Was unter dem Begriff Kindeswohl verstanden und wie der Begriff im Sorge- und Umgangsrecht verwendet werden soll, ist von enormer praktischer Relevanz. Jedes Jahr sind 150 000 bis 200 000 minderjährige Kinder von der Trennung und Scheidung ihrer Eltern betroffen. Um die Umstände des jeweiligen Einzelfalls aufzugreifen, muss jedoch Bezug auf eine grundlegende Bestimmung des Kindeswohlbegriffs genommen werden. Das ist bisher nicht hinreichend erarbeitet. Die Regelvermutung der aktuellen justiziellen und politischen Praxis, dass Umgang mit beiden Eltern dem Kindeswohl dient, lässt sich mindestens in Fällen von häuslicher Gewalt infrage stellen. Überhaupt ist es äußerst fraglich, ob das individuell Beste eines bestimmten Kindes im Vorfeld erkannt werden kann. Es wird sich zeigen, so das Fazit dieser Untersuchung, dass eine positive Kindeswohlbestimmung mit einem individualistischen Kindeswohlbegriff, der sich aus ethischen Standards, wie den internationalen Menschenrechtskonventionen, speziell der UN-Kinderrechtskonvention, oder der nationalen Verfassung herleitet, nicht zu vereinbaren ist.

- 209 Seiten
- German
- PDF
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - PDF
Über dieses Buch
375,005 Studierende vertrauen auf uns
Zugang zu über 1,5 Millionen Titeln zu einem fairen monatlichen Preis.
Mit unseren Lerntools kannst du noch effizienter lernen.
Information
Auflage
0Inhaltsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Normative Bedeutung und Implikationen desKindeswohls
- 2.1 Der Diskurs um das Kindeswohl
- 2.2 Theorie und Praxis rechtsphilosophischerÜberlegungen
- 2.3 Die Verantwortung der Erwachsenen für dasKindeswohl
- 2.4 Kindeswohl als Rechtsterminus
- 2.5 Kindeswohl als unbestimmter Rechtsbegriff
- 2.6 Kindeswohl in der Rechtsanwendung
- 2.7 Zusammenfassung der moralphilosophischenÜberlegungen und die Bedeutung für diePraxis
- 3 Kindeswohl im Sorge- und Umgangsrecht
- 3.1 Trennungen und Scheidungen
- 3.2 Intention und Beweggründe der Kindschaftsrechtsreformvon 1998
- 3.3 Gegenwärtige Rechtslage im Sorge- undUmgangsrecht
- 3.4 Zusammenfassung: Bedeutung derPositivbestimmung des Kindeswohlbegriffs imFamilienrecht
- 4 Bezüge zum Leitbild der Kindschaftsrechtsrefor
- 4.1 Empirische Forschungsergebnisse derTrennungs- und Scheidungsforschung
- 4.2 Bezugnahme auf die UN-Kinderrechtskonvention
- 4.3 Einfluss gesellschaftlicher Bilder im Sorge- undUmgangsrecht
- 4.4 Gleichstellungsansprüche der Geschlechter
- 4.5 Zusammenfassung und Auswertung derIntentionen des Kindeswohlbegriffs
- 5 Der Wille des Kindes im Umgangsverfahren
- 5.1 Berücksichtigung des Kindeswillens
- 5.2 Kindeswille im Kontext von Kindeswohlgefährdung
- 5.3 Kindeswohl und Kindeswille
- 5.4 Wille und Recht des Kindes auf Umgang
- 5.5 Zusammenfassung: Allgemeine Grundsätze zurBerücksichtigung des Willens von Kindern imfamilienrechtlichen Verfahren
- 6 Kindeswohl und häusliche Gewalt
- 6.1 Opfer häuslicher Gewalt
- 6.2 Kinder im Kontext von Partnerschaftsgewalt
- 6.3 Gewaltfamilien nach Trennung
- 6.4 Der Bezug zu internationalen Konventionen
- 6.5 Empirische Erhebungen zur Partnerschaftsgewaltund Umgangsrecht
- 6.6 Zusammenfassung: Kindeswohl und Kinderschutzim Ausnahme-/Regelverhältnis
- 7 Gesamtzusammenfassung undSchlussfolgerung
- 7.1 Bestimmung und Auslegung des Kindeswohlbegriffsim Sorge- und Umgangsrecht
- 7.2 Problemfelder eines wirksamen Kinderschutzesbei häuslicher Gewalt
- 7.3 Forderungen an künftige Rechtssprechung
- 7.4 Kindeswohl aus philosophischer Perspektive undAusblick
- Literaturverzeichnis