In unseren vorherigen Arbeiten zur aristotelischen Zoologie rückte nach der Frage zur Klassifikation der Tiere in der Historia animalium die Frage nach den verlorengegangenen Bildern zur Aristoteles' Zoologie in den Vordergrund: Wie mögen sie ausgesehen haben und welche Rolle hatten sie für das Verständnis der Texte? Die Idee einer Rekonstruktion des aristotelischen Anatomieatlasses kam auf und schien nach unserer Untersuchung zu den Anforderungen an ein solches Unternehmen auch möglich. Aber die Wahrscheinlichkeit für ein Gelingen dieses Vorhabens stand und fiel von Anfang an mit dem wohl schwierigsten Begriff aus der Zoologie des Aristoteles: bránchia, üblicherweise mit 'Kiemen' übersetzt. Wie könnten die Angaben zu dieser anatomischen Struktur in den zoologischen Schriften des Corpus Aristotelicum visualisiert gewesen sein? Die Auseinandersetzung mit dieser Frage führte zu einem Manuskript, das den Rahmen eines Aufsatzes für eine Fachzeitschrift sehr bald sprengte. Das angestrebte Ergebnis entstand dabei nicht. Dafür entstand die Rekonstruktion der Geschichte eines Begriffs, angefangen mit dem Auftauchen seiner frühesten literarischen Spuren.

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Was ist eine Kieme?
Zur Geschichte des Kiemenbegriffes von der Antike bis zur Moderne
- 149 Seiten
- German
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Zur Geschichte des Kiemenbegriffes von der Antike bis zur Moderne
Über dieses Buch
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Information
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9783736977686
Auflage
1Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Methode
- Heutige Vorstellungen von Kiemen bei Laien
- Kiemen in der Antike
- Die Herkunft von βράγχια
- Βράγχια bei Anaxagoras und Diogenes Apollonius
- Die in De respiratione diskutierten Atemtheorien von Empedokles, Demokrit und Platon
- Aristoteles’ Atemtheorie und warum Fische nicht atmen
- Βράγχια in der Klassifizierung anatomischer Begriffe bei Aristoteles
- Eine, zwei, vier oder fünf Kiemen, einfache und doppelteKiemen – helfen die Zahlenangaben bei Aristoteles?
- Die Funktion der βράγχια
- Was sind βράγχια?
- Analogie
- Krebse und Tintenfische haben keine Kiemen
- Plinius und Galen
- Kiemen von der Renaissance bis zur Aufklärung
- Rondelet ‒ Krebse und Tintenfische haben auch Kiemen
- Willughby – der Blutkreislauf und die mikroskopische Ebene
- Von Artedi zu Lacépède – Kiemenmerkmale als differentiae
- Kiemen als Organe des Gasaustausches
- Kiemen im 19. Jahrhundert
- Lamarck ‒ „Luftkiemen“
- Holo- und Hemibranchien
- Oken – Insektenflügel sind Kiemen
- Owen ‒ Kieme als homologe Struktur und Metapher
- Innere Kiemen
- Zusammenfassung und Diskussion
- Literaturverzeichnis
- Register