In den bisherigen Entwürfen einer Literatur- und Kulturgeschichte des Neids gilt das späte 18. Jahrhundert als Wendepunkt: Während mittelalterliche Theologen Neid als Sünde des Teufels verurteilt hätten, funktioniere die Distinktionsemotion in der Moderne als Instrument der Reflexion des Sozialen. Dieses Narrativ widerlegt die vorliegende Studie, indem sie anhand mittelhochdeutscher und lateinischer Texte des 12. und 13. Jahrhunderts nachweist, dass das Erzählen von Neid zur Verhandlung höfischer Ordnung genutzt wird. Ausgehend von einer differenzierten Betrachtung der evaluativen, relationalen, motivationalen und deutenden Dimension von Neid kommt die Studie zu drei Ergebnissen: Erstens stört Neid die höfische Ordnung nicht nur, ihm kommen trotz des Status als Hauptsünde auch ordnungsbewahrende Funktionen zu. Zweitens wird Neid in den Narrationen als Form strategischen Erzählens zur Rezeptionslenkung eingesetzt. Drittens trägt das Erzählen von Neid dazu bei, die Bruchstellen einer auf Gunst basierenden Herrschaftsordnung aufzuzeigen und Veränderungen am Hof zu legitimieren. Auf diese Weise leistet die Studie einen wichtigen Beitrag sowohl zur Debatte um die Neubewertung negativer Emotionen als auch zur historischen Narratologie.

- 336 Seiten
- German
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Thema
LiteratureInhaltsverzeichnis
- Title Page
- Copyright
- Contents
- Danksagung
- Neid – eine Emotion der Moderne? Eine Vorbemerkung
- 1 Einleitung – Keies Neid und die Ordnung des Artushofes
- 2 Annäherungen. Hartmanns Iwein und die historischen Diskurse des Neids
- 3 Methodische Überlegungen
- 4 Der Neid auf den Günstling
- 5 Die Vielen und der Eine
- 6 Neidische Minnefeinde
- 7 Der Protagonist und der Neider vor Gericht
- 8 Der Neid und die höfische Ordnung – Überlegungen zum Schluss
- Register
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