten den Eingang eines Umsatzerlöses aus einem Exportgeschäft i. H. v. 1 Mio. US-$. Es erwirbt von seiner Bank das Rech...

Inhaltsverzeichnis

  1. Titel
  2. Copyright-Hinweis
  3. Vorwort
  4. I. Einführung
  5. II. Innenfinanzierung
  6. III. Eigenkapitalfinanzierung
  7. IV. Fremdkapitalfinanzierung
  8. V. Mezzanine Finance
  9. VI. Finanzierungsderivate

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